Costa Blanca – Alicante

28. April 2022: Von Valencia über Albufera nach Alicante (Benidorm)

Die Weiterreise ist durch unseren gestrigen Erkundungsgang zur Autovermietung gut vorbereitet. Doch zunächst wollen wir uns noch die außergewöhnliche Markthalle Valencias anschauen und natürlich noch etwas einkaufen. Ein gewisser Proviant ist nötig, haben wir doch ab jetzt Ferienwohnungen gebucht.

Am späten Vormittag fahren wir mit der Metro Linie 5 von Colon nach Jesus. Von hier aus sind es nur noch ein paar Schritte bis zur Autovermietung Enterprise. Es dauert allerdings noch eine gute Stunde bis wir mit unserem Citroën C3 starten können. Lotti muss noch das Navi und die Gebühr für den Zweitfahrer vor Ort zahlen. Ich muss mich beim Fahren sehr konzentrieren. Seit längerer Zeit steuere ich wieder ein Schaltauto. Das linke Bein ist ein wenig faul geworden und muss immer wieder mal erinnert werden: Es gibt etwas zu tun.

Restaurant L’Illa in El Palmar

Unser erstes Ziel ist das 10 Kilometer von Valencia entfernte Albufera. Es handelt sich um einen Naturpark in einem Feuchtgebiet, der von Reisfeldern und einem mediterranen Küstenwald umgeben ist. Der mittendrin gelegene größte Süßwassersee Spaniens gibt dem Gebiert seinen Namen: La Albufera. Gern hätten wir die Flamingos gesehen, die hier überwintern. Aber das ist dazu die falsche Jahreszeit. Jetzt sind wir auf der Suche, wo sich ein zentraler Eingang zum Park befindet. El Palmar ist eher ein kleines Fischerdorf, hat aber sehr gute Lokalitäten. Im Restaurant L’Illa genießen wir ein vorzügliches Mittagessen. Hier erhalten wir auch die freundliche Auskunft, wo sich die Parkplätze befinden, von denen aus die Wanderwege ausgewiesen sind. Es gibt sechs ausgeschilderten Routen im Naturpark. Einer der Parkplätze ist nach diesen Hinweisen schnell gefunden. Unsere Wanderung durch das Feuchtgebiet – Mücken fühlen sich hier sehr wohl – führt ans Mittelmeer. Es ist windig, keine Mücken mehr. In der Ferne sind der Hafen von Valencia und die Silhouette der Stadt der Künste und der Wissenschaften (CAC) auszumachen.

Noch ein paar Muscheln sammeln, dann geht es zurück zum Parkplatz und ohne weiteren Stopp nach Benidorm, einer Stadt an der Costa Blanca in der Provinz Alicante. Die Beinamen von Benidorm ersparen eine nähere Beschreibung. Sie sprechen für sich: „Touristische Hauptstadt der Costa Blanca“ oder „Manhattan der Costa Blanca“. Und das Versprechen wird erfüllt: Unzählige Hochhäuser, moderne, abwechslungsreiche Architektur, ausgebaute Straßen, Parks, Pools, bequeme Einkaufsmöglichkeiten, Sportanlagen, Restaurants, Cafés, Bars – abendliches Entertainment und Zugang zum Strand.

Unsere Ferienwohnung befindet sich in Villajoyousa, Carrer Xaloc 5, in einem dieser Hochhäuser. Wir werden schon erwartet. Die Übergabe erfolgt schnell und unkompliziert. Das Auto parken wir in einer Tiefgarage. Dort steht es warm und sicher. Dann geht es mit dem Lift in die 8. Etage. Wir stehen in unserer ersten Ferienwohnung: Großer Wohnbereich, 2 Schlafzimmer, 2 Bäder, 2 Balkons, Küche und Flur sowie ein Schwimmbad. Alles voll ausgestattet. Vom 8. Stock haben wir einen guten Blick auf das Mittelmeer. Unsere Einkäufe aus der Markhalle in Valencia sind lecker, aber sie reichen natürlich nicht. Ein kleiner Spaziergang von gut 5 Minuten führt zu einem bestens ausgestatteten Supermarkt, zu einem Consum. Die Welt ist klein. Mit unseren Einkäufen zotteln wir zurück und machen uns ein üppiges Abendbrot auf dem Balkon.

