Valencia

25. April 2022: Von Berlin nach Valencia

Unsere erste Station ist Valencia. Unser Flug von Berlin nach Valencia startet um 15:15 vom Flughafen Berlin-Brandenburg BER. Wir haben also alle Zeit der Welt pünktlich am Flughafen zu sein. Lotti reist mit dem Zug aus Waren an, der sehr bequem für Flugpassagiere direkt im Bahnhof unter dem Terminal 1 hält. Ich komme mit dem Berliner Flughafenzubringer FEX zum BER. Das klappt alles ganz wunderbar. Wir treffen uns im Bereich der Gepäckaufgabe. Hier ist „Selbst ist die Frau“. Mit Hilfe des Boarding Passes eine Gepäckbanderole ausdrucken, am Koffer befestigen und diesen auf das Transportband wuchten. Schon entschwindet der Koffer in die Tiefen des Flughafens. Mit ein bisschen Hilfe haben wir das zügig erledigt und begeben uns zur Sicherheitskontrolle. Um Platz im Koffer zu sparen, habe ich meine Wanderboots angezogen. Die sind an dieser Stelle auszuziehen und werden extra durchleuchtet. Wäre alles halb so anstrengend, wenn es irgendeine Sitzgelegenheit für die Schuhprozedur geben würde. Gibt es aber nicht. Dafür darf man sich sportlich herausgefordert fühlen.

Hoch über den Wolken …

Der Flug verläuft unspektakulär. Irgendwie erscheint es mir, als wäre der einem Passagier zugestandene Platz noch einmal geschrumpft. Alles ist unglaublich eng. Nach ca. 3 Stunden landen wir auf dem Flughafen von Valencia. Noch eine Weile auf die Koffer warten, dann geht es zur Metro, wo uns die (rote) Linie 3 direkt in das Stadtzentrum bringt. An der Station Xàtiva steigen wir aus. Nach einer kurzen Orientierung erreichen wir nach 10 Minuten das gebuchte Hotel Venecia Plaza Centro. Es befindet sich mitten im Zentrum am Plaza del Ayuntamiento. Im Hotel laufen noch Renovierungsarbeiten, aber davon bekommen wir so gut wie nichts mit. Wir haben ein frisch renoviertes, praktisches Zimmer mit einem kleinen Balkon und Blick auf den zentralen Platz. Was will man mehr?

Der Abend endet mit einem Besuch in einer Tapas-Bar und einem anschließenden Bummel durch das hell erleuchtete nächtliche Valencia. Wir sind angekommen.

26. April 2022:

Valencia – Radtour zur Ciudad de las Artes y las Ciencias = CAC
(Stadt der Künste und der Wissenschaften)

In Valencia gibt es zahlreiche Fahrradstationen, klassische und digitale Ausleihe. Eine klassische, also mit Verleiher und Vertrag,  befindet sich zu unserer Freude direkt  gegenüber von unserem Hotel. Für 2×8€ plus 2€ für ein Radschloss können wir die Räder besteigen und losradeln. Und das bei angenehmen sonnigen Fahrradwetter.

Lotti hat ein „Grünes Band“ erkundet, das zu großen Teilen den Stadtkern umschließt.  Dabei handelt es sich um das ehemalige Flussbett des Flusses Turia, das trockengelegt wurde.  Hier wurden ehrgeizige Projekte verwirklicht: Eben dieser Park, Jardin de Turia = Gärten des Turia, und eine Stadt der Künste und der Wissenschaften (Ciudad de las Artes y las Ciencias), die sich mitten in diesem großzügig angelegten Park befindet. Dieser Park selbst ist insbesondere für die Städter eine Attraktion.

