Freiburg im Breisgau

 

3. – 5. August 2020

3. August: Was macht man als erstes in einer unbekannten Stadt? Eine Erkundung des Stadtzentrums zu Fuß oder per Sightseeing-Bus. Das Zentrum von Freiburg lässt sich sehr gut zu Fuß erschließen. Wer hat nicht schon von dem Freiburger Münster gehört? Das ist unser erstes Ziel.

Freiburger Münster

Mitten auf dem Markt, dem Münsterplatz, erhebt sich der imposante gotische Kirchenbau, dessen Westturm stolz 116 Meter hoch gen Himmel ragt. Durch das bunte, quirlige Makttreiben umrunden wir das Münster, das Wahrzeichen der Stadt Freiburg. Im Grundriss ist es fast 126 Meter lang und 30 Meter breit. Seine Errichtung dauerte über 350 Jahre und überspannte mehrere historische Epochen. Auffällig die filigran gestalteten Portale und Fenster sowie die gruselig anzusehenden Wasserspeier. 91 mystische Figuren leiten nicht nur das Regenwasser ab, sondern sollen auch das Gebäude vor böse Dämonen schützen. Auf der rechten Seite entdecken wir einen Zugang zum Turmaufstieg. In 70 Meter Höhe hat man auf einer Aussichtsgalerie bei schönem Wetter garantiert einen herrlichen Rundumblick über Freiburg und Umgebung. Leider erleichtert kein Fahrstuhl diesen Aufstieg. Die 333 Stufen müssen selbst bewältigt werden. Darauf verzichten wir

Corona-Zeit. Wir setzen die Maske auf und betreten die Kirche. Immer wieder beeindruckend wie Menschen vor Jahrhunderten mit der damals zur Verfügung stehenden Technik solche Bauwerke errichten konnten. Die farbige Gestaltung der originalen Buntglasfenster mit christlichen Motiven, das gut 25 Meter hohe Langhaus und der dreischiffige Chor mit dem Hochaltar, ein von Hans Baldung (1480-1545) gemalter Flügelaltar.

Durch die Herrenstraße schlendern wir in Richtung Schlossberg, unserem nächsten Ziel. Wie schon zuvor stoßen wir auch hier auf kleine gemauerte Rinnen, die so genannten Bächle, einem weiteren Wahrzeichen der Stadt Freiburg. Diese künstlichen Wasserläufe, die viele Straßen Freiburgs durchziehen, werden von dem Gewerbekanal gespeist. Bereits seit dem 12. Jahrhundert durchziehen sie die ganze Innenstadt. Das gesamte System ist so angelegt, dass das Wasser nur in eine Richtung fließen kann. Damit das System funktioniert, mussten ganze Stadtteile bis zu drei Meter aufgeschüttet werden. Manche erste Etage wurde damit zum Keller.

  

Es gibt eine Schlossbergbahn, die wie ihr Name unschwer verrät, auf den Schlossberg führt. Trotz Fragen nach dem richtigen Weg laufen wir in die entgegengesetzte Richtung, sodass es wir schließlich den Aufstieg zu Fuß bewältigen. Leicht ansteigende Serpentinenwege, dann eine Treppe, die auf jedem Absatz einen Text über gesundes Verhalten parat hat. Eine gute Idee, das Lesen verschafft etwas Luft zum Durchatmen. Endlich geschafft. Lotti hat noch Kraft und klettert auf den Schlossbergturm. Der 450 Meter hohe Schlossberg ist wie ein großer Park mit viel Wald. Von hier aus hat man auch einen weiten Panoramablick über die Stadt.

Heute merken wir unsere Beine. Wir bleiben im Apartment und kochen das Abendessen selbst – auf dem Herd, wo mit vier Buttons alles zu regeln ist. Ich ziehe einen Stuhl heran, setze mich und erkunde die Bedienungstechnik.

4. August: Nach dem Frühstück starten wir zu einem ausgedehnten Stadtspaziergang. Natürlich sind uns die beiden Stadttore, das Schwabentor und das Martinstor, schon ins Auge gefallen. Das Schwabentor am Fuße des Schlossberges stammt aus dem 13. Jahrhundert und wurde zunächst als Oberes Tor bezeichnet, weil es von diesem Tor aus immer bergab in die Innenstadt geht. Das hängt mit dem Bächle-System zusammen, das an dieser Stelle beginnt. Doch warum dann Schwabentor? Das hängt mit einer Legende zusammen, nach der ein Schwabe das Tor kaufen wollte. Doch dessen sparsame Ehefrau hat diesem Kauf trickreich verhindert, indem sie das Gold in seinem Karren gegen Steine austauschte. Im Ergebnis war ihr Mann der Blamierte. Immerhin ist er mit seinem Karren auf einem großen Gemälde an der Innenseite verewigt und so hat die Anekdote die Zeit überdauert.

