Harz: Braunlage – Bad Harzburg – Goslar – Rammelsberg – Quedlinburg

21. August 2021: Externsteine – Braunlage

Das Auto ist unversehrt. Gott sei dank. Nach dem Frühstück starten wir in Richtung Harz. Für unterwegs haben wir einen interessanten Stopp ausgemacht: Die Externsteine im Naturpark Teutoburger Wald. Das ist eine überaus beeindruckende bis zu 40 Meter hohe, freistehende Felsenformation aus Sandstein, die durch Ablagerungsschichten eines Meeres in der jüngeren Kreidezeit entstanden ist – heute ein Natur- und Kulturdenkmal.

Informationszentrum „Externsteine“

Das Navi (32805 Horn-Bad Meinberg, Externsteiner Straße 35) führt uns problemlos auf einen sehr großzügig angelegten und auch gut besuchten Parkplatz (3€/Tag). Von hier aus ist es ein knapper Kilometer Fußweg zu der Naturattraktion. Doch zuvor statten wir dem Informationszentrum mit seiner interaktiven Ausstellung einen Besuch ab, übrigens kostenfrei. Hier wird auf einer 200 Quadratmeter großen Fläche wird die Geschichte der Steine und des sie umgebenen Naturschutzgebietes dargestellt. Das ist für an Geschichte und Geologie interessierte Besucher ein sehr lohnenswerter Einstieg.

Nach einem Rundgang durch die Ausstellung machen wir uns auf den ausgeschilderten Weg zu den Felsen. Es scheint fast eine Art Wallfahrtsort zu sein, so viele Menschen ziehen mit Kind und Kegel dorthin. Und dann sehen wir sie, die Felsen, die so urplötzlich aus der Erde ragen. Von rechts nach links vier gewaltige Felsen, wobei der ganz rechts gelegene Felsen noch von drei „Geschwisterfelsen“ umgeben ist. Auf ihm befindet sich eine Aussichtsplattform, die wir über 124 Stufen erklimmen. Der Zugang kostet übrigens 4€. Am Ende der Kletterei wird man durch eine herrliche Aussicht belohnt.

Externsteine: Relief „Kreuzabnahme Christi“

Es wird vermutet, dass die Externsteine in keltischer und/oder germanischer Zeit ein Heiligtum darstellten. Im Mittelalter um 1150 wurde ein Relief in den Stein geschlagen: Die Kreuzabnahme Christi. Ich zitiere aus einem Faltblatt: „Nikodemus und Joseph von Arimathia nehmen in Anwesenheit der trauernden Maria und Johannes des Evangelisten den toten Leib Christi von Kreuz. In der himmlischen Sphäre sind Sonne und Mond in Trauer verhüllt, Gottvater erteilt dem Heilsgeschehen seinen Segen. In der Unterwelt werden zwei Menschen – vielleicht Adam und Eva? – von einem Untier umschlungen, ein Symbol der durch den Kreuztod Christi überwundenen Erbsünde.“

In Nachbarschaft des Kreuzabnahmereliefs befindet sich eine künstliche Grottenanlage. Auch der gegenüberliegende Felsen kann bestiegen werden. Auf ihm ist eine Höhenkammer mit einer Altarnische zu entdecken. Es klingt unglaublich, aber zwischen Felsen drei und vier gab es einmal eine Straßenbahntrasse „Horn-Paderborn“. Ein wirklich interessanter Ort. Es werden verschiedene thematische Gruppenführungen und Gesundheitswanderungen angeboten. Aber auch ausgewiesene Wanderwege und Naturlehrpfade laden zum individuellen Wandern und Erkunden ein: Blaubeeren-Route (6 km), Bärenstein-Route (2,5 km), Knickenhagen-Route (2,5 km) und Schliepstein-Route (1,4 km).

Wir machen einen Spaziergang zum nahegelegenen Teich, den wir im Schutze der Bäume des angrenzenden Waldes umrunden. Ein wirklich schönes Naturerlebnis. Allerdings sind wir auch hier in „guter und zahlreicher Gesellschaft“. Die Externsteine sind ganz offensichtlich ein Touristenmagnet.

