Varusschlacht – Hermann-Denkmal – Porta Westfalica – Münster

16. August 2021: Varusschlacht-Museumspark in Kalkriese

Mein Gott, das ist ein total verregneter Tag. Und das an unserem Reisetag nach Bad Oeynhausen. Ein intensiver Sprüh- und Nieselregen lässt den Scheibenwischern keine Pause. Gleichmäßig wie ein Metronom wischen sie über die Frontscheibe.

Kalkriese: Besuchergebäude und Park des Museums

Trotz des für uns sehr unfreundlichen Wetters halten wir an dem Plan fest, in Kalkriese Station zu machen, um uns den Varusschlacht-Museumspark anzusehen.  Bei diesem Wetter sind nur wenige Leute unterwegs, so ist auch der Parkplatz fast leer. Die Gebäude und Anlagen haben noch den Hauch von etwas sehr Neuem. Und tatsächlich, später erfahren wir, dass das Museum erst 2009 gegründet wurde. Schnell huschen wir in das Besucherzentrum. Hier ist man warm und trocken. Ein Erwachsenenkombi-Ticket kostet 9,50€.

Wir schauen uns im Besucherzentrum die vom Rheinischen Landesmuseum Trier konzipierte Wanderausstellung, „Spot an! – Szenen einer römischen Stadt“ (02.05.-14.11.2021) an. Das ist hoch interessant. Hier einige Informationen zum römischen Stadtleben:

„Städte bilden das Fundament der römischen Reichsverwaltung. Die Urbanisierung wird aus diesem Zweck vorangetrieben. Die Städtegründungen erfolgen nach einem festen Schema: Feldmesser stecken zunächst die zueinander rechtwinklig verlaufenden Hauptstraßen (decumanus und cardo maximus) ab. Ihr Kreuzungspunkt bildet das Stadtzentrum (forum). Dann legen sie die Nebenstraßen fest. Die freien Flächen werden für Wohnhäuser oder öffentliche Bauten in Karrees (insulae) eingeteilt. Zuletzt wird die symbolische Stadtgrenze (pomerium) nach altem Ritus mit Ochsengespann und einem bronzenem Pflug festgelegt.“

„Lex lulia Municipalis: Wo immer ein Gebäude an eine Gasse angrenzt, muss der Eigentümer diese Gasse entlang der gesamten Fläche des Gebäudes mit ganzen, dauerhaften und gut verbundenen Pflastersteinen zur Zufriedenheit des Ädilen, der für die Straßen in diesem Bezirk zuständig ist, in Übereinstimmung mit diesem Gesetz ordnungsgemäß gepflastert halten.“

Inzwischen hat der Regen etwas nachgelassen. Wir begeben uns in den Park und steuern den großen Turm an. Auf mehreren Etagen wird die Geschichte der Varusschlacht nachvollzogen. 9 n. Chr. tobte hier (so nimmt man an) die Schlacht zwischen den aufständischen Germanen unter Führung des Cheruskerfürsten Arminius (Hermann) und den römischen Legionen unter Leitung des Stadthalters Publius Quinctilius Varus. Das römische Heer wurde vernichtend geschlagen. 2000 Jahre später suchen Archäologen auf diesem Gebiet nach Artefakten dieser Schlacht. Bisher wurden mehr als 7000 Funde registriert. Darunter befinden sich eine eiserne, einstmals mit Silber überzogene Maske eines römischen Reiterhelms, ein fast vollständiger Schienenpanzer und unglaublich viele Münzen.  

Ganz oben auf dem Turm hätte man einen wunderbaren Überblick über die Landschaft eingeschlossen der Museumspark mit seinen 11 Stationen. Natürlich hätten wir liebend gern auch den Park erkundet. Aber der Regen hat wieder verstärkt eingesetzt. Im Laufschritt eilen wir vom Turm zur Besucherzentrum. Schnell  ins Auto. Jetzt geht es nach Bad Oeynhausen zu unserer dritten Ferienwohnung.

