Italien – Kampanien

Vorbereitung

Corona ist nicht vorbei, aber es gibt neben bewährten Schutz- und Hygienemaßnahmen die Impfungen und damit die Hoffnung auf eine Normalisierung des Alltagslebens. Und nicht zu vergessen, auch zunehmende Möglichkeiten, auch wieder Reiseträume wahr werden zu lassen.

Ein lang gehegter Wunsch von mir ist, die ausgegrabene antike Stadt Pompeji zu sehen. Auch Frauke ist davon begeistert. So schmieden wir einen Plan, eine Woche im italienischen Kampanien zu verbringen, um uns die antiken Ruinen von Pompeji und Herculaneum anzuschauen. Wenn wir schon einmal in dieser Gegend sind, gehört natürlich ein Aufstieg auf den Vesuv dazu.

Ich kümmere mich im Februar um die Flüge Berlin – Neapel und eine Ferienwohnung. Frauke organsiert für unsere Reisezeit vom 30. März bis 6. April 2022 ein Mietauto. Rechtzeitig drucke ich unsere EasyJet Boarding Pässe für Hin- und Rückflug aus.

30. März 2022: Von Berlin nach Lettere

Frauke (aus Magdeburg) hat bei mir in Berlin übernachtet, sodass wir gemeinsam um 6:45 Uhr zu unserer Reise aufbrechen. Mit Bus, S-Bahn und FEX geht es zum Flughafen Berlin-Brandenburg, kurz BER. Da wir uns auf Handgepäck beschränkt haben, steuern wir ohne Umschweife die Sicherheitskontrolle an. Das ist auch gut so, denn davor hat sich bereits eine beträchtliche Schlange gebildet. Schritt für Schritt geht es vorwärts. Dann sind wir an der Reihe. Frauke kann ohne Probleme die Kontrolle passieren. Ich dagegen muss meine Wanderstiefel ausziehen – ohne dass dafür ein Stuhl angeboten wird. Diese werden separat durchleuchtet. Ok, alles In Ordnung. Das Anziehen ist offensichtlich auch als Standübung gedacht. Damit nicht genug. Jetzt ist es mein Koffer, ein kleiner Handkoffer, der die Aufmerksamkeit der Kontrolleure erregt. Vermutete Ursache ein eingepackter Regenschirm. Jetzt ist alles fein und kann losgehen. Um 10 Uhr hebt der Flieger in Richtung Neapel ab. Die Flugzeit ist mit 2 Stunden und 20 Minuten ausgewiesen. Pünktlich um 12:20 landen wir in Neapel. Erst einmal strecken. In den Sitzreihen sitzt man sehr beengt. Ich habe den Eindruck, der Platz, der für einen Passagier berechnet wird, verkleinert sich von Jahr zu Jahr. Egal, jetzt sind wir da.

Autovermietung Airport Neapel

Die erste Herausforderung ist die Autovermietung Europcar zu finden. Normalerweise wäre das wohl auch keine so schwere Aufgabe, aber der gesamte Vorplatz des Flughafens ist eine große Baustelle. Die Autovermietungen mussten umziehen. Wir brauchen einige Zeit, um hinter das System zu kommen. Ein Shuttle bringt Touristen zu den Autovermietern. Eine gute Idee, wenn man den Durchblick hat. Frauke kämpft sich beim Autovermieter durch (Geduld ist hier eine hilfreiche Tugend). Schließlich stehen wir vor einem Renault Clio E Hybrid, mit dem wir in den kommenden Tagen durch Kampanien kutschieren werden.

Jetzt ist das Ziel Lettere, ein Dorf mit etwa 6200 Einwohnern. Von Neapel aus sind es ca. 40 Kilometer. Man fährt über die A3 (Maut! An Kontrollstellen zu entrichten) bis Angri und dann weiter auf Landstraßen durch viele Ortschaften, enge Straßen, wuseliger Verkehr. Schließlich geht es in die Berge. Lettere liegt auf einem Berg. Es gibt verschiedene Zufahrten. Wir haben zunächst die erwischt, die auf einem privaten Grundstück endete und wir umkehren mussten. Ein neuer Anlauf, noch einer und noch einer. Der Navi im Auto sprach französisch mit uns, der Navi im Smartphone erklärte auf Deutsch die Route. Sagte (zeigte) der eine nach links, meinte der andere nach rechts. Irgendwann parkten wir vor einem Hotel und fragten einheimische Passanten. Zuerst in einem Café (Super Cappuccino!) , später auf der Straße. Deutsch funktioniert sowieso nicht, aber auch Englisch hilft nicht weiter. Die Adresse nennen (besser noch auf dem Voucher zeigen) und mit Mimik und Gestik arbeiten. Alle sehr freundlich und hilfsbereit. Wir bekommen den Hinweis: Die Ferienwohnung befindet sich in unmittelbarer Nähe, wäre nur 3 Minuten entfernt. Wir machen uns zu Fuß auf den Weg, die Sachlage zu erkunden. Prompt laufen wir an der Abzweigung Via Petrelle vorbei, die wir nicht als Straße erkennen. Aber es ist eine Straße und sogar die richtige. Nach vielem Hin und Her steuert Frauke das Auto vorsichtig den engen, abschüssigen Weg hinunter bis auf der rechten Seite vor einem offenen Tor ein Mann winkt, diese Einfahrt zu nutzen. Es ist der Vermieter, der uns (wie lange schon?) erwartet. Endlich geschafft!

Blick auf das Castello di Lettere und den Vesuv im Hintergrund

Pasquale, unser Vermieter, erklärt mit Hilfe des Sprachübersetzers seines Handys geduldig und ausführlich die Besonderheiten der Wohnung, die man kennen muss, um alle Bequemlichkeiten nutzen zu können. Es handelt sich um eine sehr geräumige Ferienwohnung: Großer Wohnraum mit Küchenzeile und Veranda, drei Schlafzimmer, zwei Bäder. Funktionierende Heizung, wichtig, da relativ kühles Wetter; Waschmaschine, auch wichtig, das nur Handgepäck. Von der Terrasse haben wir einen grandiosen Ausblick auf die Burg von Lettere und im Hintergrund auf den Vesuv  – wenn dieser nicht gerade von Wolken verhangen ist.

