Kopenhagen: Kastell – Zoo – Smørrebrød

19. Juli 2021

Nachdem ich drei Tage alles zu Fuß erkundet habe, kaufe ich mir für heute eine Tageskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel. Sie kostet 80 DKK. Das hätte ich sicher schon eher machen sollen, zumal auf dem Rathausplatz, also direkt vor meiner Nase, eine Metrostation ist – die ich vorher gar nicht wahrgenommen hatte.

Kopenhagener Metrostation

Heute möchte ich mir das Kastell, das Aquarium und den Runden Turm ansehen. Zuerst zum Kastell. Mit der Metro fährt man bis Østerport. Die Kopenhagener Metro wurde erst in den letzten 20 Jahren erbaut. Alle vier Linien verkehren fahrerlos und vollautomatisch. Die  Stationen sind gegenüber dem Gleisbett geschlossen, d.h. sie sind mit Bahnsteigtüren abgesichert. Die Züge halten so, dass die Wagentüren mit den Bahnsteigtüren bündig sind. Alles ist sehr modern und funktional, aber auch nüchtern-kühl. Die Stationen haben kein eigenes Gesicht. Aber alles, was ein Fahrgast braucht, ist vorhanden: Rolltreppen, Fahrstühle, Blindenleitsystem, praktisches Ticketentwertungssystem. In einem Punkt erinnert mich die Metro doch an die Berliner S-Bahn: Die Stromversorgung erfolgt über seitliche Stromabnehmer an einer unteren Stromschiene. Noch ein Hinweis: Mit der Metro kann man bequem den Flughafen erreichen.

Ich kann bis Østerport die Linie 3 oder 4 benutzten. Wartezeiten sind gering. Nach meinem Eindruck kommt alle 4 bis 5 Minuten ein Zug. Die Metro fährt übrigens Tag und Nacht.

Park am Kastell

In Østerport muss ich mich erst einmal orientieren, um den Weg zum Kastell auszumachen. Zunächst finde ich einen Zugang zum Park, der an das Kastell angrenzt. Schon ist man von der verkehrsreichen Straße weg und von Natur umgeben. Ich laufe an einem Gewässer entlang, vermutlich ein ehemaliger Wassergraben, und beobachte Enten und Schwäne. Gefühlsmäßig umrunde ich die halbe Kastellanlage, um zum Eingangstor zu gelangen. Aber es ist ein wunderbarer Spaziergang. Das Kastell (Zitadelle) wurde im 17. Jahrhundert zum Schutz des Hafens erbaut. Es hat einen fünfeckigen Grundriss und entsprechend fünf Bastionen. Geschützt ist es durch verschieden hohe Wallanlagen. Im Innenbereich gibt es ein Kommandohaus, Kasernen, Lagerhäuser, Magazine, ein Gefängnis und eine Kirche. Ich entscheide mich für einen Spaziergang auf der Wallanlage rund um das Kastell. Als Alternative hätte man sich auch das Kastellmuseum anschauen können, aber dafür lacht die Sonne einfach zu verlockend. Es ist ein wunderbarer Spaziergang, aber länger als gedacht. Das Kastell muss wirklich einmal umrundet werden, da nur ein Eingangstor passierbar ist (am anderen wird gebaut). Das Kastell ist kein Freilichtmuseum. Man sieht, es wird noch militärisch genutzt und es wird fleißig gebaut. Auf der Königsbastion steht eine Windmühle. Ein schönes Fotomotiv. Bei meinem Rundgang habe ich einen guten Blick auf den Hafen, die Uferpromenade Langelinie, die englische Kirche, den Gefion-Brunnen.

Den Bla Plånet“

Am Hafen mache ich eine kleine Pause. Auf dem Rückweg komme ich an dem Museum des Dänischen Widerstands vorbei. Ich möchte zur nächsten Metrostation. Das ist die „Marmorkirken“ („Marmorkirche“). Mein nächstes Ziel ist das Nationalaquarium „Der blaue Planet“. Dazu fahre ich eine Station bis Norreport (M3 oder 4) und steige in die Linie 2 in Richtung „Kopenhavns Lufthavn“ („Kopenhagener Flufhafen“) um. In „Kastrup“ muss ich aussteigen. Der Weg zum National Aquarium Dänemarks ist gut ausgeschildert und auch an dem Stadtdesign der blauen Bänke erkennbar. Meine Vorfreude wächst. Das National Aquarium Dänemarks („Den Bla Plånet“), so habe ich gelesen, ist das größte Aquarium Nordeuropas. Es hat sowohl Süßwasser- als auch Salzwasseraquarien und durch das größte der vielen Aquarien führt ein Besuchergang, in dem man die Fische von allen Seiten fast hautnah erleben kann.