Vor der Weiterfahrt in den Harz gönnen wir uns eine ausgedehnte Rast in der Gaststätte „Zum Felsenwirt“ und stärken unsere Kräfte mit „Speis und Trank“. Das erweist sich als gute Grundlage, um mehrere Umleitungen relativ gelassen zu überstehen. 18.15 Uhr erreichen wir unser Ziel, die Ferienwohnung in Braunlage, Jermerstein 7. Parken kann man direkt vor dem Haus. Mit einem Code öffnen wir das Schließfach, in dem sich der Haustürschlüssel befindet. Die Wohnung ist klein, aber modern. Nach dem Auspacken fahren wir in das Zentrum von Braunlage und halten nach einer Einkaufsmöglichkeit Ausschau. Diese befindet sich am Stadtrand. Bei EDEKA das Nötigste einkaufen und zurück in die Wohnung. Es war ein langer, ereignisreicher Tag.

22. August 2021: Wurmberg bei Braunlage

Der gestrige Tag war ereignisreich, aber auch anstrengend. So lassen wir uns langsam angehen. Nach einem ausgiebigen Frühstück starten wir erst gegen 12 Uhr zu unserer Wurmberg-Tour. Der Wurmberg ist von Braunlage aus gut zu sehen. Mit 971 Meter ist er nach dem Brocken (1141 m) der zweithöchste Berg im Harz. Beide Berge werden durch das Tal der Kalten Bode getrennt.

Von Braunlage aus führt die Wurmbergseilbahn auf seinen Gipfel.  Das ist wie geschaffen für uns. Also auf zur Seilbahnstation. Ein Ticket kostet 8,50€. Schade, dass es so neblig ist und es nieselt. Oben auf dem Gipfel pfeift uns der Wind um die Ohren. Wir schauen uns um. Man könnte den Turm, eine 32 Meter hohe rote Metallkonstruktion mit einer gläsernen Aussichtsplattform, besteigen. 192 Stufen wären zu bewältigen oder man nähme einfach den Fahrstuhl. Der Rückweg kann auch in einer 12 Meter langen Edelstahlröhre abgekürzt werden. Einfach rutschen! Schöne Idee! Nur ist bei diesem neblig-diesigem Wetter keine Aussicht zu erwarten, die einen auf den Turm lockt. Schade.

Harz: Wurmberg-Erlebnisspielplatz:

Für Kinder (offensichtlich nicht nur für sie) wurde eine bemerkenswerte Spiellandschaft gestaltet, eine Wassererlebniswelt: Wasserläufe, Stauanlagen, Wassertreppen, Flösse, Brücken u.v.m. Der Blick fällt auf einen See. Hier oben ein See? Es handelt sich um ein Rückhaltebecken, auf dem im Winter das Wasser für die Schneekanonen entnommen wird. Rund um diesen See führt ein Wanderweg, den wir aber nur zum Teil nutzen, da wir uns entschlossen haben, den Abstieg zu Fuß zu unternehmen. Leider ist die Ausschilderung hier nicht optimal. Nun, eine Entscheidung muss gefällt werden. Frohen Muts machen wir uns auf den Weg.

Zuerst laufen wir auf angenehmen Wegen durch einen Wald, ehe wir an eine total baumlose Stelle kommen. Der Berg scheint irgendwie nackig zu sein, aber nein, genaueres Hinschauen lässt kleine Baumpflänzlinge erkennen. Eine gewaltige Aufforstungsfläche liegt vor uns. An ihren Rändern stehen noch blatt- und nadellose Baumstämme, alles Totholz soweit das Auge reicht. Was für ein trauriger Anblick. Da kann auch die Sonne  nicht trösten, die sich ab und zu durch die Wolken zwängt. Wir halten uns an den Blaubeeren schadlos, die rechts und links unseren Weg säumen. Inzwischen sind wir schon über zwei Stunden unterwegs. Von Braunlage ist noch nichts zu entdecken. Vor uns endlich ein Wegweiser.

