Madrid

11. Mai 2022:
Madrid – Debud-Tempel, Königspalast und Almudena-Kathedrale

Ferienwohnung in Madrid

Wir wohnen in einer Erdgeschoßwohnung im Hof eines Miethauses. Der Hof steht voller Pflanzen und ist von Wäscheleinen durchzogen. Das wirkt auf Lotti wie ein Signal. Sofort wirft sie die Waschmaschine an. Unser neues Domizil ist mit Wohnzimmer, zwei Schlafzimmern, Küche und Bad relativ geräumig. Die Einrichtung verrät einen speziellen Geschmack, antiquarisches Art Deco neben IKEA-Flair. Durchaus angenehm. Am Morgen ein Schock: Wir stellen fest, dass wir bei offener Tür geschlafen haben. Das Türschloss gehört in die Abteilung antik, funktioniert aber, wenn man weiß, was zu beachten ist.

Madrid: Metrostation Legazpi

Nach dem Frühstück machen wir uns auf, Madrid zu erkunden. Ganz in der Nähe von unserem Apartment befindet sich die nächste Metrostation Legazpi. Zunächst muss man eine Tarjeta Multi (Multi-Karte) für 2,50€ kaufen (nicht erstattbar), um auf diese die entsprechenden  Tickets (z.B. Zehnerticket für 12,20€) aufzuladen. Das dauert eine Weile bis wir das System mit Hilfe netter Spanier durchschaut haben. Für jeden, der Madrid individuell kennenlernen möchte, ist so eine Karte durchaus empfehlenswert; es sei denn man entscheidet sich für eine Touristenkarte. Mit der Metro ist man in Madrid sehr beweglich. 12 Linien sind ausgebaut und man erreicht schnell sein Ziel. Die Züge fahren oft in einem Abstand von nur zwei Minuten; man braucht also einer Bahn nicht hinterherrennen. Unsere Metrofahrt bringt uns von Legazpi bis zum Plaza del Callao. Hier sind wir auch schon an einer der belebtesten Hauptstraßen (Gran Via) der Stadt, wo auch die Sightseeing-Busse ihre Bahnen ziehen. Und mit so einem Bus wollen wir uns erst einmal einen Überblick über die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten verschaffen. Die Tickets (10€ für Senioren) erwirbt man an einem der vielen Zeitungskioske.

Da kommt auch schon der nächste Bus. Rauf aufs Oberdeck (trotz der Hitze), Kopfhörer anschließen, schauen und hören. Die Fahrt führt die Gran Via entlang, über den Spanischen Platz (Plaza de Espana), vorbei am Debod-Tempel (Templo de Debod) zum Königsschloss (Palacio Real) und zur Kathedrale (Catedral de la Almudena). Am Triumphbogen Glorieta de Puerta de Toledo wendet der Bus und fährt zum Hauptplatz (Plaza Mayor), zum Sonnentor (Puerta del Sol), zum Kolumbus-Platz (Plaza de Colón) mit dem Kolumbus-Monument, zum Cibeles-Platz (Plaza de Cibeles) mit Rathaus und dem Cibeles-Brunnen; wir fahren am Botanischen Garten und am Prado vorbei und sehen die Wolkenkratzertürme (Torres de Colon), die Nationalgalerie und noch sehr Vieles mehr.

Schließlich erreichen wir wieder den Debod-Tempel, wo wir aussteigen. Ein altägyptischer Tempel mitten in der spanischen Hauptstadt. Was hat es damit wohl auf sich? Im Bus haben wir schon etwas zu seiner Geschichte gehört. Es handelt sich um einen altägyptischen Tempel am Nilufer in der Nähe von Debod. Als 1960 der Assuan-Staudamm gebaut wurde, drohte eine Überflutung antiker archäologischer Artefakte, die zu antiken Zeiten in der südlichen Nilregion errichtet worden waren. Dazu gehörte auch der Debod-Tempel, der aus Sicherheitsgründen abgebaut wurde. Nach einem Aufruf der UNESCO half Spanien bei der Rettung der im 13. Jahrhundert v. Chr. unter der Herrschaft von Pharao Ramses II. errichteten Felsentempel von Abu Simbel.

