Bad Neualbenreuth

Bloggertreffen in Bad Neualbenreuth
19.-21- Juni 2020

Das ist wunderbar wie überraschend: Ich bin zu einem Bloggertreffen in die Oberpfalz nach Bad Neualbenreuth eingeladen! Bisher war mir dieser Ort unbekannt. Ich schaue auf Karte nach und informiere mich im Internet: Neualbenreuth, ein anerkanntes Heilbad, liegt nahe der Grenze zu Tschechien. Von Berlin aus sind es ca. 430km, davon die größte Strecke auf den Autobahnen A10, A9 und A93. Auf jeden Fall liegt viel Neues vor mir und ich freue mich, es kennenzulernen. 🙂 Was in Corona-Zeiten zu beachten ist, steht im Einladungstext: Denken Sie an Mund-Nasen-Schutz (Maske) sowie an den Abstand!

Was man wissen sollte

Die Einladung zu diesem Bloggertreffen kam vom Zugvogelverlag. Die engagierte Verantwortlichkeit lag bei Susanne Wenzel. Zwei Übernachtungen mit Frühstück wurden vom Schlosshotel Ernestgrün gesponsert; Der Fremdenverkehrsverein Bad Neualbenreuth übernahm die Kosten für zwei Brotzeiten und zwei Abendessen. Ganz herzlichen Dank dafür. Die Reisekosten habe ich selbst getragen.

19. Juni 2020

Ich starte gegen 10 Uhr in Berlin und erreiche nach ca. fünf Stunden Bad Neualbenreuth. Die Fahrt verläuft halbwegs entspannt, ein paar kleine Staus, zwei kurze Pausen. Ich bin laut Planung im Landschlosshotel Ernestgrün untergebracht. Das ehemalige Landschloss, jetzt eine renovierte, sehr einladende Hotelanlage, stammt aus dem 14. Jahrhundert. Ich bin erfreut über ein sehr großzügiges, gemütliches Zimmer. Ich schaue mich ein bisschen um. Das Hotel verfügt über zwei Restaurants, ein Café, eine Bar und einen Innenpool, der allerdings wegen Corona zurzeit geschlossen ist. Die Hotelanlage befindet sich mitten in der Natur; ringsherum ist alles grün, Vögel zwitschern, ein kleiner Bach rauscht leise, ab und an sieht man einen Fisch aus dem Wasser springen. Was ich damit sagen will: Für die Städterseele pure Erholung.

Um 18:30 Uhr findet hier im Hotel die Begrüßung und Vorstellung der Gastgeber und Bloggergäste statt. Bis dahin ist noch Zeit genug für einen Spaziergang nach Neualbenreuth. Ich mache mich auf den Weg und folge der Straße. Für Fußgänger wurde neben der Fahrbahn ein breiter, asphaltierter und bei Dunkelheit beleuchteter Weg angelegt. Ab und zu eine Bank zum Ausruhen. Alles perfekt.

Bad Neualbenreuth ist eine Marktgemeinde mit gut 1300 Einwohnern, die vor einem Jahr das Prädikat Heilbad erhalten hat. Somit ist der historische Markt Bad Neualbenreuth mit dem Sibyllenbad das jüngste Heilbad im ostbayerischen Oberpfälzer Wald.

Auf meinem Weg in das Ortszentrum passiere ich einen ausgedehnten, sehr gepflegten Sportplatz. Ca. 300m weiter stehe auf dem Marktplatz von Bad Neualbenreuth, zur linken das Rathaus und der Sagenbrunnen, der den Tillenberg mit seinen acht verschiedenen regionalen Sagenfiguren darstellt, geradezu die katholische Pfarrkirche St. Laurentius aus dem Jahre 1730 mit Blendaltar und Lourdes Grotte, rechter Hand ein Lebensmittelgeschäft und die im Egerländer Fachwerkstil errichtete alte Posthalterei, in der heute ein Heimatmuseum und die Touristeninformation untergebracht sind. Auf dem Rückweg mache ich einen kurzen Abstecher zum Sengerhof, dem Kultur- und Dokumentationszentrum Fraisch. Freitagnachmittag haben so gut wie alle Einrichtungen schon geschlossen. Es bleibt ein Blick von außen.