Zunächst radeln wir quer durch das Zentrum von Valencia zur Gran Via del Marqués del Túria, die uns zum Grünen Band führt. Dabei überqueren wir einen sehr schönen, aber scheinbar namenlosen (?) Platz, in dessen Mitte ein monumentales Reiterstandbild thront und an deren Flanke auf der Carrer de Cirilo Amorós eine katholische Kirche (Basílica de San Vicente Ferrer de Valencia) die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Palau de la Música

An der Pont d’Aragó, eine Brücke über dem Grünen Band, schwenken wir auf die Parklandschaft. Nun ist es ein ganz entspanntes Radfahren. Das Gewusel und der Lärm des Verkehrs liegen hinter uns. Wir sind mitten in einer Stadt und scheinbar doch draußen: Grüne Wiesen, sprudelnde Wasserspiele, schattenspendende Bäume, Sportbereiche, ein verzweigtes Wegenetz und immer wieder Brücken, historische und moderne, die das Grüne Band überspannen. Wir radeln am Palau de la Música (Musikpalast) vorbei. Ein Konzerthaus mit Kinosälen und Kunstausstellungen, das durch seine moderne Architektur und insbesondere durch eine große gläserne Kuppel auffällt.

Palau de les Arts Reina Sofía

Wir erreichen Stadt der Künste und Wissenschaften, die vor allem von dem valencianischen Architekten Santiago Calatrava geschaffen wurde. Zuerst gilt dem Palau de les Arts Reina Sofía (Opernhaus = Palast der Königin Sofia) durch seine ungewöhnliche geschwungene Architektur unsere uneingeschränkte Bewunderung. Das extravagante Gebäude erhebt sich aus einem es umgebenen, künstlich angelegten See.

Es folgt das L’Hemisfèric (Hemisphäre), ein Planetarium und Laserium mit einem IMAX-3D-Kino. Auch dieses Gebäude zeichnet sich durch eine spektakuläre Architektur aus: Wie ein großes menschliches Auge, das die Welt in Blick hat. In dem sich anschließenden fünfetagigen Museu de les Ciències (Wissenschaftsmuseum) werden naturwissenschaftliche Erkenntnisse anschaulich und interaktiv dargestellt. Naturwissenschaftliche Phänomene können experimentell nachvollzogen werden. Das ist besonderns für Kinder reizvoll. Auch diese beiden Gebäude werden vom Wasser eines Sees umspült. Ein Bootsverleih ermöglicht den Spaß, mit einem Boot zu fahren.

Gegenüber erhebt sich L’Umbracle. Das ist eine von parabolförmigen, 18 Meter hohen Arkaden umgebende mediterrane Gartenlandschaft. Von hier aus hat man nicht nur einen schönen Spaziergang vor sich, sondern auch einen perfekten Ausblick auf die Stadt der Künste und Wissenschaften. Am L’Umbracle werden zeitgenössische Skulpturen ausgestellt. Bei unserem Besuch waren es Werke des polnischen Künstlers Igor Mitoraj, die auch im gesamten Gelände und den Seen der Kunst- und Wissenschaftsstadt präsentiert sind. Übrigens liefen schon die Vorbereitungen für eine offentlich sehr nachgefragte Disco-Veranstaltung am Abend (Lounge-Stil-Disco namens L’Umbracle Terraza).

L‘Oceanografic

All diese Gebäude haben wir nur von außen gesehen. Um sie zu besuchen, entsprechendes Interesse vorausgesetzt, braucht man viel mehr Zeit. Aber das L‘Oceanografic (Ozeaneum) haben wir besucht. Ein allgemeines Ticket kostet 31, 90€, Senioren bezahlen 23,80€. Das ist also kein Billigvergnügen. Andererseits wird mit dem Besuch des größten Aquariums Europas geworben. Auf dem Gelände befinden sich Gebäude und Anlagen, die die wichtigsten Ökosysteme der Meere und Ozeane präsentieren. Eine Übersicht auf einem Faltblatt erleichtert die Orientierung der Themenbereiche. Die Lebensräume von Fischen und wirbellosen Tieren des Mittelmeeres werden in Aquarien in einem speziellen Gebäude gezeigt.

