Bremerhaven: Alter Fischereihafen

5. September 2020

Am letzten Tag führt uns der Weg noch einmal in die Havenwelten am Weserdeich. Gero hat die Idee, Bremerhaven von oben zu betrachten. Das ließe sich auf der Aussichtsplattform des Atlantic-Hotels Sail City bestens realisieren. Dieses dominante moderne Gebäude ist mit 140 Metern das höchste der Stadt.

Inzwischen ist uns der Weg dorthin wohlvertraut. Schon stehen wir am Fuße des Eingangs zur Aussichtsplattform. Es ist am Automaten eine Eintrittskarte für 4€ zu lösen, eine Art Schleuse zu passieren und auf den Lift zu warten. Dieser befördert uns schnell auf 86 Meter Höhe in die 20. und 21. Etage. Hier befindet sich die Aussichtsplattform SAIL City. Bei den ersten Schritten auf der Plattform werden wir von einem frischen Wind begrüßt. Hanna sucht sofort nach einem schützenden Tuch, das sie sich gekonnt um den Kopf wickelt. Wer keine Kopfbedeckung hat, den zaust der Wind die Haare. Aber die Sonne scheint. Und das nicht zu wenig.

Gero hat nicht zu viel versprochen: Vor uns entfaltet sich ein beeindruckendes Panorama von Bremerhaven, seiner Havenwelten, bis zu den Überseehäfen, der Wesermündung in die Nordsee und dem alten Fischereihafen. Es ist wirklich toll! Diese herrliche Aussicht gilt es zu genießen. Und das tun wir ausgiebig.

Wieder zurück auf der Erde, genauer gesagt auf dem Deichweg, trennen sich unsere Wege. Hanna und Gero wollen es ruhiger angehen lassen. Mich zieht es in den Alten Fischereihafen. Das kann doch gar nicht so weit entfernt sein, denke ich. Und das herrliche Sonnenwetter verführt ohnehin zu einem längeren Spaziergang. Los geht’s. Zuerst auf dem Deich entlang bis zu einem kleinen Hafenbecken.

Hier muss ich die Wasserkante verlassen und im städtischen Bereich weitermarschieren. Das zieht sich. Und weit und breit keine Toilette. Als weiter immer weiter. Nach einer guten Stunde erblicke ich die Erlösung: McDonald’s! Wer hätte das gedacht. McDonald’s hat geöffnet und eine Toilette! Warum ich das so hervorhebe? Nicht alle normalerweise zugänglichen Toiletten sind zu Coronazeiten geöffnet. Das ist mir schon im Kaufhaus oder an einer Tankstelle passiert: Wegen Corona bleibt die Toilette zu. Gut oder nicht so gut, im Augenblick ist dieses dringende Problem jedenfalls gelöst. Dafür ziehen Wolken auf, der Wind nimmt zu, die Sonne scheint verschwunden.

Als ich den Alten Fischereihafen erreiche, fängt es an zu regnen. Das ist sehr schade, denn hier gibt es offensichtlich einiges zu entdecken. In einem terrassenförmig angelegten Hafenbereich ankern verschiedene Schiffe, Sightseeing-Boote, Museumsschiffe, Freizeitboote.

Die Menschen drängeln sich unter das Vordach einer ehemaligen Fischpackhalle oder in eines der Geschäfte, wo frischer Fisch, vielfältige maritime Souvenirs, aber auch Kaffee, Tee und Süßigkeiten angeboten werden. Wer Glück hat, findet einen Platz in einem der Restaurants bzw. Hafenkneipen. Ich entdecke ein Gebäude mit der Bezeichnung „Fischbahnhof“. Von hier aus wurde Fisch in alle Landesteile und natürlich auch ins Ausland versendet. Diese ehemalige Fischversandhalle wurde schon vor 30 Jahren in einen thematischen Ausstellungsbereich umfunktioniert: „Expedition Nordmeere – Fischereiwelten Bremerhaven“.

Mein Rückweg ist unspektakulär: Ich nehme den Bus. Der bringt mich zurück in die Havenwelten. Noch ein Rundgang durch das Outlet & Shopping-Center, dann über die gläserne Havenbrücke in das Columbus Shopping Center. Hier ein Blick, da ein Blick. Natürlich auch ein paar Einkäufe. So geht der Tag zu Ende, was ich auch an meinen Beinen merke. Der Bus bringt mich zurück in die Ferienwohnung, wo wir bei einem üppigen Mahl die schöne Zeit noch einmal passieren lassen. Das hatte ich echt nicht erwartet, aber Bremerhaven ist zweifellos eine Reise wert. Da fällt mir ein Zitat aus dem Buch „Die Klangprobe“ von Siegfried Lenz ein: „Man kann gehen, wohin man will, man kommt nie als der zurück, der man einmal war.“ Ja, Erfahrungen bringen neue Sichtweisen, neue Horizonte.

Die Sachen sind gepackt. Morgen geht es zurück nach Berlin.

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