Urlaub am Bodensee

7. August 2020

Unser heutiger Plan führt über den Bodensee nach Konstanz. Dazu machen wir uns nach dem Frühstück, das wir auf dem wunderbar großen Balkon in der Morgensonnen eingenommen haben, auf den Weg nach Meersburg. Das sind gut 20 Kilometer vorbei an unzähligen Apfelplantagen und Weinbergen.

Auf der Suche nach einem Parkplatz durchqueren wir Meersburg und fahren an einer sofort ins Auge fallenden Burg vorbei, die hoch auf einem Berg über der Stadt thront. Hier stoßen wir auf einen großen Parkplatz. Das erste Problem wäre damit gelöst. Nun geht es zum Hafen, um die Abfahrtszeiten der Fähre nach Konstanz zu erkunden.

Meersburg präsentiert sich als eine sehr idyllische Stadt mit bunten, lebendige Gassen, barocken Gebäuden, einer ausgedehnten Uferpromenade, der schon erwähnten Burg, auch ein Schloss soll es geben; kurzum Wegweiser zeigen auf eine Reihe interessanter Sehenswürdigkeiten nicht zuletzt auf das vineum bodensee, einem vielgelobten Weinmuseum. Wanderrouten, Fahrradtouren, Bootfahren, Badespaß in der Therme. Dem Touristen wird einiges geboten. Am Hafen zieht eine Säule nicht nur meine Aufmerksamkeit auf sich. Die Magische Säule, bestückt mit Stadtprominenz, wurde 2007 von den Bildhauer Peter Lenk geschaffen.

Um 11 Uhr legt die Fähre nach Konstanz ab. Eine Hin- und Rückfahrt kostet für einen Erwachsenen 12,80€. Schnell ein schattiges Plätzchen suchen. Sonnenschein pur. Der Bodensee ist ein langgestreckter See mit einer Wasseroberfläche von 536 Quadratkilometer, der sich aus dem kleineren Untersee, dem ausgedehnten Obersee und den beide Teile verbindenden Rheindurchfluss besteht. Von den 273 Kilometer Uferlänge liegen 173 Kilometer in Deutschland, 90% davon in Baden-Württemberg.

Fähre Meersburg – Konstanz

Die Fähre macht einen kurzen Stopp an der Blumeninsel Mainau (hier sind offensichtlich umfangreiche Bauarbeiten im Gange), ehe sie nach ca. einer Stunde Fahrt in den Konstanzer Hafen einläuft. Schon von weitem grüßt das Wahrzeichen der größten Stadt am Bodensee, die Imperia. Die 9 Meter hohe Frauenstatue aus Beton dreht sich innerhalb von 4 Minuten einmal um ihre eigene Achse. Sie wurde 1993 aufgestellt, ist also relativ jung. Der Bildhauer Peter Lenk hat mit ihr eine deftige satirische Erinnerung an das in den Jahren 1414 bis 1418 in Konstanz einberufene Konzil geschaffen. Zu jener Zeit gab es drei Päpste, die den Anspruch erhoben, Oberhaupt der Christenheit zu sein: Papst Gregor XII. in Rom, Papst Benedikt XIII. in Avignon und Papst Johannes XXIII. in Bologna. Es sollte ein neuer, von allen anerkannter Papst gewählt werden, um eine Spaltung der katholischen Kirche zu verhindern. Das Gebäude, in dem die Kardinäle zum Konklave eingeschlossen waren, ist erhalten. Einst ein Waren- und Kaufhaus nahe am Hafen, wurde es kurzerhand für diese Mammutveranstaltung umgerüstet. Die Konzilversammlung selbst tagte im Konstanzer Münster, heute auch ein Wahrzeichen der Stadt. Das ist unser nächstes Ziel. Schon von weitem ist ihr 72 Meter hoher Turm sichtbar. Wenn nicht Corona wäre, ja wenn …, dann könnte man über 192 Stufen den Turm besteigen und hätte auf der Aussichtsplattform einen wunderbaren Rundumblick über Konstanz und den Bodensee.

Nach der Besichtigung des Münsters suchen wir uns in einer der Gaststätten ein schattiges Plätzchen und bestellen eine kühle Erfrischung. Es gibt eine Menge Informationen: In Konstanz wurde vor 600 Jahren nicht nur darüber gestritten, wer der neue Papst sein sollte. Die aufkommende Reformation wurde mit aller Macht bekämpft. So verurteilte das Konzil die böhmischen Reformatoren Jan Hus und Hieronymus von Prag als Ketzer zum Tod auf den Scheiterhaufen. Hus wurde am 6. Juli 1415, Hieronymus am 30. Mai 1416 bei lebendigem Leib in Konstanz verbrannt.