17. August 2021: Ein gewaltiger Schrecken

Lenkrad professionell abgebaut

Unser erster Tag in Bad Oeynhausen beginnt mit einem riesigen Schrecken. Am Morgen um 9:30 Uhr haben wir es gemerkt. In der Nacht wurde in unser Auto eingebrochen, das wir ordnungsgemäß auf Kaiser-Wilhelm-Platz geparkt hatten. Auf der rechten Seite ist die kleine Scheibe eingeschlagen und – noch viel, viel schlimmer – das Lenkrad wurde geklaut. Unglaublich! Auf derartige Erfahrungen kann man gerne verzichten. Lotti ruft die Polizei an. Nach 40 Minuten rollte ein Polizeiauto auf den Parkplatz. Die Beamten schauen sich den Schaden an und nehmen alles auf. Heute Nacht, so erzählen sie, sind weitere Autos aufgebrochen worden. Diebstahl auf Bestellung, meint der eine. Die Spurensicherung wird angefordert. Eine Dreiviertelstunde wird wegen möglicher Fingerabdrücke gepudert und der Schaden fotografiert. Lotti ruft inzwischen die Versicherung an. Gut, dass sie im ADAC ist. So ist das Abschleppen kein Problem. Um 13 Uhr kommt der Abschleppwagen. Eine Weile wird probiert, welche Abschleppvariante die Beste ist. Rückwärts wird verworfen, da das Auto nicht mehr lenkbar ist. Also werden die Vorderräder hochgenommen und die Hinterräder rollen auf einem speziellen Einsatz. Wir können im Abschleppwagen mit zur Werkstatt fahren. Inzwischen ist es 14 Uhr. In der Werkstatt geht alles zügig: Schadensaufnahme, Formulare ausfüllen, unterschreiben. Das Lenkrad muss bestellt werden, aber man hofft, dass der Wagen bis Freitag repariert ist. Das hoffen wir auch, denn dann endet unser Aufenthalt in Bad Oeynhausen. Was – wenn? Nicht daran denken. Wird schon alles passen! In Bad Oeynhausen sind wir ab sofort Fußgänger-Touristen. Wir hätten einen Ersatzwagen bekommen können, allerdings mit 2.000€ Selbstbeteiligung. Darauf haben wir nach einiger Überlegung dankend verzichtet.

Am späten Nachmittag hat eine vorsichtig optimistische Grundstimmung die Oberhand gewonnen. Wir machen uns auf, den Kurpark zu erkunden, der in unmittelbarer Nähe unserer Ferienwohnung liegt und offensichtlich den Mittelpunkt der Stadt Bad Oeynhausen bildet.

Gleich am Parkzugang erinnert eine Stele an Karl Freiherr von Oeynhausen (1795-1865), der 1839 als Berghauptmann hier eine kohlensäurehaltige Thermalsolequelle  entdeckte. Er erhielt den Auftrag, ein Staatsbad aufzubauen. 1845 wurde das Badehaus I fertiggestellt. Das Bäderprojekt  und die umliegende Siedlung entwickelten sich schnell weiter. Der preußische König Wilhelm IV. verlieh in Anerkennung der Verdienste von Oeynhausens dem Ort den Namen Bad Oeynhausen. Ein paar Schritte erinnert eine Bronzebüste an Peter Linné (1789-1866), der als Gartenarchitekt den Kurpark nach dem Vorbild englischer Landschaftsparks gestaltete. Inmitten dieses Parks eine Reihe von Gebäuden ganz unterschiedlicher Baustile. Ein neobarockes Kurparktheater bietet Kurgästen und den Bürgern der Stadt mit Schauspiel, Musik, Literatur und Kabarett ein vielfältiges kulturelles Angebot. Schräg gegenüber vom Theater befindet sich die im neoklassizistischen Stil erbaute Wandelhalle mit den Trinkbrunnen. Links und rechts davon zwei Badehäuser, das klassizistische Badehaus I und das im Stile der Neorenaissance erbaute Badehaus II. Der Blick schweift über die großzügige Parkanlage bis zum neobarocken monumentalen Kurhaus, davor ein großer Springbrunnen mit wechselnden Wasserspielen.

Colon-Sültemeyer-Brunnen

Den Tag schließen wir mit einem Rundgang durch das Stadtzentrum ab. Es ist ein beschauliches Städtchen. Doch dann entdecken wir tatsächlich noch eine Besonderheit, einen Brunnen. Auf ihm sind ein beleibter Bauer und fünf Schweine dargestellt. Dieser Brunnen erzählt eine Geschichte:  

Es war im Jahre 1745 – in Preußen regierte Friedrich II. (Friedrich der Große“) – als Bauer Sültemeyer eines Tages seine frei lebenden Schweine in der Abendsonne silbrig glänzen sah. Im Fell der Tiere war Salz auskristallisiert. Salz war zu jener Zeit eine sehr wertvolle Handelsware. Dort, wo sich die Schweine im Morast suhlten, stieß man auf eine Solequelle und die Sültemeyers, die das Bebauungsrecht für diesen Grund und Boden besaßen, hatten davon einen erheblichen Nutzen. Auf Geheiß des preußischen Königs wurde die erste Saline zur Salzgewinnung erbaut.

