Andalusien – Chiclana – Cadiz

7. Mai 2022: Reistag nach Chiclana de la Frontera

Weiter geht die Reise durch Andalusien. Um 11 Uhr ist Schlüsselabgabe. Noch einmal fahren wir in die Bucht, um einen letzten Blick auf die Marina zu werfen. Dann geht es ohne Unterbrechung nach Chiclana de la Frontera, unserem vorletzten Quartier. Die Stadt mit gut 83.000 Einwohnern ist heutzutage ein beliebter Ferienort. Ein Grund dafür sind die die außergewöhnlichen Strände an der Costa de la Luz (Küste des Lichts) und natürlich das sonnige Wetter. In Chiclana de la Frontera endet auch die berühmte andalusische Weinroute „Ruta del Vino“.

Im Zentrum der historischen Altstadt befinden sich die Pfarrkirche San Juan Bautista mit Uhrturm und die Wallfahrtskirche Santa Ana. Außerdem können ein Stadt-, Stierkampf- und Puppenmuseum besucht werden. Natürlich fehlen auch die Weinkellereien und Bodegas nicht, in denen vor allem der berühmte Sherry (viele unterschiedliche Arten) und Rioja-Weine angeboten werden.

Wir wohnen in einem Bungalow etwa 7 Kilometer von der historischen Siedlung Sancti Petri entfernt. Hier stehen Villen, Einfamilienhäuser und eben Bungalows dicht an dicht. Wir haben zunächst einige Mühe, die Zufahrt in das Bungalowareal (Camino de la Higuera) zu finden. Aber dann geht alles ganz schnell. Der Nachbar hat die Schlüssel, kurze Einweisung und wir betreten unsere neue Unterkunft. Alles viel kleiner und bescheidener als in Sotogrande, aber relativ neu, sauber, mit großer Terrasse und kleinem Pool. Den muss man sich allerdings mit den Bewohnern eines zweiten Bungalows, der ebenfalls auf dem Grundstück steht, teilen. Letztlich kein Problem, da wir den Pool gar nicht genutzt haben.

Am Nachmittag suchen wir den Strand auf. Das Auto kann man hinter dem Dünenstreifen problemlos parken – ist ja auch noch keine Hauptsaison. Wir schauen hier, wir schauen da und gönnen uns erst einmal ein Eis. Es ist unglaublich heiß, da kommt diese kleine Abkühlung gerade recht. Unter uns liegt der lange Strand Playa de la Barrosa, ein langer und breiter Sandstrand, der goldgelb in der Sonne glänzt. Dahinter das blaue Meer, das auch in der grellen Sonne funkelt und glitzert. Es sind einige Leute am Strand, wenige baden. Das ist kein touristisch vermarkteter Strand. Hier stehen nicht Sonnenschirme und Liegen in Reih und Glied. Es gibt aber die Möglichkeit, einen Sonnenschutz und allerlei Bade- und Strandzubehör auszuleihen, auch einige Restaurants und Imbissstände sind vorhanden.

Wir spazieren den Strand entlang. Was für ein Abenteuer. Die dunklen, scharfkantigen Gebilde, die im flachen Wasser bzw. am Strand liegen, erweisen sich als abgestorbene Korallenriffe. In den Löchern dieser bizarren Formen ist das Wasser angenehm warm. Überall findet man die Schalen von Muscheln, Meeresschnecken und Tintenfischen. Ein Sammlerparadies. Die Überbleibsel dieser Schalentiere stecken auch im rotbrauen Sandstein der Steilküste. Und das in Mengen. Lotti zeigt mir einen besonderen Fund, ein Rückenschild des Tintenfischs (Sepia). Das kalkhaltige Teil ist ca. 15 Zentimeter lang, 5 Zentimeter breit und sehr leicht. Seine Oberfläche ist fast weiß und fühlt sich glatt an. Lotti entdeckt auch die kleinen etwa 6 Zentimeter langen Fische, die von den Wellen auf den Strand geworfen werden und dort verenden.

Auf dem Rückweg zum Bungalow machen wir noch einen Stopp an einem Supermarkt. Ein Großeinkauf ist nötig. Dann lassen wir den Tag auf der Veranda mit einem Glas Wein und einem leckeren Essen ausklingen.

