Wesel und antike Römerstadt in Xanten

7. August 2021: Anreise

Lotti ist schon einen Tag zuvor nach Berlin gekommen. Reisen soll ja möglichst stressfrei sein. Gegen 11 Uhr ist das Frühstück beendet und das Gepäck im Auto verstaut. Die erste Etappe führt von Berlin nach Wesel in Nordrheinwestfalen. Fast 600 km liegen vor uns. Aber die Fahrt ist kurzweilig. Ein paar kleinere Staus auf der A2, so ganz ohne geht es wohl nicht, drei kleinere Pausen. Wir kommen gut voran. Wesel kann nicht mehr weit sein. Die letzte Strecke führt über Land, durch ein bisschen Wald, entlang an Feldern und Wiesen. Gegen 18 Uhr haben wir Wesel erreicht. Die Ferienwohnung befindet sich am Rande der Stadt im Holunderhain, gleich davor ein großer Parkplatz. Hier werden wir also 5 Tage wohnen.

Ferienwohnung in Wesel

Nach einen sehr freundlichen Begrüßung bestaunen wir die moderne, komplett eingerichtete Ferienwohnung: Flur, Küche, Wohnzimmer, 2 Schlafzimmer, Bad; alles großzügig und geschmackvoll. Lotti kriegt sich gar nicht mehr ein, an alles ist gedacht, nichts fehlt. Sie mag das gar nicht glauben. Sie entdeckt noch eine Kammer mit WVA, Staubsauer, Reinigungsmittel, Wäscheständer. Überall modernste Technik, mehrere Fernseher, HiFi-Anlage. Einfach eine tolle Wohnung.

Nach dem Besichtigen und Auspacken starten wir mit dem Auto in Richtung Wesel-Zentrum. Hier suchen wir nach einer Gaststätte und landen am Markt in einem Restaurant mit asiatischer Küche.

8. August 2021: Xanten und Colonia Ulpia Traiana

Gleich heute wollen wir in das gut 20 km entfernte Xanten fahren, um uns eine zu Teilen wieder aufgebaute Römerstadt anzuschauen. Darauf habe ich mich schon lange gefreut. Nach der Rheinüberqu erung ist es bis Xanten nicht mehr weit. Auf dem Varusring passiert man die Altstadt bis zum Nibelungen Platz und findet dort einen der Parkplätze am LVR-Archäologischen Park (LVR = Landschaftsverband Rheinland). Der „Eingang Stadtzentrum“ ist wegen Bauarbeiten geschlossen.

Stadtmauer der Colonia Ulpia Traiana

Ein kleiner Fußmarsch führt entlang der römischen Stadtmauer zum „Eingang Hafentempel“. An der Kasse hat sich eine kleine Besucherschlange gebildet. In Corona-Zeiten dauert durch die Kontrollen alles ein bisschen länger. Schließlich haben wir für je 9€ die Eintrittstickets und betreten durch das großes Stadttor das Gelände der ehemaligen römischen Stadt Colonia Ulpia Traiana, heute das größte archäologische Freilichtmuseum Deutschlands, das erst vor einigen Tagen (27. Juli 2021) in das UNESCO-Welterbe aufgenommen wurde

Colonia Ulpia Traiana (CUT) war in den germanischen Provinzen mit mehr als 10.000 Einwohnern eine der größten Städte (= Colonia) in der Antike. Ihren Namen erhielt sie von Kaiser Trajan. Zuvor gab es in der Nähe ein großes Legionärslager und einen Hafen am Rhein, um den sich eine Siedlung entwickelte. Um 100 n.Chr. ließ Kaiser Trajan diese Siedlung als Stadt neu konzipieren, wobei den Wohn- und Gewerbegebieten ein einheitliches Raster zugrunde gelegt wurde. Das geplante Stadtgebiet wurde in 20 Häuserkarrees aufgeteilt (insuela). Eine Insuela wurde wiederum in 20 gleichgroße, rechteckige, 600 Quadratmeter umfassende Grundstücke aufgeteilt. Die Bebauung zur Straßenseite war einheitlich, die Gebäude waren etwa gleich hoch, die Bürgersteige waren überdacht.

