Meyer-Werft in Papenburg – Thülsfelder Talsperre – Cloppenburger Museumsdorf

12. August 2021: Weiterreise nach Cloppenburg

Vor einem „Maiswald“


Nach dem Frühstück verstauen wir all unsere Sachen im Auto und starten gegen 11 Uhr nach Cloppenburg, unserer zweiten Reisestation. Die Fahrt verläuft fast unspektakulär. Aber immer wieder kommen wir an Maisfeldern vorbei und staunen, wie hoch der Mais steht. Um 14 Uhr parken wir vor der zweiten Ferienwohnung. Die Schlüsselübergabe erfolgt per Telefonhinweis.

Die Ferienwohnung hat über 100 Quadratmeter, ist aber nicht insgesamt nicht auf dem neuesten Stand. Auch die Umfunktionierung der Veranda in einen Schlafraum hat so seine Tücken. Durch das Glasdach wird es sehr warm. Dafür ist der Garten sehr schön. Zwei Köpfe, eine Idee: Das Essen wird in den Garten verlegt.

Andreas-Kirche

Nach gut 2 Stunden machen wir uns auf eine erste Erkundungstour durch Cloppenburg. Da wir offensichtlich am Rande der Stadt Quartier bezogen haben, nehmen wir das Auto. Eine gute Entscheidung (auch für die notwendigen Einkäufe, die wir heute noch tätigen müssen), denn es sind knapp 3 Kilometer bis zum Stadtzentrum. Das Parken auf dem Marktplatz ist unkompliziert. Auf unserem Rundgang kommen wir an der Andreas-Kirche vorbei, eine 1728 im barocken Stil erbaute katholische Pfarrkirche.

Am Anfang der Fußgängerzone, der Lange Straße, steht eine auffällige Skulpturengruppe, der Eberborg-Brunnen, mit einer interessanten Geschichte:

Eberborg-Brunnen

Im Jahr 1929 wurde im Dorf Westeremstek  einem verschuldeten Bauern sein kastrierter Eber, ein Eberborg, zur Deckung seiner Schulden verpfändet und verkauft. Daraufhin schlossen sich die Bauern des Dorfes solidarisch zusammen und entführten den Eberborg und brachten ihn seinem ehemaligen Besitzer zurück. Diese Tat landete vor dem Gericht, allerdings wurden die verhängten Strafen für Einbruch und Landfriedensbruch durch den Landtag wieder aufgehoben.

In Cloppenburg, einer ländlich geprägten Mittelstadt, leben ca. 35.000 Einwohner. Typisch sind zwei- bis dreistöckige Häuser, die im Stadtzentrum im Erdgeschoss meist einen Laden, ein Geschäft, ein Café oder ein Restaurant haben. So ist die Fußgängerzone sehr belebt, auch kein Wunder bei diesem herrlichen Sommerabend. Wir stromern die Lange Straße bis zum Ende.

Griechische Gaststätte „Akropolis“ am Ufer der Soeste

Dort biegen wir links in die Mühlenstraße ein. Auf der rechten Seite passieren wir die Stadthalle. Davor ein italienisches Restaurant. Jetzt meldet sich auch der Hunger. Wo kann man zu Abendessen? In Corona-Zeiten wollen wir im Freien speisen. Wir schauen uns um und landen schließlich beim Griechen im „Akropolis“, direkt an der Soeste, einem kleinen Fluss (zumindest dort), der Cloppenburg durchquert.

13. August 2021: Meyer-Werft in Papenburg

Meyer-Mühle

Unser heutiges Ziel ist das etwa 60 Kilometer entfernte Papenburg. Wir fahren zunächst auf der B72 und biegen hinter Friesoythe auf die B401 ab. Ab Surwold geht es auf die Papenburger Landstraße. Nach einer Stunde erreichen wir gegen 12 Uhr Papenburg. Wie immer muss zuerst ein Parkplatz gefunden werden. Aber das ist hier (heute) kein Problem. Wir parken direkt hinter einer Mühle. Es handelt sich um die Meyer-Mühle, die 1888 erbaut wurde. Nach ihrer Stilllegung verrottete die Bockwindmühle. Inmitten der Stadt ohne Flügel und Galerie war sie kein Aushängeschild für Papenburg. Von 1998 bis 2001 wurde das historische Bauwerk restauriert. Eine zweite Instandsetzung wurde 2018 abgeschlossen. Heute ist es bei freiem Eintritt einer der Besuchermagneten von Papenburg. Aber die Hauptattraktion der kleinen Stadt ist die Meyer-Werft. Diese wollen wir besichtigen. Lotti hat wohlweislich vorher Tickets online bestellt. Diese holen wir in einen kleinen Souvenirladen am Hauptkanal ab. Noch haben wir Zeit, einen Rundgang durch Papenburg zu machen. Unser Besichtigungszeitfenster ist ab 15 Uhr offen.