8. Mai 2022: Ausflug nach Cadiz

Chiclana de la Frontera liegt nur ca. 25 km von Cádiz entfernt. Da drängt sich ein Abstecher in die Stadt förmlich auf. Cadiz ist eine Hafenstadt mit ca. 116.000 Einwohnern. Sie liegt auf einer Landzunge, die in den gleichnamigen Golf reicht. Neben der historischen Altstadt hat sich eine moderne von Hochhäusern geprägte Neustadt entwickelt. Diesen Kontrast sehen wir auch, als wir uns mit dem Auto Cadiz nähern. Wir fahren über die Landzunge auf Cadiz zu. In der Tat, die Stadt ist fast allseitig vom Atlantik umschlossen.

Zunächst suchen wir die Autovermietung Enterprise, wo wir am 10. Mai das Auto zurückgegeben müssen. Das dauert eine Weile, da die Station etwas außerhalb am Übergang zur Landzunge liegt. Aber nun wissen wir Bescheid. Das erleichtert die Abgabe.

Bahnhof von Cadiz

Wir fahren zurück zum Bahnhof, den wir schon vorher entdeckt hatten. Nach der Autoabgabe wollen wir am 10. Mai mit dem Zug nach Madrid fahren und dafür jetzt die Fahrkarten kaufen. In Spanien werden zumindest für die Fernzüge nur so viele Fahrkarten (mit Sitzplatzbindung) verkauft wie Sitzplätze vorhanden sind. An sich eine sehr lobenswerte Vorgehensweise, nur für unseren speziellen Fall äußerst betrüblich. Es gibt nur noch Tickets für den Spätzug (99€). Alle anderen Züge sind ausgebucht. Wir könnten auch mit einem Reisebus für 35€ fahren. Diese Fahrt dauert allerdings 8 Stunden, auch kein Vergnügen. Also kaufen wir die Fahrkarten für den Spätzug und halten die Erfahrung fest, in einer ähnlichen Situation rechtzeitig zu handeln. Auf unsere Frage nach Schließfächern ernten wir nur ein Schulterzucken. Überhaupt sieht es mit Informationen am Hauptbahnhof (!) ziemlich trübe aus.

Zurück in der Altstadt parken wir in einer Tiefgarage (12,50€). Das ist bei den heißen Temperaturen eine glückliche Lösung. Nun steht einem Stadtbummel nichts mehr im Wege. Vorbei an der Markthalle am Plaza Libertad, in der und sie herum ein emsiges Treiben herrscht, kommen wir zum Plaza de la Catedral. Hier erhebt sich die imposante Kathedrale Santa Cruz sobre el Mar (Kathedrale zum Heiligen Kreuz über dem Meer), die im 18. Jahrhundert geweiht wurde. Diese schauen wir uns auch von innen an. In dem hellen, großzügigen Innenraum, indem es übrigens angenehm kühl ist, befinden sich zahlreiche Gemälde und Skulpturen und weitere Schmuckelemente, wie es in einer katholischen Kirche auch zu erwarten ist.

Kreuzfahrtterminal von Cadiz

Am Plaza de la Catedral gibt es eine Reihe von Restaurants und Cafés. Hier machen wir, leicht ermattet, eine Pause und gönnen uns ein leckeres Eis. Dann bummeln wir weiter und staunen nicht schlecht, als wir ein großes Kreuzfahrtschiff sehen, das den Eindruck vermittelt, als ob es mit seinem Bug in die Stadt hineinragt. Wir sind also am Kreuzfahrtterminal angelangt. Hier befindet sich auch die Touristeninformation, wo wir erfahren, dass es am Busbahnhof (gleich hinter dem Fernbahnhof gelegen) Schließfächer gibt. Das erkunden wir sofort, hat es doch grundlegende Bedeutung für unseren Abreisetag. Es gibt große (5€) und kleinere (3€) Fächer für jeweils 24 Stunden. Das passt.

