Griechenland

Vorgeschichte

Mein Neffe Jörg und seine griechische Frau Sofia sind seit 5 Jahren verheiratet und haben zwei Kinder. Beide möchten nach der standesamtlichen Trauung in Deutschland unbedingt in Griechenland griechisch-orthodox heiraten. Alle Familienmitglieder, viele Freunde und Bekannte werden zur Hochzeit in Veria am 2. September 2021 eingeladen. Veria ist mit über 65.000 Einwohnern eine mittelgroße Stadt in Nordgriechenland. Sie ist ca. 65 Kilometer von Thessaloniki entfernt.

Ich freue mich sehr über die Einladung und buche zeitnah die Flüge Berlin-Thessaloniki und zurück sowie ein Hotel in Thessaloniki. Das Hotel in Veria, das Sofia für alle Gäste organisiert,  trägt den schönen Namen „Veriopolis“ und liegt am Stadtrand. Dort wird auch die anschließende Hochzeitsfeier stattfinden.

1. September 2021: Anreise Berlin – Veria

Sonnenaufgang vom Flieger aus

Heute fliege ich nach Thessaloniki. Wegen der bevorstehenden Hochzeit ist es eine besondere Reise. Und sie beginnt außerordentlich früh. Der Flieger startet vom Flughafen Berlin-Brandenburg um 6 Uhr, Check-In 5 Uhr. Ich habe mir für 3:30 Uhr ein Taxi bestellt, um pünktlich zum Flughafen zu kommen. Die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist mir in diesen frühen Stunden zu unsicher.

Der Flieger landet pünktlich um 9:30 Uhr in Thessaloniki. Dort warte schon Jörg, um mich abzuholen. Darüber bin ich sehr froh. Obwohl ich in der Nacht nicht geschlafen hatte, fühle ich mich fit. Das mag am herrlichen Wetter und ein bisschen auch an der Aufregung liegen. Jörg bringt mich zuerst zu Sofias Familie, die zentral in Veria wohnt. Die Stadt liegt an einem Berghang, also es geht immer rauf und runter, um Kurven, und alles ist sehr eng. Zuerst wollte ich für den Griechenlandaufenthalt ein Mietauto nehmen, jetzt bin ich froh, dass mir die Fahrerei erspart bleibt. In der Familie werden wir schon erwartet. Nach der herzlichen Begrüßung gibt es Getränke und jede Menge leckeres Gebäck. Die Unterhaltung läuft mit Mimik und Gesten und Übersetzung durch Sofia erstaunlich lebhaft.

Hotel „Veriopolis“ in Veria

Nach einer guten Stunde bringt mich Jörg zum Hotel „Veriopolis“. Dort treffe ich meine Schwester Corinna und meinen Schwager Rainer. Beide haben es sich am Pool bequem gemacht. Schnell Einchecken, das Zimmer beziehen, Koffer (Handgepäck) auspacken, umziehen und ab zum Pool. Jetzt ist Zeit zum Entspannen und zum Plaudern. Inzwischen treffen weitere Hochzeitsgäste ein. Zum Abendessen fahren Jörg und Sofia mit allen Gästen nach Veria zu einer Gaststätte, wo wir vorzüglich bewirtet werden. Eine prima Idee, zum gegenseitigen Kennenlernen.

2. September 2021: Veria – Eine griechisch-ortodoxe Hochzeit

Heute ist der große Tag. Jörg und Sofia werden griechisch-orthodox heiraten. Wegen der hohen Tagestemperatur findet die Trauung erst um 18 Uhr statt. Bis dahin ist noch viel Zeit. Nach dem Frühstück im Hotel machen sich ein paar Gäste auf, um sich eine Höhle anzuschauen. Einige Gäste wollen im Hotel bleiben und die Zeit am Pool verbringen. Ich schließe mich einer Gruppe an, die mit dem Taxi nach Veria fährt, um sich die Stadt anzuschauen und einen Friseur aufzusuchen. Das ist ein Ereignis mit Folgen. Seitdem habe ich eine neue Frisur.

