Schweiz

Vorgeschichte

Aufgrund spezieller Umstände komme ich zu einer wunderschönen Reise. Torsten hat auf der Homepage des Robinson-Clubs eine günstige Reise im September in den Schweizer Club Arosa entdeckt. Da Stefie aus beruflichen Gründen zu dieser Zeit nicht reisen kann, werde ich gefragt. Noch ist Zeit, sich hochgebirgsfähige Wanderschuhe zu kaufen.

11.September 2021: Anreise und Robinson-Club Arosa

Alle Unterlagen sind beisammen, auch das in Corona-Zeiten wichtige Formblatt des Bundesamtes für Gesundheit, Flugtickets, Buchungsunterlagen für den Club und natürlich ein gültiger Pass. Wir werden mit Swiss Air bis Zürich fliegen und dort in einen Zug nach Chur umsteigen. Um jeglicher Abenteuer mit dem Öffentlichen Nahverkehr auszuschließen, fahren wir mit dem Taxi zum Flughafen BER. Das klappt in den frühen Morgenstunden ausgezeichnet. Pünktlich um 9:25 Uhr hebt unser Flieger nach Zürich ab. Die Flugzeit von 1,5 Stunden geht im Nu vorüber. Der Flughafen Zürich ist direkt mit einem großen Fernbahnhof verbunden. Alles ist gut ausgeschildert. Torsten kauft die Tickets nach Arosa über Chur und Litzirüti an einem Automaten (je 56 CHF). Das geht noch schneller. Schon sitzen wir im Zug nach Chur. Zuerst geht die Fahrt an dem sich lang ausdehnenden Züricher See entlang. Was für eine herrliche Aussicht, kann man sich nicht besser ausdenken. Und dazu das sonnige Wetter. Alles passt.

Rhätische Bahn in Chur-Bahnhof

In Chur haben wir einen kurzen Aufenthalt, ehe uns die Rhätische Bahn nach Arosa bringt. Das ist ein weiteres Highlight. Eine einstündige Fahrt durch die Schweizer Bergwelt im bergauf bis auf 1800 Meter. Einfach nur schön. Da im letzten Streckenabschnitt gebaut wird, steigen wir in Litzirüti in Busse um. Die Fahrgäste auf drei Busse verteilt. In Corona-Zeiten wird auf die Einhaltung des Abstandes geachtet. Alles verläuft wie am Schnürchen. Die Busse enden am Arosaer Bahnhof. Torsten telefoniert mit dem Club. Kurz darauf werden wir mit einem Auto abgeholt und stehen jetzt 15:30 Uhr vor dem Robinson-Club Arosa. Problemloses Einchecken, Zimmer beziehen, Sachen auspacken. Jeder von uns bekommt eine Arosa Card, mit der man zu dieser Jahreszeit u.a. die Bergbahnen kostenfrei nutzen kann. Dazu ein Welcome Bier in der Bar. Beim üppigen Abendbüfett planen wir den morgigen Tag. Der Tag endet mit einem kleinen Spaziergang in Hotelnähe. Ich kann es immer noch nicht richtig fassen: Ein wirklich fantastisches Bergpanorama auf die umliegenden Zweitausender.

12. September 2021: Fahrt auf den Weisshorn und Abstiegswanderung

Ausschlafen und ausgiebig frühstücken. Danach machen wir uns zu Fuß aus auf den Weg zum Arosaer Bahnhof, der ca. ein Kilometer vom Robinson Club entfernt ist. Das ist nicht weit, aber wir sind im Gebirge. Das merkt man sofort. Es geht bergauf. So lernen wir gleich etwas von Arosa kennen. Das ist eine Gemeinde mit etwas mehr als 3200 Einwohnern in der Region Plessur des Schweizer Kantons Graubünden. Der kleine Ort liegt im Alpental Schanfigg auf einer Höhe von 1800 Meter und dehnt sich in der Länge über zwei Kilometer aus. Arosa entwickelte sich von einem landwirtschaftlich geprägten Dort zu einem Luftkurort und ab 1914 zu  einem Ferien- und Erholungsort, den vor allem im Winter Skitouristen zu schätzen wissen. Seit Anfang 2014 gehört Arosa zum erweiterten Skigebiet Arosa-Lenzerheide mit 225 Pistenkilometern. Besucher treffen zu allen Jahreszeiten auf ein Netz gut ausgebauter Wanderwege. In der schneefreien Zeit

Bereits 1914 wurde mit der Rhätischen Bahn eine Schmalspurbahn, die Arosa mir der Kantonshauptstadt Chur verbindet, eingeweiht. Ihr Endbahnhof in Arosa liegt zentral in unmittelbarer Nähe des Obersees, auf dem sich bei unserer Ankunft einige Boote tummeln. Nicht weit davon entfernt lädt am Untersee ein Freibad mit Sandstrand zum Baden ein. Doch wir wollen jetzt nicht Baden, sondern zur Luftseilbahn Arosa-Weisshorn gleich neben dem Bahnhof.

