Bremerhaven – Auswandererhaus und Hafenrundfahrt

1. September 2020

Ich bin voller Vorfreude und Neugier. Heute steht der Besuch des Auswandererhauses auf unserem Plan. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg. Gute fünf Minuten bis zum Bahnhof. Dort ist auch die Haltestelle des 505er Busses, der uns ruckzuck in das Hafenviertel bringt. Das Auswandererhaus liegt direkt am Neuen Hafen.

Auawanderungshaus

Aufgrund der bedrückenden Lebensbedingungen in Deutschland und in der Hoffnung auf ein besseres, selbstbestimmteres Leben wanderten bis 1890 über sieben Millionen Menschen von Bremerhaven aus nach Amerika aus. Das Deutsche Auswandererhaus ist der Geschichte dieser Menschen gewidmet. Wir kaufen uns ein Ticket für eine Schiffspassage, wie es heißt, und begeben uns auf eine Rundreise, die den Weg der Auswanderer nachzeichnet.

Ein Fahrstuhl bringt uns in die Wartehalle, einem rekonstruierten Bau des Norddeutschen Lloyd von 1869. Interessierte können sich über die Geschichte von Bremerhaven und seiner Auswanderungshäfen informieren. Im nächsten Schritt betreten wir die Kaje, also eine nachgebaute Kaianlage. Es ist dunkel. Lebensgroße Puppen erzeugen einen Eindruck von den wartenden Auswanderern, die das Schiff betreten wollen. Überall stehen Kisten und Koffer. Man hört Stimmengewirr. Wir gehen über eine hohe Treppe an Bord des Schnelldampfers „Lahn“. Detailgetreu rekonstruierte Schiffsräume lassen einen nachempfinden, was Auswanderer an Bord eines solchen Schiffes zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Schiffsklassen erlebt haben.

In der anschließenden „Galerie der 7 Millionen“ werden dem Besucher die Schicksale einzelner Auswanderer nähergebracht. Wer waren sie? Warum sind haben sie sich auf diese ungewisse Reise begeben? Wann sind sie gestartet?  

Das Museum ist echt klasse. In dem Raum „Familienrecherche“ hat man sogar die Möglichkeit, auf Spurensuche nach ausgewanderten Vorfahren seiner eigenen Familie zu gehen. Dafür stehen zwei Online-Datenbanken zur Verfügung. Die Recherche ist kostenfrei. Aber man muss warten, bis ein Platz frei wird.

Wir laufen weiter und kommen in einen langen, gefliesten Gang. Kühl und unpersönlich. Er führt zur Einwanderungsbehörde auf Ellis Island und vermittelt wohl einen ersten Eindruck, den Auswanderer hatten, als sie endlich New York erreichten. Hier wurde geklärt, wer einreisen durfte. Dazu war u.a. einen umfangreicher Fragenkatalog zu beantworten. Besucher können sich daran versuchen.

Die nächste Station des Rundgangs ist das Office of the New World. Hier sind Objekte, Dokumente und Briefe ausgestellt, die zeigen, welche Informationen und Vorstellungen Auswanderer über ihre neue Heimat hatten.

Besonders imposant ist der teilweise Nachbau des Grand Central Terminals einschließlich einer Reihe von Fahrkartenschalten und einer großen Treppe. Von hier aus starteten die Einwanderer mit dem Zug in alle Richtungen Amerikas.

Auch wir sind mit „unserer Reise“ am Ende. Dieses Museum ist besonders für alle historisch Interessierten sehr empfehlenswert. Mit unglaublichen Aufwand wurden Kulissen, Objekte, Institutionen rekonstruiert, Originale gesammelt und eingefügt, alles zeitgeschichtlich eingeordnet und erklärt. Die Eintrittskarte fungiert als eine Art elektronischer Schlüssel: Hält man die Karte vor eine Informationsmarkierung, erhält man eine entsprechende Erklärung. Wer möchte kann seinen Besuch im Museumsshop oder im Restaurant abschließen.

Auch wir nehmen erst einmal im Hafenviertel eine Stärkung zu uns ehe wir zu unserem zweiten Tageshighlight schreiten. Eine Hafenrundfahrt steht auf dem Programm. Im Neuen Hafen legen die Schiffe zu einstündigen Rundfahrten durch sieben Überseehäfen ab; dazu gehören der Neue Hafen, die Kaiserhäfen I, II und III, der Verbindungshafen, die große Drehbrücke an der Nordschleuse, das Wendebecken für die überdimensionalen Autotransportschiffe und der Nordhafen. Eine solche Sightseeingtour auf dem Wasser lohnt sich, zumal das Wetter mitspielt. Wir schippern auf der „Hein Mück“ an historischen Schiffen, riesigen Containerschiffen, Schwimmdocks, Werften, und immer wieder an Autoumschlagsplätzen vorbei. Der Schiffsführer erläutert alles mit interessanten Fakten und viel Humor. Durstige können aus einer Vielzahl verschiedener Getränke wählen, für Hungrige wird ein kleiner Imbiss angeboten. Ein rundum empfehlenswertes Erlebnis.

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