Tropfsteinhöhle und Rappbodetalsperre

 

17. August 2018
Es ist schon fast 11 Uhr als wir in Rich­tung Rübe­land star­ten. Aber das ist über­haupt kein Pro­blem, im Urlaub soll man es ruhig ange­hen las­sen und ein gemüt­li­ches Früh­stück hat immer einen Mehr­wert. Aber jetzt geht es los. Wir fah­ren auf der B27 durch eine son­ni­ge Harz­land­schaft. Über Ser­pen­ti­nen geht es auf Ber­ge und wie­der in Täler. Ein­fach herr­lich.
Nach einer hal­ben Stun­de errei­chen wir Rübe­land und fin­den auch gleich einen Park­platz. Rübe­land liegt unweit des höchs­ten Har­zer Ber­ges, dem Bro­cken, in einem Tal, durch das die Bode fließt. Der Ort ist als Höh­len­ort bekannt. Hier befin­den sich die bekann­ten Tropf­stein­höh­len: Bau­manns­höh­le und Her­manns­höh­le. Schon Genera­tio­nen vor uns haben die­se Höh­len besucht und eines der klas­si­schen Erin­ne­rungs­fo­tos mit­ge­nom­men.
 
Ein kur­zer Fuß­weg in den Ort und wir sehen auf der ande­ren Sei­te der Bode die Her­manns­höh­le. Agi ent­deckt einen gro­ßen wei­ßen Bären hoch oben auf einem Fel­sen. Was hat es damit auf sich? Unse­re Neu­gier wächst. Wir wol­len an einer Besich­ti­gung der Her­manns­höh­le teil­neh­men. Eine Brü­cke führt über die Bode auf die ande­re Fluss­sei­te zum Ein­gangs­ge­bäu­de der Her­manns­höh­le. Nun stellt sich her­aus, dass wir total unvor­be­rei­tet auf die­ses Ereig­nis sind. Wäh­rend alle ande­ren Besu­cher dicke Jacke aus ihren Taschen her­vor­ho­len und über­zie­hen, ste­hen wir in unse­rer Som­mer­klei­dung ziem­lich bedep­pert da: kur­zes, T-Shirt, kur­ze Hose, San­da­len. Ich fra­ge bei Ticket­kauf nach einem Umhang. Die Ant­wort kurz und bün­dig: Das gab es hier noch nie! Na schön, jetzt sind wir hier und wol­len die Höh­le sehen. 

 Öff­nungs­zei­ten
ändern sich regel­mä­ßig
zur­zeit
Sep.-Okt. 9–16:30 Uhr
01.–14.Nov. 9–15:30 Uhr
15.Nov.-31.Jan. geschlos­sen

 Ein­tritt
Erwach­se­ne: 8€
Kin­der : 5€
Fami­lie: 23€

Foto­gra­fie­ren ver­bo­ten!

 

Eine jun­ge Frau (in Win­ter­klei­dung!) über­nimmt die Füh­rung. Weil sich auch Tou­ris­ten aus Eng­land in der Grup­pe befin­den, nimmt sie ihre Erklä­run­gen in Deutsch und Eng­lisch vor. Der Rund­gang dau­ert eine gute Stun­de. Wir erfah­ren viel Inter­es­san­tes: Es han­delt sich um eine Fluss­höh­le, die 1866 bei Stra­ßen­bau­ar­bei­ten ent­deckt und nach Her­mann Gro­tri­an benannt wur­de. Ganz­jäh­rig herrscht hier eine Tem­pe­ra­tur von 8°C. (Es ist in der Tat eine gute Idee, ent­spre­chen­de Klei­dung mit­zu­brin­gen.)