Der Himmel verdunkelt sich zusehends. Kein gutes Zeichen. Der Totwald liegt hinter uns. Wir sind im Bodetal angekommen. Linkerhand rauscht die Bode, von oben nieselt es. Kapuze auf. Immer weiter laufen, möglichst dem Matsch und den Pfützen ausweichen. Schließlich erreichen wir eine Gaststätte. Wie herrlich. Mir fällt das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten ein. Doch zu früh gefreut. Wir werden abgewiesen und das ziemlich harsch. Also weiter, immer weiter. Ausdauer führt zum Ziel. Schließlich erreichen wir Braunlage. Der Abstieg hat ca. 4 Stunden gedauert. In dieser Zeit haben wir laut Handy-Entfernungsmesser 11,5 Kilometer zurückgelegt. Jetzt treibt uns nichts mehr aus dem Haus.

23. August 2021: Bad Harzburg und der Burgberg

Das war mal ein ausgedehntes Frühstück! Erst um 12 Uhr verlassen wir die Ferienwohnung. Das erste Ziel ist Torfhaus, ein auf 800 Meter Höhe liegendes Bergdorf. Hier hat Lotti einen Laden für Sportkleidung ausgemacht und ist wild entschlossen, sich neue Wanderschuhe zuzulegen. Sie probiert zwei, drei Paare, aber zum Kauf kommt es nicht. Aber die Aktion hat zur Meinungsbildung beigetragen, auch etwas Gutes.

Harz: Torf-Haus – Nationalpark Besucherzentrum im Harz

Torf-Haus heißt das Nationalpark Besucherzentrum im Harz. Es liegt an der Bundesstraße B4. Direkt davor ist ein großer Parkplatz. Hier kann man sich über die Flora und Fauna des Nationalparks Harz informieren. Ein Landschaftsmodell zeigt den Harz aus der Vogelperspektive. Die Unberechenbarkeit der Naturdynamik kann man am so genannten Chaos-Pendel nachvollziehen. Die Torfdecke eines Hochmoores wächst nur langsam in die Höhe. Davon bekommt man am Rad der Zeit eine Vorstellung. Apropos es gibt sogar ein Kino. Im Film wandern Goethe und Heine auf den Brocken. Und nicht zuletzt werden verschiedene thematische Führungen angeboten.

Nationalpark Harz

Hier erfahren wir auch etwas über die Waldentwicklung im Nationalpark Harz. Durch den wirtschaftenden Einfluss des Menschen – Holzwirtschaft, Bergbau, Hüttenwesen – wurde aus dem einstmaligen Urwald mit einem hohen Buchenanteil ein einförmiger Fichtenwald. Das veränderte Klima, vor allem Hitze, Trockenheit und Stürme, sowie der Borkenkäfer haben dem Wald so zusetzt, das es zu einem Massenbaumsterben kam. Renaturierungsmaßnahmen wie die Anpflanzung von Laubbaumarten, die Wiederherstellung von Moorlandschaften, ein Wegerückbauprogramm und eine Regulierung der Wildbestände haben als langfristiges Ziel, die Entwicklung einer Laub- und Mischbewaldung im Harz voranzubringen.

Bad Harzburg: Burgberg-Seilbahn

Wir fahren weiter nach Bad Harzburg. Die nur 12 Kilometer entfernte Stadt ist vor allem bekannt als Kur- und Heilbad. Schnell finden wir wieder einen direkt an der B4 gelegenen Parkplatz. Mit ihren ca. 21000 Einwohnern ist Bad Harzburg fast noch eine Kleinstadt, d.h. alles ist fußläufig in kurzer Zeit erreichbar. Es ist inzwischen 13:30 Uhr. Der Magen meldet sich. Wir bekommen nach einer kleinen Wartepause im „Restaurant an der Seilbahn“ einen Platz. Nach der Stärkung bringt uns die Burgberg-Seilbahn (3€ für eine Bergfahrt) in 3 Minuten auf den 483 Meter hohen Großen Burgberg. Inzwischen hat die Sonne die meisten Wolken verdrängt und wir haben einen wundervollen Blick auf Bad Harzburg und das Harzvorland.