Antike Spuren und Artefakte liegen relativ dicht an der Oberfläche, so dass hier bis heute auf freiem Feld reiche archäologische Funde ans Tageslicht kommen. Und es entstand die Idee, die antike Stadt in ihren Grundstrukturen zu rekonstruieren. So wurden die Stadtmauer mit ihren Türmen und Toren, zahlreiche Gebäude mit unterschiedlichen Funktionen, das Amphitheater, zwei Tempel, verschiedene Werkstätten, eine Schiffswerft, eine Mühle teilweise oder vollständig an den Originalstandorten im Maßstab 1:1 mit den gleichen Materialien wieder errichtet.

Links neben dem Hafentor erstreckt sich eine römische Herberge mit Gasthaus, Imbissstand und die Werkstätten der Knochenschnitzer und Schuhmacher. Unglaublich beeindruckend der Stand von Kultur und Technik. Kostbare Möbel, Wandmalereien, teures Glas und Geschirr, Kissen, Decken und Teppiche, Fliesen, Fußbodenheizungen, Kräne, Wasserleitungen für Frisch- und Abwasser, … Im Innern der Herberge befindet sich ein Badehaus. Luxus pur.

Rekonstruierter antiker Baukran

In drei Werkstatthäusern wird das Leben von Handwerkern und deren Familien anschaulich nachempfunden: Unter welchen Bedingungen haben Schmied, Weber und Bronzegießer gelebt und gearbeitet. Vor dem zu großen Teilen wieder errichteten Amphitheater steht ein hölzerner Baukran, der mit einem ausgeklügelten Flaschenzugsystem schwere Lasten heben konnte.

Das ovale Amphitheater befindet sich am östlichen Rand der Stadt. Es ist so groß angelegt, dass alle Stadteinwohner darin Platz finden konnten. In dem ringförmigen Gewölbe unter den Sitzreihen befanden sich Vorbereitungsräume der Gladiatoren und Käfige für Wildtiere. Heute ermöglicht ein musealer Rundgang einen Einblick in dieses Geschehen.

Nachgebautes Schiff

Interessant ist auch die römische Schiffswerft. Hier wurden verschiedene römische Schiffe aus Holz nachgebaut. Dazu gehören zwei Fischerboote, ein Plattbodenschiff mit geringem Tiefgang, das zum Transport von Handelswaren bzw. Baustoffen diente, ein Lastensegler von 18 Meter Länge, der wohl als Truppentransporter eingesetzt wurde, und eine 18 Meter lange Patrouillen- und Kriegsgaleere mit einem Unterwasserrammsporn.

LVR Römer-Museum

Unweit der Schiffswerft erreicht man das Römer-Museum, einen modernen 70 Meter langen und 20 Meter hohen Museumsbau aus Stahl und Beton, der sich über den ausgegrabenen Fundamenten der Eingangshalle des römischen Stadtbads erhebt. 2500 Ausstellungsstücke veranschaulichen dem Besucher an Beispielen das antike römische Leben und die Kultur der römischen Gesellschaft. Von hier aus gibt es auch einen Zugang in den riesigen Schutzbau, der über der zerstörten Großen Therme errichtet wurde. Mit Phantasie kann man versuchen, sich das Leben in einer solchen Anlage vorzustellen. Was für ein Luxus.

Nordtor der Stadtmauer

Auf dem Rückweg treffen wir wieder auf die Stadtmauer. Das gewaltige Bauwerk ist 6 Meter hoch und umrundet mit 3,4 Kilometer die gesamte Stadt. Auf der Mauerkrone verläuft ein Wehrgang. Auch Türme und Stadttore wurden rekonstruiert. Hervorzuheben ist das repräsentative Nordtor, vor dem wir jetzt stehen. Die dreigeschossige Anlage wird von zwei mächtigen Türmen gerahmt. Im Durchgang ist ein schweres Fallgitter angebracht. Ein Teil des Wehrgangs, einige Türme, so auch das Nordtor, sind begehbar.

