München

Vorbereitung

Lange geplant, immer wieder wegen Corona verschoben, eine Städtereise nach München mit Hanna und Gero. Doch jetzt geht es los. Wir haben Zimmer im Münchener Hotel New Orly gebucht und Fahrkarten für den ICE nach München gekauft. Die Koffer sind gepackt. Alles ist bereit.

7. Juni 2022: Anreise – Nymphenburg

Unsere Fahrkarten gelten für den ICE 507, der um 10:30 Uhr von Berlin nach München fährt. Ich stehe unruhig auf dem Bahnsteig. Von Hanna und Gero noch keine Spur. Sie reisen aus Rostock an. Ihre Umsteigzeit ist kurz bemessen und ihr Zug hat Verspätung. Der ICE rollt ein. Was tun? Ich steige ein und suche unsere Plätze. Und schon setzt sich der ICE in Bewegung. Während ich noch grüble, über wie, was und wo, kommen Hanna und Gero den Gang entlang. In letzter Minute haben sie den ICE erreicht und sind in den erstbesten Wagen eingestiegen. So mussten sie den ganzen Zug durchqueren, um die reservierten Plätze zu erreichen. Freude und Erleichterung. Jetzt können wir uns auf die Reise konzentrieren.

Hotel „New Orly“

Um 15 Uhr erreichen wir pünktlich München-Hauptbahnhof. Die Weiterfahrt mit Öffentlichen Verkehrsmitteln (Öffis) zum Hotel hatten wir im Vorfeld ausgekundschaftet. Jetzt schauen wir uns nach dem richtigen Zugang zur U-Bahn um. Mit der U1 fahren wir bis Maillinger Straße. Von hier aus sind es nur ca. fünf Minuten bis zum Hotel in der Gabrielenstraße 6. Oh, welch ein Schreck. Direkt vor dem Hotel ist eine riesengroße Baustelle, was man schon von weitem hört. Das Hotel hatte zwar darauf hingewiesen, aber die Größe der Baustelle überrascht schon. Es wird an einem Fundament für ein Eckgebäude gearbeitet, also Tiefbauarbeiten.

Nach einer Pause treffen wir uns um 17 Uhr im Foyer. Wir wollen uns die Nymphenburg anschauen, die gar nicht so weit von hier entfernt ist. Eine Station mit der U1 bis Rotkreuzplatz. Von hier aus ein schöner Spaziergang vorbei am Grünwaldpark den Schlosskanal entlang. Es ist zwar taghell und die Sonne scheint, alles wunderbar, aber es ist auch schon fast 18 Uhr und die Museen der Nymphenburg (Schloss Nymphenburg, Marstallmuseum, Museum Mensch und Natur, Palmenhaus) schließen. So schauen wir uns die gepflegten Außenanlagen an. Die Nymphenburg kann auf eine lange Geschichte verweisen. Sie wurde 1664 als Sommerresidenz erbaut und in den folgenden Jahrhunderten erweitert, aus- und umgebaut und entsprechend dem zeithistorischen Architekturstil immer weiter perfektioniert. Hier haben bayerische Kurfürsten und ab Anfang 19. des Jahrhunderts bayerische Könige residiert. Für einen ausführlichen Besuch der gesamten Anlage, der Schlösser und des Parks einschließlich notwendiger Erholungspausen – vielleicht im Schlosscafé – ist sicher ein Tag einzuplanen. Übrigens grenzt der Botanische Garten direkt an den Schlosspark an.

Um zum Hotel zurückzukommen, probieren wir eine andere Möglichkeit aus. Wir fahren mit der Tram 17. Allerdings führt uns dieser Weg wieder zum Hauptbahnhof, wo wir, wie heute schon praktiziert, in die U1 umsteigen. Das war umständlich. Aber in den nächsten Tagen macht sich unser Lernfortschritt in Sachen Öffis deutlich bemerkbar. Noch eine gute Nachricht: Am Hotel herrscht Ruhe. Die Bauarbeiter haben Feierabend.