Vom Münsterplatz spazieren wir durch die historische Altstadt in Richtung Hussenstraße, wo sich am Schnetztor das Hus-Museum befinden soll. Es geht ganz gemütlich voran, mal links, mal rechts ein Abstecher, die beeindruckenden Fassaden der Bürgerhäusern bewundert, in verschiedene Geschäfte geschaut, ein Eis gegessen, den Kaiserbrunnen mit dem dreiköpfigen Pfau, der zu Zeiten des Konzils die von drei Päpsten regierte Kirche symbolisiert, umrundet, die Lutherkirche entdeckt und auf dem Weg dorthin einen Gedenkstein. Hier sollen Hus und Hieronymus auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden sein.

Ich bin froh, dass ich trotz der fortgeschrittenen Zeit noch einen Rundgang durch das Hus-Museum machen kann. Hier werden das Leben und der gewaltsame Tod des Reformators dargestellt und damit auch ein Stück Geschichte der Stadt Konstanz. Lotti schlendert derweil durch die Stadt. Wir treffen uns am Stadtgarten kurz vor dem Hafen. Auf einer hohen Säule schaut Graf Zeppelin (1838-1917), der Erfinder der Luftschiffe, auf das bunte Treiben.

Um 18:25 legt unsere Fähre nach Meersburg pünktlich ab. Pünktlich, das hätte ich nicht gedacht. Als wir ankommen, wartet schon eine in der Tat riesige Menschenschlange: Alle wollen an Bord. Aber das geht trotz Corona-Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen erstaunlich unkompliziert und schnell. Nach einer halben Stunde sind wir wieder in Meersburg.

Ein unglaublich schöner Abend. Wir würden gern direkt an der Uferpromenade den Tag mit einem Abendessen ausklingen lassen. Restaurants gibt es genug, aber auch Menschen, die die wohl gleiche Idee haben wie wir. Alle Tische sind vergeben. Manchmal braucht man einfach Glück: In der Gaststätte des Hotels Zum Schiff finden einen freien Tisch direkt an der Uferbalustrade. Zweimal Felchen, eine Fischspezialität des Bodensees, dazu für jeden ein Bier (eines alkoholfrei). Herrlich!

8. August 2020

Dornier-Museum in Friedrichshafen

Heute geht es zum Flughafen Friedrichshafen. Nein, wir wollen nicht abheben, sondern das sich in unmittelbarer Nachbarschaft befindende Dornier-Museum besuchen. Es handelt sich nach eigener Darstellung um das größte Technikmuseum am Bodensee.

Nach 20 Minuten erreichen wir das Museum. Parken vor Ort ist auf dem ausgedehnten Parkplatz kein Problem. Das Museumsgebäude ist einem Hangar nachempfunden. Alles groß, modern und luftig. Wir entscheiden uns für ein Kombiticket Dornier-Museum und Zeppelin-Museum in Friedrichshafen. Der Pauschalpreis von 19€ ist nicht gerade günstig, aber günstiger als die Einzelpreise, wenn man die Absicht hat, sich beide Museen anschauen zu wollen.

Wer war Dornier? Claude Dornier (1884-1969) war ein Flugzeugkonstrukteur und Unternehmer, der im Zeppelinwerk angefangen hatte und die dort von ihm geleitete Abteilung zu einem eigenständigen Flugzeugwerk, die Dornierwerke, entwickelte.

Im Museumshangar sind Flugapparate, Flugzeugtypen und Raumfahrtexponate ausgestellt. Informationstafeln, Videoinstallationen und Filmvorführungen geben einen Einblick in eine 100jährige Luftfahrtgeschichte. Am meisten beeindruckt mich der 1:1 Nachbau des Flugbootes Dornier Wal N25, mit dem der norwegische Polarforscher Roald Amundsen zu einem Erkundungsflug zum Nordpol aufbrach. Was für ein Fluggerät, was für eine Geschichte! Das passt der Leitidee des Museums: Jeder Mensch kann ein Pionier sein!

Nach zwei Stunden Museumsrundgang lassen wir uns auf der Außenterrasse des Museumsrestaurants nieder. Sitzen, Beine ausstrecken, die frische Luft genießen. Dazu ein freier Blick auf das Rollfeld, auf dem gerade eine LAUDA-Maschine landet.

Ein Zeppelin schwebt zur Landung heran

Noch interessanter sind ohne Zweifel die Starts und Landungen eines Zeppelins, der Rundflüge über den Bodensee unternimmt. Das wäre schon etwas, aber eine halbstündige Fahrt mit dem Zeppelin soll 255€ kosten. Wir nehmen es zur Kenntnis. Dafür hat Lotti etwas anderes Interessantes entdeckt: einen Flugsimulator. Hier kosen 15 Minuten Rundflug 6€ und man bekommt noch eine fachkundige Anleitung. Das probieren wir aus. Wenn man das noch gemacht hat (woher auch), merkt man schnell, wie viel Gefühl man braucht, um ein Flugzeug in Balance zu halten, zu starten, zu steuern und zu landen. Sicher, heute verläuft vieles davon elektronisch, aber können muss man es ja trotzdem. Man weiß ja nie!