Kno­chen­fun­de in der Höh­le zei­gen, dass vor lan­ger Zeit hier Bären für ihren Win­ter­schlaf Unter­schlupf gesucht haben. Die­se Tie­re waren offen­sicht­lich Pflan­zen­fres­ser. Sie erreich­ten eine beacht­li­che Grö­ße; sie waren grö­ßer als die uns bekann­ten Braun­bä­ren. In ver­schie­de­nen Höh­len haben For­scher Kno­chen die­ser Tie­re gefun­den, die dar­auf­hin als Höh­len­bä­ren bezeich­net wur­den. Auf­grund eines Kli­ma­wan­dels und der damit ein­her­ge­hen­den sich ver­än­dern­den Vege­ta­ti­on ist die­se Bären­art vor 30.000 Jah­ren aus­ge­stor­ben. Nun ver­ste­hen wir: Die weit­hin sicht­ba­re Bären­skulp­tur mit der Inschrift „Dem letz­ten sei­nes Stam­mes“ erin­nert an die­se aus­ge­stor­be­ne Bären­art. Heu­te hal­ten Fle­der­mäu­se in der Höh­le ihren Win­ter­schlaf.

In der Höh­le sind außer­ge­wöhn­li­che Schön­hei­ten zu bewun­dern, die die Natur in Jahr­tau­sen­den geschaf­fen hat: Tropf­stei­ne, die ihren Ursprung in lang­sam durch Kalk­stein flie­ßen­den koh­len­säu­re­hal­ti­ges Was­ser haben, das in Hohl­räu­me tropft. Es bil­den sich Tropf­stei­ne aus Kalk, wun­der­schön anzu­se­hen. Unter­schied­li­che Farb­ge­bun­gen ent­ste­hen durch die Ein­la­ge­rung ver­schie­de­ner Mine­ra­li­en. Wir erfah­ren wei­ter: Wenn ein Tropf­stein sich von der Decke aus ent­wi­ckelt, nennt man ihn Sta­lak­tit, wächst er vom Boden empor, han­delt es sich um einen Sta­lag­mit und wach­sen Sta­lak­tit und Sta­lag­mit zu einer Säu­le zusam­men, ent­ste­hen ein Sta­lagnat. Ja, alles will einen Namen haben. 
Eine wei­te­re Attrak­ti­on sind die Grot­ten­ol­me. Das sind urzeit­li­che weiß aus­se­hen­de Schwanz­lur­che, die in der Fins­ter­nis in kal­ten Höh­len­ge­wäs­sern leben. Sie errei­chen eine Län­ge von gut 20 Zen­ti­me­ter und sehr hohes Alter. Da sie aus­schließ­lich in der Dun­kel­heit leben, bil­den sich ihre Augen nach Geburt zurück. In Deutsch­land leben nur in der Her­manns­höh­le Grot­ten­ol­me. Sie wur­den aus Höh­len in Slo­we­ni­en 1932 und 1856 hier in einem künst­lich geschaf­fe­nen Höh­len­see aus­ge­setzt in der Hoff­nung, dass sie sich ver­meh­ren und hei­misch wer­den. Die­se Hoff­nung hat sich noch nicht erfüllt, besteht aber nach neu­es­ten wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen wei­ter. 
Inzwi­schen spü­ren wir die Käl­te deut­li­cher. Am Ende der Füh­rung kön­nen die Besu­cher ent­schei­den, ob sie jetzt die Höh­le ver­las­sen oder ob sie noch die gro­ße Höh­len­kreuz­spin­ne Meta men­ar­di sehen wol­len. Agi will unbe­dingt, Mar­t­he zieht es ins War­me. Ich beglei­te Agi. An den Höh­len­wän­den wer­den wir auf zwei Exem­pla­re auf­merk­sam gemacht. Oh ja, letz­te­re ist von beacht­li­cher Grö­ße. Höh­len­kreuz­spin­nen kön­nen eine Län­ge bis zu 17 Zen­ti­me­ter errei­chen. Für Men­schen sind sie unge­fähr­lich. Wie beru­hi­gend. 
Wie­der im Frei­en stre­cken wir unse­re ein­ge­fro­re­nen Glie­der in der som­mer­li­chen Wär­me. Das tut gut. Um die­ses Ereig­nis zu doku­men­tie­ren, kau­fe ich ein Höh­len­fo­to. Wir Som­mer­frisch­ler in der ers­ten Rei­he.