Auf dem Rückweg in die Stadt passieren wir das Landtor (Puerta de Tierra) der historischen Befestigungsanlage und laufen auf der Campo del Sur in die Altstadt. Hier befindet sich die Ausgrabungsstätte eines antiken römischen Theaters. In den engen Altstadtgassen ist es kühler als auf den breiten Magistralen und der Uferpromenade. Wir wandern immer der Nase nach. Am Plaza Fragela treffen wir auf das Große Theater (Gran Teatro).

Unweit davon liegt der Park Genoves am Ende der Altstadt. Ein sehr schöner Park mit typisch mediterraner Bepflanzung und einem unverstellten Blick auf die Bucht von Cadiz am Atlantik.

Der Rückweg führt uns wieder durch die schönen Altstadtgassen bis zum Rathausplatz. Hier finden wir in einer der vielen Gaststätten unter Palmen einen Platz für ein gutes Abendessen.

9. Mai 2022: Sancti Petri am Atlantik

Heute ist ein Ruhe- und Badetag geplant. Der Vormittag wird für Einkäufe genutzt. Nach dem Essen sitzen wir auf der Terrasse, lesen und erzählen und dösen. Erst am Nachmittag machen wir uns zu einer kleinen Erkundungstour nach Sancti Petri auf. Von unserem Ferienbungalow ist das ehemalige Fischerdorf etwa 5 Kilometer entfernt. Früher hatten sich die Fischer vor allem auf den Fang von Tunfischen spezialisiert. Das ist Geschichte. Heute gibt es hier einen kleinen Yachthafen. Touristen kommen hierher, um mit einem der Ausflugsboote zu der in Sichtweite liegenden Insel zu schippern.

nsel mit Festung Sancti Pet

Diese Insel ist uns schon bei unserem ersten Strandspaziergang aufgefallen. Sie liegt ca. 1,5 Kilometer von der Küste entfernt im Atlantik. Auf ihr wurde die Festung Sancti Petri erbaut. Dazu gibt es eine interessante Legende: Es geht um Herkules, dem mythischen griechischen Helden, der einst dank seiner übernatürlichen Kräfte Europa von Afrika getrennt haben soll. Auf der kleinen Insel könnte der von den Römern geweihte berühmte Herkulestempel (Herakleion Tempel) gewesen sein.

In der Nähe (Novo Sancti Petri) gibt es eine Reihe von Golfplätzen. Das nur nebenbei. Zurzeit setzen auch keine Boote zur Insel rüber. Für uns ist der 20 Meter breite Strand (Playa de la Barrosa) das Beeindruckende. Goldgelber feiner Sand und blaues Meer. Alles gut erschlossen mit festen Holzkonstruktionen als Zugänge für Bade- und Sonnenfreunde und Türmen für über sie wachende Rettungsschwimmer. Aber noch ist keine Saison. Nur vereinzelt sind Leute am Stand anzutreffen; meistens Spaziergänger wie wir. Es ist wieder ein sehr heißer Tag und so nehmen wir kurzerhand ein Bad im Atlantik. Ein Handtuch wird nicht gebraucht. Das erledigt die Sonne. Im Nu sind Badeanzug und Körper wieder trocken.

Das Abendessen nehmen wir auf der schönen Veranda ein. Um 21 Uhr geht es noch einmal an den Strand, um den viel gepriesenen Sonnenuntergang zu fotografieren. Und es ist wirklich ein sehenswertes Schauspiel, wie die Sonne als rotglühender Ball langsam im Meer versinkt. Da stößt die Handy-Kamera wieder einmal an ihre Grenzen.

10. Mai 2022: Von Cadiz nach Madrid

Heute verabschieden wir uns von Andalusien. Am Abend werden wir mit dem Zug nach Madrid fahren. Aber noch haben wir gut einen halben Tag in Cadiz und den wollen wir nutzen. Um 11 Uhr geben wir die Schlüssel für den Bungalow zurück und fahren mit dem Auto nach Cadiz zum Busbahnhof. Aufgrund unserer vorgestrigen Erkundungen sind wir gut vorbereitet. Am Busbahnhof schließen wir das Gepäck ein und starten die letzte Fahrt mit dem Mietauto, das immer treue Dienste geleistet hat, zu der am Stadtrand gelegenen Enterprise-Station. Die Rückgabe geht relativ schnell und vor  allem problemlos über die Bühne. Ein Stadtbus bringt uns in das Altstadtzentrum von Cadiz zurück.