In einem der vielen Cafés in Veria

Bei diesem Wetter hat man immer Durst. So gönnen wir uns nach dem Friseurbesuch eine kühle Erfrischung in einem der zahlreichen Cafés. Danach ist noch Zeit für einen Shopping-Rundgang, ehe wir am Nachmittag mit einem Taxi zurück zum Hotel fahren. Noch ein bisschen ausruhen, sich für die Hochzeit zurechtmachen; kurz nach 17 Uhr fahren wir alle zur Kirche.

Kirche in Veria

Die kleine Kirche befindet sich in Veria an einem Berghang. Auf einem geschmückten Tisch stehen Erfrischungen und Süßigkeiten bereit. Inzwischen sind die Hochzeitsgäste und der Bräutigam eingetroffen. Alle warten auf die Braut. Jetzt wird sie vorgefahren. An der Seite ihres Vaters und mit dem kleinen Sohn an der Hand steigt die feierlich in Weiß gekleidete Braut die Treppen zur Kirche hoch. Der Bräutigam nimmt Braut und Sohn in Empfang. Die Hochzeitsgäste begeben sich in die Kirche. Das Brautpaar wird in der Kirche vom Priester vor den Altar geführt. Dahinter stehen die Trauzeugen. Die Gäste können zwanglos ihren Platz in der Kirche wählen. Natürlich wird auch viel fotografiert.

In der Hochzeitskirche

Der Priester spricht zunächst ein Gebet, ehe er mit der Trauungszeremonie – der Verlobung und der Ehekrönung – beginnt. Das Brautpaar bekundet, aus freien Stücken heiraten zu wollen. Der Priester segnet Bräutigam und Braut dreimal, überreicht ihnen die Verlobungsringe und arrangiert, dass der Finger der Braut auf den Bräutigam und der Finger des Bräutigams auf die Braut weist. Dabei wird ein Gebet gesprochen.

Nun kommt der entscheidende Moment des Sakramentes, wenn der Priester den Bund der Ehe im Namen der Allheiligen Dreiheit segnet. Er segnet zwei goldene Reifen, die von den Trauzeugen Bräutigam und Braut auf den Kopf gesetzt werden.  Danach trägt der Priester Texte aus der Heiligen Schrift vor. Das Brautpaar umrundet dreimal den Altar, wobei ihnen die Reifen von den Trauzeugen über den Kopf gehalten werden. Anschließend spricht der Priester ein Gebet und gibt dem Brautpaar von dem gesegneten Wein zu trinken. Er reicht dem Bräutigam eine Ikone mit dem Bild des Erlösers, das dieser ehrfurchtsvoll küsst. Beide, Bräutigam und Braut, küssen dem Priester die Hand, bevor sie zum Abschluss die Trauungsurkunde unterschreiben.

Die offizielle Zeremonie ist beendet. Das Brautpaar nimmt die Glückwünsche der Gäste entgegen. Jeder Gast erhält eine Tüte mit gezuckerten Mandeln, die gleichzeitig süß und bitter schmecken, wie das echte Leben (so die Idee). Es wird noch viel fotografiert, ehe die gesamte Hochzeitsgesellschaft zurück zum  Hotel „Veriopolis“ fährt. Dort ist auch schon alles perfekt vorbereitet: Weiß gedeckte Tische, ein verführerisches Büfett, Lichtinstallationen und natürlich Musik. Es wird gegessen, getanzt, gesungen bis in die Nacht hinein. Ein unvergessliches Fest. 

3. September 2021: Veria – Eine griechisch-ortodoxeTaufe

Feierlicher Taufrahmen

Heute steht ein weiteres Großereignis für die Familie von Jörg und Sofia an: Ihre kleine Tochter wird griechisch-orthodox getauft werden. Die Taufe wird um 12 Uhr in der gleichen Kirche stattfinden, in der ihre Eltern gestern geheiratet haben. Wie wird eine griechisch- orthodoxe Taufe vollzogen? Ich vermute, das ist für die meisten Gäste eine völlig neue Erfahrung. Vor der Kirche stehen auf einem festlich mit rosa Tülltüchern geschmückten Tisch, wie schon gestern bei der Hochzeit, Erfrischungen und Säckchen mit Taufmandeln für die Gäste bereit, die diese nach der Zeremonie bekommen.

