Bremerhaven: Klimahaus und Schifffahrtsmuseum

2. September 2020

Heute geht es endlich in das Klimahaus, ins Klimahaus Bremerhaven 8° Ost,  neben dem Auswanderermuseum das zweite Highlight in den Bremerhavener Havenwelten. An zwei Tagen haben wir es schon von außen gesehen. Der  imposante, architektonisch sehr moderne Bau, der an ein riesiges Schlauchboot erinnert, ist auch nicht zu übersehen. Natürlich haben wir darüber schon gelesen: Eine Reise etwa entlang dem 8. Längengrad rund um die Welt durch verschiedene Klimazonen. Es ist ratsam, eine Jacke mitzunehmen, denn auch das arktische Klima steht auf dem Reiseplan.

 

Outlet-Center

Doch Schritt für Schritt: Zunächst kaufen wir die Eintrittskarten und müssen uns noch eine Weile gedulden. Der Zutritt erfolgt nur zu bestimmten Zeiten. Wir haben also noch genügend Zeit, die wir für einen Bummel durch das Outlet-Center nutzen, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Klimahaus befindet. Das hatte schon in den Tagen zuvor unsere Aufmerksamkeit durch seine mediterran gestaltete Innenarchitektur erregt. Sieht alles sehr frisch, sehr neu aus. Ein Rundgang führt vorbei an Geschäften bekannter Marken, die im Outlet ihre Waren anbieten. Aber auch leckere Süßigkeiten, feine Spirituosen und Wellnessprodukte fehlen nicht. Auf der Piazza unter einer großen Glaskuppel kann man in einem Restaurant-Café Platz nehmen: Eine Pause machen, sich stärken, einfach etwas Leckeres genießen.

Doch dafür haben wir jetzt keine Zeit. Wir müssen zurück zum Klimahaus. Unsere Weltumrundungstour im Ausstellungsbereich „Reisen“ (weitere Bereiche sind „Perspektiven“ und „Chancen“) beginnt in einer Viertelstunde. Es erfolgt eine kurze Einweisung: Der Reisende, dem wir virtuell folgen werden, heißt Axel Werner. Seine Reise beginnt östlich von Greenwich und verläuft in Nord-Süd-Richtung. Die Route orientiert sich am 8. Längengrad. Die Besuchergruppe startet gemeinsam, aber jeder „Reisende“ kann seinem eigenen Reisetempo folgen. Dann geht es los. Vor uns liegen fünf Kontinente und neun Orte in einer gestalteten Erlebniswelt zu den Themen Klima, Klimawandel und Wetter.

Geröll-Lawine

Die erste Station sind die Schweizer Alpen mit einem Hochgebirgsklima. Im Tal und an Berghängen grasen Kühe. Die Sonne scheint. Alles erscheint friedlich. Doch diese Idylle kann sehr trügerisch sein. Durch die langsame Klimaerwärmung schmelzen die Gletscher ab, sodass immer öfter Geröll- und Schlammlawinen ins Tal stürzen und das Leben und Arbeiten der Menschen gefährden. All das ist nicht nur erklärt, sondern eindrucksvoll modelhaft mit Bild und Geräusch demonstriert.

In der Perspektive eines Insekts

Ich verlasse die Hochgebirgsklimazone und mache mich auf den Weg zur zweiten Station nach Sardinien. Hier wird dem oft zitierten Schmetterlingseffekt nachgegangen: Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien wirklich einen Wirbelsturm in Texas auslösen? Kleinste Veränderungen an einem Ort können furchtbare Auswirkungen an weit entfernt liegenden Orten haben. Wie soll das gehen? Die Antwort liefert eine riesige Getränkedose. In ihrem Innern kann man den Schmetterlingseffekt selbst testen.

Weiter geht die Reise in die Sahelzone in Afrika. Wüste, Sand und nochmals Sand und eine Gluthitze. Eine alte Frau erzählt, dass es in ihrer Jugend hier genügend Wasser gab, eine grüne Vegetation und viele Tiere wie Giraffen, Antilopen und Strauße. Aber der Klimawandel hat daraus eine Wüste gemacht.

Von der Wüste in den westafrikanischen Regenwald. Ich bin jetzt in Kamerun. Es ist Nacht. Ich pirsche mich durch den Urwald. Es knistert, es knackt, unheimliche Geräusche, exotische Gerüche. Ab und zu spüre ich einen Wassertropfen im Gesicht. Der Regenwald ist ein uralter Urwald mit unglaublichen Baumriesen. Und diese stehen auf der Liste der Holzindustrie. Der Regenwald ist durch Abholzung bedroht (man hört kreischende Sägegeräusche und das Krachen eines gefällten Baumes), obwohl gerade er ein wesentlicher Faktor einer Klimastabilität und Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen ist. Natürlich gibt es hier Wasser. Wenn es regnet, regnet es richtig. Es hat sich eine Flusslandschaft gebildet. Einfache Hängebrücken verbinden die Flussufer. Das kann man hier ausprobieren, einen Balanceakt über eine Hängebrücke. Eine wacklige Angelegenheit.

