Halle: Museum für Vorgeschichte – Kunstmuseum Moritzburg

3. Juli 2021
Gleich nach dem Frühstück, das wir im Hotel einnehmen, machen wir uns auf dem Weg zum Marktplatz. Der weiträumige Platz ist von einem lebendigen Markttreiben erfüllt. Richtet man den Blick nach oben fallen einem sofort fünf hohe Türme auf, vier dieser Türme gehören zur Marktkirche St. Marien der fünfte ist der 84 Meter hohe Rote Turm, der das Glockenspiel der Kirche geherbergt. Diese Besonderheit, dass sich das Glockengeläut außerhalb der Kirche befindet, kann man auch in anderen Ländern entdecken. Ich erinnere mich beispielsweise an Florenz und Pisa, wo jeweils sich neben dem großen Dom ein freistehender Glockenturm, ein Campanile, befindet. Die Silhouette der fünf Türme bildet das Wahrzeichen der Stadt Halle.

Direkt am Glockenturm wacht ein 4 Meter hoher steinerner Roland als Symbol bürgerlicher Freiheit über die Geschicke der Stadt. Gegenüber dem Roten Turm befindet sich ein Denkmal, das den weltbekannten Komponisten Georg Friedrich Händel (1685-1759) zeigt, der in Halle geboren wurde, sodass sich die Stadt auch als Händel-Stadt versteht. Händel, der 1729 britischer Staatsbürger wurde, war außerordentlich produktiv. Er schuf u.a. 42 Opern und 25 Oratorien.

Ein weiterer Blickfang am Markt ist das Ende des 16. Jahrhundert errichtete Marktschlösschen. Hier befindet sich die Touristeninformation, wo wir uns ersten Rat für unsere geplanten Erkundungen einholen. Mit einer eine Tageskarte für zwei Personen kann es losgehen.

Das erste Ziel ist das Landesmuseum für Vorgeschichte. Fünf Stationen mit der Straßenbahn Linie 7 in Richtung Kröllwitz. Die Bahn hält direkt am Museum. Erwachsene bezahlen 10€, Schüler 3€ Eintritt. Wir begeben uns ohne Umschweife zur Himmelsscheibe. Diese Bronzescheibe ist mitten im Raum repräsentativ ausgestellt. Auf ihr zeigen Goldauflagen die Vorstellungen, die Menschen vor fast 4000 Jahren vom Kosmos hatten. Es handelt sich bisher um die älteste konkrete Himmelsdarstellung der Menschheitsgeschichte. Zu sehen sind der Vollmond, ein Sichelmond und die Plejaden vor einem symbolischen Nachthimmel. Die Scheibe wurde offensichtlich in fünf Phasen bearbeitet. Später wurden zwei Horizontbögen, die den Jahresverlauf der Sonne darstellen, hinzugefügt. Ihre Enden sind auf Sommer- und Wintersonnenwende ausgerichtet. Die Plejaden in Kombination mit Vollmond bzw. Sonne geben über Aussaat- und Erntezeiten Auskunft. In Phase 3 wurde unten auf der Scheibe ein gefiederter Bogen als Symbol einer Sonnenbarke eingefügt. Man geht davon aus, dass die Himmelsscheibe am Ende der Bronzezeit vor ca. 3600 Jahren mit wertvollen weiteren Gaben, wie Schwerter, Beile und Schmuck, vergraben wurde. Der Schatz wurde bei Nebra 1999 entdeckt und illegal geborgen. Erst 2002 konnten die Originale des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle übereignet werden. 2013 wurde die Scheibe in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen.

Das Museum hat noch vieles mehr zu bieten. Ein Besuch ist immer lohnenswert. In den Ausstellungen auf der ersten und zweiten Etage kann man tief in die Geschichte der Menschheit eintauchen. Archäologische Artefakte lassen Lebensweisen unserer Vorfahren anschaulich werden. Dazu gehören auch die 370.000 Jahre alten Home Erectus-Funde von Bilzingsleben. Diese Ausgrabungsstätte haben wir uns bei unserem letzten Thüringenurlaub angeschaut.