Hafentempel

Aber es ist schon spät. Um 18 Uhr schließt der Park seine Tore. Schnell noch einen Abstecher zum Hafentempel. Dieses eindrucksvolle Bauwerk war einer Gottheit geweiht, welcher ist unbekannt. Der Name Hafentempel ist funktional (nahe dem Hafen und dem Hafentor) und stammt aus der Gegenwart. Wir erklimmen über eine breite Treppe das Podium des Tempels und könnten von hier aus – wenn es Corona nicht gäbe – in den Kultraum (die Cella) gelangen. Ein Blick nach oben zu den vier hohen Säulen, die das den Kultraum schützende Dach tragen. Doch auch die Zeit drängt und es fängt zudem noch zu nieseln – als schnell ein paar Fotos geschossen und flotten Schrittes zurück zum Hafentor.

Restaurant „Die Börse“

Die Xantener Altstadt ist nicht weit. Wir halten Ausschau nach einem Restaurant für das Abendessen. „Die Börse“ am Markt, hier finden wir Platz, Speis und Trank.

9. August 2021: Xanten –Dom und SiegfriedMuseum

Nach der antiken Römerstadt steht heute das gegenwärtige Xanten auf unserem Entdeckungsprogramm. Ein Sprung in die Gegenwart: Von Colonia Ulpia Traiana nach Xanten. Von einer antiken Metropole in eine idyllische ländliche Kleinstadt mit gut 21.000 Einwohnern im Bundesland Nordrheinwestfalen nahe der niederländischen Grenze.

Alter Bahndamm

Bei der Überquerung des Rheins fällt ein kilometerlanges, offensichtlich nicht mehr genutztes Bauwerk in den Blick. Was mag das wohl sein? Wir tippen auf eine weitere römische Hinterlassenschaft, auf ein Aquädukt. Das wollen wir uns spontan aus der Nähe ansehen. Wie kommt man da heran? Mit dieser Idee geht eine kleine Irrfahrt los. Fahren, wenden, einen Bogen schlagen, mehrmals rückwärts stoßen, neuen Anlaufen nehmen, von einer normalen Landstraße auf einen Feldweg abbiegen. Irgendwann haben wir den Zielpunkt erreicht und stellen erstaunt fest, nichts Römisches liegt vor uns, sondern ein alter Bahndamm. Na gut, wäre das auch geklärt.

Parken scheint in Xanten kein Problem zu sein. Oder wir haben einfach Glück. Zunächst wird die Altstadt per Fuß erkundet. Schnell landen wir auf dem zentralen Marktplatz, auf dem heute tatsächlich ein reges Markttreiben herrscht.

Von hier aus sind es nur ein paar Schritte bis zum Dom St. Viktor. Der Name geht auf den römischen Legionär Viktor von Xanten zurück, der im 4. Jahrhundert im nahegelegenen Legionslager Vetera wegen seines christlichen Glaubens hingerichtet worden ist. Das imposante gotische Gebäude dominiert die Altstadt. Schon aus der Ferne sind die über 70 Meter hohen Türme zu sehen. Im Innern beeindrucken die Größe und Ausstattung. Nichts erinnert an die Zerstörungen durch Luftangriffe im Februar 1945. Ein begrünter Innenhof wird von einem Kreuzgang umgeben. Von hier aus gelangt man direkt in den Museumshof und das StiftsMuseum.

Wir machen eine Pause im Café Moll, einer Bäckerei mit Gastronomie direkt am Markt gelegen. Ein Besuch ist empfehlenswert.

SiegfriedMuseum in Xanten

Anschließend gehen wir auf direktem Weg zum SiegfriedMuseum (Eintritt: 4€). Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Nibelungenrezeption im Zeitraum von 600 Jahren. Siegfried, Held der Nibelungensage, wurde in Xanten geboren. So ist es keine Überraschung, dass sich gerade hier ein Museum mit der Geschichte und den zeithistorischen Interpretationen des Nibelungenliedes auseinandersetzt. Um das Jahr 1200, so lesen wir, schrieb ein unbekannter Dichter an die 2400 Strophen der Heldensaga um den Drachentöter Siegfried, um Kriemhild, Brünhild, König Gunther, Hagen von Tronje auf. Es geht um den Schatz der Nibelungen, um Heldenmut, Treue, Verrat,  Rache, Liebe und Hass. Im 18. Jahrhundert wurden die Schriften wiederentdeckt und in fast allen Künsten reflektiert und in Werken manifestiert. Ein großartiges Beispiel ist der Opernzyklus von Richard Wagner: „Das Rheingold“, „Die Walküre“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung. Das Nibelungenlied wurde 2009 zum UNESCO- Weltdokumentenerbe erklärt.