8. Juni 2022: Starnberger See und Buchheim-Museum in Bernried

Ursprünglich wollten wir mit dem Regionalzug nach Garmisch-Partenkirchen fahren. Aufgrund des furchtbaren Zugunglücks vor fünf Tagen auf dieser Strecke, bei dem fünf Menschen starben und 16 Menschen schwer verletzt wurden, disponieren wir um. Wir machen uns auf den Weg zum Starnberger See. Mit der U1 fahren wir zum Hauptbahnhof, von dort mit der S-Bahn S6 direkt zum Starnberger See. Das klappt ganz wunderbar.

Direkt am Bahnhof befinden sich auch die Schiffsanleger mit dem Ticketverkauf. Wir entscheiden uns für ein Kombiticket, das sowohl für die Seenrundfahrt als auch für den Eintritt in das Buchheim-Museum in Bernried gültig ist. Um 11:35 Uhr legt unser Schiff „EMS Berg“ ab. Es handelt sich um ein elektrisch fahrendes Schiff, das 2021 in Dienst gestellt wurde und damit deutschlandweit das erste Seenschiff dieser Größe ist, das ausschließlich mit Ökostrom angetrieben wird. Es fährt auch völlig leise. Angenehm.

Schiffsrundfahrt auf dem Starnberger See mit der EMS „Berg“


Doch nicht nur das erfahren wir in der Fahrgastbroschüre der Bayerischen Seen-Schifffahrt. Auch über den See gibt es Informationen: Der Starnberger See ist 21 Kilometer lang, 5 Kilometer breit und bis zu 128 Meter tief. Auf jeden Fall ist er in ein wunderschönes Landschaftspanorama – im Hintergrund die Alpen – eingebettet. Und die Sonne lacht und meint es schon wieder fast zu gut. Der erste Halt ist nach 40 Minuten in Tutzing. Ab und zu erhalten die Passagiere Informationen über Sehenswertes bzw. historisch Interessantes: Sisis Lieblingsschloss in Possenhofen, die Sommerresidenz von König Maximilian II., die Votivkapelle zur Erinnerung an den Märchenkönig Ludwig II. oder das Buchheim-Museum in Bernried.
Und genau hier verlassen wir das Schiff, um diesem Museum einen Besuch abzustatten. Ein schöner Spaziergang meist am Seeufer entlang führt nach 800 Meter direkt dorthin. Bevor wir den Museumsrundgang starten, nehmen wir für einen kleinen Imbiss im Café Buffi Platz.

Bernried: Buchheim-Museum = Museum der Phantasie

Das Buchheim-Museum, auch als Museum der Phantasie bekannt, wurde von dem Maler und Fotografen Lothar-Günther Buchheim gegründet. 2001 fand die Eröffnung des modernen Baus, der in seiner Architektur einem Schiff nachempfunden ist, statt. Ein Steg ragt aus dem Gebäude bis auf den See hinaus.Auf dem Parkgelände sind allerhand verblüffende Skulpturen zu sehen. Auch im Museum selbst ist eine Abteilung diesen Kuriositäten gewidmet, aus der sich der Name „Museum der Phantasie“ ableitet.

 

Aber auf den 4000 Quadratmeter Ausstellungsfläche gibt es noch viel mehr zu sehen. So eine Sammlung namhafter Expressionisten, wie Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff, Franz Marc, Ernst Heckel. In einem angenehm temperierten Raum sind die Gemälde ausgestellt und jeweils mit einem informativen Text über den Maler versehen. Kontemplatives Betrachten ist garantiert.

In einer weiteren Abteilung kann man die Biographie von Lothar-Günther Buchheim (1918-2007) anhand von Fotos und Dokumenten nachvollziehen. Buchheim ist einem breiteren Publikum durch seinen 1973 veröffentlichten Roman „Das Boot“, der 1981 verfilmt wurde, bekannt geworden. In dem Roman hat der Autor seine persönlichen Erfahrungen als Kriegsberichterstatter insbesondere auf dem U-Boot U96 verarbeitet. Interessant auch die Enigma, eine Chiffriermaschine, mit der die Befehle an die deutschen U-Boote verschlüsselt wurden. Der Name „Enigma“ bedeutet so viel wie Rätsel, ganz passend.

