Potsdam – Sanssouci


2020/2021

Schon oft bin ich in meinem Leben im Park Sanssouci gewesen. Ich erinnere mich genau, einer der ersten Besuche war eine Schülerexkursion. Unsere Klasse fuhr nach Sanssouci, um zu fotografieren. Fotochemie gehörte zu unserer Ausbildung. Jahre später erkunde ich mit meinen Enkeln Park und Schlossanlagen.

Sanssouci – das Schloss „Ohne Sorgen“ – in Potsdam diente bis 1918 den preußischen Königen als Sommersitz. König Friedrich II., der Alte Fritz, gab 1745 den Auftrag zur Erbauung eines Sommerschlosses und zur Anlage eines Parks.  

Neues Palais

„Ohne Sorgen“ wäre wünschenswert, allerdings sind wir im Mai 2020 inmitten der Corona-Pandemie. Das bedeutet, keine Gebäude kann von innen besichtigt werden. Es bleibt der Park. Aber der hat viel zu bieten. Beginnen wir den Rundgang am westlichen Ende des Parks, wo die  Große Allee endet – beim Neuen Palais. Das barocke Schloss wurde 1769 als Unterkunft für königliche Gäste fertiggestellt.

Communs

Gegenüber, schon außerhalb der Parks, befinden sich die zur gleichen Zeit erbauten und nicht weniger eindrucksvollen Communs, den Wirtschaftsgebäuden des Schlosses (heute übrigens Heimstätte verschiedener Institut der Potsdamer Universität).

Orangerie

Der Spaziergang führt uns zum klassizistischen Orangerie-Schloss, das in der Residenzzeit von Friedrich Wilhelm IV. 1864 seiner Bestimmung übergeben wurde.

Hier überwintern in einer Pflanzenhalle wärmegewöhnte exotische Pflanzen. Im Zentrum steht der Raffael-Saal, ein musealer Gemäldesaal vor allem mit Kopien von Raffael-Gemälden, aber auch mit zahlreichen Skulpturen Besuchern offen.

Historische Mühle

Schon von weitem fällt eine Windmühle auf. Ungewöhnlich, eine Mühle so nahe am Schloss? Das gibt es so eine Geschichte zwischen König und Müller, na ja. Die ehemalige Bockwindmühle wurde 1791 durch eine Holländermühle ersetzt, die Ende des II. Weltkrieges zerstört wurde. 1993 erfolgte der Wiederaufbau der historischen Mühle, die heute auf vier Etagen ein Mühlenmuseum beherbergt – und in der wieder Getreide gemahlen wird.

Es gibt die Legende, nach der das Mühlengeklapper den König, also Friedrich II., so nervte, sodass dieser den Müller aufforderte, seine Mühle abzureißen und an einem anderen Ort neu zu errichten. Der Müller ließ sich aber nicht einschüchtern und drohte mit einer Klage vor dem Kammergericht in Berlin. Im Endeffekt fügte sich der König mit der Feststellung: „Die Mühle sey dem Schloss eine Zierde.“

Neue Kammern

Unterhalb der Windmühle westlich von Schloss Sanssouci gelegen befinden sich die Neuen Kammern, zunächst 1747 als Orangerie errichtet, 1771 zu einem noblen Gästequartier und vier Festsälen, der Ovidgalerie, der Blaue Galerie, dem Jaspissaal und dem Buffetsaal, umgebaut. Außen eher unscheinbar, innen sehenswert.

Schloss Sanssouci

Nun stehen wir auf der Weinberghöhe vor dem unter Leitung des Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff im Rokoko-Stil erbauten Schloss Sanssouci. Die Ausstattung der Schlossräume ist zu großen Teilen erhalten, aber in Corona-Zeit unzugänglich. Links und rechts säumt je ein  freistehender Gitterpavillon das Schloss. 1841/42 wurden die Seitenflügel des Schloss verlängert. Auf der östlichen Seite neben dem Schloss befindet sich die Grabstätte Friedrich II., neben seinen Hunden, so wie er es sich gewünscht hatte. Sein letzter Wille konnte erst 1991 an seinem 205. Todestag umgesetzt werden.

Unter uns die Weinbergterrassen mit Blick auf den großen Springbrunnen, die Große Fontäne. Die Wasserversorgung und damit der Betrieb der Wasserspiele im Park gelangen übrigens erst richtig mit Hilfe der Dampfkraft. 1842 wurde in Potsdam an der Neustädter Havelbucht eine Pumpstation, das Dampfmaschinenhaus, im Stile einer Moschee erbaut. Darin nahm eine von August Borsig hergestellte Dampfmaschine ihre Arbeit auf und stellte die Wasserversorgung im Park Sanssouci sicher: Die Große Fontäne stieg auf 38 Meter, so liest man. Auch die 1757 im östlichen Parkbereich errichtete Neptungrotte konnte ihrer angedachten Funktion durch die mangelnde Wasserversorgung zuerst nicht gerecht werden.

