Von Capbreton über Bordeaux nach Rochefort

15.09.2016

15-capbreton-strand-1Vor unserer Abreise machen wir einen ausgiebigen Strandspaziergang in Capbreton. Noch einmal den Atlantik sehen und spüren. Leichter Wind, angenehme Temperatur und ein beeindruckendes Farbenspiel zwischen Himmel und Wasser. Es ist kein Badebetrieb mehr. Der feinsandige Strand ist so gut wie verweist. Eine Sportgruppe ist aktiv, ein paar Leute führen ihren Hund aus, zwei, drei ganz Verwegene tummeln sich in den Fluten.

Unser Ziel ist heute die alte Garnisonsstadt Rochefort. Auf dem Weg dorthin machen wir einen Abstecher nach Bordeaux. Die Stadt liegt nahe an unserem Weg. Wer will daran schon vorbeifahren? Um Bordeaux stressfrei genießen zu können, hoffen wir auf ein P&R-System.

15-bordeaux-strassenbahn-1Und tatsächlich, wir finden einen P&R-Parkplatz 20 Meter von einer Straßenbahnhaltestelle entfernt: Gare de Bègles. Aber wie bezahlen? Jede Stadt hat so seine eigenen Praktiken. Das ist in Deutschland nicht anders. Während wir noch rätseln, was wohl die französische Gebrauchsanweisung bedeuten mag, spricht uns ein französisches Ehepaar auf Englisch an, ob wir Hilfe benötigen. Oh ja und ob! Das beiderseitige Englisch reicht aus, um das Prinzip zu erklären und zu verstehen. Ein Tagesticket für 4,50€ ziehen, das gleichzeitig die Parkgebühr und die Tagesfahrten für zwei Personen beinhaltet. Das ist doch mal eine feine Sache. Wir bezahlen und gehen zur Haltestelle. Schon kommt die Bahn, die Line C. Sie fährt alle zehn Minuten in Richtung Stadtzentrum.

Bis dahin verläuft alles prima. Doch man sollte sich nicht zu früh freuen. Am Bahnhof Saint-Jean ist plötzlich Schluss. Alle aussteigen. Und nun? Erst einmal ein großes Durcheinander. Die Durchsagen verstehen wir nicht, also auch nicht den Grund für das Durcheinander. Irgendwie bekommen wir mit, dass der Bus Nr. 1 ins Zentrum fährt. Also nehmen wir den nächsten Bus und freuen uns über unsere Cleverness. Wieder zu früh gefreut. Nach zwei Stationen ist am Platz Victoire Schluss. Wieder heißt es: Alle bitte aussteigen. Also noch einmal in die Straßenbahn. Aber nach zwei Stationen geht auch hier nichts mehr. Wir stehen vor einem Museum: Musée d’Aquitaine in 20 cours Pasteur. Gleich nebenan nehmen wir in einem Café Platz. Nach einer kleinen Pause geht es zu Fuß auf Entdeckungstour einfach der Nase nach. So gelangen wir auf einen großen Platz, den Place Pey-Berland, mit einer zum Teil eingerüsteten Kirche, der Kathedrale Saint-André. Lotti verschwindet für eine Weile in der Kirche, ich genieße das monumentale Bauwerk auf diesem lebendigen Platz von außen. Es sind so viele Menschen unterwegs. 

 

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Musée d’Aquitaine

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Kathedrale Saint-André

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Porte Dijeaux

Wir erreichen das Porte Dijeaux und kommen in die Altstadt. Durch die Fußgängerzone Rue de la Porte Dijeaux, vorbei von Geschäft zu Geschäft bummeln wir bis zum Place de la Bourse.

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Place de la Bourse

Mein Gott, was für ein bombastisches Gebäudeensemble. Und plötzlich sehen wir den Grund für die Behinderungen im Straßenverkehr. Am anderen Ende des Platzes stehen sich viele schwarzgekleidete Vermummte und noch mehr Polizei gegenüber. Das sieht sehr ungemütlich aus. Das riecht nach Stress.

15-bordeaux-garonne-2Wir wollen zum Place des Quinconces, das ist entgegengesetzt, zum Glück. Ein schöner Spaziergang entlang der Garonne. Der Place des Quinconces gehört zu den größten Plätzen Europas. Irgendwann soll hier einmal ein Schloss gestanden haben. Dem ist auch so: das Château Trompette.

Eingangs, vom Fluss aus gesehen, präsentieren sich zwei beeindruckend große Rostralsäulen, links und rechts des Platzes erinnern übergroße Standbilder an Montaigne und Montesquieu, am Ende mitten in einem Halbkreis prangt eine hohe Statue, das Monument aux Girondins, ein Denkmal für die Girondisten der Französischen Revolution.

Die Füße melden sich. Kaffeepause, dann geht es zurück mit der Straßenbahn zum Parkplatz. Ohne umzusteigen, die Situation hat sich offenbar beruhigt.

Was sind Girondisten?

Ich habe nachgelesen:
In der Zeit der Französischen Revolution wurden vornehmlich liberal gesinnte, aus dem gutsituierten Bürgertum stammenden Abgeordnete der Nationalversammlung, die zu großen Teilen aus dem Departement der Gironde kamen, als Girondisten bezeichnet. Ihr Ziel war eine föderale Republik ähnlich dem der Schweiz und der USA zu schaffen. Die politischen Gegner waren die Jakobiner und Sansculotten, die schließlich die Oberhand gewonnen. Führende Girondisten wurden verhaftet und hingerichtet: „Die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder.“ Das soll Pierre Vergniaud, ein führender Girondist, vor seiner Hinrichtung am 31. 10.1793 gesagt haben.

 

Jetzt fahren wir ohne weiteren Umweg direkt nach Rochefort. Dank Navi finden wir auch unser nächstes Quartier schnell, die Villa des Demoiselles in der Rue Pierre Loti. Von außen nicht auffällig, aber innen, holla, das das ist Luxus ganz im italienischen Stil. Und dazu noch besonders nette Gastgeber.

 
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Villa des Demoiselles

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