Täuflingskleidung

Inzwischen haben sich alle Gäste eingefunden. Die Taufpaten warten auf die Eltern, die jetzt mit ihrer kleinen Tochter die Stufen zur Kirche ersteigen. Die Paten spielen bei der Taufe eine wichtige Rolle. Sie tragen auch alle Kosten, die den Täufling betreffen. Dazu gehört eine vollständige neue Bekleidungsausstattung. Auf einem Tisch in der Kirche liegen weiße Unterwäsche, ein weißes Kleidchen, Schühchen, ein Mützchen, die Taufkerze – alles vom Feinsten – bereit.

Taufkirche

In der Kirche ist alles vorbereitet. Vor dem Altartisch steht ein großes Taufbecken. Sofia übergibt ihre Tochter der Taufpatin. Durch Handauflegung segnet der Priester das Kind. Das Verstäuben von Weihrauch, der Sprechgesang und die Gebete des Priesters bestimmen die Zeremonie. Das Kind wird – hier unter heftigem Brüllen – dreimal in das mit geweihtem Wasser gefüllte Taufbecken eingetaucht. Anschließend wird das Kind mit heiligen Öl gesalbt und der Patin übergeben, die schon mit einem weißen Laken und Handtuch bereitsteht, um den Täufling zu übernehmen. Die Patin geht zu dem Tisch, auf dem die neuen Sachen bereitliegen, um die Kleine damit anzuziehen. Sie kehrt mit dem schick angezogenen und inzwischen auch wieder einigermaßen beruhigten Kind zurück zu Taufplatz. Unter den Worten des Priesters umrunden die Tochter der Patin mit der Taufkerze und die Patin mit dem Baby Altar und Taufbecken. Zum Abschluss der Zeremonie übergibt die Patin der Mutter das Kind. Mir scheint, beide, also Mutter und Kind, sind daraufhin spürbar erleichtert.

Für alle, die zum ersten Mal eine griechisch-orthodoxe Taufe erleben, ist es eine emotionale Herausforderung, zumal die meisten von ihnen auch nicht den religiösen Hintergrund kennen. Die griechischen Gäste sind voller Freude und Stolz und zeigen eine natürliche Gelassenheit.

Nach einer Dreiviertelstunde verlassen wir die Kirche. Jeder Gast erhält ein Beutelchen mit Mandeln. Kühle Limonade und Pfandkuchen stehen bereit. Und es wird emsig fotografiert. Jörg erklärt noch einmal den Weg zu dem Restaurant, zu dem alle Gäste zu einen üppigen Fischessen eingeladen sind. Und in der Tat, der Weg ist nicht leicht zu finden. Aber ich sitze im Auto von Rainer und Corinna und kann in Ruhe abwarten bis Rainer den Weg gefunden hat. Das ist bei diesen verschlungenen, bergigen, engen und kurvenreichen Straßen, in denen man Straßennamen meist vergeblich sucht, eine echte Herausforderung.

Im Restaurant werden verschiedene Fischarten, Meeresfrüchte, Salate und Reis aufgetafelt. Ein wirklich leckeres Essen und jede Menge Gespräche. Es ist ein sehr schöner Abschluss des doch etwas aufregenden Tauftages. Für Rainer, Corinna und mich ist die Zeit in Veria damit zu Ende. Wir fahren heute noch nach Thessaloniki. Ich bin eingeladen, mit den beiden mitzufahren und darüber bin ich au

Hotel „El Greco“ in Thessaloniki

ch sehr froh. Von Veria fahren wir über die Autobahn (A2/E90) nach Thessaloniki. Dort haben wir Zimmer im Hotel „El Greco“ reserviert. Ich werde erst am 6. September zurückfliegen. Wenn man schon einmal in Griechenland ist … Das Hotel liegt sehr zentral, so ist es auch zum Strand nicht sehr weit.  Heute Abend machen wir noch einen gemütlichen Spaziergang an der Seepromenade, ehe wir in einem Restaurant am Aristoteles-Platia den Tag ausklingen lassen. Was für ein toller Sonnenuntergang!