Madrid: Altägyptischer Debod-Tempel

Als Dank für diese Unterstützung bekam Spanien von Ägypten 1968 den Tempel von Debod geschenkt, der in Madrid im Parque del Cuartel de la Montaña wiederaufgebaut wurde und besichtigt werden kann. Wir schreiten also frohen Mutes in Richtung des auf einem Hügel stehenden Tempels. Dort werden wir mit wedelnden Handbewegungen abgewiesen und nicht eingelassen. Es dauert eine Weile bis wir verstehen. Gut 50 Meter entfernt zieht sich eine lange Schlange von Besucherwilligen, die sich in der unbarmherzigen Hitze im Schatten angestellt hat. Es darf nur eine begrenzte Besucherzahl in den Tempel (auch wegen Corona). Die wedelnde Hand signalisiert, wenn ein Zugang möglich ist. Ein Blick auf die Schlange nährt die Vermutung, das kann dauern. So nehmen wir nur eine äußere Besichtigung vor und laufen weiter in Richtung Schloss in der Hoffnung, dort mehr Glück zu haben. Zunächst machen wir eine kleine Pause in einem kleinen Café, wo ich den besten Smoothie meines Lebens serviert bekomme. Den muss Lotti auch probieren.

Das Königsschloss (Palacio Real) steht im Zentrum der spanischen Hauptstadt. Das repräsentative Gebäude wurde 1764 fertiggestellt. Es ist der größte Königspalast in Europa und außerordentlich prunkvoll ausgestattet. Es gibt natürlich den Thronsaal, einen Festsaal und eine Königskapelle. Weitere repräsentative Räume sind der Saal der Hellebarden, der Säulenhalle, die Königliche Waffenkammer und die Königliche Apotheke sowie eine Vielzahl von Räumen mit Gemälden, Tapisserien, Skulpturen, Musikinstrumenten, Porzellan und Glas. Der vierteilige Gebäudekomplex umschließt im Innern den Fürstenhof. Wir müssen trotz einer Warteschlange nicht lange anstehen. Ein Seniorenticket kostet 6€. Schon betreten wir den großen Ehrenhof (Plaza de la Armeria). Von hier aus werfen wir einen Blick auf den Schlosspark (Jardines del Campo del Moro), ehe wir über die Haupttreppe schreiten und mit der Schlossbesichtigung beginnen. Viele der oben genannten Sehenswürdigkeiten und die royale Pracht in ihrer Gesamtheit können wir in Augenschein nehmen.

Nach dieser Schlosstour wäre eine Pause angebracht. Da aber die Almudena-Kathedrale (Catedral de la Almudena), auch ein architektonisch beeindruckender Bau, sich unmittelbar gegenüber dem Ehrenhof der Schlossanlage befindet, schließen wir eine Kirchenbesichtigung an. Interessanterweise ist die Kirche jünger als der Schlosspalast. Ihr Bau zog sich von 1879 bis 1993 über 100 Jahre hin. Seit ihrer Weihung 1993 ist sie Bischofskirche von Madrid. Außen neoklassizistisch passend zur Schlossarchitektur, innen neugotisch und modern mit vielen Pop-Art-Elementen.

Wir sind mit unseren Kräften fast am Ende. Am Opernplatz steigen wir in die Metro ein und fahren zur Ferienwohnung zurück. Inzwischen ist es fast 19 Uhr. Eine Stunde später begeben wir uns auf Suche nach einem einladenden Restaurant. Diese Idee haben nicht nur wir. Das dauert eine Weile, bis wir eine passende Lokalität finden und zu Abend essen.

12. Mai 2022: Madrid – Prado und Retiro-Park

Heute Vormittag geht es in den Prado (Museo del Prado), die berühmte Gemäldesammlung Madrids. Die Karten für ein Zeitfenster haben wir schon Wochen im Voraus per Internet gebucht in der Hoffnung, so eine lange Warteschlange umgehen zu können. Das hat auch wunderbar geklappt. Um 11 Uhr betreten wir das ehrwürdige Haus durch den unteren Goya-Eingang. Innen ist alles modern und vom Feinsten. Zunächst holen wir uns mit unserem Reservierungsformular (Locator) unter Vorlage des Reisepasses oder Ausweises gültige Tickets (7,50€), die für den ganzen Tag gelten. Dann geht es zur Sicherheitskontrolle ähnlich wie an einem Flughafen. Schließlich schließen wir noch unsere Rucksäcke ein, wenn diese auch klein sind, so ist es doch bequemer. In zwei Stunden wollen wir uns wieder im Foyer treffen. Jeder begibt sich auf seine individuelle Kunstreise.