Luftseilbahn Arosa-Weisshorn

Mit der Arosa Card können wir die Bergbahn kostenlos nutzen. Und es ist wirklich eine Attraktion in einer Kabine über die Berge zu schweben. Nach ein paar Minuten haben wir die Mittelstation erreicht und steigen um in den zweiten Abschnitt der Seilbahn, die uns auf den Gipfel des Weisshorns (2653 Meter) bringt. Es ist 12 Uhr. Klare Luft, Sonnenschein, eine fantastische Rundumaussicht auf Berggipfel und Täler. Wir setzen uns in einen der Liegestühle und genießen das Ambiente. Leute mit Fahrrad her oben? In der Tat mutige Biker rasen mit dem Rad den Abhang hinunter. Und für sie sind auch Biketouren extra ausgewiesen.

Wir erwägen, bis zur Mittelstation zu wandern. Ich bin noch zögerlich, aber Torsten macht mir Mut. Warum zögerlich? Man muss wissen, hier gibt es keine gestylten Wanderwege. Die Route führt im wahrsten Sinn über Stock und Stein. Was für eine gute Entscheidung, professionelle knöchelhohe Wanderschuhe gekauft zu haben. Ohne diese wäre ein Abstieg unter diesen Bedingungen undenkbar. Ab und zu zeigen rote Markierungen auf Gesteinsbrocken den richtigen Weg an. Es geht nur langsam voran. Es ist sehr ratsam, genau zu schauen, wohin man seinen Fuß setzt. Der Abstieg dauert ca. drei Stunden. Ich bin schon erleichtert, als die Mittelstation in den Blick kommt. Es ist jetzt 15:30 Uhr. Wir haben uns eine Pause verdient. Ich trinke eine Urs-Erfrischung Limette mit Wermut, Torsten ein großes Feldschlösschen-Bier.

Auf Höhe der Mittelstation (ca. 2000 Meter) befindet sich das 2018 eröffnete Arosa Bärenland, ein Bärenschutzzentrum der Tierschutzorganisation Vier Pfoten für misshandelte bzw. aus schlechten Haltungsbedingungen stammende Braunbären, die hier auf 2,8 Hektar artgerecht leben können. Die Größe des Gebietes lässt die Aufnahme von fünf Bären zu. Im Besucherzentrum können sich Besucher über die Vergangenheit der Bären sowie über die natürliche Lebensweise von Bären informieren. Auf einer offenen Plattform können Besucher in das Areal schauen, ohne die Tiere zu stören.

Mich hätte ein Besuch des Bärenlands schon interessiert, zumal es mich an den Bärenwald Müritz, ebenfalls ein Projekt der internationalen Tierschutzstiftung Vier Pfoten, erinnert. Aber aufgrund er fortgeschrittenen Zeit (und der schweren Beine), ziehen wir es vor, mit der Seilbahn zurück nach Arosa zu fahren. Dort wartet ja noch ein kleiner Spaziergang zu Robinson Club und das wunderbar leckere Abendbüfett mit den vielen Wahlmöglichkeiten.

13. September 2021: Fahrt auf den Hörnli-Gipfel und Abstiegswanderung
Das Essen, egal ob am Morgen oder am Abend, ist im Robinson-Club immer eine leckere Sache. So brechen wir auch heute gut gestärkt um die Mittagszeit zu einem Ausflug auf. Das Ziel ist der Hörnli-Gipfel (2511 Meter). Nicht seine Besteigung ist geplant, sondern eine Fahrt mit der Gondelbahn Hörnli Express. Allerdings ist bis zur Talstation, die in einer Höhe von 1835 Meter Höhe liegt, eine kleine Wanderung zu bewältigen, natürlich meist bergauf. Man könnte auch die Strecke auch mit dem Arosa-Stadtbus fahren. Wir entscheiden uns bei diesem herrlichen Wetter für den Fußmarsch auf einem Wanderweg direkt an der Plessur entlang. Die Plessur, ein 33 Kilometer langer Fluss, Namensgeber der Region, fließt südlich an Arosa vorbei und mündet in Chur in den Alpenrhein.