Museumsschiff Brigg „Friederike von Papenburg“

Papenburg liegt in Niedersachsen im Emsland. Sie ist mit ca. 35.000 Einwohnern eine so genannte Mittelstadt. Ganz sicher hat Papenburg durch die Meyer-Werft sehr auskömmliche Steuereinnahmen. Alles ist gepflegt und gehegt. Nach einer kurzen Pause im Café Piano (alles sehr lecker) am Hauptkanal spazieren wir linksseitig an diesem Kanal bis zu einer größeren Kreuzung. Hier befinden sich das Rathaus, die Antonius-Kirche und ein Museumsschiff, die Friederike von Papenburg. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt. Auf unserem Spaziergang haben wir weitere historische Schiffe im Hauptkanal vor Anker liegen sehen. So die „Margaretha von Papenburg“ und die „Thekla von Papenburg“. Diese Schiffe wurden anhand von Originalbauplänen nachgebaut. Allerdings ist nur die „Friederike von Papenburg“ für Besucher offen.  

Vor der AIDAcosma am Ausrüstungspier im Werfthafen der Meyer-Werft

Wir wechseln die Kanalseite und kehren am rechten Kanalufer zurück zum Parkplatz. Mit dem Auto fahren wir zum Besucherzentrum der Meyer-Werft. Diese gehört zur Europäischen Route der Industriekultur. Schon von weitem werden die riesigen Montagehallen sichtbar. Die Spannung steigt. In der Meyer-Werft werden u.a. Kreuzfahrtschiffe der Aida-Reihe gebaut. Vor dem Baudock im Werfthafen liegt am Ausrüstungspier die AIDAcosma. Hier finden die letzten Ausbauarbeiten statt. Mit 337 Meter Länge ist es ein gewaltiges Schiff. Über 6600 Passagiere werden in ihr Platz finden. Wir erfahren auf bei unserem Rundgang, dass sie mit Flüssiggas (LNG) fahren wird, wie übrigens ihr Schwesternschiff, die AIDAnova, auch.

Zu Corona-Zeiten sind die Besuchertouren besonders geplant. Mit Bussen werden wir pünktlich um 15 Uhr auf das Werftgelänge gefahren. Jetzt haben wir  gut 1,5 Stunden Zeit die für Besucher ausgewiesenen Bereiche individuell zu erkunden. Auf 3.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche sind neun Themenbereiche ausgewiesen. Es beginnt mit ausgestellten historischen Schiffsmodellen und deren Erklärungen, es folgen Informationen zur Geschichte der Werft und zu technischen Entwicklungen, Details werden in Filmvorführungen anschaulich und schließlich gelangt man in die Panorama-Galerien, die einen unverstellten Blick in die Schiffsbauhallen ermöglichen: Allein die schiere Größe ist beeindruckend. Was der Mensch zu leisten in der Lage ist. All das erfahren Besucher auf der Erkundungstour durch die Welt des Schiffsbaus.

Natürlich gibt es am Ende des Rundgangs auch einen (kleinen) Souvenirshop. Man muss sich an die Zeiten halten. Pünktlich bringen uns die Busse um 17:30 Uhr zurück zum Parkplatz. Eine gute Stunde später sind wir wieder in unserer Cloppenburger Ferienwohnung.

14. August 2021: Thülsfelder Talsperre

Für heute haben wir uns etwas ganz Verrücktes vorgenommen. Wir wollen mit einem Vierrad fahren. Das sieht so entspannt aus. Als Ziel haben wir die zwischen Cloppenburg und Friesoythe gelegene Thülsfelder Talsperre gewählt. Einmal mit einem Vierrad die Talsperre umrunden, das wäre doch etwas! Am Abend vorher haben wir uns im Internet informiert: Die Thülsfelder Talsperre ist schon fast etwas Historisches. Sie wurde von 1924 bis 1927 noch zu Zeiten der Weimarer Republik erbaut. Der so entstandene Stausee ist also fast 100 Jahre alt. In ihm können 10,8 Millionen Kubikmeter Wasser angestaut werden. Schon seit 1937 ist der See und seine Umgebung als Naturschutzgebiet Talsperre Thülsfeld ausgewiesen.