Im Erdgeschoss entfaltet sich die Renaissance. Hier sind u.a. Werke von Raffael (1483-1520), Hieronymus Bosch (1450-1516) und Albrecht Dürer (1471-1528) zu bewundern. Ich nenne ein paar Beispiele (Fotos sind an dieser Stelle leider nicht möglich): Von dem italienischen Renaissance-Maler Raffael (der gemeinsam mit Michelangelo und Leonardo da Vinci am Petersdom mitgearbeitet hat) hängt sein Bild Der Kardinal im Prado. Seine berühmte Sixtinische Madonna befindet sich übrigens in Dresden in der Gemäldegalerie alter Meister. Von dem deutschen Maler Albrecht Dürer ist sein Selbstbildnis mit Landschaft aus dem Jahre 1498 zu sehen. Der niederländische Maler Hieronymus Bosch ist mit dem 220×390 Zentimeter großen Triptychon Garten der Lüste vertreten. Mystische Gestalten, Fabelwesen, doppeldeutige Situationen, bedrohliche Szenen verwoben zu einer rätselhaften Darstellung, in deren Zentrum die menschlichen Todsünden, die durch wiederkehrende Symbole dargestellt werden, stehen (z.B. Kröte – Verdorbenheit, Bär – Zorn; Trichter – Betrug, Hinterlist). Viel Raum für Interpretationen.

Im Labyrinth der Kunst, wohin soll man sich wenden, was soll man sich ansehen? Waren im Erdgeschoss vorrangig Renaissance-Maler ausgestellt, sind es in der ersten Etage in erster Linie Maler des Barock. Im ersten Stockwerk stößt man beispielsweise auf die venezianischen Maler Tizian (1488-1576) mit dem Bild Charles V. in der Schlacht bei Mühlberg und Jacopo Tintoretto (1518-1594), dessen Bild Die Fußwaschung bei der Betrachtung mit einer grandiosen optischen Täuschung überrascht. Ein Meiserwerk nach dem anderen: Die Mädchen von dem spanischen Hofmaler Diego Velazquez (1599-1660), Die unbefleckte Empfängnis von Bartolomé Esteban Murillo (1617-1682),  Die Hinrichtung von dem spanischen Maler Francisco de Goya (1746-1828), das Bildnis Der Herr mit der Hand auf der Brust von dem aus Griechenland stammenden und in Toledo arbeitenden Maler El Greco (1541-1614), Die drei Schönen von dem flämischen Maler Peter Paul Rubens (1577-1640), Sir Endymion Porter und Anton van Dyck von seinem Schüler Anthonis van Dyck (1599-1641), der als Maler am englischen Hof tätig war, oder auch das Bild David besiegt Goliath von dem italienischen Maler Michelangelo Merisi da  Caravaggio (1571-1610). Ein kleiner Ausschnitt dessen, was den Besucher im Prado erwartet. Italienische, flämische und niederländische, deutsche, französische und natürlich spanische Malerei. Allein die Goya-Sammlung umfasst mehr als 100 Gemälde, die auf allen drei Etagen zu finden sind. Nicht zu vergessen die umfangreiche Skulpturensammlung.