Der Wanderweg ist schätzungsweise drei Kilometer lang. Insgesamt geht es mal mehr, mal weniger steil bergauf. Wir lassen uns auch Zeit, die herrliche Landschaft zu genießen. Nach anderthalb Stunden haben wir schließlich die Talstation erreicht. Schon schweben wir mit der Gondelbahn Hörnli-Express innerhalb von elf Minuten auf den Gipfel. In dieser kurzen Zeit hat die Gondelbahn 3107 Meter zurückgelegt und 664 Höhenmeter überwunden. Es ist kurz nach 13 Uhr. Erst einmal durchatmen, sich umschauen und den unverstellten Rundumblick auf sich wirken lassen. Wieder so ein beeindruckendes Alpenpanorama.

Verbindungsbahn Hörnli-Urdenfürggli bzw. als Urdenbahn

Neben dem Hörnli Express gibt seit 2014 eine weitere Gondelbahn. Die schauen wir uns genauer an, denn Torsten hatte gelesen, dass es sich um sehr moderne und vor allem um die die schnellste Pendelbahn in der Schweiz handeln soll. Diese stützenlose (!) Bahn, bezeichnet als Verbindungsbahn Hörnli-Urdenfürggli bzw. als Urdenbahn, verbindet das Arosa Skigebiet (Hörnli) mit dem von Lenzerheide (Urdenfürggli) und schafft damit das größte zusammenhängende Skigebiert in Graubünden. Die Kabinen der Doppelpendelbahn „Heidi“ und „Gigi“ können jeweils 150 Personen transportieren und das unabhängig voneinander. Auf den Kabinendächern ist eine Solaranlage integriert. Eine Fahrt über die Strecke von 1,7 Kilometer dauert knapp drei Minuten. Gern hätten wir die Bahn in Aktion gesehen, aber leider ist sie zurzeit außer Betrieb. Ihr Einsatz lohnt sich wohl erst in der Skisaison.

Ruhepause auf dem Hörnli

Wir suchen uns einen Platz auf der Outdoor-Liegenlandschaft der Hörnli-Hütte. Torsten besorgt zwei Cocktails an der Bar. Schaumunterlagen, Decken und Sonnenschirm sorgen für Bequemlichkeit. Was will man mehr. Über eine Stunde Ruhe und Ausblick genießen, ehe es gegen 15 Uhr an den Abstieg geht. Was bin ich doch froh, diese Wanderschuhe zu haben. Wieder geht es über Stock und Stein. Ab und an eine rote Markierung auf einem der Felsbrocken, die anzeigt, man ist noch auf dem richtigen Weg. Es geht nur langsam voran. Immer wieder innehalten und das Hochgebirgspanorama aufnehmen und auch etwas verschnaufen bzw. die Schienbeine entspannen. Vom Hörnli führt der so genannte Hörnli Trail, eine Bikerstrecke, talwärts und kreuz ab und zu den Wanderpfad. Hier heißt es aufpassen, denn die Biker kommen wie aus dem Nichts angeschossen. Ich staune, wie man bei dieser Geschwindigkeit und vor allem auf dem felsigen Parcours sein Rad so souverän beherrschen kann.

Restaurant „Almblick“ bei Arosa

Ich bin wirklich froh, als wir gegen 17 Uhr auf das Restaurant „Almblick“ zusteuern. Wieder so eine schicke Lokalität mitten in der Natur. Auf der Terrasse bei einem zünftigen Bier lässt es sich ausgezeichnet entspannen. Aber wir haben ja noch ein Stück des Weges vor uns. Zuerst bin zur Talstation des Hörnli Express und dann noch weiter bis zum Hotel. Dieses Mal nehmen wir die Straße, die Poststraße. Als wir gegen 19:30 das Hotel erreichen, wissen wir, was wir heute getan haben. Jetzt hilft ein Saunabesuch. Man muss sich aufraffen. Danach wartet wieder ein köstliches Abendessen. Das weckt die Lebensgeister.