29. April 2022:
Ausflug nach Las Fuentes del Algar und Castell de Guadalest

Was wird der heutige Tag bringen? Wir haben zwei Ausflugsziele ausgesucht. Nach einem zeitlich ausgedehnten Frühstück starten wir zu dem 15 Kilometer entfernt gelegenen Las Fuentes del Algar (Algar-Quellen), einer geschützten Feuchtzonenlandschaft. Anfahrt und Parken (5€/Tag) sind kein Problem, noch ein paar Schritte bergauf und wir stehen vor dem Zugang (ermäßigter Eintritt: 3€) zu einem 1,5 Kilometer langen Rundwanderweg entlang des Flusses Algar. Der Name ist arabischen Ursprung und bedeutet „Höhle“. Zunächst geht es über eine Treppe bergauf (festes Schuhwerk ist empfehlenswert). Aus den Kalksteinbergen sprudeln Quellen, die in die Algar fließen, die sich kraftvoll ins Tal stürzt. Auf dem Rundweg kann man mehrere Wasserfälle bestaunen. Viele attraktive Fotomotive! In den Becken vor den Wasserfällen kommt das Wasser zur Ruhe. Hier kann eine Rast eingelegt und einfach die Natur genossen werden. Einige Touristen gönnen sich in dem kühlen, kristallklaren Wasser ein „Kneipp-Bad“ (Badeschuhe sind empfehlenswert). In Picknickbereichen kann man sich mit mitgebrachtem Essen an der frischen Luft und mitten in der Natur stärken.

Im näheren Umfeld des Ausflugsziels gibt es mehrere Gaststätten und kleinere Läden vor allem mit Obst und Souvenirs. Unter anderem wird eine – uns unbekannte – gelbe, einer Pflaume ähnelnden Frucht angeboten: Nispero. Lotti möchte sie unbedingt kosten und mehr über sie erfahren. Dank Internet wissen wir nun: Nisperos stammen ursprünglich aus Asien (China). Es sind Früchte, die im Bündel an einem immergrünen Baum hängen. Reife Nisperos schmecken süßlich. Sie enthalten reichlich Vitamin C- und Vitamin A, sind also gesund. In Spanien wachsen sie vor allem an der Costa Blanca, sodass wir uns nicht wundern müssen, überall auf diese Obstbäume zu stoßen.

Von Las Fuentes del Algar fahren wir weiter nach Castell de Guadalest, einem kleinen Ort mit kaum mehr als 200 Einwohnern, die sich auf zwei Ebenen angesiedelt haben. Das Dorf ist auf Besucher eingestellt. Davon zeugen schon ein ausgedehntes Netz an Parkplätzen, eine Touristeninformation, mehrere Souvenir- und Kunsthandwerksläden, Restaurants, Cafés und eine öffentliche Toilette – wohlbemerkt bei einem Dorf  mit ca. 200 Einwohnern. Außerdem laden das Museum der Salz-und Pfefferstreuer, ein Folder-Museum sowie ein Krippen- und Puppenmuseum zu einem Besuch ein.

Zum oberen Ortsteil, der Unterburg, führt ein längerer Aufstieg, an dessen Ende es durch einen in den Felsen gehauenen Tunnel geht. Hier gibt es jede Menge zu entdecken: Neben Shops und einer kleinen Gemeindekirche Mariä Himmelfahrt gibt es ein Miniaturmuseum, ein ethnologisches Museum, in dem ein typisches Haus aus dem 18. Jahrhundert nachgestaltet ist, und am Plaza de San Gregorio das Rathaus mit mittelalterlichem Verlies. Von hier aus hat einen herrlichen Blick auf die umgebenden Gebirgszüge Aixorta, Serella und Aitana sowie den im Tal fließenden Rio Guadalest, der hier zu einem Stausee angestaut wurde.

 

Ein wichtiges Gebäude darf nicht in der Aufzählung fehlen: Das Orduna Haus (Casa Orduna) aus dem 17. Jahrhundert und  jahrhundertelang adliger Familiensitz; heute ein orts- und kulturgeschichtliches Museum. Hier sieht man wie adlige Familien zu jener Zeit eingerichtet waren. Davon zeugen Anzahl und Funktion der Räume, entsprechende Möbel, Dekorationen, Gemälde, Fotografien. Von diesem Haus aus (Eintritt 4€) gelangt man zur Ruine der Burg San José: Linksseitig stehen noch Reste der ehemaligen muslimischen Festung La Alcozaiba aus dem 11. Jahrhundert.