Zeppelin-Museum direkt am Hafen

Bevor wir nach Friedrichshafen fahren, schauen wir uns noch einige Flugzeuge im Außenbereich an. Hineinklettern und alles in Augenschein nehmen, ist erlaubt. Im Zentrum von Friedrichshafen direkt am Hafen befindet sich das Zeppelin-Museum. Wir bringen das Kombiticket zum Einsatz. Eine Erkundung mit einem Audioguide ist möglich. In diesem Museum ist ein Innenbereich eines Luftschiffes nachgebaut, sodass man eine räumliche Vorstellung davon bekommt. Alles viel, viel größer als im Flugzeug, eher mit einem Kreuzfahrtschiff zu vergleichen. In dem Museumskino wird ein Film über die die Geschichte der Luftschiffe gezeigt, die man natürlich auch auf Informationstafeln nachlesen kann. In Vitrinen sind einzelne Teile von Luftschiffen und Ausstattungsgegenstände ausgestellt. Hier sind wir schneller durch und kommen zu dem Schluss, das Dornier-Museum wäre interessanter. Andererseits ist die Idee, zwei ähnliche Museen an einem Tag zu besuchen sicher auch nicht die beste.

Den Tag schließen wir mit einem ausgedehnten Abendspaziergang auf der Friedrichshafener Seepromenade ab.

9. August 2020

Ein neuer Tag, ein neues Erlebnis. Nach dem Frühstück fahren wir nach Unteruhldingen. Das ist ein Ort am Bodensee nicht weit von Meersburg entfernt. Hier befindet sich mit dem Pfahlbau-Museum  eines der größten archäologischen Freilichtmuseen Europas. Wir freuen uns auf eine Reise in die Stein- und Bronzezeit.

Eingagsgebäude mit ARCHAEORAMA

Der ausgedehnte Parkplatz (P2) ist fast voll besetzt. Endlich finden wir eine Parklücke. Da hatten wohl viele Menschen die gleiche Ausflugsidee. Als nächste Handlung steht der Ticketkauf an. Erwachsene bezahlen 10€. Ein 15 minütiger Fußweg führt direkt zu den Pfahlbauen. Wir stehen an einer bedeutenden historischen Stelle: Fundstellen prähistorischer Pfahlbauten gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Der Rundgangbeginnt normalerweise mit einer Multimediaschau „ARCHAEORAMA“. Man erhält einen Einblick in eine virtuelle Unterwasserwelt und die Arbeit von Taucharchäologen. Aber dieser Teil des Museums ist leider, bedingt durch Corona, geschlossen. Schade!

Am Anfang gehen wir durch einen kleinen Wald am Ufer des Bodensees und gelangen in ein Steinzeitdorf am Strand, wo experimentale Vorführungen zeigen, wie Jagd, Landwirtschaft, Handwerk und Ernährung vor über 1000 Jahren praktiziert worden sind. Von hier aus startet ein 800 Meter langer Rundgang über Holzstege am Ufer des Bodensees zu den Pfahlbaudörfern. Und es gibt viel zu sehen! 23 rekonstruierte Häuser aus der Stein- und Bronzezeit. Das war zwischen ca. 4000 – 850 v. Chr.

In den Häusern und Ställen sind verblüffend lebensnahe Szenen aus dem Familien- und Arbeitsleben der damaligen Zeit nachgestellt. Möbel, Hausrat, Werkzeuge, Kleidung bis hin zu Booten und Tieren. Man bekommt eine anschauliche Vorstellung von dem Alltagsleben der Pfahlbauer. Man sieht wie die einfache Bevölkerung und das Oberhaupt einer Sippe gelebt und welche religiösen Vorstellungen das prähistorische Leben am Ufer des Bodensees prägten.

Nach gut zwei Stunden treten wir den Rückweg an. Wegen einer Staumeldung versuchen wir eine Umfahrung durch die Dörfer. Das bringt aber nicht viel. Baustellen und Umleitungen führen schließlich wieder zurück auf die Hauptstraße.

Abendbrot auf dem Balkon in der Ferienwohnung. Hier könnte man sitzen bleiben und einfach chillen, lesen, träumen. Doch das Wetter lockt zu einem Abendausflug.  Also rein  ins Auto und ab nach Lindau. Die Stadt am Bodensee ist nur 30 Kilometer entfernt und stand ohnehin auf unseren Plan. Ein Spaziergang durch die auf einer Insel liegende Altstadt und das Hafenviertel und dabei den Sonnenuntergang verfolgen. Im Außenbereich einer Hotelgaststätte lassen wir uns nieder und lassen den Tag mit einem Cocktail ausklingen. Um 23:30 Uhr sind wir wieder in der Ferienwohnung zurück.

 

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