14. September 2021: Wanderung nach Langenwies und Fahrt nach Chur

Das Ziel ist heute die Kantonshauptstadt Chur. Zwischen Arosa und Litzirüti verkehren wegen Bauarbeiten immer noch Busse als Bahnersatz. Das bringt uns auf die Idee, bei diesem wunderbaren Spätsommerwetter die Strecke bis Langenwies zu erwandern und erst dort in die Rhätische Bahn einzusteigen. Später stellen wir fest, dass wir fast 10 Kilometer zurückgelegt haben. Das war ein angenehmes Laufen – immer durch bezaubernde Natur und leicht bergab. Auf einer kleinen Holzbrücke überqueren wir die Plessur und unterqueren das Langwieser Viadukt. Das ist eine 284 Meter lange Stahlbetonbrücke, die das Plessurtal in einer Höhe von 62 Meter überspannt. Sie wurde in zweijähriger Bauzeit von 1912-1914 als einspurige Eisenbahnbrücke für die Rhätische Bahn errichtet. Man kommt sich fast zwergenhaft vor, wenn man vom Tal aus auf das Viadukt heraufschaut.

Nach knapp zwei Stunden erreichen wir den Langenwieser Bahnhof. Von hier aus hat man einen großartigen Blick auf das Viadukt. Und wir haben noch Zeit bis zur Abfahrt des Zuges, die ich nutze, um dieses Bauwerk möglichst perfekt in einem Bild einzufangen. Aber dazu braucht man wohl eine professionelle Fotoausrüstung als ein simples Smartphone. Das Bahnhofsgebäude ist in dem hier typischen Chaletbaustil errichtet. Der französische Begriff Chalet bedeutet in deutscher Übersetzung Sennhütte bzw. Berghütte. Der Chaletbaustil ist demnach ein Landhausbaustil, wobei robuste Naturmaterialen und hier vor allem Holz verarbeitet werden. Das gilt auch für die Innenausstattung, die wir aber hier nicht in Augenschein nehmen können. Das Gebäude ist geschlossen. Torsten kauft am Automaten, der sich außen an der Hauswand befindet, zwei Fahrkarten (je 12 CHF) für die Strecke Lüen-Castiel bis Chur, da die Arosa Card bis Lüen-Castiel eine kostenfreie Fahrt ermöglicht. Während der Wartezeit auf den Zug beschäftigt uns der Spruch, der quer über die Vorderfront des Bahnhofsgebäudes geschrieben ist. Aus meiner Erinnerung: „Höhen und Tiefen ebnet de Zeit, aber sie eilet, versteh sie und schaffe.

Jetzt rollt der Zug über den Viadukt. Schnell noch ein Foto. Er schwenkt in eine Linkskurve ein, drosselt die Geschwindigkeit und stoppt am Bahnhof. Wenige Leute steigen aus, wir steigen ein. Der Zug setzt sich Bewegung. Gemächlich geht die Fahrt talwärts nach Chur. In einem Aushang sind die einzelnen Haltestellen bzw. Haltepunkte gelistet: Arosa – Litzirüti – Langenwies – Peist – St. Peter-Molinis – Lüen-Castiel – Chur-Altstadt – Chur-Bahnhof. Wir steigen an der Haltestelle Altstadt aus. Es ist kurz vor 15 Uhr. Unser erster Weg führt uns in das „Café Zschaler & Café Arcas“, wo wir im Gartenbereich Platz nehmen. Kaffee, Orangensaft und Torte – alles prima. Am meisten beschäftigt uns aber das Servicesystem: Das funktioniert elektronisch auf Knopfdruck. Moderne Schweiz.

Nach einer guten halben Stunde im Café starten wir einen Rundgang durch Chur. In der Hauptstadt des Kantons Graubünden und Bischofsstadt leben ca. 37.000 Menschen. Schon auf den ersten Blick wird klar, sie hat eine wundervolle Altstadt mit romantischen Gassen und beschaulichen Plätzen – alles in einem historischem Gewand und voller Leben. Auffällig, wie entspannt die Menschen sind. Lebendigkeit ohne Stress.