Cádiz ist mit über 3000 Jahren eine der ältesten Städte Westeuropas, die der Legende nach von dem griechischen Halbgott Herkules gegründet wurde. So kann man im Stadtwappen lesen: „Hercules Fundator Gadium Dominatorque“ (Herkules, Gründer und Herrscher von Cádiz). Cadiz ist von Geschichte und Mythologie durchwoben.

Am Hafen verlassen wir den Bus und spazieren an den Hafenanlagen entlang. Es ist wieder ein sehr heißer Tag. Am Spanischen Platz (Plaza de Espana) ragt das Verfassungsdenkmal in die Höhe. Am Ende der Halbinsel stoßen wir auf Überreste der ehemaligen Festungsanlage. Von hier aus kann man wunderbar auf der Festungsmauer bis zum Genovèrpark spazieren, wo schattenspendende Bäume das Laufen erträglicher machen. Dieser Park ist heute mit über 100 Baumarten, darunter vielen Palmen und Zypressen, weiteren mediterranen Pflanzen, Blumenbeeten, Pergolen, Springbrunnen, Bänken und einer Freilichtbühne der Botanische Garten der Stadt.

Wenn man den Weg weiter folgen würde, käme man zur Festung Santa Catalina. Dahinter öffnet sich eine große Bucht mit dem Altstadtstrand (Plage de la Calatea). Es ist ein feiner Sandstrand. Hier tummeln sich bei diesen Temperaturen viele Badegäste.

Lotti möchte eine Rundfahrt mit dem Sightseeing-Bus machen, ich möchte lieber noch etwas laufen. So trennen sich bis 16 Uhr unsere Wege. Um diese Zeit wollen wir uns auf dem Platz vor dem Rathaus treffen. Bei meinem Spaziergang lande ich in einem Universitätsgebäude. Auch nicht schlecht (und schön kühl). Der Rückweg ist noch einmal ein Schlendern durch die reizvollen Gassen der Altstadt.

Cadiz: Denkmal für die Flamenco-Sängerin Antonia Gilibert Vargas

Es bleibt noch Zeit, so dass ich in dem Fischrestaurant Nino‘s Columela in Ruhe gut speisen kann: Dorade auf Gemüse. Allerdings muss der Gast eine gehörige Portion Geduld mitbringen. Es dauert seine Zeit bis serviert wird.

Pünktlich um 16 Uhr sind wir am vereinbarten Treffpunkt. Noch eine kurze Pause bei einer Tasse Kaffee. Dann geht es in Richtung Bahnhof. Wir kommen an der Kirche Santo Domingo, einer ehemaligen Klosterkirche, vorbei. Davor steht ein Denkmal für Antonia Gilibert Vargas (1924-1975), einer aus Cadiz stammenden spanischen Flamencosängerin mit dem Künstlernamen „Perle von Cadiz“.

Zum Bahnhof ist es nicht weit. Aber wir müssen auch noch unsere Koffer aus den Schließfächern am Busbahnhof holen, der sich hinter Bahnhof befindet. Leider gibt es keine direkte Verbindung. Man muss eine Überführungsbrücke nutzen. Aber es gibt einen Fahrstuhl. Nach den Bauarbeiten, die hier im Gange sind, wird der wechselseitige Zugang sicher komfortabler gelöst sein.

Auf dem Bahnhof von Cadiz – Zug nach Madrid

Der Zug fährt ein. Einsteigen in den richtigen Waggon. Jeder Passagier hat einen festen Platz. Stehplätze gibt es nicht. Deshalb können Zügen auch ausgebucht sein. 18:10 Uhr, pünktlich verlässt der spanische Intercity Cadiz und pünktlich erreicht er um 22:22 Uhr den Bahnhof Madrid-Atocha. Mit einem Taxi fahren lassen wir uns zu unserer Ferienwohnung am Plaza de la Beata Maria Ana de Jesus bringen. Trotz fortgeschrittener Stunde ist auch hier die Schlüsselübergabe kein Problem. Wir haben unser letztes Quartier erreicht.

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