Zurück zum Park­platz. Nach weni­gen Minu­ten sind wir wie­der auf Betriebs­tem­pe­ra­tur und haben schon unser nächs­tes Ziel im Blick: die Rapp­bo­de­tal­sper­re.

 Rapp­bo­de­tal­sper­re

ist ein gewal­ti­ges Bau­werk. Ihre Stau­mau­er ist mit 106 Meter die höchs­te Stau­mau­er in Deutsch­land. Sie staut das Was­ser der Rapp­bo­de, einem Zufluss in die Bode, in einem fast 4 Qua­drat­ki­lo­me­ter umfas­sen­den Stau­see und erfüllt viel­fäl­ti­ge Funk­tio­nen: Sie dient als Trink­was­ser­re­ser­voir, bil­det einen Schutz vor Hoch­was­ser und besitzt ein Was­ser­kraft­werk.

 

Mei­ne Idee war, den Mäd­chen die­ses impo­san­te Bau­werk und damit die Leis­tun­gen von Men­schen zu zei­gen. Ein Park­platz befin­det sich direkt an der Tal­sper­re. 2€, das passt. Nun wol­len wir uns – bevor es auf Erkun­dungs­tour zur Tal­sper­re geht – erst ein­mal stär­ken. Eini­ge Imbiss­bu­den ste­hen zur Aus­wahl. Nach eini­gem Hin-und Her ent­schei­den wir uns für eine und wol­len uns ein paar Meter wei­ter auf eine der vie­len frei­en Bän­ke set­zen. Mar­t­he hat sich gera­de hin­ge­setzt, Agi und ich sind noch im Anmarsch, da stürzt eine wild ges­ti­ku­lie­ren­de Frau aus dem Fisch­bröt­chen­stand und schreit: Kön­nen sie nicht lesen? Hier dür­fen sie nicht Platz neh­men. Das ist nur für Leu­te, die hier kau­fen. Gehen sie zurück zum Chi­ne­sen, sonst wird ihnen Platz­ver­bot erteilt. Mei­ne Güte, was für eine Auf­ruhr, was für ein Geschütz auf klei­ne Spat­zen. Die­se Frau ist heu­te bestimmt mit dem fal­schen Fuß auf­ge­stan­den. Und was heißt hier Chi­ne­sen, zumal ich kei­nen ent­de­cken kann. Oh je, Tou­ris­ten­freund­lich­keit sieht anders aus.
Die Mäd­chen sind regel­recht scho­ckiert. Nun, wir sind im Urlaub und auf Stress­ver­mei­dung aus. Also suchen wir uns ein ruhi­ges Plätz­chen zum Ver­zeh­ren der Cur­ry­würs­te. So, jetzt kann es los­ge­hen. Nein, doch nicht ganz. Erst müs­sen Tickets gekauft wer­den, denn wir wol­len nicht auf die Stau­mau­er, son­dern auf die erst 2017 fer­tig­ge­stell­te Stahl­hän­ge­brü­cke, die wir inzwi­schen ent­deckt haben. Die­se Brü­cke, die die Bode über­spannt, hat sogar einen Namen: Titan-RT und nimmt für sich in Anspruch, mit 458 Meter die längs­te Hän­ge­brü­cke ihrer Art zu sein. Sie über­bie­tet die bis­her als längs­te gel­ten­de Hän­ge­brü­cke in Sot­schi um 29 Meter. Da müs­sen wir hin.  

Öff­nungs­zei­ten
Ganz­jäh­rig und täg­lich

8–22 Uhr

 Ein­tritt
Erwach­se­ne: 6€

Kin­der: 4€

 

Alles hoch­mo­dern. Das Ein­gangs­dreh­kreuz pas­sie­ren wir mit unse­ren elek­tro­ni­schen Tickets. Die Brü­cke ver­läuft par­al­lel zur Stau­mau­er, auf die wir nun einen aus­ge­zeich­ne­ten Blick haben. Und die Natur. Ein herr­li­ches Pan­ora­ma ent­fal­tet sich vor des Betrach­ters Auge. Aber auf­pas­sen: Es ist eine schwan­ken­de Ange­le­gen­heit. Wer nicht schwin­del­frei ist, soll­te auch immer schön gera­de­aus schau­en, kei­nes­falls nach durch das Git­ter­rost nach unten. Die Höhe ist beträcht­lich. An die 100 Meter sol­len es sein.   
  