4. September 2021: Thessaloniki

Schon gestern auf der Suche nach unserem Hotel haben wir gesehen, dass Thessaloniki eine große, lebendige Hafenstadt ist; kein Wunder, handelt es sich doch mit um die 325.000 Einwohnern um die zweitgrößte Stadt Griechenlands, die übrigens erst seit 1912 nach dem Sieg der Griechen über die Türken griechisch ist. Im Rücken ein Gebirge, vor sich der Thermaische Golf der Ägäis und auf dem Boden einer unglaublichen historischen Vergangenheit – hier gibt es jede Menge zu entdecken.

Nach dem Frühstück im Hotel wollen wir Thessaloniki zuerst im Rahmen einer organisierten Stadtrundfahrt entdecken. Auf einer sogenannten Hop-on-Hop-off Tour kann man sich einen ersten Überblick über interessante Sehenswürdigkeiten verschaffen. Gestern haben wir eine Haltestelle der Sightseeing-Busse am Weißen Turm, dem am Hafen gelegenen Wahrzeichen der Stadt, entdeckt. Dorthin spazieren wir bei herrlichem Sommerwetter durch das wuselige Stadtzentrum. Die Tickets, gültig für einen Tag, sind schnell gekauft. Wir nehmen auf dem offenen Oberdeck Platz und los geht die Fahrt ein Stück parallel zum Meer am Stadttheater und Makedonia Palace Hotel vorbei zum Archäologischen Museum. Kurzer Stopp und weiter geht es vorbei am Messegelände mit dem OTE-Fernsehturm. Über Kopfhörer werden wir auf den Galeriusbogen, die Rotunden und die Dimitrios-Kirche aufmerksam gemacht. Übrigens der Gründer der modernen Türkei, Atatürk (1881-1938), wurde in Thessaloniki – damals gehörte die Stadt noch zum Osmanischen Reich – geboren.

Nach einer Dreiviertelstunde erreichen wir die Ausgangshaltestelle am Weißen Turm. Jetzt haben wir einen Plan, was wir uns in welcher Reihenfolge anschauen möchten. An erster Stelle steht das Archäologische Museum. Hier steigen wir nach einer zweiten Rundfahrt mit dem Bus aus. Wie bequem. Der Eintritt kostet 8€, ermäßigt 4€. Zu Corona-Zeiten ist das Museum nur schwach besucht. Wie der Name schon sagt, hier sind antike Artefakte aus der Region Makedonien, die bei Ausgrabungen und in alten Grabstätten gefunden worden, ausgestellt. Dazu gehören neolithische Artefakte, rekonstruierte Grabstätten, Sarkophage, Skulpturen, z.B. die Statue des römischen Kaisers Augustus Oktavianus, Mosaike, Schmuck, Haushaltsgegenstände, darunter als ein Hauptexponat der Schatz des makedonischen Königs Philipps II., auch Teile eines ionischen Tempels aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. sowie Teile des Palastes des römischen Kaisers Galerius.

Galeriusbogen in Thessaloniki

Unser Museumsrundgang dauert an die zwei Stunden. Jetzt brauchen wir erst einmal eine Pause. Die gönnen wir uns im Museumscafé, ehe wir mit einem der Sightseeing-Busse zur nächsten ausgewählten Station, dem Galeriusbogen, weiterfahren. Dieses antike Bauwerk aus der römischen Zeit befindet sich heute an der Egnatia Odos 144. Galerius (258 –311) war von 305 bis 311 römischer Kaiser. Der Triumphbogen ist ihm gewidmet. Von den ehemals vier Bögen ist noch einer vorhanden. Erhaltene, wenn auch stark beschädigte  Reliefdarstellungen zeigen Szenen aus den siegreichen Kämpfen der Römer unter Führung von Galerius gegen die Perser 296/297.

Rotunde

Nach ein paar  Fotos steigen wir die Stufen hoch, die von hier aus durch einen (sehr) kleinen Park zu einer höhergelegenen Rotunde am Platia Agiou Georgiou führen. Diese wurde etwa zur gleichen Zeit wie der Triumphbogen errichtet und diente als Tempel, dann als Kirche und später als Moschee. Zur Zeit ihrer Erbauung war es wohl die größte Ziegelkuppel der Welt. Jetzt sieht es innen ziemlich kahl aus, ist aber schön kühl. Draußen herrschen eher tropische Temperaturen. Wir suchen uns einen Platz in einem Café am Platia Agiou Georgiou und legen eine Pause ein.