Auf der Bergkuppe sind die Überreste der Harzburg – Namensgeberin der Stadt – zu entdecken. Die Burgruine kann frei besichtigt werden. Die Harzburg war einmal eine Kaiserburg (Reichsburg). Sie wurde in den Jahren 1065 bis 1068 errichtet und diente u.a. dem Schutz der Kaiserpfalz Goslar. Das fällt in die Zeit von Heinrich IV. und Otto IV. Auf einem Rundwanderweg mit Informationstafeln kann man sich der Burggeschichte vertraut machen. Heute sind noch ein paar Grundmauern, ein Teil der Wallanlage und des Wallgrabens, ein teilweise wieder aufgemauerter Bergfried und der 57 Meter tiefe Burgbrunnen zu besichtigen.

Bad Harzburg: Canossa-Säule auf dem Burgberg

Außer der Burgruine befinden sich das Gast- und Logierhaus „Plumbohms Aussichtsreich“, die Canossa-Säule, eine Krodo-Statue und eine Bismarck-Ulme auf dem ehemaligen Burggelände. Die 19 Meter hohe Canossa-Säule wurde 1877 zu Ehren des Reichskanzlers Otto von Bismarck (1815-1898) aufgestellt. An der Vorderseite ist eine Bronzetafel mit dem Profil Otto von Bismarcks angebracht; auf der Rückseite trägt eine Steintafel die Inschrift „Nach Canossa gehen wir nicht – Reichstagssitzung 14.Mai 1872.“

Der legendäre Ausspruch nimmt Bezug auf den Bußgang König Heinrich IV. zur Burg Canossa im Jahre 1077, um durch demütige Unterwerfung Absolution und damit Aufhebung seiner Exkommunizierung durch Papst Gregor VII. zu erlangen. Der Ausspruch „Gang nach Canossa“ wurde zu einer Metapher für einen erniedrigender Bittgang.

Bad Harzburg: Krodo – Gott des Sachsen

Dort, wo der Rundwanderweg beginnt, steht eine große Edelstahlstatue des sächsischen Gottes Krodo. Im Jahre 2007 hat sie Kunsthandwerker Volker Schubert geschaffen. Krodo mit wehendem Bundtuch steht auf einem Fisch, der auf einer Säule liegt, in der linken Hand hält er ein Rad, in der rechten einen Korb mit Blumen. Auch hier sprechen die Symbole. Was mögen Fisch, Rad und Blumen bedeuten? Wasser, Sonnenlicht, Erde und das flatternde Tuch vielleicht Luft? In der Tat, überall gibt es Interessantes zu entdecken

Es ist 16 Uhr. Zeit für den Rückweg. Wir entscheiden wir uns für eine Wanderung. Es geht sanft bergab. Wir passieren die Baumschwebebahn, leider wegen Inspektionsarbeiten außer Betrieb. Na das wäre es gewesen, 1000 Meter innerhalb von 6 Minuten einfach ins Tal zu gleiten. Allerdings ist so ein Metallmonster auch kein Beitrag für den Naturschutz. Unten Im Tal bietet sich eine weitere Erkundung auf einem Baumwipfelpfad an. Das hätte ich schon gern gemacht und bei den 50 Erlebnisstationen etwas über die Natur und die Geschichte der Umgebung erfahren. Aber die fortgeschrittene Zeit lässt das nicht zu, sonst wäre kein Stadtrundgang mehr möglich. Man muss sich entscheiden.

Bäderarchitektur in Bad Harzburg

So spazieren wir immer an dem Flüsschen Radau entlang durch den Kurpark, weiter bis zur Herzog-Wilhelm-Straße, die Fußgängerzone (auch Bummelallee genannt) runter bis zum Jungbrunnen. Es gibt einiges Interessantes zu sehen. Mitten in einer Gebirgsstadt fällt auf, dass ein Teil der Gebäude in der Bäderarchitektur errichtet worden sind, die man wahrscheinlich eher an der Ostsee verorten würde. Schade, dass wir gerade in der Schließzeit die Fußgängerzone mit vielen schönen Geschäften erreichen. Hier hätte sich bestimmt eine kleine Shopping-Auszeit gelohnt.