Von Pasquale erhalten wir den Tipp, wo wir in Lettere einkaufen können. Nachdem sich unser aufmerksamer Vermieter verabschiedet hat, machen wir uns auf den unumgänglichen Weg zum beschriebenen Supermarkt. Bei leichtem Regen immer bergauf. Plötzlich meint Frauke, das wäre der Supermarkt, der sich als kleiner Tante Emma Laden entpuppt. Unglaublich, was in solch kleinen Raum alles hineingeht. Als wir sagen, dass Pasquale unser Vermieter ist, kennt die Freude keine Grenzen mehr. Ein großes italienisches Hallo. Alle scheinen sich hier zu kennen. Wir sind angekommen.

31. März 2022: Altstadt von Neapel

Wolkentanz über Lettere

Ausgeschlafen. Gefrühstückt. Blick von der Terrasse: Leichter Nieselregen. Wir sind in Wolken eingehüllt. Die Wolken wandern. Jetzt ist ein Stück vom Golf von Neapel zu sehen. Wenige Minuten später verschwindet er wieder in einer Nebelwand. Was für ein Schauspiel.

Für uns heißt es, erst einmal abwarten. Bei dieser Sicht sollten wir nicht die engen und für uns noch unbekannten  Bergstraßen hinunterfahren.

ANM-Parkhaus BRIN in Neapel

Gegen 12 Uhr hat sich der Nebel gelichtet. Wir wollen nach Neapel. Allerdings haben wir uns ein Parkhaus am Stadtrand ausgesucht, um von dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln in das Stadtzentrum zu fahren. Und los geht es. Das Autofahren beschert einem hier völlig neue Erfahrungen. Einfädeln, wo es geht. Orientierendes Stehenbleiben wird mit einem Hupkonzert belohnt. Der Auto-Navi spricht wieder französisch mit uns. Alle Versuche, die Sprache zu ändern, sind bisher fehlgeschlagen. Aber wir sehen eine schöne Karte, auch gut. Und wir haben den Handy-Navi. Irgendwie klappt alles auch ganz gut. An der Autobahnauffahrt ist wieder der Maut-Obolus von 2,10€ zu entrichten. Das sollte man passend bereithalten. Glücklicherweise finden wir das ausgesuchte ANM-Parkhaus BRIN auch recht schnell. Es sieht etwas mitgenommen aus, hat jedoch genügend freie Plätze und sogar eine Toilette. Diese steuern wir schnellen Schrittes nach dem Abstellen des Autos an. Frauke kann unbeschadet die Toilette betreten, mir fällt ein Stück der Deckenverkleidung vor die Füße. Wie gesagt, alles ein bisschen marode.

Pizza Margherita

Direkt vor dem Parkhaus ist eine Straßenbahnhaltestelle. Aber wo gibt es Tickets? Wir versuchen es in einer Bahn, die wir an der der nächsten Station aufgrund fehlender Möglichkeit ein Ticket zu kaufen, wieder verlassen. Immerhin wissen wir nun, Tickets gibt es in Tabakläden. Zu Fuß machen wir uns auf den Weg in Richtung Zentrum, immer auf der Suche nach einem solchem Tabakladen. Aber es ist wie es ist, wenn man einen braucht, findet man keinen. Dafür nehmen wir in einer Pizzeria Platz. Eine Stärkung ist dringend nötig. Frauke möchte unbedingt Pizza Margherita essen, da diese in Neapel erfunden worden sei. Ich schließe mich an. Während wir auf die Pizzen warten, erzählt sie mir die Geschichte:

König Umberto I. (-1900) und seine Frau, Königin Margherita (1851–1926) ließen sich von einem Pizzabäcker drei verschiedene Pizzen bringen. Die Pizza in den italienischen Nationalfarben (rote Tomaten, weißer Mozzarella-Käse, grünes Basilikum) mundete der Königin besonders gut, sodass sie dem Pizza-Bäcker Raffaele Esposito eine schriftliche Anerkennung zukommen ließ. Dieses Schriftstück existiert noch heute, und seitdem trägt diese Pizza den Namen „Margherita“. Jetzt wird uns diese Pizza serviert, und sie schmeckt vorzüglich.

Nach dieser angenehmen Rast geht es zu Fuß weiter in Richtung Zentrum. Insgesamt legen wir an die 5 Kilometer auf diesem Weg zurück. Ist der Gesundheit ja nicht abträglich, aber wir benötigen nach diesem Marsch wieder eine Pause. Inzwischen sind wir in der Galerie Umberto I. gelandet und entdecken das Eiscafé Kremoso. Jeder einen Cappuccino und zwei Kugeln Eis, die helfen uns wieder auf die Beine. Jetzt haben wir auch die Muße, die monumentale Galerie mit ihrem gläsernen Dach und den filigranen Mosaikarbeiten im Fußboden zu bewundern. Heute ist das Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Gebäude eine Einkaufspassage mit vier Eingängen, die auf zwei rechtwinklig zueinander liegenden Passagen führen. Gegenüber dem Haupteingang befindet sich das Opernhaus Teatro San Carlo.