Sibyllenbad

benannt nach der sagenhaften Wahrsagerin Sibylle von Prag, ist ein Gesundheitszentrum mit Radon- und Kohlensäurequellen, einer Badelandschaft, einem großzügigen Sauna- und Wellnessbereich und einer medizinischen Abteilung. Die Badelandschaft verfügt über ein 27° warmes Schwimmbecken mit Gegenstromanlage und Zugang zur Außenschwimmanlage, Wasserströme aus Schwanenhälse, Massagedüsen und  Bodensprudler, Becken mit 34° und 36° warmem Heilwasser, ein Dampfbad, Whirlpools, einen Heilparcour mit Verdunstungsgrotte.

Fraisch

Das Wort Fraisch stammt von dem althochdeutschen fraison und bedeutet u.a. Gerichtsbarkeit. Die Fraisch (der Fraisbezirk) ist ein Gebiet mit einer festgelegten zuständigen Gerichtsbarkeit.

Zurück im Hotel bleibt nur Zeit für eine kurze Pause. Um 18:30 Uhr haben sich alle Bloggergäste und die Gastgeber, allen voran Susanne Wenzel als Hauptorganisatorin und der Bürgermeister Klaus Meyer mit seiner Frau Brigitte, am Schlosshotel versammelt. Es folgt eine herzliche Begrüßung und Vorstellungsrunde. Danach geht es in das Grüne Kaffeehaus zum Abendessen. Die Tische sind mit dem notwenigen Abstand aufgestellt. In kleinen Gruppen nehmen wir Platz und lassen es uns bei Speis und Trank wohlergehen. Ich lerne die ersten Bloggergäste persönlich kennen und genieße die abendliche Gesprächsrunde. Und wie das so ist, man lernt immer wieder etwas Neues. Hubert schwärmt vom Zoigl. Ich habe keine Ahnung und lasse es mir erklären: Zoigl ist ein in der nördlichen Oberpfalz untergärig gebrautes Bier, das in Zoigl-Stuben ausgeschenkt wird. Hier gibt es keine Platzreservierungen. Man setzt sich einfach dazu. Alles ist locker. Man duzt sich. Gerade wie an unserem Tisch. So werden schnell Bekanntschaften geschlossen.

20. Juni 2020: Waldgesundheitstraining und Vulkan Eisenbühl

Die Bloggertruppe wird in Gruppen aufgeteilt. Ich gehöre zur Wandergruppe, die sich um 10 Uhr am Ortsausgang von Neualbenreuth direkt hinter der Laurentiuskirche trifft. Parkmöglichkeiten sehen unterhalb der Kirche ausreichend zur Verfügung. Wir vier Wanderinnen machen uns unter Leitung von Beate Ott auf den Weg zu einem Waldgesundheitstraining. Zwei Stunden wandern wir durch das Gedankental. Wir ganz allein, eine wohltuende Ruhe, immer wieder Naturschönheiten. Stille und Ästhetik regen Besinnlichkeit an. Ab und an bleibt Beate Ott stehen und erläutert das Anliegen eines Waldgesundheitstrainings inklusive physischer und psychischer Übungen, die nicht auf Aktionismus ausgerichtet sind. Im Mittelpunkt steht die Wahrnehmung der Natur, hier vornehmlich des Waldes, mit allen Sinnen. Es ist schon interessant zu erfahren, dass bestimmte Wälder als Heilwald (Kategorie 1) bzw. als Kurwald (Kategorie 2) zertifiziert werden. In diesen Wäldern gibt es keine Bewirtschaftung, Waldmaschinen sind verbannt, wichtig sind die Gesundheit des Waldes, die Diversität seines Baumbestandes, die Qualität der ausgewiesenen Wanderwege.

