Västervik

 

20. bis 22. August 2019

Hotell Park, Norra Järnvägsgatan 8

Heute haben wir nicht verschlafen! Gleich nach dem Frühstück machen wir uns auf die Reise nach Västervik. Bei St. Anna legen wir einen Stopp ein und halten Ausschau nach einer Wandermöglichkeit. Aber das ist hier keine schöne Wandergegend. Also geht es flott zurück zur Autobahn und weiter in Richtung Västervik.

Wir parken direkt vor dem „Hotell Park“, einer schnuckelichen Stadtvilla. Alles klappt wie geschmiert. Nach dem Transport unseres Reisegepäcks in das Hotel parken wir das Auto auf einen kostenfreien, nur wenige Schritte vom Hotel entfernten Parkplatz um.

Västervik, eine Stadt mit 21000 Einwohnern im Nordosten der Provinz Småland, liegt direkt an der Ostsee und wird auch als „Perle der Ostseeküste“ bezeichnet. Es ist wirklich ein schöner Ort, von dem aus sich viel entdecken lässt. Lotti kommt bezüglich der Schären voll auf ihre Kosten, aber auch Bootfahren aller Art, Baden, Wandern und Campen sind hier gut möglich. Ein Abendspaziergang vermittelt eine entspannte, beschauliche, keinesfalls langweilige Atmosphäre. In den Straßen, auf dem Markt und auf der Standpromenade bummeln Leute. Die Tische vor den Restaurants und Cafés sind gut besetzt. Unser Spaziergang führt uns auf den Großen Markt, an bunten Holzhäusern, zwei Kirchen und einigen Restaurants vorbei bis zur Strandpromenade.

Restaurant „Sahara“: Guten Appetit!

Wir nehmen in dem Restaurant „Sahara“ direkt am Hafen Platz und genießen zwei sehr leckere Pizzas. Danach ist noch Zeit, um Einiges in der Umgebung zu entdecken: Reste einer Festungsanlage, verschiedene Skulpturen, eine kleine Zugbrücke, riesengroße Gartenstühle, eine neue Uferbefestigung aus Holz, die zum Verweilen einlädt. Von hier aus erleben wir einen eindrucksvollen Sonnenuntergang.

Frühstück gibt es nur bis 9 Uhr, d.h. früher aufstehen. Dafür haben wir mehr vom Vormittag. Halb zehn sind wir schon auf dem Weg zum Naturschutzgebiet auf Gränsö. Das Auto parken wir noch auf dem Festland. Links und rechts der Straße sind Parkplätze am Gränsö-Kanal ausgewiesen. Über eine kleine Brücke erreichen wir die Halbinsel.
Vor uns liegt ein zwölf Kilometer langer Wanderweg, der durch Wälder, über Wiesen, Hügel und Felsen führt. Meist geht es direkt an der Küste entlang, immer rauf und runter, die roten Markierungen im Blick habend. Hier treffen wir auf „richtige“ Schären. Einfach super.
Zunächst verwöhnt uns das Wetter. Sonnenschein verschönt das Schärenpanorama. Als wir in Skanvik, einem ausgewiesenen Badestrand ankommen, hat sich der Himmel verdunkelt. Wind frischt auf. Schon fallen die ersten Tropfen, es folgt ein ordentlicher Regenguss. Wo Schutz suchen? Wo sich unterstellen? Für uns Fußgänger bleibt nur das Toilettenhäuschen. Die wenigen Badegäste flitzen in ihre Autos. Nun heißt es abwarten und Tee trinken – im übertragenen Sinne versteht sich. Es dauert eine Weile, aber dann ist die Regenwand so schnell verschwunden wie sie gekommen ist. Die Sonne lacht schon wieder, wie es scheint, ein wenig verschmitzt. Es geht also weiter. Ab und zu treffen wir auf ein paar Pferde, ein paar mehr Schafe, hören Vogelgezwitscher.


Schlosshotel Gränsö

Wir erreichen das Schlosshotel Gränsö, eine wunderschöne Anlage. Jetzt wird eine kleine Pause eingelegt. Das Café nebenan hat geschlossen. Aber in der Hotelanlage sind wir willkommen und genießen eine (kostenlose) Tasse Kaffee in einem Liegestuhl auf der Sonnenterrasse. Alles ist hier vom Feinsten. Spa-Hotel, Englischer Garten mit Golfplatz, hoteleigene Anleger für Schärenboote, die zu benachbarten Inseln fahren. Es geht zurück zum Auto und zurück nach Västervik. Jetzt meldet sich auch der Magen. 19 Uhr – Abendbrotzeit. Nach einigen Hin und Her entscheiden wir uns wieder für das „Sahara“. Keine Fehlentscheidung. Ich bin mutig und wähle ein libanesisches Gericht – schmeckt ausgezeichnet.

