Welterbestadt Quedlinburg

 

15. August 2018

Um 10 Uhr hole ich Marthe und Agi von zu Hause ab. Bevor die Schule wieder losgeht, wollen wir kurzentschlossen noch für ein paar Tage verreisen: Erlebnisurlaub im Harz ist angesagt.


Unser Ziel ist Quedlinburg. Dort konnte ich ein Apartment im Hotel „Zum Goldenen Ring“ buchen. Es ist ein Mittelklassehotel, eher einfach gehalten. Aber wir haben eine kleine Wohnung für uns. Das finden die Mädchen richtig gut. Das Auto parken wir in auf dem Hotelparkplatz für 3€ pro Tag. Auch gut.
 

Nachdem wir uns in einer naheliegenden Gaststätte gestärkt haben, machen wir uns auf den Weg, Quedlinburg zu erkunden. Und jetzt gerate ich das erste Mal ins Schwärmen. Was für eine schöne Stadt. Die liebevoll restaurierten bunten Fachwerkhäuser, viele aus dem 6. Jahrhundert und jedes mit einem individuellen Gesicht, die hier das Stadtbild bestimmen, verbreiten einen ganz besonderen Charme. Mir fällt der Begriff Filmkulisse ein. Zu schön, um wahr zu sein. Quedlinburg gehört mit seinem mittelalterlichen Stadtkern zum UNESCO-Weltkulturerbe. 

Unser Spaziergang führt uns durch schmale, verschlungene Gassen zum Schlossberg. Als erstes besichtigen wir die mehr als 1000 Jahre alte romanische Stiftskirche St. Servatius (Quedlinburger Dom), die zur Straße der Romanik gehört.

Wir durchschreiten das monumentale Kirchenschiff. Über dem Eingangsbereich befindet sich die Westempore, die so genannte Kaiserloge. Gegenüber auf der östlichen Seite führt eine Treppe in den Hohen Chor und zu den Schatzkammern. Ich hatte Marthe und Agi von dem legendären Domschatz erzählt, der seit 1993 hier wieder aufbewahrt wird und zu besichtigen ist. Unter dem Hohen Chor befindet sich die romanische Krypta mit drei Gräbern: der erste deutsche König Heinrich I. (sein Grab in leer), seine Frau Mathilde, die ihn mehr als 30 Jahre überlebte, die erste Äbtissin des Damenstifts, einer Enkelin des Heinrichs I. und Tochter Otto I., die auch den Namen Mathilde trug.

 

Öffnungszeiten
April-Okt.
Di-So: 10-18 Uhr
Nov.-März
Di-So: 10-16 Uhr 

Eintritt (Kombi-Ticket Kirche und Schloss)
Erwachsene: 8,50€
Kinder: 5€

 

Interessant für mich, da ich erst vor kurzer Zeit im Wikinger-Museum Haithabu in Schleswig-Holstein gewesen war, die Tatsache, dass Heinrich 934 den Dänenkönig Knut, der bis Haithabu herrschte, besiegte und zum christlichen Glauben bekehrte. Wo manchmal doch die Fäden zusammenlaufen.
Der Domschatz besteht u.a. aus einem Elfenbeinkästchen, dem Servatiusreliquiar, einem Schmuckkamm aus Elfenbein, dem Heinrichskamm, liturgische Handschriften und Bücher und der Kana-Krug, ein aus Alabaster gefertigter Krug. In einem weiteren Raum der Schatzkammer sind fünf Fragmente zweier riesiger Wandteppiche ausgestellt. Es sind lange Bilderfolgen erkennbar, eingefasst mit Spruchbändern. Diese Teppiche lagen einst vor dem Hochaltar.
 Hochzeit zu Kana

Im Johannis-Evangelium der Bibel (2,1-12) wird über ein Wunder berichtet, das Jesus als Gast bei der Hochzeit zu Kana in Galiläa vollbrachte als er Wasser in Wein verwandelte.

Nach der Dombesichtigung begeben wir uns in das angrenzende ehemalige Schloss, heute das Schlossmuseum. Ursprünglich stand hier einmal eine Burg. Auf dieser Feste wurde im 16. Jahrhundert ein Renaissance-Schloss errichtet. Später wurde es beim Umbau mit barocken Elementen versehen. Sowohl die Stiftskirche als auch das Schloss gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. In dem Museum werden die Besucher u.a. mit der frühmittelalterlichen Besiedlungsgeschichte und der Entwicklung des Burgberges von der Königspfalz zum freiweltlichen Damenstift vertraut gemacht. 
Gleich im ersten Ausstellungsraum des Schlossmuseums entdeckt Agi Riesenlego-Bausteine und hat sofort eine Idee: Sie möchte einen Stuhl bauen, eine Art Thron. Marthe und ich begeben uns auf Entdeckungstour durch die Museumsräume. Die nehmen aber kein Ende, Raum folgt auf Raum, natürlich alles interessant. Aber was ist mit Agi? Sie wartet bestimmt schon ungeduldig auf unsere Rückkehr. Ich mache mich auf den Rückweg, um sie bei den Bausteinen abzuholen. Marthe wartet beim „Raubgrafenkasten“. Sie ist ganz vertieft beim Lesen dieser ungewöhnlichen Geschichte. Und, wie vermutet, Agi ist schon sehr ungeduldig: Ihr habt mich vergessen! Nein, natürlich nicht. Aber es dauert eine Weile bis sie sich entspannt.

„Raubgrafenkasten“

Wir kehren zu Marthe zurück, die inzwischen über den Raubgrafenkasten Bescheid weiß: Eine 2,75×2,25×2,00 Meter große Kiste aus dicken Holzbohlen. Agi staunt: Das gibt es doch nicht! Durch eine winzige quadratische Öffnung kann man in den Holzkasten hineinschauen. Da war auch so gewollt. Der Kasten diente, so die Legende, 1377 als Gefängnis für den Grafen Albrecht II. von Regenstein. Dieser hatte sich mit dem Bischof von Halberstadt und der den Bürgern der Stadt Quedlinburg angelegt und den Kampf verloren. Nach seiner Gefangennahme soll er in diesem Holzgefängnis eingesperrt worden sein.

Nach dem Museumsbesuch genießen wir den Ausblick vom Schlossberg auf die Stadt, deren meist rote Dächer in der Sonne leuchten. Postkartenpanorama! Unter uns der Abteigarten. Dann hilft eine Übersicht weiter: Wir entdecken die Klosterkirche St. Marien auf dem Münzenberg, die Kirche St. Wiperti, die Marktkirche St. Benedikti, den Brühlpark.

Noch eine ganze Weile schlendern wir durch Quedlinburg, vorbei an dem Klopstock-Haus, vorbei an der Feininger-Galerie bis zum Marktplatz. Neben den schon erwähnten vielen herrlichen Fachwerkbauten fällt sofort das Renaissance-Rathaus auf. An der linken Seite entdecke ich eine Rolandfigur, nicht ganz so groß und prächtig wie zum Beispiel der Stendaler Roland, aber immerhin ein Zeichen für die Freiheiten, die die Quedlinburger Bürger genossen.

 

 

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