Bad Harzburg: „Springende Pferde“ locken zur Rennwoche

In der Bummelallee stößt man auf „Springende Pferde“, eine Skulptur aus Naturmaterialien, die auf die Galopprennbahn in Bad Harzburg hinweist, auf der jedes Jahr mehrere Rennveranstaltungen stattfinden. Übrigens ist in Bad Harzburg mit Gestüt Harzburg das älteste Vollblutgestüt Deutschlands angesiedelt. Es wurde 1413 gegründet und ist demnach über 600 Jahre alt. Auf zur Harzer Rennwoche!

Bad Harzburg: Skulptur: „Kurgastdame mit Esel“

Eine interessante Bronzeskulptur: „Kurgastdame mit Esel“. Laut Informationstafel ließen sich die Kurgäste vor der Errichtung der Seilbahn 1929 auf dem Rücken von Eseln auf den Großen Burgberg tragen. Auf gleiche Weise handhabten es auch Besucher der Wartburg. Heute noch kann man mit einem Esel auf die Wartburg gelangen. Übrigens wurde diese Skulptur nach einer Skizze des bekannten Malers Adolf von Menzel 1989 von der Goslarer Bildhauerin Ursula Bacmeister (1913-1994) gestaltet.

Der Jungbrunnen ist wirklich eine Attraktion, vorausgesetzt man nimmt sich Zeit die Teufelchen, Kobolde und Gnome (und den Krodo!) genauer in Augenschein zu nehmen, um zu erkennen, welche Persönlichkeitseigenschaften sie symbolisieren. Über allem steht die Botschaft, man ist so jung wie man sich fühlt. Diese kreative Idee und Umsetzung stammt von Jochen Müller, einem Metallgestalter aus Quedlinburg.

Jetzt geht es den gleichen Weg zurück bis zum Parkplatz. In einer halben Stunde sind wir wieder in Braunlage. Heute werden wir im Restaurant „Puppe’s“ zu Abend speisen. Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, das ist unglaublich lecker!

24. August 2021: Goslar und seine Kaiserpfalz

Nach dem Frühstück fahren wir nach Goslar. Die Fahrt dauert eine Stunde. Trotz der engen Gassen in der Altstadt Goslars finden wir recht schnell einen Parkplatz. Das am Nordwestrand des Harzes gelegene Goslar hat ca. 50.000 Einwohner. Bekannt ist es vor allem durch die Kaiserpfalz und das Rammelsberger Bergwerk. Und diese wollen wir uns heute anschauen. Schon die ersten Schritte durch die belebte Altstadt lassen vermuten, dass hier noch viel mehr zu entdecken ist. Kein Wunder gehören doch die Altstadt und das Bergwerk zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Marktplatz in der Goslarer Altstadt

Auf dem Marktplatz gibt es nicht nur gut besuchte Cafés, sondern eine ganze Reihe interessanter Gebäude, so das im gotischen Stil erbaute Rathaus mit seinen Arkaden und dem Huldigungssaal (dieser ist zurzeit wegen Bauarbeiten geschlossen), das Hotel Kaiserworth mit einer unglaublich schönen Fassade, ehemals ein Gildehaus der Kaufleute aus dem Jahre 1494, der Figurenumlauf verbunden mit einem Glockenspiel am Giebel des ehemaligen Kämmereigebäudes, mit dem vier Mal am Tag die Geschichte des Rammelsberger Bergbaus symbolisch nachvollzogen wird. Mitten auf dem Marktplatz steht der zweischalige Marktbrunnen. Die beiden Becken sind aus Bronze. Aus dem oberen Becken ragen wasserspeiende Köpfe von Monstergestalten, darüber auf der Spitze thront ein goldener, flügelspreizender Adler, das Wahrzeichen Goslars.

Hinter dem Rathaus befindet sich die evangelisch-lutherische Marktkirche. Sie ist nach den heiliggesprochenen Ärzten Cosmas und Damian benannt. Ihre beiden Türme überragen mit ihrer Höhe von 58 bzw. 66 Meter alle Gebäude in der Stadt. In dem Teil, das beide Türme verbindet, hängt ein dreiglockiges Geläut. Der Nordturm kann bestiegen werden. Neben der Aussicht über Stadt kann man die Glocken, das Uhrwerk der mechanischen Uhr und die Türmerstube besichtigen. Wir belassen es bei einem Rundgang durch das Kirchenschiff mit seiner Renaissancekanzel von 1581, den um 1200 gefertigten Glasfenstern, die dem Wirken der Namensgeber der Kirche gewidmet sind, dem Taufbecken mit seinem reformatorischen Bildergürtel und einem barocken Altar.