Stausee des Rio Guadelest

Mit einem Blick von der Staumauer aus auf den in der Sonne glitzernden Stausee, dem wir durch einen ungewollten Umweg doch noch einen Besuch abstatten, verabschieden wir uns von der geschichtsträchtigen und mit einer reizvollen Natur gesegneten Gegend (viele Wanderwege!) und kehren nach Benidorm in unsere Ferienwohnung zurück.

30. April 2022: Ausflug nach Sella – Wandertag

Der heutige Tag ist ein Wandertag. Wir haben die Karte bemüht, um eine für uns passende Wanderoute ausfindig zu machen. Die Gegend um Sella erscheint uns dafür als geeignet. Je nach Route beträgt die Entfernung zwischen 20 und 30 Kilometer. Wir planen wegen des teilweise bergigen Profils eine gute halbe Stunde Fahrzeit ein.  

Sella – Bergdorf in der Sierra de Aitana

Sella ist eine Gemeinde in der Sierra de Aitana mit weniger als 600 Einwohnern. Auf einem Berggipfel oberhalb des Ortes stehen Reste der Burg Santa Barbara. Soweit hoch schaffen wir es nicht. Wir parken unser Auto an der Ausfahrtsstraße nahe dem Fluss Sella (Rio Sella), tauschen die Sandalen gegen feste Wanderschuhe (sehr empfehlenswert, wenn man die Absicht hat, hier eine Wanderung zu unternehmen) und machen uns auf den Weg zum Ortszentrum. Eine offensichtlich restaurierte „Wasseranlage“ erregt Lottis Aufmerksamkeit. Was das wohl einmal gewesen sein mag? Wir kommen mit unseren Vermutungen der Wahrheit recht nahe: Es handelt sich um eine traditionelle Waschstelle des Dorfes (lavadero).

Sella erweist sich als ein wahres Bergdorf – enge, sich an den Berghang schmiegende Gassen, die fast immer entweder relativ steil hinauf- oder hinunterführen. Eine Kirche markiert den Mittelpunkt des Ortes, davor ein kleiner Marktplatz mit Brunnen und Touristeninformation, die allerdings während unseres Aufenthalts geschlossen ist. Aber eine Karte in einem Aushang verrät: Hier beginnen verschiedene Wanderrouten durch die umliegende Gebirgsregion.

Wir entscheiden uns für die Grüne Route, den „Wasserweg“: La Ruta del Aqua. Es handelt sich um einen ca. 8 Kilometer langen Rundweg, dessen Feld- oder Schotterwege bzw. Straßen abwechselnd mal bergan, mal bergab führen und zu ein paar kleinen Klettereinlagen herausfordern. Die Ausschilderung ist nicht mehr die neueste, sodass man einige Mühe hat, die Richtungspfeile zu entdecken bzw. gar die Informationen über das jeweilige Wasser zu lesen. Diese sind ohnehin nur in Spanisch verfasst (Englisch ist eine außerordentliche Rarität und das nicht nur an diesem Ort unserer Reise). Die Route verlangt uns als Gelegenheitswanderer schon Einiges ab. Aber die Berglandschaft mit Bäumen, darunter viele  Mandel- und Olivenbäume, bunten Wiesen und steil abfallenden Berghängen, sprudelnden Bächen und Quellen, überall Bewässerungskanäle und nicht zuletzt eine sanfte Ruhe über allem (man trifft kaum andere Wanderer) verzaubert und entschädigt für die Mühen.

Unsere Wanderung dauert 3,5 Stunden. Möglicherweise ist das auch dem einen oder anderem (unfreiwilligem) Umweg geschuldet. Jetzt sind die Beine schwer. Wie dem auch sein, es war ein anstrengendes, aber sehr erfüllendes Erlebnis. In Sella direkt am Markt machen wir in einem Restaurant eine Pause. Tische und Stühle stehen auf der Straße. Erst einmal etwas trinken und ausruhen. Bis zum Auto ist es bestimmt noch ein Kilometer. Wieder Schuhe wechseln.

Strand von Altera

Es geht noch nicht zurück zur Ferienwohnung in Benidorm. Lotti verfolgt hartnäckig eine besondere Idee: Abendessen in Altera in einer Strandgaststätte; Blick auf das grenzenlose Wasser, im Hintergrund die untergehende Sonne. Und so kommt es. In einer der Gaststätten an der Strandpromenade im roten Schein der langsam sinkenden Sonne lassen wir uns ein köstliches Fischgericht schmecken. Es war eine gute Idee.

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