Andalusien – Sotogrande – Ronda

4. Mai 2022: Reisetag nach Andalusien – Sotogrande

Die Reise geht weiter. Das nächste Ziel in Andalusien ist Sotogrande. Das 1964 gegründete Luxusresort am Mittelmeer haben wir gewählt, weil es nahe an Gibraltar liegt und wir der britischen Exklave einen Besuch abstatten möchten.

Auf dem Weg dorthin machen wir einen Stopp in Malaga, um uns das Picasso-Museum anzusehen. Malaga ist mit ca. 570.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Andalusiens. Sie liegt direkt am Mittelmeer, an der Costa del Sol (Sonnenküste). Natürlich besitzt Malaga einen Hafen, in dem nicht nur große Container- und Kreuzfahrtschiffe anlegen, sondern auch jede Menge Yachten zu bestaunen sind. Das ist aber kein Anziehungspunkt bei unserer kurzen Stippvisite. Zunächst kurven wir im dichten Verkehr etwas ziellos durch die Straßen auf der Suche nach einem Parkplatz. Schließlich finden wir die Einfahrt zu einer Tiefgarage und können das Auto abstellen. Ähnlich wir in Alicante gibt es auch hier zahlreiche Hochhäuser. Eine moderne Großstadt mit einem historischen Zentrum: Kathedrale, Bischofspalast, weitere Kirchen, eine Ausgrabungsstätte eines antiken Römischen Theaters und eine maurische Festung (Alcazaba). Wir aber suchen eilig das Picasso-Museum. Es fängt schon wieder an zu regnen. Anstellen brauchen wir uns nicht, denn wir haben schon einige Wochen vorher die Karten im Internet gekauft (7€). Aber pünktlich müssen wir sein. Das Zeitfenster öffnet sich für uns um 12:35 Uhr.

Pablo Picasso (1881-1973) wurde in Malaga geboren. Sein Geburtshaus befindet sich nahe dem heutigen Museum, das im Palacio de Buenavista, in der Calle San Agustín 8 im Jahr 2003 eingeweiht wurde. Hier sind über 200 seiner Werke, Gemälde, Skizzen, Graphiken, Skulpturen als Leihgabe ausgestellt. Dazu gehören beispielsweise „Les Demoiselles d’Avignon“ (1907), Das Porträt seines Sohnes Paulo (1923), „Frau mit erhobenen Armen“ (1936), das Porträt von Dora Maar (1939), „Drei Tauben“ (1960) und „Kind mit Schaufel“ (1971). Knapp zwei Stunden verbringen wir im Museum. Anschließend nehmen wir in einer Gaststätte noch einen Imbiss ein, ehe wir unsere Fahrt nach Sotogrande fortsetzen. Ich erinnere mich an die Städtereise nach Barcelona. Dort haben wir auch das Picasso-Museum besucht. Nicht nur in Barcelona, auch in Madrid und Paris werden umfassende Sammlungen seiner Kunst gezeigt. So hängt zum Beispiel das Antkriegsbild „Guernica“ im Reina-Sofia-Museum Madrid.

Die Weiterfahrt verläuft unspektakulär. Das Resort Sotogrande mit seinem Yachthafen umfasst ein sehr großes Gelände. Alles sieht noch recht neu aus. Wir finden unsere Ferienwohnung recht schnell. Die Übergabe ist problemlos. Das Haus verfügt über eine Tiefgarage. Hier können wir das Auto sicher parken. Die Wohnung ist modern eingerichtet und ähnlich groß wie die in Benidorm: Großer Wohnbereich mit großer Veranda, zwei Schlafzimmer, zwei Bäder, Küche, Flur. Von der Veranda schauen wir auf den Yachthafen und die untergehende Sonne. Ein kleiner Spaziergang durch das angrenzende Gelände zeigt, dass nicht allzu viele Menschen hier ihre Zelte aufgeschlagen haben. Alles ist ruhig und beschaulich. Einige der Restaurants und Geschäfte haben noch gar nicht geöffnet. Das große Urlaubsgeschäft steht wohl noch bevor. Eine Überraschung möchte ich noch erwähnen: Wir sind auf der Suche nach einem Bäcker oder Supermarkt, um Brot zu kaufen. Das ist leider vergebens. Aber in einem der Restaurants wird auch Brot verkauft. Glück gehabt.