Kaiserpfalz in Goslar

Durch den Hohlen Weg gelangen wir zum Domplatz. Von hier aus sieht man schon die Kaiserpfalz. Der heutige Palas, vor dem wir jetzt stehen, wurde 1050 unter Kaiser Heinrich III. errichtet. Rechterhand befindet sich die Pfalzkapelle St. Ulrich. Vor dem Hauptgebäude stehen zwei monumentale Reiterskulpturen aus Bronze: Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Barbarossa sowie zwei Löwenskulpturen aus Bronze. Wir erklimmen den Aufgang zur Kaiserpfalz und treten ein. Toilette, Garderobe und Ticketkauf inklusive Audioguide (2×6€). Es kann losgehen. Zuerst betreten wir den Wintersaal, der bereits im Mittelalter über eine Warmluftheizung verfügte (nicht zu verwechseln mit einer antiken römischen Fußbodenheizung). Der Wintersaal hatte einmal die gleiche Größe wie der darüber liegende Kaisersaal. Nach einem Brand im Jahre 1989 wurde er durch dickes Mauerwerk in sieben Gewölbeeinheiten aufgeteilt, die jetzt museal genutzt werden. Hier werden als Hauptattraktion die Thronlehnen des Goslarer Kaiserstuhls aufbewahrt. In einer Vitrine wird ein Adler (Greif) aus Bronze präsentiert, der einmal auf dem Giebel der Pfalz gestanden hat. Er sieht schon etwas mitgenommen aus. Aber das ist auch nicht verwunderlich, ist er doch die älteste erhaltenen Giebelbekrönung Deutschlands.

Der über dem Wintersaal liegende Kaisersaal (Reichssaal) ist schon sehr beeindruckend. Neben den Fensterarkaden ist es Wandbemalung. Im neu gegründeten deutschen Reich gewann der Historienmaler Hermann Wislicenus (1825-1899) eine Ausschreibung zur Ausmalung dieses Saals, wobei die Bilder die Geschichte des „Heiligen Römischen Reiches“ erzählen sollten, d.h. insbesondere die Würdigung des mittelalterlichen Kaisertums in Gestalt des Kaisers Barbarossa und des neuen deutschen Kaisers Wilhelm I. Für Wislicenus war es sein Lebenswerk. Von 1879 bis 1897 malte er ganz im Stil des damaligen Zeitgeschmacks 68 Gemälde, die die drei Wände des Saals vollständig bedecken. Dabei nutzte er als Metapher das Märchen von Dornröschen: Kaiser Wilhelm I. küsst das Deutsche Reich wach. Seine Malerei ist.

Goslar: Lohmühle an der Abzucht

Auf dem Rückweg in das Stadtzentrum halten wir Ausschau nach einer Gaststätte. Aber um diese Zeit haben die meisten geschlossen. Uns bleibt eine Imbiss-Pause. Anschließend unternehmen wir einen Rundgang durch die historische Altstadt. Am Ufer der Abzucht kommen wir an der Lohmühle vorbei. Die Mühle stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert. Einstmals existierten 40 Mühlen in Goslar. Heute gibt es nur noch die Lohmühle als Museum. 

Goslar: Siemens-Haus

Es macht Spaß durch die Straßen und Gassen von Goslar zu spazieren. Viele schöne Fachwerkhäuser, kleine, interessante Geschäfte, Cafés – überall ein buntes Treiben. Eines dieser beeindruckenden Fachwerkhäuser ist das Siemenshaus. Es wurde im 17. Jahrhundert vom Kaufmann Hans Siemens erbaut. Über der Haustür steht der Leitspruch: ora et labora – bete und arbeite. Der wurde offensichtlich erfolgreich umgesetzt. Aus einem Zweig dieser Familie stammt Werner von Siemens (1816-1892), der Begründer des weltbekannten Elektrokonzerns Siemens.