Schiffsrundfahrt auf dem Starnberger See mit der MS „Seehaupt“

Nach 2,5 Stunden wandern wir die Uferpromenade zurück zum Schiffsanleger. Wir müssen ein paar Minuten warten, ehe die MS Seehaupt anlegt, die 15:55 Uhr zur großen Seenrundfahrt ablegt. Man kann es sich auf dem modernen Schiff bequem machen; sogar Liegestühle laden zum Chillen ein. An einem Kiosk können sich Hungrige und Durstige versorgen. Von Bernried fahren wir über Seehaupt (Namensgeber unseres Schiffes), Ambach, Tutzing, Possenhofen, Leoni und Berg (Namensgeber unseres ersten Schiffes) und legen nach 2 Stunden in Starnberg an.

Bisher war es ein ganz entspannter Tag. Das sollte sich in kürze ändern. Zwar können wir sofort in eine S-Bahn nach München einsteigen, bekommen auch einen Platz, aber der Zug fährt nicht los. Dafür hören wir im gefühlten Abstand von ein paar Minuten immer wieder die monotone Banddurchsage: Die Abfahrt verzögern sich um wenige Minuten. Wir bitten um Verständnis. Dieses Verständnis schrumpft gewaltig, weil kein Mensch weiß, warum und für wie lange die Strecke gesperrt ist. Nach ca. 40 Minuten rollt eine Regionalbahn in den Bahnhof ein. In der Hoffnung, dass diese freie Fahrt hat, steigen viele Leute, so auch wir, in den RB um. Aber auch das bringt nichts. Die Strecke ist vollständig gesperrt. Nach gut einer Stunde Ungewissheit geht es plötzlich weiter. Später erfahren wir den Grund für den Aufenthalt: Es gab in Pasing in der Nähe des Bahnhofs in einem Shoppingcenter eine Terror-Bombendrohung. Dann ist natürlich klar, dass dort keine Züge fahren können. Eine Information hätte viel Unmut erspart.

9. Juni 2022: Stadtzentrum von München im Regen

Gestern in der Sonne geschwitzt, heute vom Regen abgekühlt. Inzwischen haben wir einen recht guten Überblick über die Öffis in der Hotelumgebung. Unterm Regenschirm geht es zur Tram 16 in der Arnulfstraße, mit der wir zum Stachus fahren. Der Stachus heißt eigentlich Karlsplatz und das Stadttor, das dort in die Fußgängerzone führt, ist das Karlstor. Die Bezeichnung „Stachus“ ist historischer Natur und allgemein bekannt. Ab 1728  hatte hier ein Mathias Eustachius Föderl, Spitzname „Eustachi“, ein Gasthaus, den Stachus-Garten. Wahrscheinlich war diese Schenke so beliebt, dass die Leute diesen Namen auf den gesamten Platz übertrugen.

Wir nehmen den Stachus im Nieselregen wahr. In der Mitte kämpfen die Fontänen eines großen Brunnens gegen das Wasser von oben an. Rechts und links von uns sind die Gebäude verhüllt und umzäunt, Umleitungen sind eingerichtet. Ein Kaufhaus und der gewaltige neobarocke Justizpalast sind Baustellen. Überhaupt, das kann ich an dieser Stelle schon vorwegnehmen, in Münchens Innenstadt wird viel gebaut. Kaum ein Flecken, wo man keine Baustelle sieht. Es scheint, als wolle die Stadt sich häuten.