Chur an der Plessur

Beim Bummel durch die Fußgängerzone stoßen wir zuerst auf die Martinskirche und den benachbarten Martinsbrunnen. Einige Stufen hinauf führt eine Gasse durch einen Torturm auf den Bischöflichen Hof. Geradezu befindet sich die Kathedrale St. Maria Himmelfahrt, links davon das Bischöfliche Schloss. Zurück über den Museumsplatz kommen wir auf die Poststraße. Es geht weiter am Rathaus und der Stadtgalerie vorbei bis zum Postplatz. Hier entdecken wir an der Ecke Grabenstraße/Bahnhofstraße das Bündner Kunstmuseum Chur. Das möchten wir uns anschauen. Das Museum ist in der neoklassizistischen Villa Planta und einem 2016 eingeweihten futuristischen Erweiterungsbau untergebracht. Zu dieser Stunde sind wir, so unser Eindruck, fast die einzigen Besucher. Trotzdem erfolgt eine strenge Corona-Kontrolle. Da Torsten nur seinen Impfausweis und kein elektronisches Zertifikat vorweisen kann, haben wir ein größeres Problem, überhaupt eingelassen zu werden. Nach einigem Hin-und Her und dem Hinweis, dass wir zu einer Familie gehören und ich bestätigen kann, dass er der ist, dem der Impfausweis gehört usw. können wir die Galerie betreten (Eintritt: 15 CHF) . In der Kommunikation mit dem Aufsichtspersonal haben wir den Wunsch geäußert, Bilder von Angelika Kauffmann (1741-1807) sehen zu wollen, eine in Chur, in der Reichsgasse 54 geborene Malerin. Dahinter steckt folgende Geschichte: Ich bin seit einem halben Jahr Mitglied der Winckelmann-Gesellschaft. Torsten ist darauf gestoßen, dass eben jene Angelika Kaufmann den Archäologen Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) porträtiert hat und dieses Bild hier in Chur ausgestellt ist. Sehr freundlich werden wir in das Kabinett mit klassizistischen Gemälden von Angelika Kauffmann geleitet. Auf dem Weg dorthin fallen sofort die orientalischen Elemente der Innenarchitektur auf.

Das Gebäude selbst ist ein Kleinod. Doch zurück zu Angelika Kauffmann. Sie war eine angesehene Vertreterin der allegorisch-klassizistischen Malerei sowie eine geschätzte Porträtmalerin, wie u.a. das Porträt von Winckelmann (heute im Kunsthaus Zürich) als auch ihr Selbstporträt von 1784 (heute in der Münchener Pinakothek) bezeugen. Als 1768 der englische König Georg III. die Royal Academy of Arts gründete, war Angelika Kauffmann eine der zwei Frauen innerhalb der 34 Gründungsmitglieder. Einer ihrer Bewunderer war übrigens Jann Wolfgang von Goethe.

Leider ist wegen der nahen Schließzeit unser Rundgang zeitlich begrenzt. Das ist schade, denn die Galerie hat interessante Werke in ihrer Ausstellung. Dazu gehören zweifellos die Arbeiten von Giovanni Giacometti (1868-1933) und dessen Sohn Alberto Giacometti (1901-1966) sowie deren Verwandten Augusto Giacometti (1877-1947) genauso wie Werke von Ferdinand Hodler und Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938).

Nun wird es aber Zeit, wenn wir die nächste Bahn zurück nach Arosa noch erreichen wollen. Schnellen Schrittes eilen wir in Richtung Bahnhof. Die Rhätische Bahn hat ihre Haltestelle unmittelbar vor dem Bahnhofsgebäude. Ihr erster Streckenabschnitt führt direkt durch die Stadt bis zum Haltepunkt „Chur-Altstadt“. Hier sind wir bei unserer Ankunft ausgestiegen. So schließt sich der Kreis.

15. September 2021: Fahrt zur Weisshorn-Mittelstation und Abstiegswanderung

Der erste Tag mit so genanntem „schlechten“ Wetter: Nieselregen und Nebelschwaden. Ab und zu lugt die Sonne durch, dann verhüllen wieder grauen Wolken die Berggipfel. Wir machen uns am späten Vormittag auf zur Luftseilbahn Arosa-Weisshorn. Dieses Mal fahren wir bis zur Mittelstation (2013 Meter) und wandern bergab zurück in die Stadt. Im Vergleich von den Gipfelabstiegen ist das geradezu eine gemütliche Wanderung auf gut ausgebauten Wanderwegen. Bei diesem Wetter sind wir froh, als wir eine Berggaststätte entdecken. Einstmals standen hier drei Stallungen, die irgendwann nicht mehr genutzt wurden.