 

Bildergalerie

Östlich neben dem Schloss, ein paar Terrassenstufen tiefer befindet sich die nach knapp zehnjähriger Bauzeit 1862 eröffnete Bildergalerie, deren äußere Gestaltung an die der Neuen Kammern angelehnt wurde.  Viele der hier ausgestellten bzw. ehemals ausgestellten Gemälde haben eine sehr wechselvolle Geschichte erfahren. Sowohl die prachtvolle innenarchitektonische Komposition von Decke, Wänden und Fußboden als auch die gegenwärtig anzuschauenden Gemälde (u.a. Rubens, van Dyck, Caravaggio) lohnen einen Besuch.

Obeliskentor

Zunächst geht es weiter in Richtung Obeliskportal. Zwei 20 Meter hohe Obelisken rahmen eindrucksvoll den östlichen Parkeingang. Am Fuße der Obelisken stehen die Skulpturen Pomona, die Göttin der Ernte und der Baumfrüchte, und Flora, die Göttin der Blüte und Sinnbild des Frühlings – passend um sich auf eine solch bezaubernde Parklandschaft einzustimmen. An diesem Eingang beginnt die Große Allee, die 2 Kilometer lange Hauptachse des Parks.

Friedenskirche

Wir wenden uns nach rechts zur 1848 geweihten evangelischen Friedenskirche. Wilhelm IV. ließ diese Kirche als Hofkirche nach seinen Vorstellungen als Säulenbasilika mit einem freistehenden, 42 Meter hohen Turm, einem Campanile, bauen. Um die Kirche herum wurde eine Teichlandschaft angelegt. Leider sind Kirche und Turm stark sanierungsbedürftig. Das ist nicht zu übersehen.

Chinesisches Teehaus

Wir wenden uns in den südlichen Teil des Parks. Hier treffen wir zuerst auf das Chinesische Teehaus, das in der Zeit des Siebenjährigen Krieges (1753-63) errichtet wurde. Auf der Kuppel hat ein goldglänzender Mandarin mit Sonnenschirm Position bezogen. Chinesische Kunst und chinesisches Handwerk standen hoch in der Gunst europäischer Adelshäuser.

Römische Bäder

In der Regentschaft von Friedrich Wilhelm IV. dominierten italienische Einflüsse. Der König war Italienliebhaber. Das zeigt sich nicht nur an der Friedenskirche, sondern auch bei den Römischen Bädern. Hierbei handelt es sich um ein von 1829 bis 1840 errichtetes Gebäudeensemble aus Gärtnerhaus, Gärtnergehilfenhaus, Römisches Bad und Teepavillon, die durch Pergolen und Arkaden miteinander verbunden sind und an einen künstlichen See grenzen.

Schloss Charlottenhof

Der Wegführt weiter durch den Park zum Schloss Charlottenhof. Hier ließ der zukünftige preußische König Friedrich Wilhelm IV. ein kleines Schloss im klassisch-italienischen Stil als Sommersitz errichten. Nach dreijähriger Bauzeit konnte 1829 bezogen werden. Westlich von Schloss Charlottenhof befindet ein Hippodrom, in dessen Mitte ein monumentales Reiterdenkmal Friedrich des Großen stand. Dieses befindet sich heute in Berlin auf dem Stadtboulevard Unter den Linden.

Der Rundgang durch den 300 Hektar großen Park neigt sich dem Ende. Schon kommt das Neue Palais in Sicht. Im Park Sanssouci stehen nicht nur beeindruckende historische Gebäude, ist nicht nur interessante Architektur und Kunst aus unterschiedlichen Zeitepochen zu bewundern, auch der Park selbst hat seine Reize. So sind in ihm künstliche Wasserläufe, unterschiedliche Gärten wie Botanischer Garten, Sizilianischer Garten, Nordischer Garten, Paradiesgarten, Marlygarten und Park Charlottenhof angelegt. Überall im Park sind Statuen aus Sandstein oder Marmor zu bewundern. Um 1840 hat der bekannte Landschaftsarchitekt Peter Joseph Linné den in der Zeit Friedrich II. nach französischem Vorbild angelegten Barockgarten in einen englischen Landschaftsgarten umgestaltet. Das gesamte Ensemble Sanssouci, also der Park mit allen seinen Schlössern und anderen Gebäuden, gehören seit 1990 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

 

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