Wir überqueren den Stachus und schreiten durch das Karlstor, eines der drei erhaltenen Stadttore, in die Neuhäuser Straße. Diese und ihre Fortsetzung die Kaufinger Straße sind eine der Fußgängerzonen in der Münchener Innenstadt. Auf der linken Straßenseite fällt sofort die für eine Kirche ungewöhnliche Fassade der Michaelkirche auf. Diese Kirche wurde Ende des 16. Jahrhunderts als Jesuitenkirche erbaut. Oben im Giebel schaut Christus herab, unten zwischen den Eingangsportalen tötet der Erzengel Michael mit einer Lanze den mystifizierten Feind des katholischen Glaubens. Wie fast alle katholischen Kirchen ist sie auch innen reich mit sakraler Kunst geschmückt.

Aber eben nur fast, der Münchener Dom (Dom zu Unserer Lieben Frau, oft kurz Frauenkirche genannt), ein Wahrzeichen der Stadt, vermittelt einen moderneren Eindruck. Wir betreten die Kirche durch das Hauptportal und kommen in ein helles, lichtes Kirchenschiff mit einem architektonisch interessanten Sternengewölbe. Die Kirche wurde Ende des 15. Jahrhunderts geweiht und hat durch ihre beiden fast 100 Meter hohen charakteristischen Türme einen hohen Wiedererkennungswert.

Vom Dom aus erreichen wir den Marienplatz mit seinem (neuen) Rathaus, das in der Wendezeit zum 20. Jahrhundert als ein riesiger Rathauskomplex erbaut wurde. Die fast 100 Meter lange Hauptfassade ist mit Stuckarbeiten reich verziert. Im Mittelpunkt stehen der Fürstenzug der Wittelsbacher Herrscher und das Reiterstandbild des Prinzregenten Luitpold – und natürlich der Balkon, auf dem sich Prominente und Sieger feiern lassen. Und nicht zu vergessen ist der promiente 85 Meter hohe Turm, in dem auch ein Glockenspiel untergebracht ist. Wir kommen gerade recht. Es ist fast 12 Uhr. Gleich wird das Glockenspiel mit seinen 43 Glocken ertönen. Der Marienplatz ist voller Menschen, die ganz still werden, als das Glockenspiel erklingt und  Figuren erscheinen, die auf zwei Etagen sich drehen und an zwei Ereignisse der Münchener Geschichte erinnern. Der Regen hat zwischendurch mal aufgehört, jetzt setzt er wieder ein. Das wird uns den ganzen Tag begleiten. Später haben wir uns das Rathaus auch von innen angesehen.

Mitten auf dem Marienplatz steht die Mariensäule, die 1638 mitten im Dreißigjährigen Krieg als Dank für die Verschonung der Stadt München vor der Zerstörung durch die schwedischen Truppen, die Rache für die Zerstörung Magdeburgs durch das katholisch-kaiserliche Heer unter General Tilly forderten, errichtet wurde. Der schwedische König Gustaf Adolf bewahrte München vor einer Plünderung nach Zahlung eines Schutzgeldes von 300.000 Talern. Auf der Säule thront die heilige Maria als Schutzpatronin Bayerns. Die Putten am Fuße der Säule symbolisieren den Kampf gegen Krieg, Hunger, Krankheit und Unglauben. Vor dem Haupteingang des Neuen Rathauses befindet sich der Fischbrunnen.  Es ist ein moderner Brunnen, errichtet 1995, da sein neugotischer Vorgänger im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Ein paar Schritte weiter steht das Alte Rathaus, ebenfalls im Krieg zerstört und wiederaufgebaut.

Wir laufen rüber zum Viktualienmarkt. Hier wollten wir einfach über den berühmten Markt schlendern, auf dem regionale Lebensmittel und Feinkost aus aller Welt angeboten werden. Der Markt hat ein eigenes Flair, alte Bäume, ein riesiger Maibaum und sechs verschiedene Brunnen. Aber die Buden und Gasthäuser sind nicht willkürlich angeordnet, sie sind in sieben Abteilungen gegliedert. Bis auf Feiertage ist der Markt täglich geöffnet. Die Waren werden in festen Buden angeboten. Das kommt uns auch gerade recht. Nichts mit Schlendern, sondern Einkehr in eine feste Behausung. Uns verschlägt es in das rustikale Gasthaus Nordsee. Das ist dem Wetter geschuldet. Wir wollten etwas typisch Bayerisches essen, hat uns das Unterbewusstsein einen Streich gespielt? Ich schiebe es auf den Regen.