Restaurant „AlpArosa“

Eine wirklich vortreffliche Idee, sie zu einem Bergrestaurant umzubauen. So entstand das von außen eher unscheinbare „AlpArosa“. Ganz bewusst wurde so wenig wie möglich, an den äußeren Fassaden verändert, um dem historischen Charakter der Hütten zu erhalten. Innen ist alles sehr schick und urgemütlich. Hier legen wir eine Pause ein. Essen aus regionaler Küche und Trinken sind ganz vorzüglich. Als wir nach gut einer Stunde unseren Weg fortsetzen, hat das Wetter ein Einsehen. Kein Regen, kaum noch graue Wolken – prima Wanderwetter. Die letzten Tropfen lassen die Wiesen in der Sonne glitzern. Blumen und Kräutern sorgen für bunte Tupfer. Ab und an trifft man auf eine weidende Kuh, die sich zwar nicht von der Stelle rührt, aber die Passanten doch nicht aus dem Auge lässt. Man kann nie wissen – das denken wohl nicht nur die Wanderer.

Abends im Robinson Club

Gegen 17 Uhr sind wir zurück im Robinson Club. Noch ist etwas Zeit bis zu Abendessen, die nutzen wir für einen Saunagang. Heute Abend ist ein Clubabend mit einer Live-Band, natürlich unter Corona-Bedingungen. Trotzdem ist es eine schöne Abwechslung leckere Cocktails bei Musik und guter Stimmung.

16. September 2021: Tennis und Schwimmen im Robinson-Club

Robinson Club in Arosa

Heute ist kein Wanderwetter. Es bietet sich an, die Freizeitvorzüge des Robinson-Clubs zu nutzen. Der Robinson-Club Arosa  liegt 1800 Meter ü.d.M. am Südhang eines Hochtals in Graubünden. Er befindet sich in dem Gebäude des ehemaligen Grand Hotels, das 1893 als erste gehobene Unterkunft vor allem für Wintersportgäste gebaut wurde. Was bietet der Club? Ein kurzer Überblick: Hallenbad, Sauna, Indoor-Tennisplätze, Bike-Vermietung, zwei Restaurants, drei Bars, ein Theater mit 200 Sitzplätzen, kostenfreie Parkplätze, 24-Stunden-Rezeption. Sportmöglichkeiten: Golf, Wandern, Fitness-Kurse wie Pilates, Yoga, Step, Indoor-Cycling, Body Styling, Fuß- und Volleyball, Klettern, Bogenschießen und im Winter natürlich Skifahren und Schlittentouren.

Robinson Club: Indoor-Tennis

Robinson Club: Indoor-Tennis

In Corona-Zeiten sind nicht alle Angebote gleichermaßen verfügbar. Aber unsere Wünsche sind erfüllbar: Schwimmen und Tennisspielen. In einer Halle im Nachbargebäude stehen zwei Tennisplätze zur Verfügung. Anmeldung ist erforderlich, aber der Andrang ist nicht groß. Wir müssen nicht warten und können gleich nach dem Frühstück loslegen. Bis auf zwei eifrige Tischtennisspieler haben wir die Halle für uns. Später gesellt sich ein zweites Tennisspielpaar dazu.

Wir spielen munter los und haben jede Menge Spaß. Ab und zu wird das Spiel durch eine kleine Trinkpause unterbrochen. Es ist sicher ein sehr amateurhaftes Match ohne Punktezählen. Doch mit der Zeit macht sich die sportliche Aktivität physisch bemerkbar. Nach Anderthalbstunden verlassen wir die Tennishalle.

Am Nachmittag suchen wir die Schwimmhalle auf. Sie befindet sich im Hauptgebäude. Der 19 Meter lange und 8 Meter breite Pool ist beheizt. Das Wasser hat eine angenehme Temperatur von 28 Grad. Am Rand stehen Liegen bereit. Beim Schwimmen schau man durch ein riesiges Panoramafenster auf eine bezaubernde Hochgebirgslandschaft. Noch näher kommt man dieser, wenn man von der Schwimmhalle auf die Terrasse tritt. Auch stehen Liegen zum Chillen bereit.

Nach dem Abendessen verbringen wir den Abend wieder an der Bar. Inzwischen haben sich viele Reiseerlebnisse angesammelt, die noch einmal unter der Idee „Schweiz als Reiseland“ (auch für Nicht-Skifahrer) Revue passieren.

