Künstlerkolonie Worpswede

 

4. September 2020

Auch für heute haben wir einen Ausflug geplant. Unser Ziel ist die Künstlersiedlung Worpswede. Damit geht ein von mir schon lange gehegter Wunsch in Erfüllung.

Bahnhof Osterholz-Scharmbeck

Nach dem Frühstück geht es zum Bahnhof. Inzwischen ist uns dieser Weg vertraut. Zunächst fahren wir mit der Regionalbahn nach Osterholz-Scharmbeck. Von diesem Ort haben wir vorher noch nie gehört, aber das ist nebensächlich. Von hier aus gibt es eine Busverbindung nach Worpswede. Das klingt alles simpel, könnte es auch sein, wenn die Fahrpläne etwas besser aufeinander abgestimmt wären. Wir müssen jedenfalls eine Wartezeit von über einer Stunde in Kauf nehmen. Ja, was macht man in dieser Zeit? Am Bahnhof an Bushaltestelle sitzen? Oder doch einen kleinen Spaziergang unternehmen? Wir entscheiden uns für letztere Variante zumal das Wetter sich von seiner freundlichen Seite zeigt: Blauer Himmel und Sonnenschein. Osterholz-Scharmbeck ist eine Kreisstadt mit ca. 30.000 Einwohnern. Aber wo entlang geht es in diese Stadt. Eine freundliche ortskundige Frau gibt uns den entscheidenden Tipp: Der Weg führt durch den Tunnel am Bahnhof. Aha, gut zu wissen, denn der Tunnel  ist nicht gerade auffällig. Wir marschieren die Hauptstraße hinunter. Eine Kleinstadt, alles blitzblank und aufgeräumt. Vor der Bank tummeln sich Bär und Bulle, zum Schmunzeln, fast wie im großen Frankfurt am Main.

Worpswede: Touristeninformation und Kunsthalle

Zurück am Bahnhof. Der Bus kommt pünktlich. Jetzt geht es nach Worpswede. Die Fahrt über das niedersächsische Flachland dauert länger als gedacht.

Worpswede –Lebensort für ca. 9.000 Menschen und seit über 100 Jahren Künstlerkolonie. Von der Haltestelle laufen wir eine kleine Anhöhe hoch. Passt zum Namen Worpswede = Hügelwald. Der Ort, so lesen wir, liegt mitten im Teufelsmoor. Das klingt abenteuerlich, fast mystisch. Die Bergstraße führt direkt zur Touristeninformation. Dort verschaffen wir uns einen Überblick, der wiederum schnell klarmacht, dass man in der kurzen Zeit, die wir zur Verfügung haben, nur einen winzigen Ausschnitt der Kunst-, Kultur- und Naturangebote erleben kann. Und ich kann es schon vorwegnehmen: Ein Aufenthalt von mehreren Tagen ist bestimmt lohnenswert!

Jimmy D. Paesler: Nach einem Gemälde von Rychard Oelze „Erwartung“

Es gibt unglaublich viel zu entdecken. Und das meiste davon zu Fuß. Architektonisch fallen eine Villa im Jugendstil; der von Heinrich Vogeler (1872-1942) umgebaute Barkenhoff, die abgefahrene Käseglocke, der Hoetgerhof und vieles mehr ins Auge. Zu beiden Seiten der Bergstraße Galerien, Ausstellungen, Museen, Kunstboutiquen, Restaurants, Cafés. Auf den Freiflächen immer wieder Kunstobjekte.

Wir müssen uns entscheiden, welche Galerie, welche Ausstellung wir uns anschauen wollen. Unsere Wahl fällt auf das Paula-Modersohn-Becker-Museum. Ein Text informiert über die Geschichte der Künstlersiedlung:  

Am 13. September 1884 kommt Fritz Mackensen noch Kunststudent an der Düsseldorfer Akademie als Gast der Familie Stolte erstmals nach Worpswede. Ab 1886 verbringt er bis 1889 jeden Sommer dort. Im Sommer 1889 sind die Studienkollegen Otto Modersohn und Hans am Ende dabei. Im Spätsommer beschließen sie, nicht an die Akademie zurückzukehren und gründen eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, die „Worpsweder Künstlerkolonie“. Worpswede wird Künstlerort.

Wir schauen uns um – und es gibt wahrlich viel zu entdecken. Und was für beeindruckende Werke. Gerne hätte einige Fotos eingefügt, aber  …

Auf einer weiteren Informationstafel erfahren wir Details über die 1876 in Dresden geborene Malerin Paula Modersohn-Becker. Ob sie schon immer Malerin werden wollte? Es scheint so, denn die Ausbildung zur Lehrerin hat sie nur auf Drängen

Paula-Modersohn-Becker-Museum

des Vaters.

1997 kam sie als Schülerin von Fritz Mackensen nach Worpswede. Sie malt Menschen aus der Umgebung, Selbstbildnisse, Stilleben und Landschaften. Ihr Malstil ist nicht filigran, eher großflächig, kernig, schnörkellos, zum Teil abstrahierend.

1901 heiratet sie Otto Modersohn (1865-1943). 1907 stirb sie wenige Wochen nach der Geburt ihrer Tochter Mathilde. Neben Heinrich Vogler gilt sie als herausragende Künstlerpersönlichkeit der Worpsweder Gruppe. Beider Bilder galten nach 1933 als „entartet“.

In dem Haus, in dem sie mit ihrem Ehemann wohnte, und einem Anbau wurde 1997 das Paula-Modersohn-Becker-Museum eingerichtet. Neben den vielen Gemälden von Paula Becker, Otto Modersohn und anderen Worpsweder Malern sind auch die museal hergerichteten Wohnräume der Eheleute Modersohn zu besichtigen.

Einer der vielen Lädchen

Wir halten uns fast zwei Stunden in dem Museum auf. Danach ist uns sehr nach einer Stärkung, die wir in einem keinen Café finden. Noch ist zur Abfahrtszeit des Busses etwas Zeit, die wir uns mit einem Bummel durch verschiedene Läden vertreiben.

Dann wird es Zeit und wir nehmen an der Haltestelle Aufstellung. Unsere Geduld wird auf eine harte Probe gestellt, ehe ein Bus auftaucht. Zum Glück fahren die Regionalzüge in kürzeren Abständen, sodass unserer Rückkehr nach Bremerhaven nichts mehr im Wege steht.

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