Kopenhagen: Glyptotek und Kanalfahrt

18. Juli 2021

Rathaus

Trotz Corona-Regeln frühstückt es sich sehr angenehm im Scandic Palace Hotel. Gegen 10 Uhr mache ich mich auf den Weg zur Touristeninformation. Das sind nur ein paar Minuten, über den Rathausplatz, am Tivoli vorbei und an der Kreuzung Hammerrichsgade die Straßenseite wechseln. Hier verschaffe ich mir einen Überblick, welche Sehenswürdigkeiten in Zeit und Raum ich mir noch anschauen möchte. Die Beratung ist professionell. Ein bisschen kürzer treten, wäre auch angebracht, also kein so volles Programm wie gestern. Aber das hatte sich von allein so ergeben. Ab heute wird geplant.

Zuerst möchte ich die Ny Carlsberg Glyptotek am Dante Platz 7 besuchen. Bis dahin sind es vom Hotel auch nur ein paar Schritte. Die Ny Carlsberg Glyptotek von dem größten Kunstmäzen Dänemarks, dem Brauereibesitzer Carl Jacobson (1842-1914), gegründet, öffnete 1897 ihre Pforten.

Ny Carlsberg Glyptotek

Es handelt sich um eine außergewöhnliche Museumsgalerie, in der vor allem Skulpturen und Gemälde zu bewundern sind. Aber das gesamte Gebäudeensemble ist an sich schon bewundernswert. Es besteht aus drei Gebäuden, dem Dahlerup-Bau (1897), dem Kampmann-Bau (1906) und dem Larsen-Bau (1996), die über einen Wintergarten miteinander verbunden sind. Im Dahlerup-Gebäude befindet sich der Eingangsbereich mit allen notwendigen Einrichtungen. Ich kaufe ein Ticket (115 DKK), schließe meinen Rucksack ein und starte die Besichtigungstour.

Die ersten Schritte führen in einen großen, hohen, hellen, mit tropischen Flair  verbreitenden Wintergarten. Von hier aus schaue ich mir zuerst die Skulpturenausstellung dänischer und französischer Meister an. Erfreut entdecke ich Arbeiten meines Lieblingsbildhauers Auguste Rodin (1840-1917). So ist auch hier die Skulptur „Der Denker“ ausgestellt; einmal als Gipsplastik und einmal als Bronzekopie in Originalgröße. Die Figur verkörpert Dante Alighieri, den Autor der „Göttlichen Komödie“, der nachdenkt über Himmel und Hölle, über Leben und Tod. Der schottische Philosoph Gilbert Ryle bezieht sich auf den „Denker“ mit der  Frage „What is ‚le Penseur‘ doing?“ über das Wesen von Denken und Nachdenken.

Ja, ich bin beeindruckt. Aber es geht noch besser. Im nächsten Raum stehe ich vor einem Skulpturenensemble, das mich sofort in den Bann zieht. Es sind die „Bürger von Calais“, ein in Bronze gegossenes Monument, das nur durch den individuellen Ausdruck jeder einzelnen der sechs Personen eine so unglaubliche Wirkung entfaltet. Ein weiteres Meisterwerk Auguste Rodins. Die Glyptotek kann sich glücklich schätzen, den zweiten Originalguss (von nur insgesamt 12) zu besitzen.

Zum historischen Hintergrund: Während des Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich (1337-1453) belagerte 1346 der englische König Edward III. das französische Calais. Um eine bedingungslose Kapitulation und damit die Plünderung und Zerstörung der Stadt zu verhindern stellten sich sechs angesehen Bürger als Geiseln zur  Verfügung. Nur mit einem Hemd bekleidet, einen Strick um den Hals und barfuß wurden sie Edward III. vorgeführt, der als Racheakt für die eigenen Verluste ihre Hinrichtung vorhatte. Die englische Königin erwirkte ihre Begnadigung.

In dem Kampmann-Bau ist vor allem der Antike gewidmet: Griechische, römische, ägyptische und weitere mediterrane Kulturen – Skulpturen von Helden, Philosophen und Göttern, Sarkophage, Mumien, Grabbeigaben, Artefakte aus dem Alltagsleben, Kopien von Fresken.