5. Mai 2022: Gibraltar

Das Mittelmeer ist über einen Durchfluss mit dem Atlantik verbunden. Die Meeresenge trägt den Namen Straße von Gibraltar, weil sich die 6,5 Quadratkilometer große Halbinsel Gibraltar an der Südspitze Spaniens bzw. an der Nordseite der Mittelmeer-Atlantik-Verbindung genau an der Stelle befindet, wo sich Europa und Afrika sich am nächsten sind.  Heute ist das unser Ausflugsziel: Gibraltar mit seinem bekannten Kalksteinfelsen. Ähnlich wie in Andalusien herrschten im Mittelalter hier jahrhundertelang die Mauren. Die Halbinsel wurde nach einem maurischen Feldherrn benannt: Gibraltar bedeutet „Berg des Tarik“. Als christliche Heere Andalusien zurückeroberten, wurde Gibraltar spanisches Hoheitsgebiet bis 1704 die Engländer in einem der vielen Seekriege die Spanier besiegten und Gibraltar einnahmen. 1830 wurde Gibraltar britische Kronkolonie. Eine interessante Geschichte und bis heute Zankapfel zwischen Großbritannien und Spanien.

Gibraltar: Landsport

Mit dem Auto brauchen wir für die gut 20 Kilometer eine halbe Stunde Fahrzeit bis zur spanischen Grenzstadt La Linea de la Conceptión. Um 12 Uhr rollen wir auf einen riesengroßen Parkplatz direkt an der Grenze. Von hier aus sind es noch ein paar Schritte bis zum Kontrollpunkt. Seit dem Brexit gibt es natürlich wieder die klassischen Grenzkontrollen. Das geht aber alles sehr zügig und entspannt vonstatten. Ist schon komisch: Eben noch in Spanien, jetzt in Großbritannien. Und nicht nur das. Nach dem Passieren der Grenze überqueren wir die Landebahn, die zum Flughafen Gibraltar gehört und erreichen die Winston Churchill Avenue, die wiederum zu einem alten Tunnel (Landsport Tunnel) führt, der einmal der einzige Ortszugang von der Landseite aus war. Auch die dicken mit Eisen beschlagenen Tore aus Eichenholz (Landsport) zeugen von der Schutzfunktion. Der Tunnel endet am Casemates Square. Heute ist der Platz umgeben von zahlreichen gastronomischen Einrichtungen aller Art. In einem dieser Freiluftrestaurants lassen wir uns nieder und gönnen uns eine Pause. Die Sonne meint es mehr als gut, also das Trinken nicht vergessen. Von diesem Platz aus führt die Main Street ins Stadtzentrum.

Bei so einem Tagesausflug muss man sich entscheiden, was man unternehmen möchte. Auf unserer Wunschliste steht der Europa Point, die Südspitze von Gibraltar, ganz oben. Hinter dem Parlamentsgebäude am John Mackintosh Square befindet sich die Touristeninformation. Hier bekommen wir die notwenigen Informationen und einen Busfahrplan. Unweit ist auch eine Haltestelle für den Bus Nr. 2, der zum Europa Point fährt. Es fällt sofort auf: Das Areal ist in jüngster Vergangenheit aufwendig neu gestaltet worden. Markant sind der Leuchtturm an der schroffen Küste, eine Moschee, die König Fahd von Saudi-Arabien Mitte der 90er Jahre als Geschenk erbauen ließ, und die im Hintergrund sich erhebenden Affenfelsen. Neu angelegte Wege laden zu kleinen Spaziergängen ein. Von hier aus hat man (bei diesem herrlichen Sommerwetter) einen unverstellten Blick auf die Meeresenge, die Bucht von Algeciras, die gegenüberliegende afrikanische Küste und einen regen Schiffsverkehr.