Piazza Trieste e Trento

In unmittelbarer Nähe sprudelt ein Springbrunnen auf dem Platz Trieste e Trento. Hier beginnt die lange Einkaufsstraße Via Toledo (ein Ziel für morgen). Auf der gegenüberliegenden Seite schließt sich der Platz Plebiscito, der größte Platz der Stadt, an. Und er ist wahrlich groß. Wir schauen auf die dem römischen Pantheon ähnliche Basilika San Francesco di Paola in der Mitte halbrunder Kolonnaden, die den Platz begrenzen. Davor stehen auf hohen Sockeln die Reiterstatuen der Könige Ferdinando I. (1414-1494) und Carlo III. (1716-1788), wie wir herausfinden. Gegenüber liegt der Königspalast Palazzo Reale, seit 1925 beherbergt er ein Museum, in dem man u.a. königliche Gemächer und Säle zu besichtigen sind, und die Nationalbibliothek. Von hier aus führt ein Tunnel, der als Fluchtweg für den König gebaut wurde, in das Stadtviertel Chiaia. Er kann als Teil des unterirdischen Neapel, einer weiteren Sehenswürdigkeit, besichtigt werden.

Wir begeben uns zurück zum Platz Municipio (Rathaus-Platz), den auf der einen Seite ein herrlicher historischer Brunnen ziert. Der andere Teil ist vor allem Baustellengelände für einen U-Bahnbau. Hier ist man auf Überreste des antiken Hafens von Neapel gestoßen. Das zu Fußen einer Festung, des im 13. Jahrhundert zum Schutz der Stadt erbauten Castels Nuovo, heute ein Wahrzeichen Neapels. 1995 wurde die gesamte Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Unten am Hafen kaufen wir Tickets für die Straßenbahn (gelten auch für die Metro und die Stadtbusse), deren Linien 1 und 4 wegen der Bauarbeiten hier enden. Ein Einzelticket kostet 1,10€, ein Tagesticket 3,50€. Die Linie 1 bringt uns zurück zum Parkhaus BRIN. Die Rückfahrt in unsere Ferienwohnung in Lettere gestaltet sich, nachdem wir die Autobahn in Angri verlassen haben, abenteuerlich. Die Navis drehen durch, wir brauchen einige Anläufe, um eine zugängliche Bergstraße zu finden. Schnell noch ein Einkauf unterwegs. Es wird schon dunkel. Nerven behalten. Dann ist es geschafft.

1. April 2022: Archäologisches Museum in Neapel

Heute möchten wir uns das Archäologische Museum in Neapel anschauen. Unsere Fahrt dorthin ist relativ entspannt, da wir Route und Ziel, besagtes Parkhaus BRIN, bereits kennen. Die Straßenbahn Linie 4 bringt uns zum Municipio Platz. Hier genehmigt sich Frauke in einem der vielen kleinen Cafés erst einmal einen Cappuccino und ein Croissant. Inzwischen hört der Nieselregen auf.

Archäologische Museum in Neapel

Das Archäologische Museum ist gut mit der Metro zu erreichen. Aber die Metrostation Piazza Municipio ist aus irgendeinem Grunde geschlossen. So spazieren wir die Via Toledo zur nächst gelegenen Metrostation Toledo. Doch auch bei dieser sind die Absperrgitter heruntergelassen. Die gleiche Erfahrung müssen wir bei der folgenden Metrostation auf dem Dante Platz machen. Schließlich führt uns unser Spaziergang, der durchaus angenehm ist, vorbei an der Kunstakademie durch eine recht verlassen wirkende monumentale Galerie direkt zum Archäologischen Museum.

Wir lesen, dass sich im Archäologischen Museum von Neapel eine der bedeutendsten archäologischen Sammlungen der Welt befindet; insbesondere (aber nicht nur) handelt es sich um Funde, die bei den Ausgrabungen in Herculaneum und Pompeji ans Tageslicht kamen. Wir verschaffen uns einen Überblick: Im Erdgeschoss sind griechische und römische Skulpturen, aber auch Gemälde der Sammlung Farnese zu besichtigen. Im Untergeschoss gibt es eine Ägyptische Sammlung. Im Zwischengeschoss ist seit 2000 im so genannten Geheimen Kabinett eine antike Erotika-Sammlung öffentlich zugänglich. Im Obergeschoss sind die Ausgrabungsstücke der antiken Städte Herculaneum und Pompeji ausgestellt. Das steuern wir an. Die Kunstschätze, Alltagsgegenstände, Werkzeuge, wissenschaftlichen bzw. medizinischen Instrumente, Keramiken, Fresken, Mosaiken, Statuen im Obergeschoss erzählen, wie die Menschen hier vor fast 2000 Jahren lebten. Die originalen Ausgrabungsstätten werden wir uns in den nächsten Tagen vor Ort besuchen. Ich bin schon sehr gespannt.

Guiseppe Fiorelli

Die für das Museum bedeutendsten Archäologen werden mit ihrer Biographie und ihren wissenschaftlichen Verdiensten vorgestellt. Darunter ist auch Guiseppe Fiorelli (1823-1896). Er war u.a. als Direktor des Nationalmuseums in Neapel tätig und leitete die Ausgrabungen in Pompeji und Herculaneum. Er modernisierte die Ausgrabungsmethoden grundlegend. So entwickelte er u.a. ein Verfahren (Fiorelli-Methode), bei dem Hohlräume, die verfaulte organische Materialien, so auch Leichen von Menschen und Tieren, in der erhärteten Asche hinterlassen hatten, mit Gips auszugießen. Die Gipsmodelle zeigen wie Menschen bei dem Vulkanausbruch gestorben waren, was sie in ihren letzten Augenblicken taten, sogar welche Art von Kleidung sie trugen.

Dante-Platz

Nach gut drei Stunden im Museum verlassen wir das Gebäude. Die Beine sind schon schwer. Schade, ein Rundgang durch das Geheime Kabinett wäre sicher interessant gewesen. Mit einem Bus fahren wir zurück zum Municipio Platz. Dabei entdecken wir eher zufällig, dass die Metro-Station am Dante-Platz wieder geöffnet ist. Das verschafft uns die Gelegenheit, die künstlerische Ausgestaltung dieses Tunnelbahnhofs, der sich direkt unter dem Dante-Platz befindet, anzuschauen.