Um 11 Uhr geht es los. 13 Kilometer die Friesoyther Straße entlang. Dann links in die Zum Strand abbiegen und am Campingplatzlokal (Garrel, Zum Strand 5) parken. Hier mieten wir auch das Vierrad. Eine Stunde Radeln kostet 8€. Nach einer kurzen Einweisung in die geografischen Gegebenheiten wird in die Pedalen getreten. Das verspricht lustig zu werden. Es wird aber auch schnell klar, ohne Anstrengung läuft die Sache nicht.

Die Sonne scheint. Kaum Wind, zunächst auch ein passabler Weg. Wir sind voller Elan. Nach dem Passieren eines Stegs bei Dreibrücken über den Stausee befinden wir uns auf seiner gegenüberliegenden Seite. Der Weg, nun ein Waldweg, wird für Vierradfahrer anspruchsvoller. An manchen Stellen rumpelt es ganz schön. Wir sind so mit dem Fahren beschäftigt, dass wir an einer Kreuzung die falsche Abfahrt nehmen. Auf der Großen Tredde radeln wir bis Dwergte. Jetzt merken wir, dass wir uns fast 4 Kilometer von See entfernt haben. Oh je, auf diesen Schreck nehmen wir in Dwergte erst einmal in dem Gartenlokal Platz. Ein sehr einladender Ort mit vielen leckeren Speisen und einem liebevoll gestalteten Ambiente.

Umrundung des Thülsfelder Stausees mit dem Vierrad

Es hilft ja nichts, nach der Pause müssen wir die Große Tredde zurückradeln. Immer auf den besagten Waldwegen. An der Kreuzung schlagen wir für unsere Seeumrundung die richtige Richtung ein. Bald radeln wir auf der Dammkrone. Das geht schon bedeutend leichter. Irgendwie nehmen uns die Ausflügler, auf die wir zunehmend treffen, als eine Art Attraktion wahr. Jedenfalls begleiten uns eine Menge guter Wünsche. So erreichen wir den gut 3 Kilometer langen Staudamm der Talsperre. Dreiviertel der Seeumrundung sind geschafft. Nach 4 Stunden haben wir es geschafft. Am Campingplatzlokal geben wir das Vierrad zurück. Jetzt wissen wir: Fahrradfahren ist einfacher als Vierradfahren. Aber das liegt natürlich auch an der jeweiligen Konstruktion: Ein technisch gestyltes Fahrrad gegen ein einfach montiertes Vierrad – ein ungerechter Vergleich.

15. August 2021: Cloppenburger Museumsdorf

Die Attraktion von Cloppenburg ist wohl das Museumsdorf, ein Freilichtmuseum auf einem großzügig gestalteten Areal. Und hier gibt es einiges zu sehen und zu entdecken, wie wir gleich selbst erfahren werden. Nach Wäschewaschen und Bügel – ein großer Vorteil von Ferienwohnungen bei längeren Reisen – fahren wir zum Museumsdorf in Cloppenburg, Bether Straße 6. Parken ist kein Problem, ein kurzer Weg zum Eingangsgebäude, Ticket für 9,50€ kaufen und los geht es.

Unweit vom Eingang ist die Ottenjann-Halle. Woher der Name? Heinrich Ottenjann (1886-1961) war ein Gymnasiallehrer und Gründer des Cloppenburger Museumsdorfes. In der Halle ist eine Ausstellung über landwirtschaftliche Maschinen und Geräte aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, vor allem Dampfmaschinen und Traktoren, an, die einen Einblick in das Leben und Arbeiten vergangener Zeiten geben. Ein übersichtlicher Museumsplan erleichtert die Orientierung. Der ausgewiesene Hauptweg führt über eine Brücke, die die Höltinghauser Straße überquert. Jetzt erst sind wir auf dem ausgedehnten Museumsgelände. Mehr als fünfzig Gebäude vom 16. Jahrhundert bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts befinden sich auf dem etwa 15 Hektar großen Museumsdorf. Alle wurden an ihrem Originalstandort abgebaut und hier wieder aufgebaut. Vor uns zwei große Scheunen. In der Münchhausenscheune ist ein pädagogisches Zentrum untergebracht. Interessanter Zusammenhang oder?

Bockwindmühle

Wir kommen zu einer Bockwindmühle, dem ältesten europäischen Mühlentyp. Seit dem 12. Jahrhundert wurden diese Mühlen gebaut. In Deutschland gab es die ersten Bockwindmühlen im 15. Jahrhundert. Der Name stammt von dem Sockel, auf dem die Mühle aufgebaut wurde, dem so genannten Bock. Interessant auch, dass arretierte Mühlenflügel als Signalgeber fungierten: Kurze Arbeitspause, lange Arbeitspause, Freudenschere und Trauerschere.