Der Rückweg zum Auto führt uns noch einmal über den Markt vorbei am Rathaus und in den wunderschönen Kurpark. Bevor wir nach Wesel zurückfahren, machen wir kurzentschlossen noch einen Abstecher zum Xantener Hafen an der Südsee. Klingt mehr als es ist, aber auch einsetzender Regen und auffrischender Wind lassen uns diese Stippvisite schnell beenden.

10. August 2021: UNESCO-Weltkulturerbe Zeche Zollverein

Wir fahren nach Essen, um die Zeche Zollverein, einst größte und leistungsstärkste Steinkohlenzeche der Welt und die größte Zentralkokerei Europas – seit 2001 UNESCO-Weltkulturerbe, zu besichtigen. Das Auto parken wir auf Parkplatz A1 kostenlos. Auf einem Gelände von etwa 100 Hektar lässt sich Industriegeschichte nachvollziehen. Die ehemaligen Schachtanlagen XII, 1/2/8 sind jederzeit kostenfrei zugänglich.

Förderturm Zeche Zollverein

Es werden auch öffentliche thematische Führungen angeboten. Bei Interesse sollte man Tickets für bestimmte Themen und Zeitfenster vorher online buchen. Unsere Erfahrung: Die Nachfrage übertrifft oft die Tourkapazität von 20 Personen (Corona!). Wir bekommen glücklicherweise noch Tickets (10€) für eine Besichtigungstour am Nachmittag, haben also Zeit, selbst das ausgedehnte Gelände mit all den Gebäuden und technischen Anlagen kennenzulernen. Eine zweite Erfahrung: Man sollte gut zu Fuß sein, wenn man einen ausgedehnten Rundgang durch das Gelände startet (Alternative: Geführte E-Bustouren).

Wir organisieren uns im Besucherzentrum einen Lageplan und folgen der ausgewiesenen roten Linie. Natürlich fällt sofort der riesige Förderturm ins Auge. Vorbei am Ehrenhof, dem Niederdruckkompressionshaus (heute: Restaurant Casino Zollverein) und Kesselhaus (heute: Red Dot Design Museum) mit Blick auf riesige Kühltürme kommen wir zur Maschinenhalle (heute: Kunstschacht Zollverein), daneben die Fördermaschinenhalle (heute: Denkmalpfad Zollverein) und die ehemalige Waschkaue (heute: PACT Zollverein). Ein paar Meter entfernt entdecken wir das Gebäude der Folkwang Universität. Einen großen Bogen schlagend kommen wir zur ehemaligen Kokerei, eine riesige Anlage, in die inzwischen ein Werkschwimmbad und eine saisonale Eisbahn eingebaut wurden. Nach der Umrundung der Kokerei spazieren wir durch eine natürliche Landschaft, dem Skulpturenwald, in dem verschiedene Skulpturen zu entdecken sind. Zurück am Besucherzentrum, dem Ausgangspunkt unseres ausgedehnten Marsches, machen wir in einem kleinen Imbissbereich eine Pause und stärken uns.