Vom Viktualienmarkt spazieren wir zurück zum Marienplatz und weiter auf der Residenzstraße in Richtung Odeonsplatz, einem weiteren zentralen Platz Münchens mit interessanten Sehenswürdigkeiten. Hier wurde zur Ehren des bayerischen Heeres 1844 die Feldherrnhalle nach dem Vorbild der im 14. Jahrhundert in Florenz erbauten Loggia dei Lanzi errichtet. In der Loggia dei Lanzi stehen heute weltbekannte Statuen weltbekannter Künstler wie der David von Donatello. In der Feldherrnhalle befindet sich neben dem Bayerischen Armeedenkmal eine Bronzestatue des Generals Tilly, der im Dreißigjährigen Krieg die Zerstörung Magdeburgs zu verantworten hat. Neben der eher grauen Feldherrnhalle glänzt die ockerhelle Fassade der Theatinerkirche. In unmittelbarer Umgebung befinden sich das Residenzschloss und der Hofgarten. Wir biegen aber in Brienner Straße ein und setzen hier unseren Spaziergang fort. Vor dem Residenzmuseum auf dem Wittelsbacher Platz steht die Reiterstatue von Maximilian I. (1573-1651), der zur den Begründern der katholischen Liga gehörte und im Dreißigjährigen Krieg auf deren Seite kämpfte.

Am Karolinenplatz haben wir unser Ziel fast erreicht, das NS-Dokumentationszentrum. Der Eintritt ist kostenfrei. In dem modernen kubische Bau, der an der Stelle errichtet wurde, wo sich die Parteizentrale der NSDAP befand, informieren seit 2015 eine Dauerausstellung, temporäre Präsentationen und Veranstaltungen über die Geschichte des Nationalsozialismus insbesondere in der Stadt München, wo die NSDAP gegründet wurde. Welche Rolle hat München als so genannte „Hauptstadt der Bewegung“ bei der Entwicklung und Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie und der Vorbereitung und Durchführung der verbrecherischen Politik gespielt?

Anhand von offiziellen Dokumenten, Zeitzeugenberichten,  Statistiken, Fotos, Videos, interaktiven Lerntischen wird diese Entwicklung nachvollzogen. Wir schließen im Untergeschoss unsere Sachen ein und fahren mit dem Lift in die vierte Etage, so die Dauerausstellung chronologisch beginnt. Der Weg führt entlang eines fiktiven historischen Zeitstrahls und von Etage zu Etage zurück bis zum Erdgeschoss. Im Mittelpunkt stehen jeweils bestimmte Themenfelder, die informieren und zur Auseinandersetzung herausfordern. Wir sind 2 Stunden  in dem Dokumentationszentrum. Es war ein emotionaler Gang durch dieses düstere Kapitel unserer Geschichte. Danach fahren wir mit der Tram 21 und der Tram 16 zurück zum Hotel, um eine Pause zu machen.

Ich habe mich um 19 Uhr mit Barbara verabredet. Barbara hatte ich bei der Geburtstagsfeier in Schwedt kennengelernt. Sie arbeitet in München und als ich ihr von meinem geplanten Münchenbesuch erzählte, hat sie gleich ein Treffen vorgeschlagen, was ich ganz prima fand. Erst wollten wir uns in der Nähe des Hotels treffen, aber dann hat sie kurzerhand gesagt, sie holt mich von dort ab und bringt mich auch wieder zurück. Das ist natürlich eine feine Sache. Um 19 Uhr fährt sie uns zur vietnamesischen Gaststätte Quam Com , wo sie in weiser Voraussicht zwei Plätze reserviert hat. Das war auch eine echt gute Idee, denn die Lokalität ist gut besucht. Zufallsbesucher finden keinen Platz. Aber wir bekommen einen Zweiertisch und später ein ganz vorzügliches Essen. Erst um 23 Uhr verlassen wir das Restaurant nach einem wirklich schönen Abend, an dem wie uns über Gott und die Welt ausgetauscht haben – eine Bayerin und eine Berlinerin und erstaunlich viele Gemeinsamkeiten.