Kurwald
ist ein Waldgebiet, das aufgrund seiner Eigenschaften eine gesundheitsfördernde Breitenwirkung entfaltet und somit zur Sekundärprävention genutzt werden kann. Dieser Wald ist für jedermann zugänglich, sodass man auch bei entsprechender Grunderfahrung auch allein ein Waldgesundheitstraining durchführen kann. Die gesundheitsfördernde Wirkung des Waldes führt zu Entspannung, fördert das Wohlfühlen und erhöht die Lebensqualität.

Heilwald
ist ein barrierefreies Waldgebiet, das therapeutisch zur Tertiärprävention genutzt wird. Geschulte Therapeuten begleiteten den Patienten auf der Waldwanderung und regen spezifische Verhaltensweisen an, die zur Linderung von Krankheiten beitragen.

 🙂 Waldgesundheitstraining – Waldbaden 😉 

  1. Entscheidung für ein Waldgesundheitstraining und Waldauswahl
  2. Entschleunigen durch langsames, bewusstes Gehen durch den Wald, Stille genießen
  3. Innehalten durch Pausen machen, sich dem Wald bewusst zuwenden, auf die eigenen Gefühle achten, Erleben statt Denken, Meditation und Atemübungen
  4. Achtsamkeit und Sinne öffnen, indem man den Wald mit allen Sinnen aufnimmt: Sehen, Riechen, Hören, Fühlen – Farben, Formen, Licht und Schatten, Geräusche, Gerüche, Oberflächenbeschaffenheit, Bewegungen, …

Adamhof: Gaststätte und Hofladen

Wir bleiben ab und zu stehen, lassen die Ruhe auf uns wirken; doch absolut ruhig ist es gar nicht. Vogelgezwitscher dringt durch den Blätterwald, der durch den Wind bewegt wird und ein typisches Rauschen erzeugt. Manchmal hören wir ein Knistern, ein Knacken im Unterholz, vielleicht von einem Eichhörnchen, einem Fuchs oder Dachs? Wir werden auf Jungbäume aufmerksam, d.h. auf Sprösslinge, die ungefähr 30 cm hoch sind und noch einen weiten Wachstumsweg vor sich haben – wenn alles gut geht. Auch die Kinder der Bäume haben es nicht einfach groß zu werden.

Jetzt haben wir es geschafft. Noch ein paar Schritte und wir erreichen den Adamhof, eine Gaststätte, in der wir eine sehr leckere Brotzeit mit Wurst und Schinken aus der eigenen Schlachterei serviert bekommen. „Servus Mideinand!“ begrüßt uns die Wirtin, eine junge, engagierte Frau, die seit kurzem den Adamhof von ihren Eltern übernommen hat. Gleich neben der Gaststube befindet sich ein Hofladen, in dem Fleisch, Wurst und Schinken sowie verführerische Liköre aus eigener Produktion angeboten werden. Wer kann da widerstehen.

In der Zwischenzeit hat sich Christian dazugesellt, unser Führer der Nachmittagswanderung. Zunächst geht es an Wiesen und Feldern entlang in Richtung 50. Breitengrad. Wir kommen an einem naturbelassenen Weideareal vorbei, auf dem Dexterrinder friedlich grasen. Die vier Kälber allerdings tollen munter herum. Ein schönes Fotomotiv.

Der Waldrand ist erreicht und bald darauf auch der 50. Breitengrad. Breitengrade sind gedachte Linien, die parallel zum Äquator verlaufen und die Entfernung zu diesem ausdrücken; einmal in Richtung Nordpol als nördliche Breitengrade, zum anderen in Richtung Südpol als südliche Breitengrade. Die Erklärung findet man auf den zwei Steinquadern, die  diese Stelle markieren. Wir stehen also auf dem 50. nördlichen Breitengrad.

Kurz darauf treffen wir auf Grenzpfähle und Grenzsteine der grünen Grenze zu Tschechien. Unsere Wanderung setzen wir im Nachbarland fort. Ist das nicht wunderbar, sich so frei von einem europäischen Land in ein anderes zu bewegen. Weit und breit keine Menschenseele, nur Natur pur.