Noch etwas älter als das Schwabentor ist das Martinstor, das sich unweit des Bertoldsbrunnens in der Kaiser-Joseph-Straße befindet. Das Tor wurde mehrmals umgebaut und den Erfordernissen der Stadtentwicklung angepasst. Heute fahren Straßenbahnen durch das Tor. Eine Tafel an der Innenseite erinnert an Hexenverbrennungen, der auch Freiburger Bürgerinnen zum Opfer gefallen sind.

Der schon erwähnte Bertoldsbrunnen steht in der Stadtmitte wo sich die Kaiser-Joseph-Straße und die Bertold- bzw. Salzstraße kreuzen. Ein modern modelliertes Reiterstandbild aus Bronze steht über dem Brunnen und stellt den Stadtgründer, einen Herzog von Zähringen – Bertold II oder Bertold III – das ist man sich nicht ganz einig, dar. Jedenfalls steht das Denkmal in einem flachen Wasserbecken, das man aber bereits aus kurzer Entfernung gar nicht wahrnimmt. Vielleicht deshalb die Bezeichnung Brunnen? Oder weil die Konstruktion den im Zweiten Weltkrieg zerstörten Fischbrunnen ersetzt? Die Freiburger werden es wissen. An dieser Kreuzung treffen sich auch die Straßenbahnlinien, so dass die stolze Reiter von einem Oberleitungsgewirr umgeben ist.

Vom Martinstor führt uns der Weg in eine kleine Gasse, in die Gerberau. Von zweigt eine weitere Gasse, die Fischerau, ab. Beide Gassen verlaufen parallel zueinander und laden durch ihr modernes Ambiente zu einem Spaziergang ein. Das wird nicht immer so gewesen sein, denn Gerberei und Fischerei verbreiteten einen eher unangenehmen Geruch und lagen deshalb außerhalb der Stadt. Aber das ist lange her. Heute ist es ein begehrtes Wohnviertel.

Augustinermuseum

Wir kommen zum Augustinerplatz. Hier befindet sich das Augustinermuseum im ehemaligen Augustinerkloster; heute ein moderner Museumsbau. Mund- und Nasenschutz auf und ein Rundgang durch das Museum kann beginnen. Hauptsächlich sind religiöse Objekte, Skulpturen und Malerei, vor allem aus der Zeit von 1100 bis 1800 ausgestellt. So zum Beispiel auch originale Buntglasfenster mit den Heiligen Gebhardt, Thomas von Canterbury, Georg und Hubertus aus dem Münster. Dort wurden diese durch Kopien ersetzt. Interessant auch die Wasserspeier nach den Motiven der fünf menschlichen Hauptsünden: Geiz, Wollust, Hochmut, Zorn, Völlerei. Die Eintrittskarte für 7€ ist auch für die Museen Neue Kunst, Stadtgeschichte, Archäologie und Naturkunde gültig – vorausgesetzt man besucht diese Museen am gleichen Tag. Das wäre aus meiner Sicht ziemlich ambitioniert und auch wenig sinnvoll.

Museum Natur-Mensch

Aber ein weiterer Museumsbesuch ist durchaus möglich. Wir wählen das Museum Natur und Mensch, das sich in der Gerberau 32 befindet, also nur ein paar Schritte entfernt. Hier findet man von allem etwas: Völkerkundliche Objekte, Tierpräparate, Erklärungen über Vorgänge in der Natur – zum Beispiel wie Diamanten entstehen – und viele ökologische Informationen. Das ist insbesondere für Kinder gut aufbereitet.

Auf dem Rückweg in unser Apartment fällt mir wieder die äußert liebevoll gestaltete Straßenpflasterung mit den wappenähnlichen Einlassungen auf. Das habe ich bisher noch nirgendwo anders gesehen.

5. August: Von dem heutigen Ausflug in den Schwarzwald auf den fast 1300 Meter hohen Hausberg Freiburgs Schauinsland verspreche ich mir viele neue Eindrücke, will sagen, ich habe eine hohe Erwartungshaltung. Um 10:30 Uhr starten wir. Zunächst geht es mit der Straßenbahn L2 bis zur Endstation Günterstal. Dort steigen wir in den Bus 21 um. Das klappt auch gut. Das Ticket (Zone 1: 2,40€) gilt auch für den Bus.