Inzwischen ist es schon Nachmittag. Langsam machen wir uns auf den Rückweg: Immer die Gounári Odos entlang, leicht bergab, sehr willkommen. Sie führt am ehemaligen Kaiserpalast und am Hippodrom vorbei direkt zur Seepromenade und zum Weißen Turm. Das ist für heute unser letztes Ziel. Der 35 Meter

Der Weiße Turm

hohe Weiße Turm ist, wie schon erwähnt, das Wahrzeichen der Stadt, und stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Er war Teil der östlichen Stadtbefestigung an der Seeseite. Im Laufe der Zeit hatte er viele Funktionen; die blutrünstigste war seine Nutzung als Gefängnis und Hinrichtungsstätte („Blutturm“). Eine Zeitlang wurde er abwechselnd als Waffenlager, Lagerhaus für Lebensmittel, Wetterstation bzw. Schulgebäude für die Marine genutzt. Seit 1985 ist im Turm das Stadtmuseum untergebracht. Das macht ihn besonders für Touristen interessant. Wir kaufen die Eintrittskarten und müssen uns aber noch etwas gedulden, bis unser Zeitfenster erreicht ist.

Auf dem abentlichen Aristoteles Platz

Über eine flach ansteigende Wendeltreppe in einem gewölbten Gang erklimmen wir Etage für Etage. In den Räumen auf den insgesamt sechs Etagen schauen wir uns die in einer zeitgeschichtlichen Abfolge präsentierte Stadtgeschichte anhand von Exponaten, Urkunden, Fotos und Karten an. Schließlich betreten wir in luftiger Höhe einen äußeren, fünf Meter breiten und mit Zinnen bewährten Rundlauf, von dem man einen fantastischen Rundumblick sowohl auf die Stadt als auch auf den Golf hat. Das lädt unweigerlich zum Fotografieren ein.

Aber nun ist auch Zeit zum Abendessen. Wir finden unweit des Turmes einen Platz in einem griechischen Restaurant und erleben einen wundervollen Tagesabschluss mit leckerem Essen und fröhlich stimmenden Getränken. Was will man mehr.

5. September 2021: Thessaloniki

Forum Romanum von Thessaloniki

Gleich nach dem Frühstück sind Corinna und Rainer abgereist. Sie machen noch eine Woche Urlaub auf einer der vielen griechischen Inseln. So begebe ich mich allein auf Erkundungstour. Die gestrige Sightseeing-Tour hat mir gezeigt, dass viele Sehenswürdigkeiten gar nicht so weit auseinanderliegen und gut zu Fuß erreichbar sind. Mein erstes Ziel ist die Dimitrios-Kirche. Vom Hotel aus spaziere ich zuerst ein Stück die Egnata Odos entlang bis zur Kirche der Jungfrau Maria, die zurzeit durch einen Bauzaun umgeben ist. Unmittelbar dahinter stoße ich auf eine archäologische Ausgrabung bedeutsamen Ausmaßes, auf das Forum Romanum von Thessaloniki.  Es handelt sich um einen großen, gepflasterten rechteckigen Platz, der an drei Seiten von Säulengänge mit doppelter Säulenreihe umgrenzt war. Außerdem deuten die Ausgrabungen daraufhin, dass hier ein Theater, die Münze, ein Thermalbad und Restaurants gab. Im Freiluftbereich sind auch Teile von Marmortreppen, Mosaikfußböden, gepflasterte Straßen und Wasserleitungen zu erkennen. Hier gibt es im Untergeschoss auch ein Museum, in dem man sicher noch mehr erfahren könnte. Ich schaue aber nur von der höhergelegenen Straße auf die antiken Ruinen und versuche mir vorzustellen, wie auf diesem Platz einmal das Leben pulsiert hat.