In der zweiten Etage tritt man die Spätsteinzeit ein und entdeckt zuerst Skelette eines Auerochsen und eines Mammuts, der Weg führt über die Mittelsteinzeit zur Jungsteinzeit und schließlich zur Frühbronzezeit. Hier ordnen sich die Himmelsscheibe von Nebra und das Familiengrab von Eulau ein.

In der ersten Etage widmet sich die Ausstellung der Spätbronze-Früheisenzeit, der Römischen Kaiserzeit bis zur Spätantike. Alles auf einmal kann man gar nicht aufnehmen. Ein mehrmaliger Besuch dieses Museum ist bestimmt nicht langweilig. Der Himmelsscheibenfund führte zu engen Kooperationsbeziehungen zwischen dem Landesmuseum für Vorgeschichte Halle und dem British Museum London. So werden auch Exponate aus England gezeigt. Insgesamt wird deutlich, dass in der Bronzezeit bereits ein weites Handelsnetz existierte und die Menschen sich auch kulturell austauschten.

Nach der Mittagspause machen wir uns auf den Weg zur Moritzburg, unserem zweiten Tagesziel. Zwei Stationen mit der Linie 8 zurück, man hätte auch laufen können. Wir nehmen aber die Straßenbahn. Von der Haltestelle Moritzburgring ist es nicht mehr weit. Schon kommt ein gewaltiges Bauwerk in Sicht. Die Moritzburg wurde im Spätmittelalter als befestigte Erzbischofsresidenz erbaut, im Dreißigjährigen Krieg zu großen Teilen zerstört und ca. 250 Jahre im Jahre 1904 zog das Kunstmuseum in die noch erhaltenen Gebäudeteile ein. In jüngster Vergangenheit sind großzügige Rekonstruktionsarbeiten durchgeführt worden, sodass sich das gegenwärtige Kunstmuseum Moritzburg Halle als ein wahrer Schatz präsentiert.

Das ist unsere Erfahrung, als wir die Moritzburg knapp zwei Stunden später wieder verlassen. Allerdings haben wir nur einen Bruchteil der Präsentationen gesehen.

Im Untergeschoss, einem gotischen Gewölbe, ist Sakrale Kunst aus der Zeit des Mittelalters bis zum Barock zu sehen. In der ersten Etage sind unter der Leitidee „Wege in die Moderne“ Kunstwerke aus dem 19. Jahrhundert ausgestellt. In der zweiten Etage werden Sonderausstellungen gezeigt. Zurzeit können dort Japanische Farbholzschnitte bewundert werden. Ein größerer Bereich ist der Ausstellung „La Bohème“ gewidmet. Hier sind vor allem Werke von Henri de Toulouse-Lautrec, aber auch anderer Künstler vom Montmartre.

„Jahrhundertschritt“ von Wolfgang Mattheuer

Nachdem wir das Eintrittsticket bezahlt haben, Erwachsene 12€; Kinder bis 12 Jahre 0€, fahren wir mit dem Lift in die erste Etage. Das ist eine spontane Entscheidung. Hier schauen wir uns Gemälde und Plastiken geschaffen in Deutschland zwischen 1900 und 1945 sowie Kunstwerke in der DDR an. Arvid bleibt bei einem Gemälde von Werner Tübke länger stehen und kommt zu dem Schluss: Den kenne ich. Der hat das riesengroße Bild auf dem Berg gemalt. Ist doch einfach toll! Zum Schluss machen wir noch einen Abstecher in die Toulouse-Lautrec-Ausstellung. Arvid hat immer wieder Fragen. Also kein einfaches Durchlaufen und Nebenhergucken.

Ich kann meine Feststellung, die ich zum Landesmuseum für Vorgeschichte getroffen habe „Es lohnen sich mehrmalige Besuche, hier nur wiederholen.

Im „Saalekahn“


Wir verlassen die Moritzburg und laufen in Richtung Saale. Von hier aus ist es ein Spaziergang zum Hotel. Und das bei angenehmen Temperaturen in der Abendsonne. Diese können wir auch noch im „Saalekahn“, dem Restaurant neben dem Hotel „Ankerhof“, direkt an der Saale gelegen, genießen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.