10. Juni 2022: Lenbachhaus und Englischer Garten

Gero möchte unbedingt dem Hofbräuhaus einen Besuch abstatten. Das steht auf unserer heutigen Aktivitätsliste ganz oben. Um 11 Uhr öffnet das Hofbräuhaus seine Pforten. Wir müssen noch etwas warten, aber dann hinein in die gute Stube bayerischer Gastlichkeit. Einer kurzen Erläuterung ist zu entnehmen, dass im Erdgeschoss, wo wir uns gerade befinden und das Kreuzgewölbe bewundern, früher das Bier gebraut wurde. Hier finden 1300 Gäste Platz. Aber damit nicht genug. Das Hofbräuhaus hat drei Etagen und verschiedene Lokalitäten: Fest- und Wappensaal, Bräustüberl, Münchener Zimmer, Erkerzimmer, Erkersaal und einen Biergarten. Ein Souvenirladen darf nicht fehlen. Für jeden etwas. Es empfiehlt sich, rechtzeitig einen Tisch zu reservieren.

ünchen: Max-Joseph-Platz mit Nationaltheater und Reiterdenkmal Maximilian I.

Vom Hofbräuhaus laufen wir zum Max-Joseph-Platz. Hier steht das imposante im klassizistischen Stil erbaute Nationaltheater, in dem 2100 Zuschauer Platz finden.  Es wurde 1818 eröffnet und ist u.a. Spielort der Bayerischen Staatsoper. Der weiträumige Max-Joseph-Platz davor sieht nach meinem Geschmack trotz der repräsentativen Bebauung und seiner Lage zwischen den zentralen Boulevards Münchens (Maximilianstraße, Residenzstraße, Hofgartenstraße) ziemlich kalt aus. Steinpflasterung des gesamten Platzes, kein Baum, kein Strauch, keine Blume – in der Mitte das von dem Bildhauer Christian Daniel Rauch (1777-1857) geschaffene Reiterdenkmal für den bayerischen König Maximilian I. (1756-1825), nach dem auch der Platz benannt wurde.

Wir möchten jetzt zum Lenbachhaus fahren, weil wir im Vorfeld gelesen haben, dass dort bekannte Gemälde der Gruppe „Blaue Reiter“ ausgestellt sind. Es gibt ja den zeitgenössischen Spruch, hier in kurzer Abwandlung: Wo X draufsteht, sollte auch X drin sein. Jedenfalls haben wir uns von dieser Weisheit wohl unbewusst leiten lassen, als wir mit der Tram19 zum Lenbachplatz gefahren sind, in der Annahme, dass sich im dortigen Umfeld das Lenbachhaus befinden müsste. Ein Blick auf die Karte hätte uns die folgende Anstrengung erspart. Aber wir waren ohne jeden Zweifel, deshalb keine Kontrolle, dafür ein langer Fußmarsch.

München: Königstor

Das Lenbachhaus, eine städtische Galerie, befindet sich im Kunstareal Münchens am Königsplatz in der historischen Villa des Malers Franz von Lenbach und in dem angebauten kubischen Neubau. Am besten erreicht man es mit der U-Bahn (U2), Station Königsplatz, oder mit der Tram 27 bzw. 28. Jetzt wissen wir es. Am Königsplatz, den wir nun erreichen, entdecken wir zwei streng im klassizistischen Stil erbaute Gebäude, die Glyptothek mit der antiken Skulpturensammlung und gegenüberliegend die Staatliche Antikensammlung; vor uns ein ebenfalls in Anlehnung an die griechische Antike errichtetes Tor, das Königstor.