Dimitrios-Kirche

Von hier ist es nicht mehr weit bis zur Dimitrios-Kirche. Das ist eine monumentale frühbyzantinische Basilika, die dem Schutzpatron der Stadt, dem heiligen Dimitrios, geweiht ist. Sie wurde auf den Ruinen eines römischen Bades errichtet, deren Spuren noch in der Krypta zu sehen sind. Die Kirche kann auf eine fast 1700-jährige bewegte Geschichte verweisen: Zerstörungen durch Kriege und Brände und immer wieder Neuaufbau; 1490 Umwidmung durch die Osmanen in eine Moschee und ab 1912 – Thessaloniki ist wieder griechisch – eine christlich-orthodoxe Kirche.

Es ist wieder ein herrlicher Sommertag. Ein längerer Spaziergang auf der Iassonidou Odos führt mich von der Dimitrios-Kirche zum Galerius-Bogen und von dort auf der Gounari Odos vorbei an den Ruinen des antiken Palasts des Kaisers Galerius. Thessaloniki verfügt über unglaubliche viele frühchristliche und byzantinische Baudenkmäler und Kunstwerke, die 1988 in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen worden sind. Immer wieder stößt man an allen Ecken und Enden der Stadt auf  Überreste von Bauten aus griechisch – römischer – byzantinischer Zeit und das inmitten einer pulsierenden Großstadt. Da ist eine moderne Bauplanung bestimmt eine Herausforderung. Das gilt gewiss auch für den Bau einer U-Bahn. Die Bauarbeiten für eine erste Linie begannen 2006 …

Denkmal „Alexander der Große“

Am Hafen angekommen suche ich mir ein Restaurant für eine gemütliche Mittagspause. Das schulde ich nicht nur meinem Magen, der sich nachdrücklich meldet, sondern auch meinen Füßen. Nach einem guten Essen fühle ich mich zu weiteren Erkundungen bereit. Zunächst schaue ich mir die neue Hafenanlage an, in der auch die Schiffe für touristische Ausfahrten ab- und anlegen. Da wäre doch eine Idee. Bei diesem schönen Wetter entscheide mich für einen längeren Bootstrip. Die 2-stündige Fahrt geht vom Weißen Turm über Nei Epivates und Perea wieder zurück zum Ausgangshafen. Die Zeit bis zur Abfahrt des Schiffes um 15 Uhr nutze ich, um mir das Denkmal „Alexander der Große“ genauer anzusehen. Natürlich gibt es hierzu auch einige Informationen: Alexander (356-323 v. Chr.) nahm bereits in jungen Jahren an den Kriegszügen seines Vaters, König Philipps II. teil, und erlernte in der Praxis das Kriegshandwerk. Der griechische Philosoph Aristoteles unterrichtete ihn in Philosophie, Kunst und Mathematik. In seinem relativ kurzem Leben, er wurde 33 Jahre alt, eroberte er das größte Reich in der Geschichte der Antike.

Inzwischen hat mein Schiff angelegt und ich begebe mich an Bord. Ein Ticket kostet 5€. Auf dem Vordeck ist genug Platz für alle Passagiere, die die Sonne genießen möchten. Das Schiff pflügt durch den Thermaische Golf der Ägäis. Angenehme Musik begleitet die Ausflügler. Sonnencreme wäre jetzt angebracht. Nach einer Stunde und 15 Minuten erreichen wir Nel Epivates, einen Ausflugs- und Badeort für die Bürger von Thessaloniki, genau wie Perea, wo wir eine Viertelstunde später anlegen. Jetzt geht es zurück. Noch haben wir das schönste Wetter, aber schon bald verdunkelt sich der Himmel. Das ist kein gutes Zeichen. Und tatsächlich, kurz vor Erreichen des Weißen Turms fängt es zu regnen an. Es ist ein warmer, sanfter Regen, der den Pflanzen sicher guttut. Doch ohne Schirm hätte ich gern darauf verzichtet.