Unsere Tickets gelten für die Führung ‚Kohlenwäsche mit Ausblick‘, die 14:30 Uhr startet. Sie führt  durch die Kohlenwaschanlage und dauert 60 Minuten. In einem Informationsfaltblatt ist zu lesen: Die ehemalige Kohlenwäsche ist mit 90 Metern Länge, 30 Metern Breite und 40 Metern Höhe das größte Gebäude der Zeche Zollverein. Durch die anschaulichen Erklärungen erfahren wir, in welchen Schritten und wie die Rohsteinkohle durch Sortierung, Klassierung, Zwischenspeicherung und Verteilung zur weiteren Verwendung aufbereitet wurde. Als Höhepunkt des Rundgangs ist ein Austritt auf das Panoramadach geplant und wird auch angeboten. Aber leider hat inzwischen ein heftiger Regen eingesetzt, sodass nur wenige Besucher von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Wir bleiben im Trockenen. Bei diesem Regenguss ist ohnehin nicht viel zu sehen.

Es ist eine beeindruckende Erfahrung, mit welchem Aufwand der Energieträger Steinkohle gewonnen wurde. Aber ist genauso beeindruckend, wie mit dem 1986 stillgelegten Förderbetrieb (Die Kokerei arbeitete noch bis 1993.) als Ganzes umgegangen wurde. Schritt für Schritt wurden ein Erlebnis- und Freizeitpark, Gastronomie, Sportmöglichkeiten, Ateliers für unterschiedliche Künste, Einrichtungen für Wissenschaften und Forschung, Angebot für naturwissenschaftliche Experimente, Raum für Ausstellungen und Aufführungen und nicht zuletzt die historische Bewahrung von Bergwerksarchitektur und Bergwerksgeschichte geschaffen.

11. August 2021: Wesel am Niederrhein
Wesel ist eine Stadt am Niederrhein mit mehr als 60.000 Einwohnern. Hier mündet der Fluss Lippe in den Rhein und mehrere Seen befinden sich in

Willibrordi-Dom


unmittelbarer Umgebung der Stadt. So gibt es vielfältige Freizeitangebote in der Natur wie Bade- und Wassersportmöglichkeiten, gut ausgebaute Fuß- und Radfahrwege. Aber auch historisch ist Wesel nicht uninteressant. Das erkunden wir heute. Wir parken in Zentrumsnähe und spazieren zum Großen Markt. Natürlich fällt sofort das imposante Kirchengebäude, der Willibrordi-Dom, ins Auge. Die spätgotische Basilika, erbaut im 16.Jahrhundert, ist die evangelische Stadtkirche von Wesel. Wir schauen uns das Kircheninnere an. Historische und moderne Elemente sind stilvoll miteinander verbunden.

Bei einem Rundgang um die Kirche fällt eine Inschrift auf:  Dem Diakon der Kirche und spaeteren Gruender von New York Peter Minuit zum Gedächtnis.

Rathaus

Wer war Peter Minuit? Eine Recherche ergibt: Minuit wurde Ende des 16. Jahrhunderts in Wesel geboren. Er reiste wahrscheinlich als ein Vertreter der holländischen „West­in­di­sche Com­pa­gnie“ nach Nieuw Amsterdam, dem heutigen Manhattan, in die Keimzelle des heutigen New York. Er wurde Gou­ver­neur der kleinen Ko­lo­nie und hatte maßgeblichen Anteil an deren prosperierender Entwicklung. Vielleicht deshalb wurde er lange Zeit als Gründer von New York angesehen. Nach 6 Jahren wurde er als Gou­ver­neur abgelöst und kehrte nach Europa (Kleve) zurück. Minuit kam bei einer Reise, auf der sein Schiff in einen Hurrikan geriet, ums Leben.

Soweit die Kurzform. Auf dem Großen Markt ist das Rathaus nicht nur ein Blickfang, sondern auch das Wahrzeichen des Stadt Wesel. Erbaut im 15. Jahrhundert im spätgotischen Stil. Nach seiner Zerstörung im II. Weltkrieg wurde es mit einer rekonstruierten Fassade wieder aufgebaut.

Vom Großen Markt schließt sich eine belebte Fußgängerzone an. Auf einer grauen Straßenmarkierung, dem „Hanseband“, sind alle 185 Städte aufgeführt, die dem Hansebund angehörten. Auch Wesel ist eine Hansestadt. Und noch etwas fällt auf: Wesel ist offensichtlich eine Esel-Stadt. Viele bunte Esel stehen in der Bummelmeile, aber auch Esel auf Stein oder Bronze sind zu entdecken. Der Esel ist das Symboltier von Wesel. Dem liegt die Echo-Antwort auf die Frage: Wer ist der Bürgermeister von Wesel? zugrunde. Nicht zu verwechseln mit dem Wappentier von Wesel. Das ist das Wiesel.