Bad Oeynhausen: Colon Sültemeyer

Deshalb heißt dieser Brunnen auch Colon-Sültemeyer-Brunnen und avancierte zum Wahrzeichen Bad Oeynhausens. Jetzt fällt mir auch die Bronzeplastik neben dem Haus des Gastes wieder ein. Ein Mann, der auf eine Bank sitzt und einen langen Stab in der Hand hält. Ich denke, hier macht bestimmt Bauer Sültemeyer eine Pause.

18. August 2021: Hermann-Denkmal bei Detmold

Eine völlig neue Erfahrung, ein Tag ohne Auto, ein Tag, an dem wir zum Hermann-Denkmal bei Detmold wollten. Davon lassen wir uns auch nicht abbringen. Lotti hat den Fahrplan der Bahn schon ausgekundschaftet. Um 10:14 fährt ein Zug nach Bielefeld, umsteigen in Herford, 10:58 Ankunft in Detmold. Klingt doch gut. Von unserer Ferienwohnung ist der Oeynhauser Bahnhof nur etwa 10 Minuten entfernt. Also, auf geht es.

Aber man sollte den Tag nicht ohne die Bahn loben. Der Zug nach Bielefeld hat 20 Minuten Verspätung, sodass die gesamte Zeitplanung ins Wasser fällt. Schließlich erreichen wir Detmold um 12 Uhr. Mit dem Bus 703 fahren wir nach Hiddesen, einem Ortsteil von Detmold. An der Haltestelle Hünenweg steigen wir aus. Kurze Orientierung, ein Eis kaufen und los geht es zu Fuß zum Denkmal. Nach 1,5 Stunden Wanderung – immer bergauf, meist durch den Wald – erreichen wir das Denkmalsplateau.

 

Das Hermann-Denkmal wurde auf einem Berg, dem „Grotenburg“ des südlichen Teutoburger Waldes erbaut. Hier befand sich mit dem Großen Hünenring eine altgermanische Wallburg. Nach 37-jähriger Bauzeit (darunter ein mehrjähriger Baustopp) wurde das Denkmal 1875 fertiggestellt; eine Lebensaufgabe des Architekten und Bildhauers Ernst von Bandel. Das Denkmal soll an den Cheruskerfürsten Hermann (Arminius) erinnern, unter dessen Führung germanische Stämme die römischen Legionen des Stadthalters Varus besiegten. Das Ereignis ist als Varusschlacht, die aller Wahrscheinlichkeit nach aber nicht im Teutoburger Wald, sondern bei Kalkriese stattgefunden hat, in die Geschichte eingegangen.

Teutoburger Wald: Hermann-Denkmal

Wir stehen vor einem monumentalen Denkmal außerordentlicher Größe. Auf einer Plattform erhebt sich ein runder, tempelartiger Bau mit einer Höhe von fast 27 Meter. Zehn Pfeiler tragen eine Steinkuppel. Über eine innere Treppe gelangt man auf einen Kuppelrundgang. Auf der Kuppel selbst steht auf einem Podest die Hermannfigur, die insgesamt ebenfalls fast 27 Meter misst. Allein schon das Schwert ist 7 Meter lang und wiegt 550 Kilogramm, wahrlich gewaltig. Das Denkmal gehört zur Straße der Monumente.

Teutoburger Wald: Bismarck-Gedenkstein

Im Rücken des nach Westen schauenden Hermanns befindet sich eine verlassen aussehende und verschlossene Hütte. Wir erfahren, in dieser Hütte hat der Denkmalserbauer Ernst von Bandel mehrere Jahre gelebt, um den Bau eng zu begleiten und zu leiten. Noch ein paar Schritte weiter steht auf einer Lichtung („Bandel Wiese“) der Bismarck-Gedenkstein, der 1895 zu Ehren des 80. Geburtstages des Reichskanzlers Otto von Bismarck errichtet wurde.

Teutoburger Wald: Rekonstruierter Palisadenwall

Und noch ein paar Schritte weiter in den angrenzenden Wald hinein stoßen wir auf eine rekonstruierte Palisadenwand. Hier befand im 3. Jahrhundert v. Chr. eine 11 Hektar umfassende Rindwallanlage der vorrömischen Eisenzeit. Das Hermann-Denkmal steht also inmitten dieser ehemaligen Wallanlage.

Der Abstieg geht flott voran. Mit dem Bus 703 zum Bahnhof, mit dem Zug nach Bielefeld, dort umsteigen in einen Zug nach Braunschweig. Um 18:44 Uhr sind wir pünktlich in Bad Oeynhausen zurück. Geht doch. Das Abendessen nehmen wir unweit unserer Ferienwohnung bei „Don Pedro“, einer spanischen Gaststätte, ein.

