Kopenhagen: Little Mermaid – Wachablösung – Botanischer Garten

17. Juli 2021

Was erwartet mich an diesem außergewöhnlich heißen Tag? Ich bin neugierig auf Kopenhagen. Zuerst möchte das Wahrzeichen Kopenhagens, die kleine Meerjungfrau, sehen. Ich mache mich wieder auf den Weg zum Kongens Nytorv, aber dieses Mal laufe ich die Kompagnistræde entlang. Der Kongens Nytorv wird überquert und weiter geht es in der Bredgade.

Alexander-Nevsky-Kathedrale

Hier überrascht mich eine russisch-orthodoxe Kirche. Ihre goldenen Kuppeln, drei markante Zwiebeltürme, glänzen im Sonnenlicht. Es handelt sich um die 1883 geweihte Alexander-Nevsky-Kathedrale. Die Kirche ist geschlossen. Man kann sie nur von außen bewundern. Aber ich recherchiere ein bisschen: Die Tochter des dänischen König Christian IX. heiratet den russischen Zaren Alexander III. Dieser stellte die finanziellen Mittel zur Verfügung, damit in der Heimatstadt seiner Frau die russisch-orthodoxe Gemeinde ein eigenes Kirchengebäude bekommt.

Die Bredgade führt direkt zum Churchill Park. Zur gleichen Zeit der Erbauung der russisch-orthodoxen Kirche wurde unweit von dieser eine anglikanische Kirche, die St. Alban’s Kirche für die englische Gemeinde errichtet. In deren unmittelbarer Nachbarschaft sprudelt die Gefion-Fontäne, ein monumentaler Springbrunnen. Wasserfontänen umspülen eine Frau, die vier gewaltige Stiere, die vor einen Pflug gespannt sind, zügelt und lenkt. Auch hierzu eine kurze Recherche:

Der Sage nach ist Gefion eine nordisch-heidnische Göttin, der König Gylfi so viel Land versprochen hatte, wie sie innerhalb eines ganzen Tages zu pflügen vermochte. Daraufhin verwandelte sie ihre vier Söhne in Stiere und spannte sie vor einen Pflug. Ihr gewaltiger Pflug zerklüftete ganze Landstriche und transportiere gewaltige Erd- und Felsmengen in das Meer. So entstand die Insel Seeland, die von nun an Gefion gehörte.

Die Treppe neben der Großen Fontäne führt zu einem Kastell (Zitadelle), dessen ehemalige Bastionen und Wälle begrünt sind und zu einem Spaziergang einladen. Das würde ich schon gern unternehmen, aber im Augenblick hat die Kleine Meerjungfrau (The Little Mermaid) Vorrang. Sie müsste sich in der Nähe befinden. Sicherheitshalber frage ich nach dem Weg. Und tatsächlich, nur noch wenige Schritte trennen mich von Kopenhagens Wahrzeichen.

Vor der Kleinen Meerjungfrau

An der Uferpromenade Langelinie sitzt sie seit 1913 als Bronzestatue auf einem Findling. Sie ist wirklich klein, aber von vielen Schaulustigen umlagert. Gar nicht so einfach, ein Foto mit ihr allein zu erhalten. Aber mit ein bisschen Geduld klappt es. Die Figur wurde Kopenhagener Bildhauer Edvard Eriksen (1876–1959) geschaffen. Als Vorbild diente das gleichnamige Märchen des dänischen Dichters Hans Christian Andersen.

Wachablösung der königlichen Leibgarde

Ich muss mich ranhalten, um die um 12 Uhr stattfindende Wachablösung der Königlichen Leibgarde nicht zu verpassen. Diese wird am Schloss Amalienborg exerziert. Das liegt auf meinem Weg. Amalienborg besteht aus vier fast identischen Gebäudekomplexen, die einen weiträumigen Platz säumen. In der Mitte steht eine Reiterstatue des Königs Frederik V. Schon recht viele Schaulustige haben sich versammelt und weitere strömen hinzu. Es ist keine Flagge gehisst; die Königin ist nicht vor Ort. Es findet also nur eine Palastwachablösung als einfache Wachablösung ohne Musik und Tambourcorps statt. Und da nähert sich der ablösende Wachtrupp. Kommandos erschallen. Jeder Schritt ist festgelegt. Was müssen die Leibgardisten unter ihren großen Fellmützen schwitzen. Nach etwa einer halben Stunde neigt sich die Zeremonie ihrem Ende zu. Der Platz leert sich zusehends. Auch ich mache mich auf den Weg.

