Värmland

 

14. – 16. August 2019

Heute geht es weiter. Unser nächstes Ziel ist Kil in Värmland, einer schwedischen Provinz gelegen im Südwesten des Landes; mittendrin der große Väner-See. Doch dazu später. Noch sitzen wir beim Frühstück und planen die Reiseroute. Unterwegs möchten wir eine größere Pause machen, um eine ausgedehnte Wanderung am Väner-See zu unternehmen.

Um halb zwölf geht es in Richtung Värmland. Nach zweieinhalb Stunden verlassen wir die Schnellstraße und begeben uns ins Gelände. Nach einer Weile, immer quer durch die Natur – erreichen wir den Parkplatz des Naturschutzgebiet Yttre Bodane. Hier können wir Lottis Idee umsetzen: Wandern am Väner-See. Die Beschreibung auf der Informationstafel kann gar nicht übertreiben.

Yttre Bodane

Das Naturschutzgebiet besteht aus einer vielfältigen Landschaft mit Hügeln, Kiefernwald, glatt geschliffenen Felsflächen und hohen, steilen Felsufern. Auf markierten Pfaden, Bohlenwegen und Brücken kann man die Schären auch ohne Boot erleben.

Tatsächlich wandern wir durch einen dunklen Wald, über Bohlenstege, die morastigen Boden queren, an Gewässern entlang, erklimmen felsige Hügel und erreichen das Ufer des Väner-Sees. Man denkt, man steht an einer Meeresküste. So riesig erscheint das Gewässer. Wir beide kennen den größten See in Deutschland, die Müritz, die mit 112 Quadratkilometern schon gewaltige Ausmaße aufweist. Im Vergleich mit dem 5650 Quadratkilometer großen Vänern ist sie ein Zwerg. Der größte See Schwedens ist ca. 140 Kilometer lang und 75 Kilometer breit. Es ist hier so unglaublich schön, zumal der Sonnenschein die Natur in den vielfältigsten Farben erstrahlen lässt.

Unsere Wanderung auf einem durch rot angestrichene Steine ausgewiesenen Rundweg dauert gut zwei Stunden. Sie ist ohne Frage ein Höhepunkt unserer Reise – davon sind wir beide überzeugt.

Gegen 18 Uhr treffen wir am Zielort Kil ein, aber noch gilt es die Unterkunft zu finden, die außerhalb der Ortschaft am See Nedre Fryken in einem umgebauten Bahnhofsgebäude liegt. Gerade heute findet hier ein Oldtimer-Treffen statt. Die Straße ist komplett zugeparkt. Auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände stehen Seite an Seite unzählige Oldtimer. Die Besucher sind gut drauf. Wir fragen uns durch.

Nach dem noblen Hotel in Göteborg machen wir hier eine ganz andere Erfahrung; die Erfahrung der Einfachheit im „Sköna Rum“, Bed &Breakfast & Hostel in Fryksta Old Station. In einem Nebengebäude des ehemaligen Bahnhofs befinden sich drei Zimmer, eines davon beziehen wir. Es gibt zwei Toiletten, einen Waschraum mit Dusche, einen Aufenthaltsraum mit Fernseher, eine Küchenzeile. Alles blitzsauber. Bettwäsche und Handtücher sind mitzubringen. Das hatten wir nicht eingeplant. Mit einem kleinen Preisaufschlag bekommen wir das Gewünschte.

Natürlich knurrt inzwischen der Magen. Aber die Suche in Kil nach einer einladenden Gaststätte bleibt erfolglos. Allerdings ist Kil auch ein sehr überschaubarer Ort mit nicht einmal 8000 Einwohnern. Schließlich fahren wir nach Karlstad. In der Universitätsstadt finden wir am Marktplatz ein italisches Restaurant, wo wir sehr gut speisen.

Am nächsten Morgen wartet eine Überraschung auf uns: das Frühstück im Bahnhofshauptgebäude. Zwei liebe- und geschmackvoll eingerichtete Räume mit schwedischem Flair. Alles vorhanden, was man sich für ein Frühstück wünscht. Das genießen wir in vollen Zügen. Zudem eine sehr freundliche Beratung für unsere Tagesplanung.

Nach dem Frühstück erkunden wir das ehemalige Bahnhofsareal und schauen auf den langgezogenen See Fryken. Zwischen Kil und Torsby verläuft eine Bahnstrecke zumeist am See entlang, die – so lese ich später – die als eine der schönsten Bahnstrecken Schwedens gilt. Während einer Fahrt im Jahre 1972 hatte Astrid Lindgren die Inspiration für ihr Buch „Die Brüder Löwenherz“.

Halb zwölf scheint unsere Zeit zu sein. Wir starten in Richtung Hammarö, einer in den Vänern ragende Halbinsel und bekanntes Naturschutzgebiet. Wir fahren bis Takene, stellen das Auto ab und erreichen nach einem kurzen Spaziergang den Väner. Dieses Mal sehen wir den See nicht „von oben“, weil hier keine Steilküste ist. Wir stehen ihm gewissenermaßen auf Augenhöhe gegenüber und das auf riesengroßen abgeschliffenen Felsen. Wieder meint es die Sonne sehr gut. An einer Stelle lassen wir uns nieder und strecken uns aus. Einfach nichts tun. Nur da sein.

Zurück im Ort Hammarö gönnen wir uns in Karlis Café eine Pause. In der Nähe soll es ein weiteres Wandergebiet geben, aber trotz intensiver Suche werden wir nicht fündig. So kehren wir nach Kil zurück und schauen uns die alte Kirche Stora Kils Kyrka an. Abends wird ein kostenloses Konzert einer Big-Band stattfinden. Gut zu wissen.

Schwedische Spezialität

Jetzt fahren wir erst einmal zu Kils Grillhus, eine Empfehlung des Hostels. Von außen sieht es nicht so aus, dass man gleich hineingehen möchte. Aber Sein und Schein klaffen nicht selten auseinander. So auch hier, allerdings ist das Sein viel besser als der Schein. Was für ein leckeres Abendessen!

Danach kehren wir zur Kirche zurück, die schon gut gefüllt ist. So endet der Tag mit einem Big-Band-Konzert. Und das in einer Kirche. Wer hätte das gedacht!

 

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