Trotzdem lasse ich mich nicht davon abbringen, das Meteoron und das Schirmdenkmal in Augenscheun zu nehmen. Das Meteoron ist eine skulpturale Komposition des griechischen Bildhauers Malers Kostis Georgiou. Sie besteht aus 12 leuchtend roten Metallformen, die auf einer vertikalen Achse miteinander verflochten sind. Ihre symbolische Botschaft ist die Darstellung von Freundschaft, Solidarität und Zusammenarbeit als Momente des Lebens in seiner Vielfalt. Nur wenige Schritte vom Meteoron steht direkt auf der neuen Seepromenade die Schirmskulptur, eine moderne Installation von Giorgos Zongolopoulos, die der Künstler 1997 für Thessaloniki anlässlich ihrer Auszeichnung Kulturhauptstadt zu sein, errichtet hat.  Regenschirme (im Augenblick sehr passend) oder doch Sonnenschirme oder eben einfach Schirme an langen Stangen, ausgesetzt dem Wind, verkörpern sie – je nach Blickwinkel – Schutz (Abhalten von Regen bzw. Sonne) oder Bewegung bzw. Träumen (Davonschweben gen Himmel). Auf jeden Fall improvisieren sie eine spielerische Leichtigkeit.

Ich ducke mich gewissermaßen unter dem Regen weg und begebe mich schnellen Schrittes zum nahe gelegenen Byzantinischen Museum. Dieses Museum ist noch jung. Es wurde erst 1994 in einem Neubau eröffnet. Da Thessaloniki nach Konstantinopel die zweitwichtigste Stadt des byzantinischen Reiches war (ca. 400-1453), gibt es in dieser Gegend eine Vielzahl von byzantinischen Artefakten und Kunstschätzen, die bis zur Eröffnung dieses Museums in Athen gelagert wurden. In der Dauerausstellung sind architektonische Funde mit Bezug zu damaligen Kirchenbauten und Häuser wohlhabender Bürger,  Überreste von Grabkulturen, Gegenstände des täglichen Lebens, Münzen, Siegel, Urkunden, Skulpturen, Wandgemälde, Mosaike, Schmuck, Ikone u.v.m. zu sehen. Für alle, die an diesen Themen Interesse haben, ein lohnenswerter Besuch. Leider hat das Restaurant (wegen Corona?) geschlossen. So mache ich mich auf den Rückweg zum Hotel und werde unterwegs etwas essen.

An Gaststätten mangelt es Thessaloniki keineswegs. Ich komme direkt am OTE-Fernsehturm vorbei, der auf dem Messegelände steht. Er ist 76 Meter hoch, hat eine Aussichtsplattform und ein sich drehendes Restaurant. Immer die Tsimiski Odos entlang bis zur Leontos Sofou Odos, rechts abbiegen und bis zur Egnatia Odos. Ich stehe fast vor meinem Hotel „El Greco“. Das ist auch gut so. Es nieselt immer noch ein bisschen. Schnell ins Trockene.
6. September 2021: Rückreise

Aristoteles Platz

Der Rückflug startet erst 14:30 Uhr. Da ist noch genügend Zeit, um ein bisschen zu shoppen. Die vielen Geschäfte, Läden und Boutiquen sind mir schon die Tage zuvor aufgefallen. Ich bummele die Egnatia Odos hinunter, vorbei an einer U-Bahn-Baustelle bis zur Aristoteles Odos.  Mal hier gucken, mal da schauen. Und das alles bei bestem Wetter. Die Aristoteles Odos mit dem angrenzenden Aristoteles Platia sind zentrale Orte in der Stadt, die im rechten Winkel zur Seepromenade liegen. Während die Neubebauung anderswo oft recht schlicht daherkommt, werden Aristoteles Platia und Aristoteles Odos von repräsentativen sechsstöckigen Gebäuden begrenzt. Unter den Arkaden kann man gut bummeln und shoppen. Zahlreiche Restaurants und Café laden müde gewordene Shopper auf eine Stärkung ein. Am Aristoteles Platia steht eine Bronzestatue des griechischen Philosophen Aristoteles, dem Namensgeber dieses Areals. Ich laufe bis zur Tsimski Odos. Auch hier gibt es jede Menge interessante Geschäfte. Im Attica-Kaufhaus werde ich fündig und kaufe Mitbringsel für die Enkel.

Nun aber flott zurück zu Hotel. An der Rezeption bestelle ich ein Taxi, das mich ohne Umschweife zum Flughafen bringt. Diese Fahrt durch Thessaloniki, später von den Bergen mit Blick auf die Stadt genieße ich: Was waren das für ereignisreiche, schöne Tage.

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