München: Lenbachhaus


Das Lenbachhaus befindet sich in der Luisenstraße auf der anderen Seite des Tores; ermäßigter Eintritt: 5€. Es besitzt die weltweit größte Sammlung zur Kunst des Blauen Reiter, einer der bedeutendsten Künstlergruppe der Klassischen Moderne: u.a. Werke von Franz Marc, August Macke, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Gabriele Münter, Alexej Jawlensky, Marianne von Werefkin, Heinrich Campendonk. Wer hat nicht schon einmal die farbintensiven, faszinierenden Gemälde „Blaues Pferd“ oder „Der Tiger“ von Franz Marc gesehen. Hier sind sie im Original zu bestaunen. Zudem wird auch die Münchner Kunst des 19. Jahrhunderts präsentiert. Der Rundgang ist in den hellen, Ruhe, Kontemplation und Inspiration ausstrahlenden Räumen ein Erlebnis, das wir sehr genießen. Genauso wie die Nachmittagspause in dem Museumscafé mit dem sehr freundlichen und hilfsbereiten Servicepersonal. Hier bekommen wir auch noch den Hinweis auf den Kunstbau, einer unterirdischen Ausstellungsfläche, die sich im Zwischengeschoss des U-Bahnhofs Königsplatz befindet. Das müssen wir auf einen nächsten Besuch verschieben. Aber das ist vielleicht noch von Interesse: Das Lenbachhaus ist wie das Buchheim-Museum in Bernried ein Element der „MuSeenLandschaft Expressionismus“, einem Kultur-Marketingprojekt, welches eine Verbindung zwischen Naturerleben und Kunst anstrebt. Zu diesem Projekt gehören auch das Schlossmuseum in Murnau, in dem man insbesondere den Werken von Wassili Kandinsky und Gabriele Münter begegnet, das Museum Penzberg mit seiner Campendonk-Sammlung und das Franz-Marc-Museum in Kochel am See.

Mit dem Bus 58 fahren wir zum Englischen Garten, eine mit 375 Hektar außerordentliche große Parkanlage am Westufer der Isar, die – wie der Name vermuten lässt – im Stile englischer Gartenarchitektur angelegt worden ist, die sich im 18. Jahrhundert entwickelte. Im Gegensatz zu der bis dahin vorherrschenden barocken Gartenkultur, die sich durch eine strenge geometrische Struktur und das Arrangement vieler Blumenbeete auszeichnete, folgen Parkanlagen im englischen Stil den vorherrschenden natürlichen Bedingungen. Die Natur wird auf der Grundlage ihres Seins hauptsächlich durch Bäume, Sträucher und Stauden gestaltet und mit so genannten Aha-Mauern von der naturbelassenen Umgebung abgegrenzt. Eine Akzentuierung erfolgt durch den Bau von kleinen Tempeln, künstlichen Ruinen, Grotten, Pagoden, Lauben, Skulpturen, Brunnen, Stelen etc.  Wir unternehmen einen längeren Spaziergang in den nördlichen Parkbereich bis zum Eisbach. Auf dem Rückweg machen wir im Biergarten am Chinesischen Turm halt. Der erstmals Ende des 18. Jahrhundert aus Holz gefertigte Turm im Stile einer Pagode ist 25 Meter hoch und hat über dem Erdgeschoss vier weitere Etagen. Auf der ersten spielt eine Blaskapelle auf. Der Biergarten ist voller Menschen, essen, trinken, schauen, spielen – in der freien Atmosphäre scheint sich jeder wohl zu fühlen.