17. September 2021: Arosa

Der letzte Urlaubstag. Torsten ist voller Ehrgeiz, in der Schwimmhalle einen Rekord aufzustellen. Er schwimmt und schwimmt und schwimmt. Ich schwimme wenige Bahnen, bevorzuge dann das Relaxen auf einer Liege und schaue auf die Alpen. Totale Entspannung.

Am Nachmittag unternehmen wir eine kleine Abschiedswanderung. Zunächst zum Stausee (Iselsee). Wer eine Anglerlizenz besitzt, kann hier als Fischer sein Glück versuchen. Andere Freizeitaktivitäten sind auf dem See nicht gestattet. Die Plessur wird durch eine 12 Meter hohe Mauer angestaut, um die Wasserkraft für die Elektrizitätsgewinnung zu nutzen.

Arosa: Strandbad am Untersee

Wir erreichen den Lernpfad „Schutz.Wald.Mensch“. Es geht bergauf zum Untersee, der etwa 100 Meter über dem Stausee liegt. Am Untersee befindet sich das bereits erwähnte Strandbad mit Liegewiese, Sandstrand, Kinderspielplatz, Grillbereich, Beachvolleyballfeld, Strandgastronomie. Auf dem Untersee kann man auch Angeln (mit Erlaubnis) und Rudern. Der strandbadfreie Seebereich ist von hohen Fichten umgeben; eine romantische natürliche Einfassung. Weiter geht es bergauf. Die Unterseestraße führt in Richtung Zentrum zum Obersee. Autofahrer werden per Schild gebeten nicht schneller als 30kmh zu fahren. Es gibt jede Menge Hotels und Pensionen in Arosa. Der Tourismus wird sehr gefördert: Skipisten, Wander- und Bikewege, Trottinett-Route (Roller), Lernpfade, Outdoor- und Indoorkinderspielplätze, kleine Museen, Seilpark, Bootsverleih, Tennisplätze, Golfanlage – um nur einige der möglichen Aktivitäten zu nennen. Dazu Karten und Informationsmaterialien. Alles in einem tadellosen Zustand. Auffällig sind auch hier Häuser im typischen Chaletbaustil. Vielleicht weil sie einem inneren Bild von der Schweiz bzw. den Alpen entsprechen. Erstaunt schaut man auch auf das Hotel „Garni The Lindemanns“ nahe dem Obersee, dessen Fassade 2014 im Hundertwasser-Stil erneuert wurde und seitdem ein Blickfang ist. Auf dem Rückweg zum Club kommen wir am Asora-Hotel vorbei. Eine Tafel erinnert an den Schriftsteller und Nobelpreisträger Thomas Mann, der in der hoteleigenen Old India Bar ein gerngesehener Gast war. Im Februar 1933 kamen Thomas und Katia Mann zu einem Winterurlaub nach Arosa. Sie waren Stammgäste im Waldhotel. Aufgrund der dramatischen politischen Ereignisse in Deutschland entschieden sie während ihres Urlaubs ins Exil zu gehen.  

18. September 2021: Rückreise

Robinson Club – Eingang

Heute ist Abreisetag. Im Detail, weil alles reibungslos funktioniert hat: Der Flieger startet 18:10 Uhr von Zürich nach Berlin. Das ist ein sehr angenehmes Rückreisezeitfenster. Noch einmal entspannt ohne Zeitdruck frühstücken, Koffer packen und mit dem Robinson-Transporter zum Bahnhof Arosa. Torsten kauft die Fahrkarten und hat noch einen Smalltalk mit dem Schaffner. Irgendwie, so unser Eindruck, scheint alles in der Schweiz entspannt zu sein.

Um 11.49 Uhr rollt die Rhätische Bahn nach Chur. Eine Stunde später zügiges Umsteigen (15 Minuten) in den IC nach Zürich. Um 14:22 Uhr erreichen wir den Züricher Hauptbahnhof. 14:35 Uhr mit dem Regionalexpress zum Züricher Flughafen. Alles klappt wie am Schnürchen. 15 Minuten vor 15 Uhr sind wir im Flughafen.

Die Wartezeit bis zum Einchecken überbrücken wir in einem Café. Pünktlich um 18.10 Uhr hebt der Flieger der Swiss Airline in Zürich ab, pünktlich landet er um 19:35 Uhr in Berlin auf dem BER.

 

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