Die im romanischen Stil erbaute Neuwerkkirche, ehemals eine Benediktinerinnenklosterkirche, stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist, man mag es kaum glauben, bis heute fast unverändert geblieben. Die reich ausgemalte Apsis zieht sofort die Blicke auf sich. Der ehemalige Klostergarten steht heute als romanischer Garten allen offen. Die Kirche befindet sich direkt an der Stadtmauer. Und dort steht auch die von dem kolumbianischen Künstler Fernando Butero gefertigte Skulptur „Mann mit Stock“ und „Frau mit Schirm“, die besonders die Aufmerksamkeit von Touristen als ein beliebtes Fotomotiv auf sich zieht. Wir können nicht widerstehen und zücken das Smartphone.

Goslar, die Stadt an der Gose, hat noch viel mehr zu bieten. Aber unsere Besuchszeit ist abgelaufen. Es geht zurück nach Braunlage. Kurz vor 20 Uhr erreichen wir unsere Ferienwohnung.

25. August 2021: Schaubergwerk „Rammelsberg“

Museum und Besucherbergwerk Rammelsberg

Wieder geht es zunächst nach Goslar. Unser Ziel ist das Besucherbergwerk Rammelsberg, das zum Weltkulturerbe und zur Europäischen Route der Industriekultur gehört. Hier gibt es 1000-jährige Bergbaugeschichte in vier Museumsgebäuden zu besichtigen und eine Fahrt mit einer Grubenbahn zu erleben.

Wir durchqueren Goslar in südlicher Richtung und gelangen auf der Rammelsberger Straße direkt zum Bergwerk. In unmittelbarer Nähe kann man problemlos frei parken. Die gesamte Bergwerksanlage ist beeindruckend. Die Gebäude sind terrassenförmig in den Hang des Rammelsbergs gebaut. Über den repräsentativen Werkhof geht es in die ehemalige Lohnhalle, wo sich heute die Kasse und ein Informationsstand befinden. Gegen 12 Uhr kaufen wir die (nicht geraden billigen) Tickets (2x 16€) für eine Führung mit der Grubenbahn für 15 Uhr. Ein anderes Zeitfenster war nicht möglich. Aber es gibt ja genug zu entdecken. Wir entscheiden uns für die Ausstellungen in der Erzaufbereitung und im Magazin.

 

Es ist kaum vorstellbar, aber wie schon erwähnt, im Rammelsberg wurden über 1000 Jahre Erze abgebaut: Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Zink, Blei. In der ehemaligen Erzaufbereitungsanlage ist inmitten der originalen Aufbereitungsmaschinen eine umfassende Geologie- und Mineralienausstellung zu besichtigen.

Besucherbergwerk Rammelsberg: „Silver“ von John Chamberlain, 1993

Im Magazingebäude wird auf drei Etagen die kulturhistorische Entwicklung des Rammelsberger Bergbaus anschaulich präsentiert. Wie hat der Bergbau das alltägliche Leben der Bergleute, ihrer Familien und der Menschen, die im weiteren Umfeld ansässig waren, beeinflusst. So lesen wir auch die Sage, wie das Pferd von Ritter Ramm durch das Scharren seiner Hufe auf erzhaltiges Gestein gestoßen ist. Dieses folgenschwere Ereignis wird mit der Skulptur eines schwarzen Turnierpferdes aus Stahl, Chrom und Fiberglas symbolisiert.

Nach zwei Stunden intensiver Museumserkundung brauchen wir eine Pause. Im Museumscasino ordern wir ein Mittagessen und suchen uns einen Platz im Außenbereich. Von hier aus können wir auf den Werkhof hinuntergucken und das sonnige Wetter genießen.