19. August 2021: Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica

Bevor wir heute unsere Erkundungstour starten, statten wir dem gestern entdeckten Fischladen einen Besuch ab. Was für eine reiche Auswahl! Fast könnte man meinen, man wäre an der See. Wir entscheiden uns für Kabeljaufilet. Das kommt erst einmal in den Kühlschrank und muss noch bis zum Abend auf seine Zubereitung warten. Jetzt kann es losgehen!

Heute ist gewissermaßen der „zweite Denkmalstag“. Die Stadt Porta Westfalica, wo sich das Kaiser-Wilhelm-Denkmal befindet, ist nur 15 Kilometer von Bad Oeynhausen entfernt. Die Porta Westfalica („Westfälische Pforte“) ist das Durchbruchtal zwischen Weser- und Wiehengebirge, durch das die Weser in die Norddeutsche Tiefebene fließt. Seit 1973 trägt auch die dort durch den Zusammenschluss von 15 Gemeinden gegründete Stadt diesen Namen.

Von Bad Oeynhausen nach Porta Westfalica gibt es mit der Linie 461 einen direkten Busverkehr. Die Fahrt dauert eine knappe halbe Stunde. Von Porta Westfalica Barkhausen, Füllenkamp, nehmen wir den ausgeschilderten Wanderweg durch den Wald in Richtung Denkmal. Inzwischen fängt es an zu nieseln. Für die 2,5 Kilometer brauchen wir ca. 45 Minuten; ein abwechslungsreicher Aufstieg unterm dem Blätterdachschutz des Waldes.

Jetzt stehen wir vor dem monumentalen Bau. Das Denkmal ist Kaiser Wilhelm I. gewidmet und sollte wohl auch die Kaisertreue der preußischen Provinz Westfalen zum Ausdruck bringen. Die 1892 begonnenen Bauarbeiten nach dem Entwurf des Architekten Bruno Schmitz (1858-1916) wurden 1896 mit der Einweihung des Denkmals abgeschlossen.

Heute ist das weithin sichtbare Kaiser-Wilhelm-Denkmal zum Wahrzeichen des Stadt Porta Westfalica geworden und gehört zur Straße der Monumente. Wir erklimmen die Terrassenstufen zum Denkmal und umrunden das gewaltige Bauwerk. Ein paar Fotos müssen sein.

Schade, dass es immer noch leicht regnet. Ein Vorteil dieses Wetters: die Anzahl der Besucher ist sehr überschaubar. Wir entfliehen dem ungemütlichen Wetter durch einen Besuch des Panorama-Restaurants „Wilhelm 1896“. Hier lassen wir uns auf Empfehlung eine „Westfälische Kartoffelsuppe“ schmecken. Das war ein guter Tipp.

Für den Abstieg entscheiden wir uns nach einigem Hin und Her gegen die Wanderwege, die aufgrund des Regens aufgeweicht und rutschig sind – und es geht bergab! Wir bleiben auf der asphaltierten Zufahrtsstraße und kommen so unbeschadet in der Stadt an. Noch ein paar Schritte bis zur Bushaltestelle und schon geht es zurück nach Bad Oeynhausen in unser Quartier. Dort wartet bereits das frische Kabeljaufilet darauf, gebraten zu werden. Leckere Aussichten!

20. August: Münster

Beim Frühstück klingelt das Telefon. Eine erfreuliche Nachricht: Das Auto ist repariert und steht zur Abholung bereit! Der Plan ist schnell geschmiedet: Auto abholen und auf nach Münster. Auf diese Stadt waren wir ohnehin neugierig, aber unsere zeitweise eingeschränkte Mobilität hat einen Besuch infrage gestellt. Aber dank des engagierten BMW-Autohauses in Bad Oeynhausen, die die Reparatur in so kurzer Zeit bewerkstelligten, kann es jetzt losgehen. Ein schönes Gefühl, wieder so unabhängig zu sein. Die Fahrt dauert ca. eine Stunde. Beim Hineinrollen in die Stadt entdecken wir einen großen Parkplatz mit freien Parkplätzen. Keine große Sucherei. Das Parken auf dem Parkplatz „Schlossplatz Nord“ kostet 60 Cent pro halbe Stunde. Das passt.

Münster: Restaurant „Kleiner Kiepenkerl“

Auf den ersten Blick erkennt man: Münster ist eine sehr lebendige Stadt (mit vielen Studenten, wie man weiß). Inzwischen ist bereits der Nachmittag angebrochen und wir haben Hunger. Zuerst halten wir Ausschau nach einer Gaststätte. Die Auswahl ist groß. Bei dem schönen Wetter sind die Lokalitäten auch gut besucht. Wir finden einen Platz am Spiekerhof im Restaurant „Kleiner Kiepenkerl“, wo wir uns gut auf „westfälische Art“ stärken.