Marmorkirche

Von der Amalienborg führt die Frederiksgade direkt zur evangelisch-lutherischen Frederikskirche, die von den Kopenhagenern Marmorkirche genannt wird. Das ist mein nächstes Ziel. Schon von weitem ist ihre beeindruckende Kuppel zu sehen. Sie ruht auf 12 Säulen; ihr Durchmesser beträgt 31 Meter. Lange wurde an dieser Kirche gebaut. Erst nach 145 Jahren konnte schließlich der Bau fertiggestellt und die Kirche geweiht werden. Ich schaue mir die Kirche an. Sie ist hauptsächlich aus norwegischen und dänischen Marmor errichtet. Im Innern entfaltet sich eine sehr eigene Atmosphäre. Fresken repräsentieren die Apostel. Neben einer historischen Orgel gibt es eine moderne Orgel. Gern hätte ich den Aufstieg gewagt, der in 80 Meter Höhe einen Panoramablick über Kopenhagen, den Hafen und den Öresund verspricht. Aber das ist zu Corona-Zeiten nicht möglich. Außen flankieren Statuen vor allem bekannter dänischer Kirchenmänner aber auch eine des Philosophen Kierkegaard den Rundbau.

Schloss Rosenborg

Meine Erkundungstour führt mich durch die Fredericiagade zum Rosenborg Park. Eine wunderschöne grüne Oase inmitten der Stadt. Hier lädt das Café im Herculespavillon zu einer ausgedehnten Pause ein. Ein leckeres Mittagessen kommt zur rechten Zeit. Der Park hat eine lange Geschichte. Angelegt 1606 diente er zunächst dem Königlichen Hof in unterschiedlichen Funktionen. Für das allgemeine Publikum wurde er erst 1819 geöffnet. Viele Blumenbeete, Stauden Sträucher, Bäume, Rasenflächen und ein Rosengarten laden zur Erholung ein. Das Schloss Rosenborg istromantisch von einem Wassergraben umgeben, in dem sich viele Karpfen tummeln. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Schloss Rosenborg ein Museum, in dem königliches Leben und Präsentationen, u.a. die Kronjuwelen, gezeigt werden.  

Ich verlasse den Park und überquere die Øster Voldgade. Inzwischen ist es 16 Uhr. Direkt gegenüber dem Park befindet sich das Naturhistorische Museum Dänemarks. Auf dem Plakatband über dem Eingangsbereich des repräsentaiven Gebäudes wird ein Tyrannosaurus rex als großer Aufmacher angekündigt. Das kommt mir doch bekannt vor. „Tristan Otto“, so der Name des Sauriers, war im Berliner Naturkundemuseum ausgestellt. Dort konnte ich ihn 2016 mit Agi bewundern. Also in Kopenhagen auf ein Neues. Der Eintritt kostet 105 DKK. Neben „Tristan Otto“ gibt es noch andere Saurierskelette und jede Menge Tierpräparate von Tieren aus Vergangenheit und Gegenwart. Alles ausführlich beschriftet, auch in englischer Sprache.

Ein zweiter Ausstellungsschwerpunkt sind Wildtier-Fotografien. 99 der besten Aufnahmen werden in einem jährlichen internationalen Wettbewerb unter der Leitung des Natural History Museum in London ermittelt. Zurzeit gastiert diese

Ausstellung in Kopenhagen und ich kann sagen, das sind überausaus beeindruckende Motive.

16t Agpalilik-Meteorit

In einer anderen Abteilung werden vor allem in Schaukästen Gesteine, Mineralien, Kristalle und Meteoriten gezeigt. Auch das erinnert mich an das Berliner Naturkundemuseum. Diese Art der Darstellung erscheint mir doch ein bisschen verstaubt. Aber interessant ist auf jeden Fall der 16 Tonnen schwere Meteorit, der im Eingangshof des Museums ausgestellt ist. Es handelt sich um einen Agpalilik-Gestein, das 1963 im grönländischen Eis entdeckt wurde – einer der größten Eisenmeteorite in der Welt,

Ich habe heute schon unglaublich viel gesehen. Mit meinem Museumsticket könnte ich auch noch das Palmenhaus besuchen, das sich im Botanischen Park, der sich unmittelbar an das Naturkundemuseum anschließt, befindet. Zunächst genieße ich den wunderschönen Park mit mehreren Teichen mit unglaublich vielen Seerosen.

Das Palmenhaus ist ein sehr repräsentativer Bau aus Glas und Stahl. Von der Funktion her ist ein Gewächshaus für tropische und subtropische Pflanzen. Immer wieder erstaunt mich, wie klein fleischfressende Pflanzen sind. Das integrierte Schmetterlingshaus kann nicht mehr besuchen. Ich brauche dringend eine Pause. Die Zeit ist auch vorangeschritten.

Kopenhagener Dom

So mache ich mich auf den Weg zurück in Richtung Hotel. Die Fiolstræde führt mich an dem Kopenhagener Dom (Frauenkirche) vorbei. Hier muss ich doch noch einmal verweilen und einen Blick in den Dom werfen. Der erste Eindruck ist hell, klar und schlicht. An den seitlichen Wänden sind jeweils sechs Marmorstatuen der Apostel aufgestellt. In der Apsis blickt eine überlebensgroße Christusfigur in das Kirchenschiff. Irgendwie erinnert mich der Bau an den Hallenser Dom.

Jetzt brauche ich dringend eine Pause und Stärkung. In der Nähe finde ich eine einladende Gaststätte. Kurzentschlossenen nehme ich Platz und lasse es mir gut gehen. Was für ein Tag!

 

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