Mediterraneo

In einem großen kugelförmigen Gebäude sind die Feuchtgebiete der Erde, so der amerikanische Mangrovenwald und die mediterranen Sumpfgebiete nachgebildet. Ein 70 Meter langer Unterwassertunnel verbindet die gemäßigten Zonen des Pazifiks und Atlantiks mit den warmen Gewässern des Indischen Ozeans und der Karibik. In dem mit 7 Millionen Kubikmeter Wasser gefüllte größte Aquarium des Oceanografic kann man u.a. verschiedene Haiarten, Mondfische, Rochen beobachten, die in einem Tunnel über einem hinwegschwimmen. In einem Kuppelbau befinden sich die Aquarien, die der Arktis nachempfunden sind. Hier tummeln sich u.a. Belugawale. Wer möchte kann eine Vorstellung im Delfinarium buchen (Extrapreis), wo ca. 30 Delphine ihre Kunststücke zeigen. Muss man mögen. Natürlich gibt es für den großen und kleinen Hunger auch eine Reihe von Restaurants und Cafés. Es gibt eine Menge zu entdecken, aber insgesamt, so mein Eindruck, trägt das Oceanografic eher einen Eventcharakter für Familien mit Kindern. Vieles erscheint mir oberflächlich. Das kann natürlich auch daran liegen, das die Beschriftungen (wenn vorhanden) fast ausschließlich in Spanisch vorliegen. Hier wird eine englische Übersetzung schmerzlich vermisst.

Wir verlassen das Oceanografic nach gut 2 Stunden und radeln in Richtung Küste. Mangelnde Ortskenntnisse führen uns (trotz Google Maps) erst einmal zur Marina de Valencia. Hier werden die historischen Lagerhallen rekonstruiert. Wir umrunden die Bucht und machen einen kurzen Stopp am Pamela Hat, eine überdimensionale Hut-Skulptur aus Aluminium von Manolo Valdés. Jetzt erreichen wir endlich den Paseo Marítimo de València, den Strand am Mittelmeer, einen breiten Sandstrand, dem sich gegenüber auf der Promenade Gaststätte an Gaststätte reiht. Es ist inzwischen 18:30 Uhr. Wir suchen uns eine Gaststätte, was um diese Zeit nicht so einfach ist, weil in Spanien einfach später gegessen wird. Nach einer eher unfreundlichen Erfahrung finden wir ein Restaurant, wo wir ganz ausgezeichnet Kabeljau auf Gemüse serviert bekommen. Dazu ein kühler Weißwein. Perfekt.

Aber die Zeit. Sie bleibt nicht stehen. Um 20 Uhr müssen wir die Räder abgegeben haben. Das heißt, jetzt ordentlich in die Pedalen treten, um einigermaßen pünktlich sein zu können. Es ist schon eine wilde Fahrt. Im Nachgang kann ich nur über uns stauen. Um 20:15 Uhr erreichen wir die Ausleihstation. Der Verleiher steht schon vor der Tür. Er ist erleichtert, wir etwas atemlos. Alles gut.

Plaza Rodrigo Botet

Den Abend beschließen wir mit einem Spaziergang, der uns zum Plaza Rodrigo Botet führt. Hier sprudelt ein angestrahlter Springbrunnen, Musik erklingt und ein mediterranes Gasthaus lädt zum Verweilen ein. Ein Glas Wein zum Beschließen des ereignisreichen Tages.

27. April 2022: Historisches Valencia

Den Vormittag verbringen wir mit organisatorischen Aktivitäten. Wir machen uns auf den Weg zur Autovermietung, von der wir morgen unser Mietauto abholen werden. Das ist eine weise Entscheidung, denn der Weg dorthin, den wir zu Fuß zurücklegen, ist länger als gedacht. Die Autovermietungen in der Stadt haben einen großen Standort am Bahnhof Valencia Joaquín Sorolla. Wir sind gut eine halbe Stunde unterwegs. Lotti hat das Auto über den ADAC bei Enterprice gebucht. Diese Vermietung hat ihr Domizil am äußersten Ende des Parkplatzes. Aber nun wissen wir, dass wir morgen mit der Metro bis zur Station Jesús fahren werden. Von dort ist es ein Katzensprung. Gut zu wissen, schließlich werden wir mit Gepäck unterwegs sein.