Die Mäd­chen blei­ben fas­zi­nie­rend ste­hen. Sie sind nicht die ein­zi­gen, die den sich ankün­di­gen­den Pen­del­sprung von zwei Wage­mu­ti­gen sehen möch­ten. Gigaswing nennt sich das spek­ta­ku­lä­re Aben­teu­er, bei dem es 75 Meter in die Tie­fe geht. Ner­ven­kit­zel und Adre­na­lin­schub sind garan­tiert. Wir inmit­ten in der Schau­lus­ti­gen ver­fol­gen den Sprung, der von lau­ten Schrei­en beglei­tet wird. Mein Gott, wer macht den so etwas. Respekt, aber bei den meis­ten kein Nach­ah­mungs­trieb.

Öff­nungs­zei­ten
April-Okt.
Di-So 9:30–18 Uhr
Nov.-März
Mi-So 10:30–16 Uhr

 Preis pro Per­son: 79€

Das ist aber nicht das ein­zi­ge Ereig­nis, was Brü­cken­be­su­cher in den Bann zieht. Euro­pas größ­te Dop­pel­seil­rut­sche Mega­zi­pli­ne lädt eben­falls zu einem ulti­ma­ti­ven Kick ein. Auf einer ein Kilo­me­ter lan­gen Dop­pel­rut­sche saust man im Par­al­lel­flug und gut ver­schnürt mit 85 kmh über den Abgrund der Rapp­bo­de­tal­sper­re. Das Geschäft brummt. In rela­tiv kur­zen Abstän­den sau­sen die Paa­re hin­un­ter. Sie so schnell, dass es schwer­fällt ein ordent­li­ches Foto zu machen.

Öff­nungs­zei­ten
April-Okt.
Di-So 9:30–18 Uhr
Nov.-März
Mi-So 10:30–16 Uhr

 Preis pro Per­son: 39€

Mit dem Wallrun­ning kann ein wei­te­rer Ner­ven­kit­zel gebucht wer­den. Was ist das, wer­den die meis­ten fra­gen? Ja, wir sind an einer Stau­mau­er und die­se kann man 43 Meter senk­recht (!) her­un­ter­lau­fen, natür­lich gut gesi­chert, das ist klar. Über all die­se her­aus­for­dern­den Erleb­nis­se kann man sich unter www.harzadrenalin.de infor­mie­ren.

Inzwi­schen sind wir am Ende der Hän­ge­brü­cke ange­langt und machen uns auf den Rück­weg. Es fängt zu nie­seln an. Also schön fest­hal­ten am 1,30 Meter hohen Gelän­der. Es ist rut­schig. Zum Glück geben auch die seit­li­chen Edel­stahl­netz­te ein Gefühl der Sicher­heit.

Öff­nungs­zei­ten
April-Okt.
Di-So 9:30–18 Uhr
Nov.-März
Mi-So 10:30–16 Uhr 

Preis pro Per­son: 49€

Gegen 16 Uhr ver­las­sen wir das Tal­sper­ren­are­al mit sei­nen Attrak­tio­nen. Jetzt haben wir Lust auf ein erfri­schen­des Bad. Da kommt uns das in der Nähe lie­gen­de Wald­bad Oster­teich in Gern­ro­de gera­de recht. Das kann man emp­feh­len. Ein gepfleg­tes Wald­bad mit Ret­tungs­schwim­mer und einem Kiosk mit Geträn­ken, Imbiss und Eis. Der Ein­tritt pro Per­son kos­tet 1€, par­ken ist frei. Also raus aus den Sachen und rein ins küh­le Nass. Die Mäd­chen sind sofort im Was­ser, ich brau­che etwas län­ger. Aber immer­hin, ich tau­che auch ein und schwim­me eine Run­de. Herr­li­ches, sau­be­res Was­ser. Ein schö­ner Abschluss eines erleb­nis­rei­chen Tages.

 

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