Wesel kann auf eine umfangreiche Militärgeschichte verweisen und war mal eine Festungsstadt. Die Befestigungsanlagen wurden Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut. Heute sind davon noch das barocke Berliner Tor und Teile der Zitadelle erhalten.

 

Wir erreichen die Zitadelle, damals Kern der Stadtfestigung, heute Museum, Musik- und Kunstschule und Archiv. Anfangs haben wir von Wesel überhaupt nichts gewusst. Doch all das, was wir in der kurzen Zeit erfahren bzw. kennengelernt haben, setzt uns doch in Erstaunen. So auch die Information, dass die Zitadelle Wesel mit ihren fünf Bastionen eine der größten erhaltenen Festungsanlagen des Rheinlands ist.

Auf jeden Fall möchte ich dem im ehemaligen Getreidedepot der der Zitadelle beheimateten LVR-Niederrheinischem Museum einen Besuch abstatten. Der Eintritt kostet 4,50€. Lotti ist nicht in Museumslaune. Sie macht es draußen auf der Wiese unter einem Baum bequem und meint: Du kannst dir ruhig Zeit lassen.

In dem modernen Museum setzte ich mich zuerst in das begehbare Videopanorama der Stadt Wesel. Was für eine gelungene Präsentationsidee. In fünf Videos werden Episoden aus der Stadtgeschichte veranschaulicht; u.a. erfahre ich etwas über die Fraterherren: Sie  gehörten dem Orden „Brüder des gemeinsamen Lebens“ an, der eine neue Frömmigkeit auf der Basis einer persönlichen Gottesbegegnung predigte. In Wesel hatten die Fraterherren eine Bibliothek mit über 800 Büchern, wovon im Ausstellungsbereich mehrere präsentiert sind; u.a. ein 1516 gedrucktes Neues Testament in deutscher Sprache. Das war sechs Jahre bevor Martin Luther das Neue Testament ins Deutsche übersetzte. Die Fraterherren wollten mit ihren praktischen religiösen Gedanken insbesondere die städtische Bevölkerung erreichen.

Ausgangspunkt der Präsentationen in der Ausstellungen sind die Episoden des Stadtpanoramas. Jedenfalls gibt es viel zu sehen und Interessantes zu erfahren. So dauert mein Museumsbesuch wohl an 1,5 Stunden. Die Wartezeit hat Lotti bei bester Stimmung überstanden.

Ich jedenfalls hätte gern auch Einzelheiten über den preußischen Majors Ferdinand von Schill, der an den Freiheitskriegen gegen Napoleon teilgenommen hatte, und seiner elf Offiziere, die in Wesel zum Tode verurteilt und hingerichtet worden sind, erfahren. Seit dem 200. Todestag im Jahre 2009 präsentiert das Städtische Museum Wesel in der Schill-Kasematte eine thematische Dauerausstellung.

In einem Lokal am Kornmarkt machen wir eine Tapas-Pause, ehe wir uns am späten Nachmittag auf den Weg zur Rheinpromenade machen. Der breite Fluss ist gut befahren; flussabwärts wie flussaufwärts bahnen sich Schiffe unterschiedlichster Art ihren Weg. Unser Spaziergang führt uns zunächst am Rhein entlang und dann rund um einen kleinen Flugplatz. Wir können aus nächster Nähe das Starten und Landen von Segelflieger beobachten. Eine neue Erfahrung. Hier stoßen wir auch wieder auf den alten Bahndamm. In ihm sind Hangars für Kleinflugzeuge eingelassen. Ich entdecke ein Hinweisschild mit der Aufschrift „Tante Ju“. Sofort fallen mir der Besuch des Technikmuseums in Dessau und die „Ju 52“ ein. Weit gefehlt. Es ist nur eine Imbissbude, die sich diesen Namen gegeben hat.

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