Besucherbergwerk Rammelsberg: Grubenbahn-Führung

Eine Viertelstunde vor Beginn der Führung gegeben wir uns in die ehemalige Mannschaftskaue. Dort bekommt jeder Teilnehmer einen Helm. Alles Corona gerecht. Ein Grubenführer erläutert der 25-köpfigen Gruppe, wie das Leben in einer derartigen Mannschaftskaue sich vollzogen hat. Anschließend geht es direkt zur Grubenbahn. Das sind oben offene Waggons, die von einer Elektrolok gezogen werden. Und schon geht es los: Wir fahren in den Berg ein. Während dieser untertägigen Führung bekommt man einen Einblick in die jüngste Bergbaugeschichte des Rammelsbergs. Die Bahn stoppt nach ca. fünf minütiger Rumpelfahrt, wir steigen aus und der Grubenführer erläutert, das Leben und die Arbeitsweisen der Bergleute untertage, er erklärt die Funktionsweise des Fahrstuhls, der Arbeitsgeräte und der Maschinen. Hier herrscht eine konstante Temperatur von 12°C. Ab und zu tropft es von der Decke und auf dem Helm macht es plopp. Die Gänge, die wir entlang gehen, sind schmierig feucht. Gut, dass wir festes Schuhwerk und eine Jacke anhaben. Nach einer Stunde bringt uns die Grubenbahn wieder ans Tageslicht. Was Menschen alles bewerkstelligen alles leisten können – unglaublich; trotz der Gefahren, der Mühen, der kräftezehrenden Arbeit und das lange Zeit ohne soziale Absicherung.

Auf dem Rückweg möchte ich noch gern die Okertalsperre sehen und vielleicht sogar mit einem Schiff fahren. Lotti ist davon wenig begeistert, lässt sich aber überreden. Nach einer halben Stunde haben wir die Talsperre erreicht und parken in unmittelbarer Nähe. Es herrscht Niedrigwasser. Ich laufe ein Stück auf der Dammkrone entlang, links und rechts eine wunderbare Aussicht auf den durch die Oker durchflossenen Stausee. Die Okertalsperre wurde in den Jahren 1938-1942 erbaut. Die Sperrmauer hat eine Höhe von 70 Meter, die Dammkrone ist 260 Meter lang. Diese und weitere Daten sind an der Talsperre in Stein gehauen. Eine Schiffsanlegestelle ist vorhanden, von einem Schiff aber keine Spur.

Münchener Brauhaus in Braunlage

Es geht zurück nach Braunlage. Wir haben inzwischen einen gesunden Appetit. In Braunlage suchen wir nach einer Gaststätte in der Nähe unserer Ferienwohnung. Zuerst nehmen wir bei einem Italiener Platz. Als wir jedoch nach über 20 Minuten immer noch nicht bedient werden, obwohl wahrlich nicht viele Gäste anwesend sind, verlassen wir diese unfreundliche Lokalität und probieren im gegenüberliegenden „Hofbräuhaus München“ unser Glück. Das ist ein richtiger Treffer! Ein gemütlicher Platz, ein singender Wirt und ein vorzügliches Essen – ein guter Abschluss unseres Harzaufenthalts.

26. August 2021: Von Braunlage über Quedlinburg nach Berlin

Harzblick

Die Koffer sind gepackt und im Auto verladen. Von Braunlage treten wir heute die Heimreise nach Berlin an, jedoch nicht ohne dem historischen Quedlinburg einen Besuch abzustatten; ein ausdrücklicher Wunsch Lottis und Quedlinburg liegt auf unserer Rückreiseroute. Von Braunlage bis Quedlinburg sind es ca. 50 Kilometer. Wir benötigen für diese Strecke eine knappe Stunde. Vor der Stadtmauer finden wir einen bewirtschafteten Parkplatz. Von dort aus sind es bis zum Stadtzentrum nur ein paar Schritte. Lotti möchte unbedingt in den Dom St. Servati. Da ich schon mehrmals in Quedlinburg war, entscheide ich mich für einen Stadtbummel und lasse mich einfach durch die schönen Gassen mit den historischen Fachwerkhäusern treiben: Der Markt mit seinem wunderschönen Rathaus, ein ungewöhnlicher Brunnen auf dem Kornmarkt, die etwas versteckt liegende St. Blasiuskirche, vorbei an einem Fachwerkhaus mit einem Geschäft verführerischer Harzer Spezialitäten bis zur Lyonel-Feininger-Galerie, die heute leider geschlossen hat. Auch Lotti hatte kein Glück mit dem Dombesuch, da dieser zurzeit vollständig eingerüstet ist. Wir treffen uns vor der Quedlinburger Fisch-Kate und lassen es uns noch einmal so richtig gut gehen, bevor es endgültig nach Hause geht.

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