Metro in Valencia

Jetzt nehmen wir auch die Metro, um ins Stadtzentrum zurückzukehren. Ein Wort dazu: In Valencia und Madrid (in ganz Spanien?) muss man erst für 2,50€ eine Basiskarte kaufen, die für die Fahrten aufzuladen ist. Jedenfalls sitzen wir jetzt gemütlich in der Metro, um zu den Torres de Serranos (Serrano-Tore) zu fahren. Das geht aber gründlich schief. Wir landen im Vorstadtbereich. Bevor wir zurückfahren, kehren wir in ein Café ein, gönnen uns eine Pause und machen einen neuen Plan.  

Brunnen auf dem Plaza Redonda

So wird es Nachmittag, als wir uns auf den Weg machen, die Altstadt zu erkunden. Interessant ist die Anlage des Plaza Redonda (Runder Platz). Der Platz ist fast 200 Jahre alt. In der Mitte des Hofes des dreietagigen Häuserrondells steht ein sprudelnder Brunnen, ringsherum sind kleine Geschäfte, Cafés und Restaurants. In unmittelbarer Nähe erhebt sich der Glockenturm von Santa Catalina, von dem man sicher einen guten Blick über die Stadt hat und der zudem ein Wahrzeichen der Stadt Valencia ist.

Wir gehen zur der aus dem 15. Jahrhundert stammende Lonja de la Seda (Seidenbörse), eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten von Valencia. Das gotische Gebäude, das von außen an eine mittelalterliche Burg erinnert, gehört seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der Eintritt ist frei. Vom Orangenbaum-Innenhof kommen wir in den Säulensaal. Von hier aus gibt es einen Zugang zum Turm. Im Saal Consulat de la Mar läuft ein Video über die Geschichte des Gebäudes.

Der Spaziergang führt uns weiter zur Kirche San Nicolás de Bari und San Pedro Mártir, die aus dem 13.Jahrhundert stammt und damit eine der ältesten Kirchen Valencias ist. Bei einer Renovierung wurde eine Malerei freigelegt, die von Fachleuten als die valencianische „Sixtinische Kapelle“ bezeichnet wird. Ein Besuch dieser Kirche kostet 7€. Lotti schaut sich die Kirche an und ist beeindruckt. Über die Via Caballeros stoßen wir auf den Plaza de La Virgin und stehen direkt vor der großen Catedral de Santa María de Valencia. Hier kostet der Eintritt 5,50€. Im Katholischen Museum ist der Heilige Kelch ausgestellt, der während des Letzten Abendmahls in den Händen von Jesus Christus gewesen sein soll. Für 2€ kann man die 200 Stufen besteigen, die zur Aussichtsplattform des Turmes führen. Ganz sicher wird man mit einer schönen Aussicht über die Stadt belohnt, aber wir sind schon zu müde für so ein Unterfangen.

Torres de Serranos

Die letzten Kräfte haben wir aufgespart, um doch noch die Torres de Serranos (Serrano-Turm) zu sehen. Es sind gewaltige Türme eines Tores der ehemaligen Stadtmauer. Gleich dahinter entfaltet sich das schon beschriebene Grüne Band. Durch die Altstadtgassen tippeln wir zurück in Richtung Hotel am Plaza Ayuntamiento. Unterwegs kehren wir in ein Paella-Restaurant ein und bestellen eine original valencianische Paella mit Huhn und Kaninchen. Ein guter Wein darf nicht fehlen.

Ein Fazit: Valencia ist eine bemerkenswerte, Leichtigkeit ausstrahlende und gepflegt daherkommende Stadt, die Historisches und Modern-Ökologisches harmonisch vereint. Das Historische zeigt sich in vielen großbürgerlichen, fast imperial anmutenden Bauten im spanischen Jugendstil (meine Bezeichnung), wobei jedes Gebäude ein eigenes Gesicht hat. Das trifft in hohem Maße auch auf die zeitgenössische Bebauung zu. Valencia lohnt einen Besuch!

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