Christian führt uns durch Wald und Flur zu einem erloschenem Vulkan: Eisenbühl (Železná hůrka), noch auf der tschechischen Seite, ist ein teilweise noch vorhandener Vulkanschlot aus grau-schwarzen Tuffgestein mit einer Höhe von ca. 20m. Wir erfahren, den Schlackekegel hat sich 1823 Johann Wolfgang von Goethe angesehen. Ja, Goethe war eben nicht nur ein begnadeter Dichter, sondern auch ein emsiger Naturforscher.

Unsere Wanderung geht zu Ende. Ich nehme viele neue Eindrücke mit. Am Abend treffen wir uns alle im Adamhof zum Abendbrot. Die Speisekarte verspricht lauter leckere Sachen und sie hält, was sie verspricht. Dazu ein (oder zwei, …) Zoigl. Jetzt weiß ich ja, um was es sich handelt, um ein schmackhaftes, vollmündiges Bier. Na dann Prost!

21.06.2020: Wanderung zum Rinnlstein

Sonntagmorgen. Alles gepackt und vom freundlichen Hotelpersonal verabschiedet. Am Vormittag ist noch eine Wanderung zum Rinnlstein (Ringelfelsen) geplant. Der Treffpunkt ist um 9:30 Uhr am Naturfreundehaus im Ortsteil Wernersreuth. Dort stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung.

Unter der Leitung vom Bürgermeister Klaus Meyer geht es los. Ein wunderschöner Sonntagvormittag, sonnig, ohne zu heiß zu sein, eben perfektes Wanderwetter. Auch das Tempo ist perfekt, so kommt man auf dem knapp 10km langen Wanderweg mal mit diesem, mal mit jenem ins Gespräch. Die Wege sind übersichtlich ausgeschildert und gut zu laufen. Na gut, bergauf komme ich schon ins Schwitzen.

Dann ist er da: Der Ringelfelsen, die mit 653m die höchste Erhebung der Umgebung. Mitten im Wald auf eine solch massive,  500 Millionen Jahre alte Felsformation zu stoßen, hat fast etwas Mythisches. Ein kleiner Bach, das „Rinnl“, in Zeiten der Fraisch ein Grenzgewässer, gab dem Felsen seinen Namen, aus dem nach und nach „Ringel“ wurde. An der Felswand hängt ein großes hölzernes Kreuz. Jemand erzählt, dass es hier auch Gottesdienste geben würde.

Am Felsen befindet sich die Ringelwanderhütte, ringsherum sind Holztische mit Holzbänken verteilt, an denen jeder einen Platz findet. Unsere Gastgeber haben vorgesorgt und eine Brotzeit vorbereitet. Romantisch, mitten im Wald. Das wird noch einmal ausgiebig genossen. Durch den Wald geht zurück zum Parkplatz am Naturfreundehaus Wernersreuth.

Dann ist er da, der Abschied. Umziehen, alles im Auto verstauen, Adressen austauschen und Tschüs! Ein Auto nach dem anderen verlässt den Parkplatz. Was für ein schönes Wochenende, was für eindrückliche Erlebnisse, die ich mit nach Hause nehme. Dafür allen, die dieses ermöglicht haben, mein herzlichster Dank. Eine wunderschöne, naturbelassene Landschaft, gastfreundliche Einwohner, Möglichkeiten, seine Gesundheit zu stärken, leckere regionale Speisen und Getränke – all das ist eine Reise wert. 🙂 

2 Kommentare zu “Bad Neualbenreuth

  1. Klaus Meyer

    Das Leben birgt viele Variationen, auch bei der Namensgebung. Es war uns Allen eine Ehre und es hat uns gefreut Euch Alle kennenlernen zu dürfen.
    Auch für uns war es ein schönes Wochenende in der Heimatgemeinde Bad Neualbenreuth.
    Bleibt gesund, wir freuen uns auf ein Wiedersehen.

    Viele Grüße an Alle

    Klaus mEyer
    Bürgermeister

  2. Hubert

    Ach hast du das schön geschrieben! Hat mich sehr gefreut, dich dort kennengelernt zu haben!

    Aber O’bacht – der Bürgermeister ist ein falscher Mayer, denn er schreibt sich mEyer 😉🤗

    Hoffentlich bis bald mal!

    Liebe Grüße
    Hubert

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