Insgesamt wurden 11 Stationen der Metro-Linie 1von international berühmten Künstlern und Architekten mit modernen Kunstwerken versehen oder als Kunstwerk gestaltet. Deshalb trägt diese Linie auch den Beinamen Metrò dell’Arte (Metro der Kunst). Auf jeden Fall sehen wir uns noch den hochgelobten Bahnhof Toledo an. Und die Vorschusslorbeeren sind berechtigt, sowohl die ideenvolle Architektur als auch die künstlerische Gestaltung der Wandbemalung mit antiken Motiven macht diese Station zu etwas Besonderem.

Die Rückfahrt verläuft bei prasselndem Regen. Wir finden sogar eine „richtige“ Straße, die bergauf zu unseren Ferienwohnung führt, allerdings sind einige „Rutschversuche“ dabei. Bei steilen Anstiegen hat ein Automatikgetriebe manchmal so seine Mühe, zumal bei Glätte. Kein beruhigendes Gefühl.

2. April 2022: Archäologischer Park Herculaneum

Ein regnerischer Tag. Daran können wir nichts ändern, also das Beste daraus machen. Heute stand ein Besuch der Ruinenstadt von Pompeji auf unserem Programm, das wir wegen des Regenwetters ändern. Wir werden nach Herculaneum fahren, der zweiten ausgegrabenen antiken Stadt, die durch den Vesuvausbruch im Jahre 79 n. Chr. zerstört und verschüttet wurde. In Herculaneum, so haben wir gelesen, sind einige Häuser mit Bedachung ausgegraben worden bzw. haben ein Schutzdach erhalten. Auch ist diese Stadt, in der einmal an die 4000 Menschen lebten, bei weitem nicht so groß wie Pompeji.

Herculaneum liegt westlich des Vesuvs ca. 30 Kilometer von Lettere entfernt. Wir benötigen für diese Strecke eine knappe Stunde. Da eine Teilstrecke über die Autobahn A3 führt, gilt es wieder Maut (2,10€) bereithalten. Die genaue Adresse ist: Archaeological Park of Herculaneum, Corso Resina, 187, 80056 Ercolano NA, Italien. Wir finden einen günstigen Parkplatz vor der Post (später erfahren wir, dass es direkt auf dem Parkgelände einen Besucherparkplatz gibt). Von der Post aus sind es nur ein paar Schritte bis zum Eingangstor des Archäologischen Parks, der sich unterhalb der gegenwärtigen Stadt Ercolano erstreckt. Der Eintritt kostet 13€. Ich zieh meine Regenjacke an, Frauke öffnet ihren Regenschirm. Es kann losgehen. Zunächst ein Blick von oben, gewissermaßen eine Draufsicht. Herculaneum war eine kleine Hafenstadt, deren Bewohner weitgehend vom Fischfang und Handwerk lebten (eines ihrer Boote wurde geborgen und ist in einer Halle ausgestellt). Allerdings lässt die prachtvolle Ausstattung einiger Häuser darauf schließen, dass es durchaus auch wohlhabende Bürger gab. Es wird vermutet, dass auch reiche Römer hier an der Bucht von Neapel eine Sommerresidenz errichten ließen.

Als erstes fallen uns die gepflasterten Straßen auf, die beidseitig Wege für Fußgänger ausweisen. An den Kreuzungen standen Brunnen. Durch ein Tor betrat man einen Vorhof mit einem flachen Wasserbassin aus Marmor, es folgte ein bepflanzter Innenhof, von dem die Wohn- und Wirtschaftsräume abgingen. Diese Struktur war natürlich in der Größe unterschiedlich, von überschaubar bis prächtig. Die Wände waren durch Wandmalereien verziert. Meine Beschreibung stützt sich auf Eindrücke, die ausgegrabene Hausteile, Höfe, Wände, Wirtschaftsgegenstände hervorrufen. Es war ein gut strukturiertes, übersichtlich organisiertes städtisches Leben, das in vielen Fällen auf eine angenehme Lebensqualität schließen lässt. Herculaneum wurde durch den Vesuvausbruch durch Lava und Schlamm bedeckt, sodass sich sogar Teile aus Holz bis heute erhalten haben.

Wir stromern trotz immer wieder einsetzenden Regens gut zwei Stunden durch die Ruinenstadt. Besucher wie wir flüchten sich bei größeren Regenschauern in die mit einem Dach bedeckten Häuser. Wenn der Regen nachlässt, geht die Erkundungstour weiter. Zweifellos wäre ein Besuch bei sonnigem Wetter angenehmer. Aber die Ausgrabungen sind so beeindruckend und phantasieanregend, dass der Regen letztlich nur eine untergeordnete Rolle spielt. Trotzdem können wir nicht alles sehen. So müssen wir auch auf die bekannteste Ausgrabung, auf die Villa die Papiri (Darüber haben wir gestern im Nationalmuseum eine Menge erfahren), die etwas außerhalb der Hauptgrabungsstätte liegt, verzichten. Man bräuchte einfach mehr Zeit. Jetzt suchen wir uns ein nahegelegenes Restaurant, um ausgiebig zu speisen (und sich etwas aufzuwärmen).

Ehe wir die Rückfahrt nach Lettere antreten, verbringen wir noch 1,5 Stunden im Herculaneum-Museum (10€ Eintritt), um uns die Ausstellung und einen Film über den Vulkanausbruch anzusehen. Beides sehenswert. Jetzt noch schnell den Einkauf für das Abendbrot erledigen und Parkgebühren bezahlen (wieder eine kleine Herausforderung). Jetzt hat es aufgehört zu regnen. Fein. An Abend bestaunen wir auf unserer Terrasse einen wundervollen Sonnenuntergang.