Madrid: Café unweit des Prado

Nach zwei Stunden treffen wir uns wie verabredet im Foyer. Unsere Aufnahmefähigkeit ist auch erschöpft. In einem kleinen, sehr liebevoll eingerichteten Café nahe der Hieronymus-Kirche lassen wir die vielen Eindrücke erst einmal sacken. Dann machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum Retiro-Park, der nur ein paar Schritte entfernt ist; ein wunderschöner, großer Park in mitten der Stadt, der in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurde. Hier herrscht ein buntes Treiben, Jung und Alt sind unterwegs. Abkühlung verspricht der Große Teich (Estanque Grande), auf dem Kanus, Ruderboote und sogar ein Solarboot ihre Kreise ziehen. An dessen Ufer erhebt sich über einem halbkreisförmigen Säulengang ein überdimensionales Reiterstandbild des spanischen Königs Alfonso VII. – ein schönes Fotomotiv. Hier am Teich gibt es Restaurants, Cafés und Eis-, Süßwaren- und Ballonverkäufer. An jeder Ecke ertönt Musik. Trotzdem eine ganz entspannte Atmosphäre. Ja, wenn die Hitze nicht wäre. Den Schatten suchend spazieren wir langsam durch den Park. Der Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Velazquez-Palast wird heutzutage vom Museum Reina Sofía für temporäre Ausstellungen genutzt. Er ist etwas jünger als der Kristallpalast (Palacio de Cristal), der direkt am Ufer eines Teiches als Wintergarten nach dem Vorbild des Londoner Crystal Palace errichtet wurde. Der Glaspavillon fällt durch seine viktorianische Architektur sofort auf. Bis Anfang September ist hier eine Ausstellung des portugiesischen Künstlers Carlos Bunga (*1976) mit dem Titel „Gegen die Extravaganz der Begierde“ kostenfrei zu besichtigen.

Wir verlassen schließlich den Park durch den Haupteingang am Platz der Unabhängigkeit, wo das große Alcalá-Tor, ein ehemaliges Stadttor, steht. Von hier aus laufen wir zum Cibeles-Platz (Plaza de Cibeles), dessen Mitte von dem Cibeles-Brunnen (Fuente de Cibeles) dominiert wird. Was hat es mit Cibeles auf sich, eine Frau, die auf einem Wagen sitzt, der von Löwen gezogen wird? Es soll sich um die griechische Fruchtbarkeitsgöttin Kybele handeln. Der Cibeles-Platz ist so imposant, dass man aus dem Staunen gar nicht herauskommt, auch wenn Baustellen einige Perspektiven beeinträchtigen. Ich möchte nur den Palacio de Cibeles, das ehemalige Postamt, erwähnen, in dem heute das Kulturzentrum Centrocentro und das Madrider Rathaus untergebracht sind.

Von der Metro-Station Banco Espana kehren wir in unsere Ferienbehausung zurück. Beine hochlegen und Pause machen. Am Abend geht es aber noch einmal los. Mit der Metro fahren wir zum Plaza de Sol und bummeln die Calle Mayor bis zum Plaza Mayor hinunter. Hier ist anlässlich des Heiligen Isidor-Festes (San Isidro) eine große Bühne aufgebaut. Die Madrider feiern im Mai eine Woche lang ihren Schutzpatron San Isidro Labrador. In der gesamten Stadt gibt es kulturelle Veranstaltungen und viel Musik. Rings um den Plaza Mayor reihen sich Gaststätte an Gaststätte – und alle sind fast voll besetzt. Wir finden in Los Arcos noch einen Platz. Auf der Bühne hat das Einspielen schon begonnen. Wir bestellen einen Krug Sangria – wie die meisten Gäste um uns herum. Ich probiere eine Gazpacho, also eine kalte Tomatensuppe. Die Musik setzt ein. Es wird ein langer Abend. Nach dem Essen mischen wir uns unter die Besucher, die direkt vor der Bühne stehen. Es ist so ein lauer Abend und so eine gute Stimmung.

13. Mai 2022: Matadero und Grünes Band

Wieder ein heißer Tag: Im Schatten über 36°C, ansonsten 44°C und mehr. Nur ein paar Schritte von unserer Wohnung entfernt stoßen wir zufällig auf einen alten Wasserturm mit der Aufschrift Matadero. Was ist denn das? Die Stadt Madrid hat den ehemaligen Schlachthof und Viehmarkt von Legazpi aus dem Anfang des 20. Jahrhundert in ein städtisches zeitgenössisches Kultur- und Kunstzentrum umfunktioniert. Das klingt nicht nur interessant, es sieht auch interessant aus. Wir betreten einen Raum, in dem u.a. Lichtinstallationen zu sehen sind. Es handelt sich um den sanierten und umgebauten Kühlraum des Schlachthofes. In anderen Räumen sind Ausstellungen bzw. Archive untergebracht; weitere werden für Konzerte, Tanz-, Theater- und Filmaufführungen genutzt. Der eingangs gesehene Wasserturm, so lesen wir, wurde als eine Art „Arche Noah“ in ein Pflanzendenkmal umgewandelt. Nach der Entdeckung einer großen Bühne, die gerade aufgebaut wird, fassen wir den Entschluss, am Abend zu der angekündigten Musikveranstaltung zu gehen.