Den Bla Plånet“

Die Unterteilung in die Bereiche Evolution und Anpassung, Regenwald, Große afrikanische Seen, Kaltwassermeere und Warmwasserozeane lässt mich das Klimahaus in Bremerhaven denken. Sicher, das ist kein Aquarium, aber auch dort wird der universelle Zusammenhang aller Lebensbereiche in den Mittelpunkt gestellt. Kurzum ich freue mich auf diese Erlebnis. Und schon kommt es auch in Sichtweite, das architektonisch einzigartige Gebäudeensemble. Doch was muss ich sehen: Eine Riesenbesucherschlange! Das bedeutet Anstehen in der Hitze ohne Schatten. Ich schätze die Wartezeit auf ca. 2 Stunden und befürchte, dass ichdas  meinem Kreislauf nicht zumuten kann (warnende Erinnerungen an den Besuch der Burg in Edinburgh kommen auf). Natürlich bin ich enttäuscht. Was nun? Welche Alternative biete sich an? Ich denke an den Zoo. Bei dem schönen Wetter möchte ich an der frischen Luft sein.

Kopenhagener Zoo

Also zurück zur Metro. Ich fahre bis Frederiksberg Allé und erkundige mich nach dem weiteren Weg. Das ist ein bisschen abenteuerlich. Noch zwei Stationen einem Bus, nochmals fragen. Und das ist hilfreich. Der Zoo ist nicht mehr weit. Einfach die Roskildevej entlang gehen, leider immer bergauf. Aber nach 15 Minuten stehe ich vor dem Eingang. Ein Ticket kostet 195 DKK. Schon die ersten Schritte zeigen, es handelt sich um einen sehr liebevoll angelegten und vor allem kinderfreundlichen Zoo. Überall stößt man auf überlebensgroße Saurier, die sich bewegen und röhrende Laute von sich geben. Dazwischen die Tieranlagen. Gleich am Anfang kommt man zur Löwenanlage. Ein Löwe und mehrere Löwinnen liegen zusammengedrängt, kuscheln wohl mit den Körpern, streicheln mit den Tatzen, lassen es sich gutgehen. Doch eine Löwin entzieht sich dem gemütlichen Kränzchen. Sie streicht um einen halben Rindskadaver herum, der in luftiger Höhe an einem Baum hängt. Dann plötzlich ein Satz und sie ist auf den Kadaver gesprungen. Diese Art von Löwenfütterung oder Löwenunterhaltung (?) habe ich noch nirgends gesehen. Sehr naturbelassen.

Viel gemächlicher geht es dagegen bei den Pandas zu. Ein Panda dreht dem Publikum den Rücken zu. Minutenlang gar keine Bewegung, dann eine Körperdrehung in Zeitlupe. Er  schlendert zu einem Bambushaufen, lässt sich in die Bambuszweige fallen, ergreift einen der Zweige und fängt an, genüsslich zu schmausen.

Auffällig ist auch die überaus große Anlage für die asiatischen Elefanten. Das betrifft sowohl das Elefantengebäude als auch den weitläufigen Außenbereich, in denen die Tiere Platz und Beschäftigungsmöglichleiten haben. Besucher können die Tiere aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beobachten. Die Kinder begeistert offensichtlich ein junger Bulle, der die Sandaufschüttungen erklettert, mit seinem Rüssel eine Fuhre Sand aufnimmt und durch die Gegend bläst.

In einer Anlage huscht ab und zu ein mir seltsam erscheinendes Tier umher. Es hat ein schwarzes Fell mit einem weißen Streifen unter der Kehle und gibt merkwürdige, durchdringende Laute von sich. Es handelt sich einen Tasmanischen Teufel, einem Raubbeutler. Ein Tier, das man nicht oft in Zoos findet.

Natürlich sind noch viel mehr Tiere zu sehen: Pinguine, Robben, Giraffen, Nashörner, Strauße, Zebras, Kängerus, Bären, Tiger, Kamele, … Da der Kopenhagener Zoo ein so genannter Geozoo ist, werden die Tiere nach Herkunftsgebieten und Erdteilen gehalten.

Smørrebrød

Ich verspüre einen zunehmenden Hunger und suche mir einen Platz im Zoo-Restaurant. Jetzt möchte ich endlich ein vielgepriesenes Smørrebrød (95 DKK) probieren. Ich wähle eines mit Lachs und Spargel und einen Grünen Tee (35 DKK). Wirklich lecker.

Vor dem Eingang ist eine Bushaltestelle. Mit dem 72er Bus kann ich direkt bis zum Rathausplatz fahren. Hätte ich das eher gewusst, wäre die Hinfahrt einfacher gewesen.

Im Hotelrestaurant noch ein kleines Abendbrot mit einem Gin Tonic. Ein schöner Tag, wenn auch anders als geplant.  

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