Früh am Morgen um halb neun sitzen wir am Frühstückstisch. Geht doch! Das erste Ziel ist der Elch-Park in Vimmerby. Gegen elf Uhr rollen wir auf den Hof des Parks. Das Auto wird abgestellt und Tickets (20€ pro Person) für eine Safarifahrt durch den Elch-Park gekauft. Eine Informationstafel gibt Auskunft: Der Park umfasst ca. acht Hektar, zum Teil Acker- und Wiesenland, zum Teil Wald, mittendrin ein Teich, in dem die Elche gerne baden. Mit den Tickets begeben wir uns zu den Safariwagen. Das sind mehrere aneinandergekoppelte robuste Wagen. In jedem Wagen sind in der Mitte längs zwei Sitzbänke aufmontiert. Die Besucher sitzen Rücken an Rücken. Die Seiten sind offen, sodass man einen guten Blick auf die Umgebung hat. Bevor die Fahrt startet, erhält jeder noch ein paar Zweige, Kartoffel- und Apfelstückchen. Die Wagenkolonne wird von einem Traktor gezogen. Das rumpelt ganz schön. Die Elche lassen sich nicht lange bitten. Sie kennen das Prozedere. Schon sind die ersten an den offenen Wagenseiten und stecken ihren Kopf hinein. Oh mein Gott ist der groß. Und das Geweih erst. Mir scheint als wären alle Mitfahrenden mutiger als ich. Das Maul eines Elches ist ganz weich. Vorsichtig nehmen sie das Futter mit den Lippen auf. Trotzdem ist mir mulmig zumute. Lotti ist viel forscher. Aber die Krönung ist eine Frau, die sich das Futter vom Mund nehmen lässt. Na hoffentlich schnappt der Elch nicht noch ihre Brille. Nach 45 Minuten rattert der Traktor aus dem Elchgehege zurück auf den Hof. Hier gibt es einen Souvenirshop und ein Café.

Aber wir wollen gleich weiter, denn in Vimmerby gibt es eine weitere Attraktion: Astrid Lindgren. Nach einer knappen Stunde Fahrt landen wir am Themenpark „Astrid Lindgren Welt“ in Vimmerby. Okay, das ist etwas für Familien mit Kind. Uns interessiert Astrid Lindgrens Näs, also der Ort, wo die Schriftstellerin aufgewachsen ist. Auf dem Pfarrhof Näs wurde Astrid Lindgren am 14. November 1907 geboren. Ihr Vater war Bauer und Pächter des Pfarrhofes.

Als wir dort ankommen, müssen wir leider zur Kenntnis nehmen, dass alle Führungen bereits ausverkauft sind. Schade. So machen wir uns allein auf den Weg durch das ehemalige Gehöft Näs: Elternhaus, Lagerhaus, Schmiede, Tischlerei, Stallungen. Ein Teil der landwirtschaftlichen Flächen sind heute als Park mit unterschiedlichen stimmungsvollen Gärten gestaltet. Hier steht auch die Ulme, ein riesiger alter Baum, damals Kletterbaum von Astrid Lindgren – das Vorbild für den Limonadenbaum von Pippi Langstrumpf. Die gesamte Umgebung hat Astrid Lindgren zu vielen ihrer Geschichten wie „Pippi Langstrumpf“ und „Michel aus Lönneberga“ inspiriert. Im Pavillon wird ihr Leben und Lebenswerk gewürdigt. Mit einem (kostenlosen) Audioguide schauen wir uns die umfangreiche Ausstellung an. Leider können wir das Elternhaus, das auf Initiative von Astrid Lindgren 1960 wieder so hergerichtet wurde, wie es zu ihren Kindheitszeiten gewesen war, nicht ansehen. Das ist nur im Rahmen einer Führung möglich.

Nach drei Stunden – es gibt tatsächlich viel Interessantes zu sehen und zu erfahren – fahren wir zurück nach Västervik. Schönes Wetter und noch etwas Zeit. Wir spazieren durch das Zentrum von Västervik. Die imposante St. Petrikirche von 1905 ist schon geschlossen, aber die kleinere St. Gertrudskirche ist noch geöffnet. Wir treten ein in die alte mittelalterliche Feldsteinkirche, die auf eine bewegte Geschichte verweisen kann. Mehrmals wurde sie durch Brände, Kriegshandlungen und Blitzeinschläge zerstört. Immer wieder aufgebaut, 1905 als Kirche geschlossen, 1933 neu geweiht. Interessant die beiden Votivschiffe, die in der Kirche hängen.

Jetzt landen wir doch wieder in „unserer“ Gaststätte am Hafen. Keine Experimente. Wir genießen das Essen und den Blick auf die Ostseebucht. Eine idyllische Abendstimmung.

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