Im Larson-Gebäude sind wechselnde Ausstellungen zu sehen. Zurzeit werden umfangreiche Werke von Paul Gauguin (1848-1903) unter der Leitidee „Why are you angry?“ präsentiert. Von hier aus kann man auch die Dachterrasse erreichen – über die Treppe oder mit dem Lift. Ich nehme den Lift. Es weht ein frischer Wind, angenehm in der sommerlichen Wärme.

Mein Vorhaben, im Museumscafé am Wintergarten etwas zu essen, kann ich nicht umsetzen. Einfach zu voll. Deshalb gehe ich zurück ins Hotel. Dort ist auch ein Mittagsimbiss zu haben.

Startpunkt einer Kanalfahrt

Nach einer längeren Pause mache ich einen Spaziergang zum Startpunkt einer Kanalfahrt. Der nächstgelegene ist an der Ved Stranden. Also eine Viertelstunde Fußweg. Ein Ticket für die „Große Kanaltour“ kostet für einen Erwachsenen 99 DKK. Gekauft und ins Boot gesetzt. Heute gehe ich alles viel ruhiger an. Nach 20 Minuten sind fast alle Sitzplätze belegt. Das Boot legt ab zu einer Bootstour mit Guide durch den Kopenhagener Hafen und seine Kanäle. Unser Guide, eine junge Frau, erklärt alles dreisprachig: dänisch, englisch und deutsch. Glück muss man haben!

Zunächst fahren wir aus dem Kanal an der Ved Stranden und biegen links in den Hafen ein. Bei jeder Brücke – und davon werden wir viele passieren – heißt es: Kopf runter! Kurz vor der neuen Oper, die linksseitig ins Blickfeld kommt, biegen wir links in einen Kanal ein. Auf einem ehemaligen Werftgelände ist eine moderne Wohnsiedlung entstanden. Unser Guide erzählt interessantes über die Stadtentwicklung: So wollte Kopenhagen einstmals holländische Wasser-Fachleute ins Land holen und hatte angefangen, ein Kanalsystem auszubauen, damit sich die Holländer wie zu Hause fühlten. Genützt soll es wenig haben. Sie zeigt auf ein großes Gebäude in der Ferne: Das ist die neue Verbrennungsanlage. Das wurde bewusst so schief konstruiert, weil es im Winter als Skipiste dient. Was für eine abgefahrene Idee!

Königliche Gipsskulpturen-Sammlungen -Michelangelos David

Am Holmen Nord kehren wir in den Hafen zurück und schippern bis zur Kleinen Meerjungfrau, wobei man von der Wasserseite aus allerdings nur ihren Rücken bewundern kann. Trotzdem wird fleißig fotografiert. Der Guide macht auf die königliche Anlegestelle am rechten Ufer aufmerksam. Gleich nebenan in einem ehemaligen Lagerhaus der West India Company sind über 2000 Exponate der Königlichen Gipsskulpturen-Sammlungen untergebracht. Vor dem Gebäude steht eine Kopie von Michelangelos David. Diese Sammlungen gehören zur Dänischen Nationalgalerie.

 

Auf der Höhe des Dänischen Theaters verlässt unser Boot den Hafen, steuert linkerhand in den Christianhaven Kanal vorbei am North Atlantic House. Jetzt sehen wir ein Stück von Christianshaven, einem etwas anderen Stadtviertel von Kopenhagen, wenn man den touristischen Informationen glauben darf. Und tatsächliche wir passieren eine unendlich scheinende Hausbootarmada. In der alternativen Wohnsiedlung Freistadt Christiania soll es locker zugehen – hippe  Cafés, internationaler Streetfoodmarkt, eine alternative Kunstszene. Dort befindet sich die Erlöserkirche mit ihrem ungewöhnlichen Spiralturm.

Restaurant „Le Diamant“

Der Christianhaven Kanal führt zurück in den Hafen. Die Bootsfahrt neigt sich ihrem Ende zu. Wir kreuzen das Hafenbecken und fahren in das Kanalsystem der Altstadt ein. Vorbei am Nationalmuseum wieder durch tiefliegende Brücken, wobei die letzte dem Bootsführer alle Geschicklichkeit beim Steuern abfordert. Eine angenehme, informative Fahrt.

Jetzt suche ich mir eine schöne Gaststätte. Und die Suche ist auch bald von Erfolg gekrönt. Abendessen im Restaurant „Le Diamant“. Das passt.

 

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