Als der Bus in Horben auf den Parkplatz vor der Seilbahn einschwenkt, sehen wir sofort: Diese Ausflugsidee hatten wir nicht allein. Vor der Seilbahnstation hat sich eine lange Schlange gebildet. Nach einer guten halben Stunde kaufen wir die Tickets (Senioren ab 63 zahlen 11,40€ für eine Berg- und Talfahrt) und steigen in eine Kabine. Jetzt wird man für das Warten entschädigt. Die Fahrt dauert eine Viertelstunde und ermöglicht einen beeindruckenden Ausblick auf die bewaldetet bergige Landschaft des Schwarzwaldes. Einfach zauberhaft schön.

Auf der Bergkuppe lesen wir auf den Informationstafeln, dass es ein Schaubergwerk und vier verschiedene Wanderrouten gibt, wovon allerdings drei nur mit entsprechender Wanderausrüstung in Angriff genommen werden sollten. Immerhin bleibt ja noch eine für uns übrig. Aber zuerst suchen wir das Schaubergwerk auf. Hier kann man zwischen fünf Führungen wählen, die sich im Schwierigkeitsgrad, in der Dauer und Zielgruppe unterscheiden. Wir wählen die einfachste Führung von 45 Minuten (Ticket kostet 7€), schon weil diese in ein paar Minuten starten wird. Also Helm und Masken auf und los geht’s. Eine kleine Gruppe folgt dem Erklärer, einem ehemaligen Bergmann, der erzählt, wie hier schon vor 800 Jahren Silbererz abgebaut wurde. Er zeigt historische Werkzeuge, Transportmittel und Stollenkonstruktionen und deren technische Entwicklung. Wir erfahren, dass wir gerade im größten Silberbergwerk des Schwarzwaldes und der Vogesen stehen. Es hat eine Länge von 100 Kilometer und ist in 22 Etagen ausgebaut. Leider sind die Erklärungen oftmals nur schwer zu verstehen, weil der Bergwerksführer einen Plastikgesichtsschutz trägt. Warum hier keine Technik zum Einsatz kommt, wissen die Verantwortlichen des Schaubergwerks allein. Schade.

Aussichtsturm Schauinsland

Wieder unter freiem Himmel begeben wir uns auf den ausgeschilderten Rundweg, der laut Informationstafel für unsere Voraussetzungen geeignet sein soll. Ist er auch. Nach knapp einer Stunde erreichen wir die Kuppe mit dem Aussichtsturm, dem Schauinslandturm.

Es ist herrliches Sommerwetter, wieder sehr heiß, aber klare Luft. Man kann weit in das Land schauen. Eine tolle Aussicht. Viele Leute klettern die 85 Stufen des stählernen Treppenaufgangs hoch auf die Aussichtsplattform. Der Turm selbst besteht aus einer Holzkonstruktionen, die mit den Stämmen von drei Schwarzwälder Douglasien errichtet wurde.

Nach einer dreiviertel Stunde sind wir zurück an der Seilbahnstation. Abfahrtswillige bilden eine lange Schlange. Das Restaurant ist gut besucht. Wir nehmen erst einmal einen Imbiss, ehe wir uns anstellen. Nach ca. einer halben Stunde steigen wir in eine Kabine ein. In Corona-Zeiten ist der Zustieg in eine Kabine stark limitiert. Daher sicher auch die Wartezeiten. Noch einmal dieses herrliche Fahrerlebnis genießen.

An der Bushaltestelle haben wir ein weniger schönes Erlebnis. Zweimal fährt uns ein Bus vor der Nase weg. Was das sollte, wissen nur die Busfahrer allein. Zurück in Freiburg suchen wir unser Apartment auf. Nach einer kurzen Pause haben wir Kraft für einen Abendspaziergang gesammelt. Wir schauen uns die repräsentativen Gebäude des Theaters und der Universität an. Kurz darauf stehen wir auf einer Brücke, die über die Dreisam führt. Ein Spaziergang am Fluss entlang, das ist entspannend. Doch nun schauen wir schon nach einer Gaststätte für das anstehende Abendessen. Irgendwie fällt uns heute die Entscheidung schwer. Schließlich landen wir im „Harem“, einem türkischen Restaurant in der Gerberau. Mir hat es geschmeckt.

 

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