3. April 2022: Aufstieg zum Krater des Vesuvs

Frauke. Im Hintergrund der Kiosk

Natürlich haben wir es am Morgen noch nicht gewusst, aber heute wird es ein ganz verrückter Tag. Nach dem Frühstück brechen wir mit dem Ziel auf, uns die Ausgrabungen in Pompeji anzusehen. Alles verläuft bestens, für die A3 sind wir mit 2,10€ präpariert, sogar die Sonne lugt ab und an hervor. Doch dann nehmen wir die falsche Ausfahrt (Torre del Greco) und landen direkt auf der Straße, die zum Vesuv führt. Also Planänderung: Heute geht es zum Vesuv. Immer die Serpentinen bergauf. Höher und höher. Dann ist plötzlich Schluss. Hier heißt es, das Auto am Rande einer Straße zu parken und die nächste Etappe mit einem kleinen Shuttlebus zu bewältigen. Dieser bringt potentielle Vesuv-Touristen auf eine Art Plattform, wo sich ein Kiosk, Toilette (nur für Kioskkunden), zwei Souvenirstände und die Kasse befinden. Letztere ist geschlossen. Tickets gibt es nur online. Diese Prozedur ist nur mit Hilfe zu bewältigen. Aber darauf sind die Standverkäufer bestens eingestellt.

Vor dem Zugangsbereich

Nachdem wir endlich zwei Tickets (24€) online auf unserem Smartphone haben, können wir den Kontrollbereich passieren. Inzwischen ist das Wetter umgeschlagen. Ab dieser Höhe wird es winterlich, jedenfalls heute. Es liegt Schnee! Ein pfiffiger Mann nutzt die Gelegenheit, um Besenstiele als Kraxelhilfen anzubieten. Davon mache nicht nur ich Gebrauch. Der Weg ist teilweise glatt und rutschig. Und weiter geht es bergauf. Wolken umtanzen den Vulkan. Mal sehen wir den Golf von Neapel, mal verschwindet diese Aussicht gänzlich im Wolkennebel. So geht es Schritt für Schritt immer höher bis zum Kraterrand. Ich puste ganz schön und bin froh, als wir nach einer Dreiviertelstunde endlich das Ziel erreichen.

Eine Absperrung verhindert das Weiterlaufen. Es gibt einen Rundweg um den Krater, den man aber nur in Begleitung eines Guides umwandern kann. Egal, wir stehen am verschneiten Kraterrand des Vesuvs und schauen in seinen trichterförmigen, 300 Meter tiefen Schlund. Es geht tief abwärts, man sieht dunkle Felsbrocken und Geröll und Schneewehen und immer wieder durchziehende Nebelschwaden. Natürlich wird fleißig fotografiert.

Wenn man den Vesuv so erlebt, wie wir und zigtausende andere Besucher bzw. die in seiner Umgebung lebende Bevölkerung, kann man sich kaum vorstellen, welche gewaltige Energie in diesem Berg verborgen ist. Im Jahre 79 n. Chr. kam es zu dem verheerenden Ausbruch des Vesuvs (zu der Zeit an die 3000 Meter hoch), bei dem u.a. die Städte Pompeji und Herculaneum verschüttet wurden. Unter ohrenbetäubenem Donnern stieg eine gewaltige schwarze Eruptionssäule auf und ließ Asche und Lapilli (kleine Steinchen) kilometerweit ins Umland regnen. Pyroklastische Ströme, Staub und giftige Gaswolken breiteten sich mit unglaublicher Geschwindigkeit aus. Sie  zerstörten bzw. töteten alles, was auf ihrem Weg ins Tal bis ins Meer war. Pompeji und Herculaneum lagen unter einer 6 bis 8 Meter dicken Ascheschicht und gerieten jahrhundertelang in Vergessenheit.

Blick auf den Vesuv

Über 500 Jahre später im Jahre 1631 kam es wieder zu einer gewaltigen Eruption, die ca. 4000 Menschen und 6000 Haustieren den Tod brachte. 1944 brach der Vesuv vorerst zum letzten Mal aus. Lava- und pyroklastische Ströme begruben Dörfer und Städte unter sich. Trotz Evakuierungen starben 26 Menschen. Bis heute ist der Vesuv ein aktiver Vulkan, der gegenwärtig um die 1200 Meter hoch ist. Obwohl die Menschen seine todbringende Geschichte und Gefährlichkeit kennen, zieht er Touristen an wie ein Magnet. Auf seiner Italienreise Reise hat sich Johann Wolfgang Goethe die Ausgrabungen in Pompeji und Herculaneum angesehen und den Vesuv mehrmals bestiegen, obwohl zu seiner Zeit die Lava im Krater heftig brodelte.

Die Besteigung des Vesuvs erfolgte damals auf Eseln, Pferden, in einer Kutsche oder zu Fuß. Ab 1880 wurden Touristen mit einer Standseilbahn bis fast zum Gipfel gefahren. Diese wurde bei dem Ausbruch von 1944 zerstört. Übriggeblieben sind am Krater Betonfundamente und Teile der Stahlbefestigungen.  Ab 1955 sollte ein Sessellift die Standseilbahn ersetzen, der sich jedoch nicht bewährte und 1984 eingestellt wurde.

Wir begeben uns auf den Abstieg, den wir in einer halben Stunde bewerkstelligen. Hier sind die Stöcke schon eine Hilfe, um der Rutschgefahr zu begegnen. Ein Shuttlebus für die Rückfahrt zum Parkplatz steht schon bereit. Auf halben Wege die Serpentinen abwärts machen wir Halt. In einem Restaurant (Ristorazione „Antica Cucineria Vesuviana“), gönnen wir uns in den Nachmittagsstunden ein üppiges Mittagsmahl. Rinderfilet steht in der Menükarte, auf dem Teller haben wir jedoch ein bemerkenswert großes Steak. Steakfans hätten sicher in die Hände geklatscht; meine Freude hält sich in Grenzen.

