Zitadelle Spandau

 

19. Janu­ar 2019

An die­sem Wochen­en­de ist Arvid, mein 8jähriger Enkel, bei mir. Heu­te, am Sonn­abend, wol­len wir zur Zita­del­le in Span­dau fah­ren. Die­se Fes­tung an der Havel kann auf eine lan­ge und beweg­te Geschich­te ver­wei­sen. Das macht neu­gie­rig. Hin­zu kommt das aus­ge­spro­chen ange­neh­me Win­ter­wet­ter, – gefühlt zwar rela­tiv kalt, aber tro­cken und sehr son­nig – das einen aus dem Haus lockt. Weil wir uns immer viel zu erzäh­len haben und weil eine Park­platz­su­che immer ner­vig ist, neh­men wir öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel. Mit einer Tages­kar­te für 7€ kön­nen wir bei­de den gan­zen Tag durch Ber­lin fah­ren.

Los geht es. Erst mit der S1 bis Gesund­brun­nen, umstei­gen in die Ring­bahn 42 bis Jung­fern­hei­de, umstei­gen in die U7, die uns nach Span­dau bis zum Bahn­hof „Zita­del­le“ bringt. Alles geht wie geschmiert. Es sei hier erwähnt; ist ja in Ber­lin nicht immer so.

Zuerst müs­sen wir uns ori­en­tie­ren, denn von der Zita­del­le ist noch nichts zu sehen. Noch ein klei­ner Spa­zier­gang in Rich­tung Span­dau­er Alt­stadt. Dann ste­hen wir vor der Zita­del­le – eine von Was­ser umflos­se­ne Fes­tung. Die Anla­ge wur­de im Stil der Renais­sance im 16. Jahr­hun­dert in 35jähriger Bau­zeit errich­tet. Wir pas­sie­ren die Zug­brü­cke. Rechts erin­nert eine Gedenk­ta­fel an einen Gene­ral­ma­jor von Thü­men. Was es wohl mit dem auf sich hat? 

Zita­del­le Span­dau
Am Juli­us­turm 64,
13599 Ber­lin

Öff­nungs­zei­ten
ganz­jäh­rig
Fr-Mi: 10–17 Uhr
Do: 13–20 Uhr

Ein­tritt
Erwach­se­ne: 4,50€
Kin­der: 2,50
Fami­li­en­kar­te: 10€

Jetzt sind wir mit einem Lage­plan in der Hand auf dem Fes­tungs­ge­län­de, aber bevor die Erkun­dungs­tour star­ten kann, brau­chen wir eine Stär­kung. Der klei­ne Hun­ger hat sich gemel­det. Gut, dass es neben dem Ein­gangs­por­tal eine Gast­stät­te gibt, die Zita­del­len Wirt­schaft. Sehr roman­tisch in einem Ton­nen­ge­wöl­be mit mit­tel­al­ter­li­chen Flair. Wir neh­men im Kamin­raum Platz und erfreu­en uns an einem ech­ten Kamin­feu­er, das nicht nur lus­tig fla­ckert, son­dern auch ange­neh­me Wär­me spen­det. Ein def­ti­ger Linsen­ein­topf ist jetzt genau das Rich­ti­ge.

Die Grund­form der Fes­tung ist qua­dra­tisch ange­legt. An jeder Ecke erstreckt sich pfeil­ar­tig eine Bas­ti­on nach außen.

Das Haupt­por­tal mit der Zug­brü­cke liegt zwi­schen den Bas­tio­nen König und Köni­gin. Gegen­über den Bas­tio­nen König und Kron­prinz befin­det sich der Rave­lin Schwei­ne­kopf (was für eine Name), der den Wall zwi­schen die­sen bei­den Bas­tio­nen schüt­zen soll. Die vier­te Bas­ti­on trägt den Namen Bran­den­burg. Sie ragt in die Havel hin­aus. Aber so weit sind wir noch nicht. Alles der Rei­he nach.

So begin­nen wir unse­re Erkun­dungs­tour im Kom­man­dan­ten­haus, in dem die Geschich­te der Fes­tung anschau­lich doku­men­tiert ist. Ursprüng­lich stand hier die Burg Span­dow, die der ers­te Mark­graf von Bran­den­burg Albrecht der Bär (ca. 1100–1170) errich­ten ließ.

Die Burg hat­te in der Fol­ge­zeit vie­le Haus­her­ren und wur­de mehr­mals umge­baut. Der Juli­us­turm stammt aus der Zeit Kai­ser Karls des IV. (1316–1378). In der Mit­te des 16. Jahr­hun­derts begann man die Burg zu einer Fes­tung aus­zu­bau­en, die mit der Befes­ti­gung Span­daus durch eine Wall­an­la­ge zu einer Zita­del­le wur­de. Geschich­te über Geschich­te: eine ver­hee­ren­de Explo­si­on durch Blitz­ein­schlag, ent­haup­te­te Kam­mer­die­ner und ein­ge­ker­ker­te Ex-Minis­ter. Auch Napo­le­on hat die Zita­del­le besich­tigt. Nach­dem Preu­ßen 1806 die Schlacht bei Jena und Auer­stedt gegen die Napo­leo­ni­schen Trup­pen ver­lo­ren hat­te, über­gab der Kom­man­dant die Span­dau­er Fes­tung kampf­los den Fran­zo­sen.
1813 zwang der Gene­ral­ma­jor August von Thü­men (1757–1826) den fran­zö­si­schen Kom­man­dan­ten nach kur­zer Bela­ge­rung zur Über­ga­be der Fes­tung Span­dau. Das hat es also mit Thü­men auf sich.

Noch ein span­nen­den Detail: Von 1871 bis 1919 wur­den 120 Mil­lio­nen Mark in Gold im Juli­us­turm gela­gert.