Jetzt halten wir Ausschau nach einem Fahrradverleih, fragen auch nach. Und es gibt auch einen. Dieser ist allerdings geschlossen. Das ist ausgesprochen schade. Da hat Valencia eindeutig die Nase vorn, wo man sich ohne Probleme an vielen Stellen der Stadt ein Rad ausleihen kann (und es viele Radwege gibt). Und in Valencia haben wir auf diese Weise bequem das Grüne Band erkundet. Vor 20 Jahren hat auch Madrid ein so riesiges, anspruchsvolles Begrünungsprojekt entlang des Flusses Manzanares gestartet, das wir auf die die gleiche Weise kennenlernen wollten.

Madrid: Uferpark „Madrid Río“ am Manzanares

Jetzt werden wir den fertig gestalteten Uferpark „Madrid Río“ erwandern; mal sehen, wie weit wir bei dieser Hitze kommen. Bäume, Sträucher, Wiesen, Blumenbeete, verschlungene Wege, mal eben, mal hügelig, lassen ein wirklich grünes Band an beiden Uferseiten des teilweise ausgetrockneten Manzanares entstehen. Hier herrscht kein Großstadttrubel. Auch wenn ab und zu Radfahrer oder Inlineskater vorbeisausen, es dominiert das Gefühl der Entspannung und Entschleunigung. Eine Vielzahl von Bänken lädt zu Ausruhen ein. Oder man chillt auf einer Picknickdecke. Oder man setzt sich in eines des Parkcafés, wie wir es tun. Springbrunnen und andere Wasserspiele trotzen der Hitze. Spielplätze für Kinder und Spielplätze für Senioren (!), vielfältige Sport- und Freizeitanlagen und nicht zuletzt auch die Kultur fand Berücksichtigung, denn auch das Matadero ist ein Element des Parks.

Madrid Rio: Arganzuela-Fußgängerbrücke

Insgesamt verbinden 33 alte und neue Brücken beide Seiten des Uferparks. Zu den neuerbauten Brücken gehören die Fußgängerbrücken Matadero, Arganzuela und Oblicuo. Die Arganzuela-Fußgängerbrücke (Puente Monumental de Arganzuela), eine spiralförmige Röhrenkonstruktion, die sofort die Aufmerksamkeit auf sich zieht; ein echter Blickfang. Die über den Fluss verlaufende Schrägbrücke (Puente Oblicuo) ist begrünt. Die älteste Brücke über den Manzanares ist die aus dem 13. Jahrhundert stammende Segovia-Brücke. Zu den historischen Brücken gehören u.a. die monumentale Toledo-Brücke aus dem 18. Jahrhundert und die schlichte Königsbrücke (Puente del Rey), die zum Königspalast führt. Doch nicht nur die Brücken fallen bei unserem Spaziergang auf. Es gibt auch eine Reihe von historischen Schleusen (10?). Im 18. Jahrhundert wollte man den Manzanares schiffbar machen und errichtete eine ganze Kaskade von Schleusen; heute alle als historische Industriedenkmäler restauriert.

Lotti streicht die Segel. Es ist ihr zu heiß. Sie braucht eine Pause und Schatten. Ich laufe noch ein ganzes Stück weiter. Und es gibt noch viel zu laufen. Mit 120  Hektar ist der Madrid Rio-Park größer als der Retiro-Park. An der Königsbrücke mache ich in einem schattigen Gartenrestaurant eine Smoothie-Pause. Von dort aus spaziere ich auf der Cuesta San Vicente den Hügel bergauf, vorbei am Schlosspark und dem Sabatini-Garten noch ein ganzes Stück weiter bis zum Spanischen Platz (Plaza de Espana). Was für ein quirliges Treiben auf diesem Platz, der von dem Prachtboulevard Gran Via gekreuzt wird. Überhaupt können sich 3,2 Millionen Madrilenen und Madrileninnen glücklich schätzen, in einer Stadt mit einer so majestätischen Architektur zu leben.