Blick auf den Golf von Neapel

Man sollte es nicht glauben, inzwischen scheint die Sonne. Von hier oben genießen wir die Aussicht auf den Golf von Neapel, bevor wir direkt zur Ferienwohnung zurückkehren. Dieses Mal nutzen wir nicht die angezeigte Abfahrt Angri, sondern verlassen die A3 schon bei Castellammare und fahren auf der SS145 weiter. Das war eine gute Entscheidung.

4. April 2022: Archäologischer Park Pompeji

Eingang Piazza Esedra

Endlich geht es nach Pompeji, genauer gesagt zum Archäologischen Park von Pompeji. Dieses Mal fahren wir über die Landstraßen. Auch hier sind Fahrkünste und gute Nerven gefragt. Wir haben Glück und landen direkt vor dem Eingang Piazza Esedra und können dort auch parken, natürlich nicht umsonst. Die Parkgebühr für einen halben Tag, was wir in Anspruch nehmen wollen, kostet 10€; ganztägiges Parken dementsprechend 20€. Für die Eintrittstickets bezahlen wir zusammen 32€.

Der Anblick der Ausgrabungsstätte ist gewaltig. Kein Vergleich mit Herculaneum. Es macht Sinn, sich zuerst Herculaneum, dann Pompeji anzuschauen. Vor uns liegen die ausgegrabenen Häuser, Tempel, Theater, Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude, Straßen und Plätze der antiken römischen Stadt Pompeji, die nach dem Ausbruch des in unmittelbarer Nähe gelegenen Vesuvs im Jahre 79 n. Chr. unter einer 4 bis 6 Meter hohen vulkanischen Ascheschicht vollständig begraben wurde. Die ersten Ausgrabungen begannen 1748 und dauern bis in die Gegenwart. Eine unglaubliche Leistung.

Wir starten unsere Tour in Richtung Antiquarium, einem Besucherzentrum, in dem eine audiovisuelle Dokumentation und Objekte aus der römischen Zeit Pompejis einen Einblick in das antike römische Leben geben. Da wir uns aber schon einen Überblick im Nationalmuseum von Neapel verschafft hatten, bleiben wir im Freiluftbereich. Zuerst stoßen wir auf die Überreste einer dreischiffigen Basilika, die der Verwaltung von Recht und Handel diente. Gegenüber lag der von einer Mauer umschlossene Apollontempel. Der Tempel selbst befand sich im hinteren Hofteil. Die Statue des Apolls, die mit anderen Götterstatuen vor der Portikus stand, ist noch zu bewundern.

Wir erreichen den Mittelpunkt der Stadt. Das rechteckig angelegte Forum hat eine Ausdehnung von 38×142 Meter. Hier befanden sich wichtige öffentliche Gebäude der Verwaltung, der Kultur, eine Markthalle und mit dem Jupitertempel der wichtigste Tempel der Stadt. Man muss sich entscheiden, welche Richtung man einschlagen möchte. Die Via dell‘ Abbondanza ist eine der Hauptstraßen Pompejis gewesen. Alle Straßen waren in einen Fahr- und einen zu beiden Seiten liegenden Fußgängerbereich  eingeteilt und gepflastert. An den Kreuzungen standen oft öffentliche Brunnen.

Wir sind die Via dell‘ Abbondanza entlang gelaufen und stehen jetzt vor den ältesten öffentlichen Thermen Pompejis, den Stabianer Thermen, die in einen Männer- und einen Frauenbereich aufgeteilt waren. Es gab auch einzelne Badkabinen und einen Bereich für Athleten, die sich hier durch das Einreiben mit Öl und Sand auf ihre Wettkämpfe vorbereiteten. Wir biegen von der Via dell‘ Abbondanza auf die Via Stabiana ab. Immer wieder stoßen wir auch auf Thermopolien, also auf antike Imbissstände oder Gaststätten. 
 

Diese führt zum Großen Theater, Kleinen Theater (Odeion) und den Gladiatorenkasernen. Im Großen Theater konnten 5000 Zuschauer Platz nehmen. Es war ein halbrundes, offenes Theater, wobei ein ausfahrbares Sonnensegel die Zuschauer, wenn nötig, vor Sonneneinstrahlung schützte. Das Kleine Theater (Odeion) war ein durch ein Holzdach geschossenes Gebäude. In ihm konnten sich 1000 Zuschauer an Konzerten, Lesungen, Diskussionen, Pantomimenspielen erfreuen. Von beiden Theatern konnten die Besucher eine quadratische Portikus (Quadriportico) erreichen, um unter ihnen in den Pausen zu wandeln. Dieser Bereich wurde später in eine Gladiatorenkaserne umfunktioniert.

Die Menander Villa hat ihren Namen nach dem griechischen Dramatiker Menander erhalten, dessen Porträt man auf einer Wand dieses Hauses gefunden hat. Das Anwesen umfasst 1830 Quadratmeter und gehört damit nicht nur zu größten, sondern auch zu den ältesten und zu den reichsten Häusern. Die Fußböden sind mit Marmormosaiken belegt, alle Wände mit Gemälden farbig gestaltet. Das Haus ist unterkellert. Hier fand man einen Silberschatz, dessen 115 Teile im Nationalmuseum von Neapel zu besichtigen sind.

Inzwischen haben wir das Amphitheater von Pompeji erreicht. Es stammt aus dem Jahre 80 v. Chr. und ist das älteste erhaltene römische Amphitheater überhaupt. In ihm fanden 20.000 Zuschauer Platz, um sich zum Beispiel Gladiatorenkämpfe anzuschauen. Gegenüber dem Amphitheater liegt eine von einer Mauer umgebene Palästra, eine großzügig angelegte Sportstätte, in der die Jugend von Pompeji trainierte. In der Mitte ein Wasserbecken umgeben mit einer Doppelreihe von schattenspendenden Platanen, an drei Seiten verlief ein Säulengang.