In der Antarktis

Jetzt wird kalt, richtig kalt. Aber das ist in der Antarktis auch nicht anders zu erwarten. Vor mir liegt eine Landschaft aus Eis und Schnee mittendrin ein Zelt, in dem wohl Axel Werner sitzt und friert. Man hört Bibbergeräusche. Schnell schließe ich meine Jacke und strecke die Hände in die Jackentaschen. Minus 6 Grad. Das ist im antarktischen Sommer. Bis fast minus 90 Grad können die Temperaturen sinken. Unvorstellbar. In einer nachgebauten Polarstation kann man sich in der Leben von Polarforschern hineinversetzen. Was wird hier geforscht? Der Einfluss des Eises am Südpol auf das Weltklima, die Spuren der Klimageschichte der Erde konserviert in Eisschichten. Spannend ohne Frage, aber eben sehr, sehr kalt.

Jetzt kommt das Kontrastprogramm. Inzwischen bin ich in der Südsee auf Samoa gelandet: Sonne, Palmen, Sandstrand, blaues Meer, Korallenriffe, in dem exotische, in allen Farben schillernde Fische schwimmen. Vor mir eine Lagune, ein Boot, neben mir ein Pfahlbau, gegenüber eine kleine Holzkirche. Alles erscheint paradiesisch. Doch das Paradies ist bedroht. Auslöser ist der Klimawandel. Er führt zu Wirbelstürmen und Hochwassereinbrüchen, zu steigendem Meeresspiegel und steigenden Meerestemperaturen, was die Korallenriffe gefährdet.

Es wird schon wieder kalt. Die vorletzte Station ist die schneebedeckte Tundralandschaft von Alaska. Hier hat der Klimawandel zu einer erheblichen Verkürzung der jahreszeitlichen Eisbedeckung geführt: In gut 100 Jahren um ca. 30 Tage. Das verkürzt die Jagdzeit der hier lebenden Ureinwohner, hat also massive hat Auswirkungen auf ihre Lebensweise. Und auch die Tiere sind bedroht. Man denke zum Beispiel an die Eisbären. Sie verlieren zunehmend an Lebensraum.

Zurück in Deutschland, in Deutschlands Norden auf eine Hallig. Die Gezeiten der Nordsee erleben. Ein raues Wetter. Dazu kommt der Klimawandel, der  ein Ansteigen des Meeresspiegels bewirkt. Können die künstlich angelegten Warften dem standhalten, wenn es heißt: Land unter!

Die Reise über fünf Kontinente geht zu Ende. Meine Reisezeit betrug etwas mehr als zwei Stunden; bei den vielen Informationen und Interaktionsmöglichkeiten hätte sie gut und gern noch weit länger dauern können. Aber die Aufnahmekapazität ist nicht unendlich. Bei Interesse lieber einen zweiten Besuch einplanen.  

Hanna, Gero und ich treffen uns im Souvenirshop. Wir sind uns schnell einig. Jetzt erst einmal eine Pause; gleich gegenüber im Café des Outlet-Centers. Drei große, leckere Eisbecher werden serviert.

Wrack der Bremer Kogge

Neben dem Outlet-Center befindet sich das Schifffahrtsmuseum. Das interessiert uns natürlich. Aber zurzeit finden hier gerade größere Umbauten statt, sodass wir nur einen Teil besichtigen können. Dazu gehört die „Bremer Kogge“, ein restauriertes Schiff aus dem Mittelalter. Es handelt sich laut Informationstafel um das am besten erhaltene Handelsschiff des Mittelalters. Gebaut wurde es 1380 und gefunden 1962 auf dem Grund der Weser. Seine Entdeckung führte schließlich zur Gründung des Bremerhaveners Museums. Das neben wir in Augenschein. Die Geschichte der Kogge wird in der Sonderausstellung „KOGGE trifft PLAYMOBIL“ nachgestellt.

In einer anderen Halle ist der Forschungsexpedition des Eisbrechers „Polarstern“ eine Ausstellung gewidmet. Das Schiff ermöglicht vor allem Forschungen über das Klima in der Polarregion. Erklärungen erhält man über klassische Informationstafeln, Fotos, Karten und diverse Originalexponate, aber auch über ein digitalisiertes Schiffsmodell. Aufnahmen mit Hilfe der 360-Grad-Technik geben lebensnahe Einblicke in das Leben und die Arbeit an Bord. Der Besucher setzt sich dazu eine Virtual Reality-Brille auf (oder nutzt sein Smartphone) und schon fühlt er sich auf das Schiff versetzt. Selbstständig kann er sich auf die Brücke oder den Laderaum oder in ein Labor des Schiffes bewegen. Eine tolle Idee, die wir aber nicht nutzen. Nach dem Besuch des Klimahauses sind das einfach zu viele Informationen auf einmal. Wir begeben und in den Außenbereich des Schifffahrtsmuseum. Eine ganze Reihe verschiedener Schiffe sind hier aufgebockt, einige Schiffe liegen im Alten Hafen vor Anker und können besichtigt werden. Auch ein U-Boot ist hier vertäut. Die „Wilhelm Bauer“, 1945 im Zweiten Weltkrieg versenkt, 1957 gehoben, von 1960 bis 1982 als Ausbildungsschiff der Bundesmarine genutzt, wurde schließlich in ein Museumsschiff umgewandelt. Wir schauen uns das Schiff von außen an.

Der Tag war ereignisreich und neigt sich dem Ende. Gut zu wissen, dass es mit dem Bus zurück zu unserem Quartier geht. Nicht vergessen: Selbstverpflegung! Unterwegs noch etwas für das Abendbrot einkaufen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.