Mit dem Bus und der U-Bahn geht es zurück zum Hotel, wo wir für zwei Stunden die Beine hochlegen. Gegen 19 Uhr machen wir uns noch einmal auf. Mit der U-Bahn (U1/U4) fahren wir zum Max-Weber-Platz. Dort soll es, so ein heißer Tipp, einen zünftigen Biergarten geben. Nach ein bisschen Suchen finden wir diesen auch am Wiener Platz unweit des Max-Weber-Platzes. Hier soll es nicht so voll sein. Aber das erweist sich als Illusion. Mit Mühe ergattern wir drei Plätze an einem der langen Tische; unter den großen, alten Bäumen ein schönes, schattiges Plätzchen. Der Verkauf von Essen und Trinken ist als Selbstbedienung total durchorganisiert. Wir nehmen jeder ein Maß Bier und ein Schnitzel mit Pommes bzw. Kartoffelsalat. Ein kleineres Bier als eine Maß gibt es, glaube ich, gar nicht und das Schnitzel ist so groß wie ein Wagenrad. Na dann einen “Guten“.

Langsam wird es dunkel, aber es ist immer noch sehr warm. Auf dem Rückweg machen wir am Hauptbahnhof einen Stopp, um auszukundschaften, wo sich die Schließfächer befinden. Diese werden morgen gebraucht.

11. Juni 2022: Noch einmal Münchener Stadtzentrum, dann Rückreise

Abreisetag. Aber der Vormittag gehört noch München. Für unsere Verhältnisse zeitig um 9:15 Uhr verlassen wir das Hotel, fahren zum Hauptbahnhof, schließen dort unser Gepäck ein und machen uns auf den Weg zum Marienplatz. Heute glänzt die Marienstatue in der Sonne. Überhaupt ein sonniger Tag. Alles sieht viel freundlicher aus.

Gero braucht ein bisschen Zeit für sich, Hanna hat eher Shopping im Sinn, zumindest mal gucken, mich zieht es zur Peterskirche. Ich möchte auf ihren Turm steigen (3€) und München von oben betrachten. Die Peterskirche, genauer die katholische Pfarrkirche Sankt Peter, erhebt sich nahe dem Marienplatz und wird vom Vikualienmarkt und dem Rindermarkt flankiert. Sie ist die älteste Pfarrei Münchens.

Der weithin sichtbare Turm von Sankt Peter, genannt Alter Peter, ist 91 Meter hoch und ein Wahrzeichen Münchens. So hoch muss (kann) man nicht kraxeln, will man einen Blick über die Dächer Münchens werfen. Aber immerhin sind 306 Stufen zu bewältigen bis man in 57 Meter Höhe  die Aussichtsplattform, auf der ich jetzt stehe, erreicht. Eine wunderbare Aussicht auf ein traditionsreiches und sehr lebendiges Stadtpanorama. Hier bekommt auch meine Handy-Kamera das Neue Rathaus und den Dom viel besser ins Visier, wenn auch nicht perfekt. Das kann man von dieser Kamera wohl auch nicht erwarten.

Wieder auf der Erde spaziere ich zum Rindermarkt. Erfreulich wie viele kleine Geschäfte es noch gibt. Und ein Gewusel von Menschen. Überall stehen Stände mit frischen Obst, das einen anlacht. Am Kaufhaus spielt eine Gruppe Musiker auf. Ich lasse mich einfach treiben und lande schließlich am Sendlinger Tor. Ein Blick auf die Uhr. Schnell mit der U-Bahn zum vereinbarten Treffpunkt. Am Hauptbahnhof holen wir unser Gepäck aus den Schließfächern. Es soll Menschen geben, die das im Reisefieber vergessen haben. Der ICE 506 fährt ein und auf die Minute genau verlässt er um 12:55 Uhr München und wir mit ihm.

Wir haben viel gesehen, Interessantes entdeckt, die gemeinsame Zeit einfach genossen. Natürlich könnte man sich noch viel mehr in der bayerischen Hautstadt anschauen. Ich denke an das Deutsche Technikmuseum, die Münchener Residenz, die Gemäldegalerien, Alte und die Neue Pinakothek, das Olympiaforum, die Nymphenburg, den Tierpark Hellabrunn und vieles, was wir gesehen haben, mit mehr Zeit noch genauer in Augenschein nehmen.

 

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