Es gibt so viel zu sehen, zu entdecken, zu verarbeiten ein Weingut, ein Landgut, viele weitere Villen, Häuser, Thermen und Tempel. Das ist an einem Tag nicht zu bewältigen. Für mehr reicht unsere Kraft und Aufmerksamkeit heute nicht. Also begeben wir uns zu Ausgang Piazza Esedra, wo unser Auto auf uns wartet. Doch der erste Besuch des Archäologischen Parks von Pompeji hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Um eine Vorstellung zu entwickeln, wie die Stadt im Original aussah, habe ich mir ein Buch gekauft (es gibt jede Menge Bücher über Pompeji), das ich weiterempfehlen kann (De Franciscis, A., I. Bragantini: POMPEJI EINST UND JETZT. Rom: Vision.). Es handelt sich um einen illustrierten Pompeji-Führer mit 17 Rekonstruktionen, die Gegenwart und Vergangenheit anschaulich verbinden. Pompeji einst und jetzt: Über ein Foto des gegenwärtigen Zustandes eines bestimmten Ortes (Tempel, Villa, Theater, Platz, Straße, …) wird eine Folie gelegt, die plastisch zeigt, wie dieser Ort einmal ausgesehen haben könnte. Dazu jeweils ein erklärender Text und eine CD-DVD.

5. April 2022: Sorrent

Bergstraße: Zufahrt nach Sorrent

Die Zeit vergeht so schnell. Wir möchten den letzten Urlaubstag an der Küste verbringen. Der erste Gedanke war ein Ausflug an die Amalfiküste, aber schließlich entscheiden wir uns wegen des kürzeren Anfahrtsweges für Sorrent am Golf von Neapel. Und herrlicher Frühlingswetter verspricht einen wunderbaren Tag. Für die knapp 30 Kilometer brauchen wir  eine Dreiviertelstunde. Die längste Strecke legen wir auf der SS145 zurück, entlang der Küste und durch unglaublich lange Tunnel, die durch das umgebende Kalksteingebirge führen. Dann wieder Straßen, die sich um die Berge an der Küste schlängeln. Alles gut ausgebaut. Und plötzlich taucht rechterhand Sorrent auf. Die Stadt liegt auf Steilklippen der gleichnamigen Halbinsel.

In Meta am Anfang der Halbinsel entdecken wir auf der linken Seite eine Likörmanufaktur „The Sorrento Excellence“. Hier wird der bekannte Limoncello, ein unglaublich leckerer Zitronenlikör, hergestellt. Spontan halten wir an und werfen einen Blick in den Verkaufsraum. Gleich dahinter befinden sich die Produktionsstätten, wo der Limoncello aus den gelben Schalen reifer Zitronen, Zucker, Alkohol und Wasser entsteht. Ein guter Limoncello hat ca. 34% Alkohol und sollte eiskalt nach einem mediterranen Essen getrunken werden. Wir sind mit dem Auto unterwegs, also keinen Alkohol, dafür auf der sonnigen Panorama-Terrasse mit Blick auf den Golf von Neapel einen unvergleichlich gut schmeckenden Cappuccino genießen.

In Sorrent steuern wir das Stadtzentrum an und halten Ausschau nach einem Parkplatz. Glücklicherweise finden wir relativ rasch eine Tiefgarage in der Via Correate. Besser geht es nicht. Zu Fuß machen wir uns auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Hier leben ca. 16.000 Menschen. Eine lebendige Stadt, wuselig, aber nicht hektisch. Die Via Correate führt im Bogen auf den Piazza Tasso. Linkerhand erhebt sich die aus dem 16. Jahrhundert stammende Kirche Santa Maria del Carmine (Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel). Schräg gegenüber schaut Torquato Tasso auf einem hohen Sockel stehend über den Platz, der seinen Namen trägt.

Sorrent: Statue „Torquato Tasso“

Wer war Torquato Tasso? Mir fällt das gleichnamige Schauspiel von Goethe ein. Alles andere muss ich nachlesen. Torquato Tasso hat wirklich gelebt. Er wurde 1544 in Sorrent geboren. Zu seiner Zeit wurde er als Dichter der so genannten Gegenreformation mit dem Versepos La Gerusalemme liberata („Das befreite Jerusalem“) berühmt. 1595 starb er im Kloster San Onofrio bei Rom. Goethe, so lässt sich annehmen, fühlte sich von dem Leben des tragischen Dichterfürsten Torquato Tasso angesprochen. Es inspirierte ihn zu einem Drama, das er 1790 veröffentlichte. Allerdings war die Uraufführung erst 17 Jahre später in Weimar.

Ganz entspannt bummeln wir durch die verkehrsfreie Einkaufsgasse Via S. Cesareo. Laden an Laden und überall und in jeder Form Zitronen. Auch farbenfrohe Keramikartikel mit Sorrent-Ansichten, Bilder der Amalfiküste, religiösen Darstellungen und eben mit  Zitronenmotiven werden zahlreich angeboten. In vielen Shops kann man schicke Lederwaren kaufen.

An der Via Tasso biegen wir rechts zum Hafen ab. Es geht ca. 40 Meter bergab. Unten am Hafen finden wir einen Platz im Fischrestaurant „Trattoria da Emilia Dal“. Im Außenbereich ist alles etwas eng, aber wir speisen ganz vorzüglich Seebarsch auf Gemüse. Ein kleiner Rundgang in Hafenbereich zeigt, hier gibt es keinen hellen Sand, kaum Kieselsteine; hier bedeckt feines schwarz-braunes vulkanisches Gestein den Uferbereich. Vom Hafen Marina Piccola aus starten Fähren und Schnellboote zu den Urlaubsinseln Capri, Ischia und Procida.