 

Archäo­lo­gi­sches Fens­ter

Unser nächs­ter Weg führt uns zum West­wall. Hier befin­det sich das Archäo­lo­gi­sche Fens­ter, das Aus­gra­bun­gen der ehe­ma­li­gen Burg zeigt.

Der Rund­gang über die Bas­ti­on König führt zum Juli­us­turm, den wir natür­lich erklim­men. Da kann ich Arvid nicht brem­sen. Also geht es hoch hin­auf auf den Turm aus dem 13. Jahr­hun­dert. Ganz ohne Fra­ge, der Auf­stieg lohnt sich. Wir wer­den mit einem herr­li­chen Blick über die Havel­land­schaft samt Zita­del­le bis weit in den Ber­li­ner Nor­den belohnt. Dem son­ni­gen Wet­ter sei Dank!

 

Nach dem Turm­ab­stieg führt uns der Weg über den West­wall vor­bei an einem Thea­ter und künst­le­ri­schen Werk­stät­ten bis zum Kano­nen­turm auf der Bas­ti­on Kron­prinz. Jetzt geht es den Wall hin­ab, bei dem schö­nen Wet­ter kein Pro­blem, ansons­ten: Auf­pas­sen!

Wir ent­de­cken einen klei­nen Hafen. Das hät­te ich nicht erwar­tet. Aber wenn man bedenkt, dass die gesam­te Zita­del­le von Was­ser umge­ben ist, macht ein Hafen Sinn. Die Hafen­an­la­ge wur­de um 1700 ange­legt.

Lin­ker Hand erstreckt sich die alte Kaser­ne, heu­te eine Gale­rie und Ort für Son­der­aus­stel­lun­gen. Das ist für Arvid nicht von Inter­es­se.

Wir über­que­ren den Exer­zier­platz und gehen zum Zeug­haus, das das Stadt­ge­schicht­li­che Muse­um Span­dau beher­bergt.

Da die Besu­cher­zahl mehr als über­schau­bar ist, bekom­men wir eine Art „Pri­vat­füh­rung“ von dem freund­li­chen „Auf­sichts­mann“. Echt inter­es­sant. Wie wur­de frü­her das Korn zu Mehl gemah­len wur­de, wie war die Feu­er­wehr aus­ge­rüs­tet war, wel­che Hand­wer­ke es in Span­dau gab. Der Mann erzählt über die Film­in­dus­trie und über die Geschich­te der Sie­mens­wer­ke. Er ver­steht es, Arvid zu fes­seln. Der Höhe­punkt ist ein Schä­del eines euro­päi­schen Ele­fan­ten. „Der hat­te die Augen vorn, so wie ein Mamut. Die heu­ti­gen Ele­fan­ten haben die Augen seit­lich.“ Arvid staunt. Alles was groß und außer­ge­wöhn­lich ist, trifft meist auf das Inter­es­se von Kin­dern sei­nes Alters.

Der Zehn­kämp­fer” von Arno Breker

Anschlie­ßend betre­ten wir das ehe­ma­li­ge Pro­vi­ant­ma­ga­zin, in eine kul­tur­his­to­ri­sche Samm­lung von poli­ti­schen Denk­mä­lern, die einst in Ber­lin auf­ge­stellt waren, aber irgend­wann wie­der ent­fernt wur­den, unter­ge­bracht ist. Unter dem Titel „Ent­hüllt. Ber­lin und sei­ne Denk­mä­ler“ sind u.a. eine über­gro­ße Sta­tue des oben erwähn­ten Mark­gra­fen Albrecht der Bär, aus der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus den „Zehn­kämp­fer“ von Arno Breker, jede Men­ge Sta­tu­en von Offi­zie­ren und Poli­ti­kern der Ver­gan­gen­heit, ein Modell der von Albert Speer kon­zi­pier­ten „Gro­ßen Hal­le“ (im Ver­gleich zum Bran­den­bur­ger Tor), der gigan­ti­sche Lenin-Kopf des ehe­ma­li­gen Lenin­denk­mals am Fried­richs­hain zu sehen.

Gegen­über liegt die Exer­zi­er­hal­le. Natür­lich wol­len wir auch hier schau­en, was es dort zu sehen gibt. Der Lage­plan ver­rät: Eine Kano­nen­aus­stel­lung. Und tat­säch­lich, fried­lich anein­an­der gereiht ste­hen Kano­nen aus unter­schied­li­chen his­to­ri­schen Epo­chen neben­ein­an­der. Dar­un­ter Prunk­ge­schüt­ze aus dem 16. Jahr­hun­dert und stei­ner­ne Kano­nen­ku­gel aller Grö­ßen.

Die Zeit ist vor­an geschrit­ten. Die Son­ne hat sich ver­ab­schie­det. Lang­sam wird es dun­kel. Wir machen uns auf den Rück­weg in Rich­tung Alt­stadt Span­dau und sto­ßen auf die gleich­na­mi­ge U-Bahn-Sta­ti­on. Aha, eine klei­ne Erkennt­nis: Wer die Zita­del­le Span­dau besu­chen möch­te und mit der U-Bahn kommt, kann sowohl bei der Sta­ti­on „Zita­del­le“ als auch bei der Sta­ti­on „Alt­stadt Span­dau“ aus- bzw. ein­stei­gen. Der Weg von bei­den zur Zita­del­le ist etwa gleich lang.

Ein Kommentar zu “Zitadelle Spandau

  1. Corinna Müller

    Hal­lo ,
    Dein Bei­trag ist sehr inter­es­sant und lehr­reich. Die Zita­del­le ist ein Besuch wert. Eine schö­ne Emp­feh­lung für Eltern oder Groß­el­tern mit Ihren Kids. Inni

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