Zurück geht es wieder mit dem Bus Nr. 2 bis ins Zentrum. Jetzt stehen Fish and Chips auf der Speisekarte, schließlich sind wir in Großbritannien. Rückblickend: Kann man machen, muss man aber nicht. Es ist inzwischen 16:30 Uhr. Das zweite Wunschziel steht noch an: Das Naturschutzgebiet einschließlich des Affenfelsens. Eine Seilbahn (Cable Car) führt auf den Felsen. Die Seilbahn ist nicht das neueste Model, dafür aber nicht ganz billig. Wir bezahlen 33€ für zwei Hin-und Rückfahren. Aber die Auffahrt, wenn sie auch nur 6 Minuten dauert, ist wirklich schön. Die Bergstation liegt auf 384 Meter Höhe; von der Aussichtsplattform schaut man aus 412 Meter (der Felsen ist insgesamt 426 Meter hoch) auf die Meeresenge, Gibraltar und dessen Hafenanlagen. Interessant zu wissen, dass der Felsen wie ein Schweizer Käse durchlöchert ist. Das haben natürliche Höhlen, aber vor allem auch die von Menschenhand geschaffenen Tunnel bewirkt. Immerhin sollen 50 Tunnelkilometer den Felsen durchziehen. Rund um Bergstation tummeln sich die bekannten Berberaffen, eine Makakenart, die frei auf den Felsen lebt. Von hier aus startet auch der Wanderweg (The Skywalk) durch das Naturschutzgebiet. Dafür ist ein Eintrittsgeld von 16€ pro Person zu entrichten. Das kommt für uns schon auf Zeitgründen nicht infrage, ist aber auch so eine befremdliche Art, mit Besuchern umzugehen. Die Seilbahn bringt uns zurück zur Basisstation. Wir laufen den ganzen Weg bis zur Grenzstation zurück. Dort merken wir, dass wir den Rückweg bequem mit dem Bus Nr. 5 hätten fahren können, zumal wir ja ein Tagesticket dafür hatten. Ja, im Nachhinein ist man meist schlauer.

Wir passieren zügig die Grenze und haben noch ein paar Schritte zum Parkplatz. Die Parkgebühr bezahlen (7 Stunden = 17,50€) und zurück geht es in die Ferienwohnung in Sotogrande. In der Nachschau fällt uns beiden auf, dass Gibraltar sich von Spanien nicht nur in der Sprache, Beschriftung, Währung usw. unterscheidet, sondern auch in unserer Gesamtwahrnehmung: Spanien erscheint uns hier viel moderner, ja auch gepflegter; Gibraltar hat eher einen gestrigen, zum Teil auch einen etwas lieblosen Charme.

6. Mai 2022: Ronda

Für uns recht früh um 10:30 Uhr starten wir nach Ronda, die vielgerühmte weiße Stadt, die  hoch oben auf zwei Felsplateaus liegt. Sie hat knapp 34.000 Einwohner. Bekannt ist Ronda ein Teil der Straße der weißen Ortschaften in Andalusien (Ruta de los Pueblos Blancos), durch ihre spektakuläre Lage und eine ebenso spektakuläre Brücke.

Ronda: Almocabar-Tor am Carlos-Platz

Die Hinfahrt entpuppt sich schön als spannend: Immer bergauf die kurvenreiche Gebirgsstraße. Unterwegs machen wir an einem der Aussichtspunkte einen kurzen Stopp und genießen die wundervolle Aussicht. Nach 1,5 Stunden erreichen wir Ronda. Vor uns liegt das größte der ehemaligen Stadttore aus maurischer Zeit, das das Almocabar-Tor (Puerta de Almocabar), das zwei halbrunden Verteidigungstürmen geschützt wurde. Hier befand sich der Haupteingang zur Stadt. Wir parken auf dem Carlos-Platz (Puerta de Carlos) direkt davor und machen uns auf den Weg, Ronda zu erkunden.

Unmittelbar hinter dem Stadttor gelangen wir zur Kirche des Heiligen Geistes (Iglesia del Espiritu Santo), deren Bauwerk wie eine Wehrkirche wirkt. Sie wurde nach dem Sieg des katholischen Heeres über die Mauren Anfang des 16. Jahrhunderts auf den Überresten eines Wehrturmes erbaut. Nach dem Kirchbesuch lassen wir uns vor dem kleinen Kalifen-Café vor der Kirche nieder und gönnen uns eine Imbisspause. Die Sonne meint es gut, zu gut. Es ist brütend heiß. Als Schutz wurden enge, verwinkelte Gassen angelegt und die Häuser weißgetüncht.

 

Durch diese Gassen der Altstadt wandern wir bis zur Neuen Brücke (Puente Nuevo). Auf dem Weg dorthin kommen wir an dem Minarett San Sebastián (Alminar de San Sebastián) des de vorbei. Die drei Stockwerke legen Zeugnis von der bewegten Geschichte Ronda ab: Die beiden untersten wurden in der moslemischen Epoche im 14. Jahrhundert errichtet. Die oberste Etage entstand nach der christlichen Wiedereroberung im späten 15. Jahrhundert. Das einstmalige Minarett wurde zu einem Glockenturm umfunktioniert.

