Saarland – Saarbrücken

29. Juli – 1. August 2020

29. Juli: Der erste richtige Urlaubstag, obwohl man natürlich auch die Anreise urlaubsmäßig zu gestalten versucht. Erst einmal ausschlafen, dann Plan machen, dann starten. Inzwischen ist es um die Mittagszeit und sehr, sehr warm. Unser erstes Ziel ist die Saarbrücker Altstadt auf der linken Seite der Saar. Hier befinden sich u.a. die Ludwigskirche und das Schloss. Mitten auf dem freien Ludwigsplatz erhebt sich die evangelische barocke Ludwigskirche, das Wahrzeichen der Stadt Saarbrücken. Die Kirche ist offen, so nutzen wir die Gelegenheit, das imposante, sehr helle Kirchenschiff  zu besichtigen.

Zurück im Freien spazieren wir zur Schlossstraße, die etwas vernachlässigt erscheint. Aber sie führt, wie der Namen ahnen lässt, zum Schloss. Davor ein großer freier Platz, der Schlossplatz. Hier ist eine Pause im Restaurant „Tomate 2“ angesagt. Wir sitzen im Schatten alter Bäume, genießen ein kühles Getränk und haben einen guten Blick auf das Schloss, das heute als Verwaltungsgebäude dient. Im Zuge einer notwendigen Sanierung wurden die Seitenflügel durch einen neuen, modern gestalteten Pavillon verbunden. Neben dem Schloss befindet sich der Eingang zum Historischen Museum Saar. Das Schloss wurde auf einer ehemaligen Burganlage errichtet, die erst in jüngster Zeit mit den Kasematten zum Teil freigelegt worden sind und die man besichtigen kann. Das haben wir sogleich auch in Angriff genommen. Wer sich für diese Art von Geschichte interessiert, ist hier genau richtig. Ein paar Schritte in Richtung Saar stoßen wir auf die ehemalige Schlosskirche, ein spätgotischer Bau, heute ein Museum für christliche Sakralkunst im Saargebiet.

Wir wechseln wieder auf die rechte Seite der Saar, um die Moderne Galerie aufzusuchen. Wir haben heute schon viel gesehen, aber ohne Einschränkung kann ich sagen, dass dieser Besuch für mich am lohnenswertesten ist. Eine sehr interessante und vielfältige Ausstellung impressionistischer, expressionistischer und moderner Malerei (Informel) sowie Skulpturen des ukrainisch-amerikanischen Bildhauers Alexander Archipenko, der den kubistischen Ansatz der Malerei auf die Bildhauerei anwandte. Unglaublich, was es hier zu bewundern gibt: Werke von Pablo Picasso, Lyonel Feininger, Franz Marc, Paula Modersohn-Becker, Max Liebermann, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Lovis Corinth, Otto Müller, Max Slevogt, usw. Beeindruckend! Hier kann man lange verweilen. Aber die Galerie schließt um 18 Uhr. Damit ist unserem Besuch ein Ende gesetzt. In einer Gasse gleich am St. Johanner Markt finden wir in einem italienischen Restaurant einen guten Platz und freuen uns über ein sehr schmackhaftes Abendessen.

30. Juli: Der zweite Tag im Saarland verspricht etwas Besonderes: Einen Baumwipfelpfad mit dem Aussichtsturm, der einen unverstellten Blick auf die Saarschleife, einem Wahrzeichen des Saarlandes, erlaubt. Der Weg führt nach Orscholz, einem heilklimatischen Kurort. Dort befindet sich direkt am Cloef-Atrium ein großer Parkplatz, der heute schon fast belegt ist. Glück gehabt, gerade parkt einer aus. Dieser Parkplatz ist unser. Der Eintritt zum Baumwipfelpfad „Saarschleife“ kostet für Senioren 10€. In gut 20 Meter Höhe schlängelt er durch den Wald. In Anständen sind Informationstafeln angebracht und Erlebnisstationen eingerichtet. Das ist natürlich auch etwas für Kinder. Der Pfad führt zu einem 42 Meter hohen Aussichtsturm, den man über einen Wendelgang erklimmt.

Und wahrlich, die Aussicht ist atemberaubend. Unter uns liegt die Saarschleife, eine Flusskehre eingebettet in die bewaldete Natur. Und das alles bei herrlichem Sonnenschein, der das Wasser der Saar glitzern lässt. Boote, eine Fähre (zum Dorf Dreisbach) und ein Ausflugsschiff erscheinen winzig. Auf dem inneren Bergrücken kann man die Burgruine Montclair ausmachen. Es wird viel fotografiert – und versucht, Abstand zu halten. Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher zur Aussichtsterrasse auf dem Cloef, die unterhalb des Aussichtsturmes liegt. Hier bietet sich eine Pause an, zumal sich ein Schiff nähert, ein willkommenes Fotomotiv.

Durch den Wald geht es zurück zum Parkplatz. Lotti hat die Idee, nach Mettlach zu fahren. Dort gäbe es ein Outlet-Center von Villeroy & Boch und noch einige andere. Gesagt, getan. In Mettlach erfrischen wir uns in einem der Cafés  mit einer Eis-Schokolade bzw. einem Eis-Kaffee. So gestärkt geht es zu Villeroy & Boch. Und tatsächlich wir beide finden etwas, was wir wohl unbedingt brauchen und sind sehr zufrieden. In Mettlach haben auch Trigema und Rösle ein Outlet-Center eingerichtet. Bevor wir uns auf den Rückweg machen, riskieren wir auch dort einen Blick nach dem Motto: Nur mal gucken. Das war ein Tag! Heute bereiten wir das Abendessen in der Ferienwohnung zu.