Stand mit Bienenkörben (Beuten)

Vorbei an einer Obstwiese, wo man sich eine historische Bienenhaltung anschauen kann, erreichen wir die Hofanlage Wehlburg. Das Haupthaus ist ein prächtiges Fachwerkgebäude. Ställe, Unterstände für Wagen und Großgeräte sowie Scheunen umschließen den Innenhof burgartig.  Etwas abseits stehen die Heuerhäuser der Landarbeiter. Alle Gebäude können besichtigt werden und geben Auskunft über Lebens- und Arbeitsweisen der Menschen vergangener Zeit und das sehr schichtspezifisch: von sehr wohlhabend bis heute unvorstellbar ärmlich.

Backhaus

Bei schönsten Sonnenwetter geht es weiter zu den Hofanlagen Awick und Hoffmann. An dem Dorfteich steht eine Kokerwindmühle. Dieser Mühlentyp stellt eine Weiterentwicklung der Bockwindmühle dar, da hier der Sockel nicht mehr als ein aus Holz bestehender Standfuß errichtet wurde, sondern als ein aus Stein gemauerter Raum für die Unterbringung der Mühlentechnik. Am historischen Backhaus machen wir eine erste Pause. In der Backstube wird in einem Steinofen gebacken. Im Verkauf werden Brot und Kuchen angeboten. Das probieren wir natürlich auch. Unter den großen schattenspendenden Bäumen lässt es sich vorzüglich rasten.

Quatmannshof

Gleich hinter dem Backhaus wurde der Quatmannshof aufgebaut; wie die Wehlburg-Hofanlage auch ein mittelgroßes Bauerngehöft. Das Haupthaus ist ein 45 Meter langes Hallenhaus, ein Wohn-Stallhaus. Gleich am Haus befindet sich ein Gemüse- und Kräutergarten. Auch in der Hofanlage Quatmann kann man sich umfänglich mit der damaligen bäuerlichen Lebensweise vertraut machen.

Wir besichtigen das Herrenhaus Arkenstede, das Ende des 17.Jahrhunderts als Frauenwohnsitz für Witwen und unverheiratete Töchter der adligen Familie Kobrinck errichtet wurde. Umgeben von einem repräsentativen Garten und einem Wassergraben hebt es sich von den Bauerngehöften ab. Das betrifft auch die Ausgestaltung der Innenräume.

Dorfkirche

In Nachbarschaft des Herrenhauses steht eine kleine Dorfkirche, in die wir auch einen Blick werfen. Das Fachwerkgebäude stammt aus dem Jahr 1699. Im Innern entdeckt man historisches Inventar: Hölzerne Kirchenbänke, den Beichtstuhl, das Harmonium und 14 Stationsbilder.

In der alten kleinen Dorfschule können Kinder erfahren, wie der Unterricht auf dem Dorfe vor mehr als 100 Jahren aussah. Auf all den Wegen kommt man an verschiedenen alten Werkstätten vorbei: Zimmerei, Färberei, Bleicherei, Drechselei, Töpferei, Schmiede, Stellmacherei, wie schon erwähnt eine Bäckerei. In all diesen Werkstätten werden zu bestimmten Zeiten Vorführungen angeboten. Und überall stößt man, wie auf einem Dort zu erwarten ist, auf Tiere: Schafe, Ziegen, Schweine, Kühe, Pferde, Hühner, Enten, Gänse usw.

Gaststätte „Dorfkrug“

Wir sind am Dorfkrug angekommen und suchen uns einen Platz. Mit ein bisschen Geduld klappt das auch. Wir sitzen auf der Terrasse und lassen es uns gut gehen.

Gleich nebenan tummeln sich Kindern auf einem Spielplatz. Inzwischen ist es fast 17 Uhr. Ich meine, man könnte sicher noch mehr entdecken. Das Museumsdorf Cloppenburg ist einen Ausflug wert – und man sollte Zeit mitbringen.

 

Ein Kommentar zu “Meyer-Werft in Papenburg – Thülsfelder Talsperre – Cloppenburger Museumsdorf

  1. Corinna Müller

    Super Bericht – da kommen Erinnerungen an viele wunderschöne und interessante Kreuzfahrten auf. Tolle Reisebeschreibungen zu sehr unterschiedlichen Reisezielen.
    Es ist für jeden etwas dabei.

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