In der Calle Armiñán stoßen wir auf das Museim Lara (Museo Lara), in das wir einen Blick von außen werfen. Schade, aber Tagesausflüge begrenzen die Zeit. Das Museum ist das größte private Museum in Andalusien. Ein Besuch würde sich bestimmt lohnen.

Und da ist sie, die Neue Brücke (Puente Nuevo), die Rondas maurisch geprägte Altstadt (La Ciudad) mit der aus dem 15. Jahrhundert stammenden Neustadt (El Mercadillo) verbindet. Alt- und Neustadt liegen auf benachbarten Bergkuppen, die durch eine ca. 100 Meter tiefe Schlucht (El Tajo) getrennt sind. Die Neue Brücke wurde im 18. Jahrhundert im Zeitraum von 40 Jahren erbaut. Ein grandioses Fotomotiv, das ich mir nicht entgehen lassen kann und versuche, aus möglichst viele Perspektiven im Bild festzuhalten. Die Brücke erscheint majestätisch: Ein steinernes Bauwerk; in der Mitte ein mächtiger Hauptbogen flankiert von zwei Seitenbögen; unter dem Hauptbogen sich ein kleinerer vierter Bogen befindet, durch den der Río Guadalevín fließt und schließlich als Wasserfall ins Tal schießt. Brücke und Schlucht sind das Wahrzeichen Rondas. Von der Brücke hat man zu beiden Seiten einen herrlichen Blick auf das gebirgige Umland. Von hier aus kann man Teile der Stadtmauer und zwei weitere Brücken sehen, die Arabische Brücke (Puente Árabe) als älteste Brücke und die aus Anfang des 17. Jahrhundert stammende Alte Brücke (Puente Viejo).

Wir überqueren die Brücke zur Neustadt und kommen zum Plaza de Espana. Der linke Weg führt zur Touristeninformation und zur Stierkampfarena (Plaza de Toros), die wie die Neue Brücke auch im 18. Jahrhundert erbaut wurde. Sie gilt als eine der ältesten ihrer Art. Hier sollen auch die Regeln für den modernen Stierkampf ausgearbeitet worden sein. Interessierte Besucher können die Arena und ein Stierkampfmuseum besichtigen.

In einem kleinen Park sind bekannte Persönlichkeiten, die Ronda besucht haben bzw. einige Zeit hier gelebt haben, wie Ernest Hemingway und Orson Welles auf Stelen verewigt. Wir kehren in die Altstadt zurück. Hier quäle ich mir noch dem Aussichtspunktweg (Mirador Puente Nuevo de Ronda) hinunter. Was man nicht alles für ein vielversprechendes Foto macht. Lotti sitzt im Schatten und wartet geduldig.

Nach diesem Großeinsatz treten wir den Rückweg zum Parkplatz an. Aber als wir das Stadtmuseum (Museo de Ronda) entdecken, entscheiden wir uns doch für einen kurzen Besuch (Eintritt: 3€). Es befindet sich am Montragon-Platz (Plaza de Mondragón) im Mondragón-Palast (Palacio Mondragón), einem Gebäude aus der maurischen Epoche. In dem geschichtsträchtigen und architektonisch beeindruckenden Anwesen werden historisch-archäologische Sammlungen gezeigt.

Von hier aus erreichen wir einen von hohen Bäumen umgebenen, wunderschönen Platz, den Plaza Duquesa de Parcent mit der Kirche Santa Maria la Major, die im Mittelalter nach dem Sieg über die islamischen Herrscher auf deren Hauptmoschee von Ronda errichtet wurde. Dabei wurde auch hier das Minarett in einen Glockenturm umgewandelt, der zu jeder vollen Stunde ein Glockenspiel erklingen lässt. Die Architektur der Kirche erscheint als eine Mischung aus Gotik, Renaissance und Barock. Lotti schaut sich das Innere der Kirche an. Ich sitze derweilen auf einer Bank im Schatten eines großen Baumes und schaue auf das langgestreckte Rathaus von Ronda. Sowohl die Architektur der Kirche als auch die des Rathauses weisen islamische Bauelemente Elemente (Mudéjar-Stil) auf.

Noch sind es ein paar Schritte bis zum Carlos-Platz, wo unser Auto auf uns wartet. Zwischen Sotogrande und Ronda liegen über 700 Höhenmeter, d.h. jetzt geht es die Serpentinen abwärts. Immer wieder bremsen, bremsen, bremsen. Dann ist es geschafft. Um 18 Uhr sind wir in der Ferienwohnung zurück. Unser letzter Abend in Sotogrande bricht an.

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