31. Juli: Diese Hitze. 36 Grad! Kaum zum Aushalten. Die Idee, baden zu gehen, sich abzukühlen, drängt sich geradezu auf. Aber wo? Die Karte muss her. Strandbäder sind überfüllt bzw. die Besucherzahl ist limitiert. Man muss sogar anstehen, um irgendwann eingelassen zu werden. Das ist insbesondere bei der Hitze keine Lösung. Wir suchen nach einem See, in dem man einfach so baden kann. Theoretisch eine gute Idee. Wie gesagt, theoretisch. Praktisch entscheiden wir uns für den Bostalsee, einem Stausee bei Nohfelden. Hier gibt es zwei Freibäder, ein Park-Center und hoffentlich viele freie Stellen zum Baden.

Aus Primstal kommend erreichen wir den See und finden auch durch das Ausparken eines Autos recht schnell einen Parkplatz. Ein Tagesticket kostet 4€. In diesem Bereich gehört der See zu einem Naturschutzgebiet. Eine Karte auf einer Informationstafel verrät die Existenz eines Wanderweges um den See. Auf geht’s. Der Idee folgen die praktischen Erfahrungen: Ob man es glaubt oder nicht, jede freie Stelle am See ist schon besetzt. Auch der unbequemste Platz ist belagert. Also weiter und immer weiter. Irgendwo drängeln wir uns auch an das Ufer und suchen nach einem Lagerplatz unter der Maßgabe Abstand halten. Na ja, irgendwie kriegen wir das hin, aber angenehm und bequem ist etwas Anderes. Jetzt aber schnell ins Wasser, in das kühle Nass. Das tut gut. Zum Verweilen lädt der Platz nicht ein. So machen wir uns nach zwei Badeeinheiten wieder auf den Weg. Irgendwie ziemlich verrückt. Wir laufen um den See; vorbei am Strandbad Gonnesweiler, über die Staumauer, kurze Pause im Park-Center (das mal eine Auffrischung verdient hätte), vorbei am Strandbad Bosen (eine Warteschlange vor dem Eingang) und am Campingplatz bis zu dem Parkplatz, wo unser Auto wartet. Rückfahrt und Abendessen in der Wohnung. Das war’s. Nicht ganz. Lotti wirft noch die Waschmaschine an.

1. August: Heute steht Kulturhistorisches auf unserem Ausflugsplan, die Völklinger Hütte nahe Saarbrücken gelegen. Es handelt sich um ein 1986 stillgelegtes Eisenwerk. 1994 wurde die Völklinger Hütte als erstes Denkmal aus dem Schwerindustriebereich von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Wir sind gespannt. Schon von weitem ist die riesige Industrieanlage zu sehen, fast drohend erhebt sie sich neben der Stadt Völklingen. Parken, kein Problem. Ein ausgedehnter Parkplatz steht kostenlos zur Verfügung. Ein Eintrittsticket kostet 10€. Am Anfang des ca. 7000 Meter langen Rundgangs mit sieben Stationen steht die ehemalige Sinteranlage, in der eine multimediale Zeitreise einen Einblick in die Geschichte der Produktionsstätte bietet. Station zwei ist die 1000 Quadratmeter große Erzhalle. Heute Ausstellungs- und Kulturhalle. Von hier aus hat man einen weiten Panoramablick über Völklingen und das aktive Werk der Saarstahl AG. In der Möllerhalle, Station drei, wurden einst 12000 Tonnen Rohstoffe deponiert. Heute wird sie für temporäre Kunstausstellungen genutzt. Ich erinnere an die langen Wege, treppauf, treppab, manchmal hilft ein Fahrstuhl. Über die Gichtbühne in 27 Meter Höhe liefen Hängeloren, die die Rohstoffe in sechs Hochhöfen kippten. Das ist die Station vier auf dem Rundgang; nur mit Schutzhelm zu betreten. Man kann auf eine 45 Meter hohe Aussichtsplattform der Hochofengruppe klettern. Der Weg abwärts führt zur Abstichöffnung, d.h. hier floss das glühend heiße Roheisen aus dem Hochofen. Station fünf trägt den schönen Namen Paradies. Warum eigentlich? Es handelt sich um das Gelände der ehemaligen Kokerei und der Saar. In der Kokerei wurde der für die Hochöfen notwendige Koks erzeugt. Das war der schmutzigste, staubigste und schwerste Arbeitsplatz, eben die Hölle. Hier ist in mehr als 20 Jahren auf 33.000 Quadratmetern ein einzigartiger Landschaftsgarten entstanden, der zum Verweilen einlädt, eben ein Paradies. Im Untergeschoss der Möllerhalle, dem Ferrodrom als der sechsten Station, befindet sich ein Science Center, in dem über die Abläufe der Eisen- und Stahlproduktion informiert wird. Experimentierstationen laden Erwachsenen und Kinder zum Mitmachen ein. Die abschließende siebte Station umfasst die Gebläsehalle, in der Gebläsemaschinen, Kolosse aus Eisen und Stahl, Wind erzeugt haben, der in die Hochöfen geblasen wurde. Auch dieser Bereich dient jetzt als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum. Unser Rundgang dauert fast drei Stunden.

Gegen 17 Uhr sind wir wieder in der Ferienwohnung. Pause und Frischmachen. Dann geht es 19:30 Uhr zum St. Johannen Markt. Heute haben wir Glück und bekommen einen Platz im Hof der Gaststätte „Zum Stiefel“; kann man weiterempfehlen.