Wir sind schon inmitten der historischen Altstadt. Ein paar Schritte weiter erreichen wir den Prinzipalmarkt, wo auch das Rathaus von Münster, ein Wahrzeichen der Stadt, steht. Es wurde durch die Verhandlungen zum Westfälischen Frieden, die in Münster (eben in diesem Rathaus) und in Osnabrück geführt wurden und zur Beendigung des Dreißigjährigen Krieges (1648) führten, bekannt. Das ursprüngliche Gebäude, das aus dem 14. Jahrhundert stammte, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und später originalgetreu im gotischen Stil wieder aufgebaut.

Die Friedensverhandlungen zogen sich sage und schreibe über fünf Jahre hin. Die Abgesandten trafen sich in der Ratskammer des Rathauses. Heute ist der so genannte Friedenssaal, in dem die Verhandlungen geführt wurden, zu besichtigen. Der Eintritt kostet 3€. Der durch seine Ausstattung außerordentlich beeindruckende Raum ist 15 Meter lang, 10 Meter breit und seine Wände sind rundherum durch eine reich verzierte Holztäfelung verkleidet. Dazu gehören auch die Porträts der 37 Personen, die maßgeblich die Friedensverhandlungen geführt haben.

Münster: Der „Goldene Hahn“ im „Friedenssaal“

In einer Vitrine ist ein vergoldeter Hahn zu sehen, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Es handelt sich um ein Trinkgefäß, das um 1600 gefertigt wurde und heute noch bei feierlichen Zeremonien zur Begrüßung von Ehrengästen zum Einsatz kommt. Ein Ratsherr soll den Goldenen Hahn gestiftet haben. Dahinter steht die Sage, dass ein Hahn der Grund war, die Belagerung von Münster aufzugeben und damit eine Hungersnot abzuwenden. Die Belagerten wollten den letzten Hahn köpfen, dieser entwischte ihnen und spazierte auf der Stadtmauer entlang. Als die Belagerer das sahen, nahmen sie wohl an, dass die Stadt noch über genügend Vorräte verfügte und brachen die Belagerung ab. Eine schöne Geschichte.

Vom Prinzipalmarkt führt eine Gasse direkt auf den Domplatz. Natürlich möchten wir uns auch den St.-Paulus-Dom, das zweite Wahrzeichen der Stadt, anschauen. 1264 wurde der im spätromanischen Stil erbaute Dom geweiht. Die Bischofskirche ist ein Bau mit gewaltigen Ausmaßen. Schon von weitem sind seine beiden 55 Meter hohen Türme zu sehen. Der ausladende Domplatz lässt den Dom richtig zur Geltung kommen. Im Innern ist der Dom hell (Lichteinfall) und klar (keine überladenen Strukturen). Historisches und Modernes sind miteinander in Einklang gebracht. Wenn man den Dom betritt, fällt einem sofort die auf einem Sockel stehende eine 3 Meter hohe Christophorus-Statue mit dem Jesus-Kind auf dem Arm auf. Christophorus ist der Patron der Pilger und Reisenden, aber auch Schutzheiliger in der Todesstunde. Eine historische Uhr erregt Aufmerksamkeit. Solche Uhren sind in verschiedenen Kirchen zu bewundern. Unglaublich die Kunstfertigkeit und das Wissen ihrer Erbauer im Mittelalter. Ein mechanisches Wunderwerk.

Leider ist die Zeit schon sehr vorangeschritten. In Münster gäbe es noch Einiges zu entdecken: Die Lamberti-Kirche, der Aasee, der Stadthafen, das Picasso-Kunstmuseum, das Schloss (heute von der Universität genutzt), das Stadtmuseum u.v.m. Wir sind bereits auf den Rückweg zum Auto als wir ein Glockenspiel hören. Immer den Klang und den Leuten nach. Im Alten Steinweg steht ein unscheinbares Haus, das Schütte-Haus. In der Fassade ist ein original Meissner Porzellan-Glockenspiel eingelassen. Ein wirklich schöner Klang. Lotti muss noch unbedingt in einen der verführerischen Delikatessläden. Aber dann geht es schnurstracks zurück nach Bad Oeynhausen. Es ist unser letzter Abend dort. Morgen fahren wir in den Harz.  Das Auto stellen wir für diese Nacht in der Tiefgarage am Bahnhof unter und hoffen, dass es dort sicher ist.

 

 

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