Vom Hafen klettern wir wieder bergauf in die Stadt bis zur Hauptfußgängerzone Corso Italia. Auch hier Geschäft an Geschäft. Wir passieren den Dom Santi Filipp e Giacomo (Kathedrale der Heiligen Philipp und Jakob) und landen wieder am Piazza Tasso. Der Corso Italia führt uns bis zum Piazza A. Lauro. Ein Wasserbassin und ein kleiner Park laden zum Verweilen ein. Das lässt sich Frauke nicht zweimal sagen und kauft sich sogleich ein Eis. Von hier aus ist auch zum Bahnhof nicht weit, wir aber gehen in die entgegengesetzte Richtung ans Ende des Parks zur Via Correata, wo in der Tiefgarage das Auto auf uns wartet. Für 12€ lösen wir es aus seinem Parkzustand aus.

Die Rückfahrt verspricht unkompliziert zu verlaufen, zumindest bis zu dem Punkt, wo wir die Abfahrt nach Gragnano verpassen. Nun heißt es weiterfahren. Ein Wenden ist nicht möglich. Und die Strecke zieht sich. Am Ende hat sich die Fahrzeit von einer Dreiviertelstunde auf das Doppelte erhöht. Aber genaugenommen ist es unerheblich. Die Fahrt über die Hochstraßen erlaubt noch einmal einen schönen Ausblick auf die Landschaft und seine Urbanität.

6. April 2022: Rückflug von Neapel nach Berlin

Mietauto auf der Terrasse der Ferienwohnung

Wir haben alle Zeit der Welt. Unser Flieger startet erst um 19:55 Uhr. Also in aller Ruhe Packen, frühstücken und das Auto beladen. Zweimal prüfen, ob nichts vergessen wurde. Alles scheint in Ordnung zu sein. Pasquale, unser Vermieter, sagte: Schlüssel auf den Tisch legen und Tür einfach zuziehen. So machen wir das auch. Beim Starten des Autos fällt uns ein, dass wir das Hoftor nicht öffnen können, weil die Fernbedienung am Schlüsselbund hängt und dieses hinter verschlossener Tür auf dem Tisch liegt. Na prima. Wir schicken Pasquale eine WhatsApp und berichten von der Notlage. Er ist auf Arbeit, verspricht aber schnelle Hilfe. Gott sei Dank sind wir nicht in Eile. Nach einer halben Stunde kommt ein Nachbar, der uns aus dieser misslichen Situation befreit. Pasquale und dem Nachbarn sei Dank.

Jetzt geht auf nun schon bekannten Wegen nach Neapel zum Flughafen, um das Auto abzugeben. Das hat trotz der oft chaotischen Verkehrssituationen tatsächlich keine Schramme abbekommen. Nach der Autoübergabe begeben wir uns zum Flughafen, um das Gepäck einzuschließen. Wieder eine kleine Herausforderung. Schließfächer gibt es nicht. Über Telefon erreicht man einen Verantwortlichen, der mit einigem formellen Aufwand und gegen Gebühr von je 10€ das Gepäck in Empfang nimmt. Das Prozedere muss man erst einmal durchschauen.

Neapel: Trattoria Toledo

Ein privater Shuttlebus bringt uns nach Neapel. Er hält direkt am Hauptbahnhof, wo wir in die Metro umsteigen. Besser wäre es wohl gewesen, den öffentlichen Flughafenzubringer zu nutzen. Dann wären wir gleich im Zentrum gewesen. So fahren wir mit der uns bekannten Linie 1 bis zur Station Municipio. Noch einmal bummeln wir die Via Toledo entlang. In der Trattoria Toledo essen wir zu Mittag. Hier werden alle Gäste von einem singenden Kellner bedient, der alle italienischen Hits, die aus einem Lautsprecher tönen, lautstark und offensichtlich textsicher begleitet.

Zurück zum Piazza Municipio werfen wir noch einen Blick in den Innenhof des Castels Nuove (Neue Burg), ehe wir uns auf die Suche nach der Haltstelle für den Alibus, den öffentlichen Flughafenzubringer, machen. Das ist aufgrund der vielen Baustellen auch wieder eine Herausforderung. Wir fragen in einem Reisebüro nach und erhalten den entscheidenden Hinweis: Am Hafen. Und da wartet auch schon ein Bus.

Zurück am Flughafen holen wir vor einer kleinen Kaffeepause unsere Koffer. Dann geht es durch die Sicherheitskontrolle. Keine Beanstandungen. Noch ist viel Zeit. Wer möchte, kann noch letzte Einkäufe tätigen, aber die Anzahl der Geschäfte ist überschaubar. Wir belassen es bei einem Imbiss. Dann endlich kommt der Aufruf zum Boarding, der für uns eine letzte Überraschung bereithält. Jetzt auf einmal sollen unsere Koffer zu groß sein. Was am BER völlig in Ordnung war, passt hier nicht in den Gitterkubus. Alles Reden, was der Gegenüber ohnehin nicht versteht, hilft nicht: Wir müssen nachzahlen. Jeder 29€. Nicht bar, nur mit Kreditkarte. Nachdem wir gelöhnt haben, werden weitere Passagiere aus der Schlange gewunken. Sie ereilt das gleiche Schicksal.

Pünktlich hebt der EasyJet-Flieger ab, pünktlich landet er 22:15 Uhr in Berlin. Fast geschafft. Doch der Flughafen-Express FEX hat über eine halbe Stunde Verspätung. Trotzdem, wir sind gut angekommen.

Ein Kommentar zu “Italien – Kampanien

  1. Frauke

    DANKE, liebe ILona für deinen tollen Beitrag über unseren gemeinsamen Italienurlaub. Es war ein sehr schöner Urlaub und wichige Erfahrungen für mich. So stand in meinem Reiseführer, dass der Verkehr in Neapel nur etwas für nervenstarke Autofahrer sei. Das bin ich dann wohl: eine nervenstarke Autofahrerin. WER hätte das gedacht? Ich kommentiere in den nächsten Tagen gern weiter.
    Liebe Grüße
    Frauke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.