Kopenhagen: Runder Turm – Wikinger-Ausstellung – Rückreise

20. Juli 2021

Heute ist Rückreisetag. Mein Zug startet 12:56 Uhr. Die verbleibende Zeit möchte ich nutzen, um mir doch noch den Runden Turm anzusehen. Und vielleicht auch noch die Wikinger-Ausstellung im Nationalmuseum.

Stadtpanorama von der Aussichtsplattform des Runden Turmes

Noch kann ich mein 24-Stunden-Ticket von gestern nutzen. Mit der Metro fahre ich bis Nørreport. Von dort sind es zu Fuß noch knapp 10 Minuten bis zum Runden Turm an der Trinitatiskirche. Besucher können ihn ab 10 Uhr besichtigen. Ich komme gerade richtig. Es hat sich schon eine kleine Schlange gebildet. Aber es geht zügig voran. Nach dem Vorzeigen des Impfpasses kann ich ein Ticket (40 DKK) kaufen und die Turmbesteigung in Angriff nehmen. Den Turm ließ König Christian IV. für das Universitätsobservatorium errichten, um die Forschungen des bekannten dänischen Astronomen Tycho Brahe (1546-1601) fortsetzen zu können. Dieser Turm, fertiggestellt 1642, ist schon etwas Besonderes, denn der Aufstieg erfolgt über einen so genannten Schneckengang. Das ist eine gepflasterte, spiralförmig ansteigende Rampe, die sich 7,3 Mal um den hohlen Turmkern windet. Diese Art des Aufgangs ermöglichte es, mit Zugtieren alles Notwendige für Observatorium und Universitätsbibliothek nach oben zu befördern. Es ist ein angenehmer Aufstieg. Um die Aussichtsplattform zu erreichen, muss man noch 28 Stufen einer Holztreppe und 31 Stufen einer schmalen Steintreppe im hohlen Kern bewältigen. Als Lohn für diese (machbaren) Mühen hat man in 35 Meter Höhe eine herrliche Aussicht auf die dänische Hauptstadt.

Auf dem Weg nach oben kann man an einer Stelle in das Innere des Turmes, seinen hohlen Kern, schauen. Von einem Glasboden blickt man 25 Meter in die Tiefe auf den geografischen Nullpunkt Dänemarks. Es gibt einen Zugang zum Bibliothekssaal, der heute für Ausstellungen genutzt wird. Man kann einen Blick in den Glöcknerboden werfen, auf dem historische Utensilien gelagert werden. Auch der historischer Abort neben der Bibliothek wurde restauriert – Probesitzen inklusive.

Nach der Turmbesichtigung verbleibt noch Zeit, um der Wikingerausstellung im Nationalmuseum einen Besuch abzustatten. Da ich inzwischen einen Überblick über das Kopenhagener Zentrum habe, erreiche ich das Nationalmuseum ohne Umweg. Der Eintritt in die Wikingerausstellung kostet 100 DKK.

Es wird immer nur eine bestimmte Anzahl von Besuchern in diese Sonderausstellung eingelassen. Ich muss mich gedulden bevor ich die größte Ausstellungshalle des Nationalmuseums, die Egmonthalle, betreten kann. Das Licht ist stark abgedunkelt. Es sind Artefakte aus der Alltagswelt der Wikinger ausgestellt: Das Skelett eines Wikingerbootes, Alltagsgegenstände, Waffen, Kleidung, Schmuck. Ein Film zeigt eine fiktive Geschichte von einem Raubzug, den ein Wikinger namens Björn unternimmt und der für ihn tragisch endet. Das ist schon spektakulär gemacht. Die Fiktion hat einen wahren Kern: Wikinger lebten im Norden Europas. Sie konnten seetüchtige Boote bauen und sicherten sich mit Raubzügen von See aus oft ihr  Überleben, waren aber auch auf der Suche nach Ehre und Reichtum. Nicht nur die Normandie belegt Eroberungszüge, Handelsreisen und Siedlungsaktivitäten der Wikinger in ganz Europa. Und nicht nur das. Heute gilt der Wikinger Leif Eriksson als Entdecker Amerikas. Mit der Zerstörung der Siedlung und des Hafens von Haithabu im Jahr 1066 (heute ein Freilichtmuseum bei Schleswig) ging ihre hohe Zeit zu Ende.

Kopenhagener Hauptbahnhof

Schade, dass die Zeit für eine weitere Besichtigung so knapp ist. Doch gut, dass das Museum so nahe dem Hotel gelegen ist. So kann ich meinen Koffer holen und mich unverzüglich zum Bahnhof begeben. Obwohl noch ausreichend Zeit bis zur Abfahrt meines Zuges ist, erlebe ich gleich eine stressige Situation. Mein Zug wird Verspätung haben, d.h. ich werde den Anschlusszug in Fredericia nicht erreichen. Kurzentschlossen setze ich mich in einen Zug, der jetzt nach Fredericia fährt. Erst unterwegs wird mir das Wagnis klar: Wann wird dieser Zug am Umsteigeort ankommen? Hoffentlich ist es kein Bummelzug. Doch bald wird mir klar, dieser Zug hält an jedem Bahnhof. Ich fange an, mir Alternativen zu überlegen, die ich glücklicherweise nicht brauche. Aber ein Umsteigen schnellen Schrittes ist erforderlich. Der IC nach Hamburg startet pünktlich um 14:45 Uhr und fährt pünktlich um 17:57 in den Bahnhof Hamburg-Altona ein. Hier ist das Umsteigen übersichtlicher als am Hamburger Hauptbahnhof. Eine Viertelstunde später startet der ICE nach Berlin. Um halb zehn bin ich wieder in Berlin. Mein Fazit zum Zugfahren: Stressig, wenn die Umsteigzeiten kurz bemessen sind. Auf die Pünktlichkeit aller Züge sollte man nicht bauen. Und man kennt auch nicht immer die Örtlichkeit des Umsteigebahnhofs. Wer also den Zug gegenüber dem Flieger bevorzugt und auf ein Umsteigen angewiesen ist, sollte genügend Zeit für das Umsteigen einplanen.

 

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