Madrid: Plaza de Espana – Cervantes-Monument

Mitten auf dem Platz erhebt sich das Cervantes-Monument zu Ehren des spanischen Nationaldichters und Autors des zweibändigen Romans „Hidalgo Don Quijote von de la Mancha“ (1605; 1615). Ein gewaltiges Denkmal: ein Brunnen mit Skulpturen und einem Obelisken. Auf dem unteren Sockel sind Bronzestatuen von Don Quijote auf seinem Pferd Rosinante und seinem auf einem Esel reitenden Knappen Sancho Panza dargestellt. Rechts davon steht die Steinskulptur der Bauerntochter Aldonza Lorenzo, auf der linken Seite ist diese als Dulcinea del Toboso, der fiktiven Geliebten des Don Quijotes, verewigt. Über ihnen sitzt in weißem Stein modelliert ihr Schöpfer, der Dichter Miguel de Cervantes (1547-1616). Hinter ihm erhebt sich der Obelisk, auf dem fünf Menschen eine die Kontinente symbolisierende Weltkugel halten.

Madrid: Matadero – Café

Am Abend machen wir uns auf zum Matadero. Schon von weitem sehen wir eine nicht enden wollende Schlange. Meist junge Leute stehen hier sehr geduldig an. Wahrscheinlich kennen sie das Prozedere und haben noch viel Zeit bis ihre Musik losgeht. Wir gehen auf das Gelände mit dem Ziel, Platz in einer der Gaststätte zu kommen, die sich im Umfeld der großen Bühne befinden. Irgendwie gelingt uns das auch. Meine Güte, hier ist etwas los. Getränkebestellung per Handy. Trotz Hilfe klappt es nicht. Unsere digitalen Talente reichen hier nicht aus. So verlassen wir die Partyszene und halten Ausschau nach einer ganz gewöhnlichen Gaststätte. Aber ein bisschen ausgeflippt darf es schon sein – und möglichst in der Nähe. So landen wir in einem chinesischen Restaurant, einem richtig urigen chinesischen Restaurant. Es ist eine spannende Sache, etwas zu bestellen, wobei man gar nicht richtig weiß, was man bestellt. Auf jeden Fall sind mir die scharfen Soßen nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Nun weiß ich, was es heißt, etwas ist scharf gewürzt. Scharf ist nicht gleich scharf. Sehr scharf, äußerst scharf, unglaublich scharf, nicht aushaltbar scharf.

14. Mai 2022: Rückflug von Madrid nach Berlin

Airport Madrid

Wir können in aller Ruhe frühstücken. Unser Flieger startet erst um 15:35 Uhr. Die Koffer sind gepackt. Noch einmal alles kontrollieren, ob auch nichts vergessen wurde. Dann machen wir uns auf den Weg zum Flughafen. Gut, dass wir uns schon vorher informiert haben. Die Metro-Linie zum Flughafen ist wegen Bauarbeiten eingestellt. Wir entscheiden uns für die Stadtbahn C-1. Bis zur Station Delicias sind es von unserem Quartier etwa 15 Minuten zu Fuß. Am Renfe-Automaten im Bahnhof kaufen wir zwei Tickets für je 2,6 Euro. Laut Fahrplan fährt der Zug in relativ kurzen Abständen, d.h. wir brauchen nicht lange zu warten. Nach einer knappen halben Stunde sind wir am Flughafen, genau am Terminal 4, wo wir auch hin müssen. Gepäckaufgabe, Sicherheitskontrolle, lange Wege durch den Terminal, Wartebereich. Pünktlich startet der Iberia-Flieger und landet auch pünktlich um 19:10 Uhr in Berlin. Lotti fährt mit der Regionalbahn gleich weiter in den Norden; ich nehme den FLEX und die S-Bahn. Das klingt alles sehr vertraut.

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