Thale – Hexentanzplatz und Rosstrappe

 

16. August 2018

Es ist Urlaub. Wir las­sen uns Zeit mit dem Früh­stü­cken. Heu­te mit Tages­zei­tung. Mar­t­he wird auf die Rubrik „Gedan­ken zum Tag“ auf­merk­sam und liest: „Es gibt Ber­ge, über die man hin­über muss, sonst geht der Weg nicht wei­ter.“ (Lud­wig Tho­ma, deut­scher Schrift­stel­ler) Schnell kommt ein Gespräch in Gang über die Sinn und Bedeu­tung des Spru­ches. In die­ser Situa­ti­on wird mir (wie­der) bewusst, dass ich schon zwei „gro­ße“ Enke­lin­nen habe, die Freu­de an einem „phi­lo­so­phi­schen“ Gedan­ken­aus­tauch haben. Das ist etwas zum Genie­ßen.

Um 10 Uhr sind wir start­klar. Es geht nach Tha­le, einer ehe­ma­li­gen Eisen­hüt­ten­stadt im Harz, auch bekannt für die Email­le-Pro­duk­ti­on, heu­te ein aner­kann­ter Erho­lungs­ort am Ein­gang des Bode­tals mit ca. 17.000 Ein­woh­nern.

Was für ein Tag. Herr­li­cher Son­nen­schein. Ohne Pro­ble­me errei­chen wir nach knapp 20 Minu­ten Tha­le und fin­den auch recht schnell den aus­ge­wie­se­nen kos­ten­lo­sen Park­platz. Alles ohne Gedrän­ge. Es ist aus­rei­chend Platz.

Nach einem kur­zen Spa­zier­gang vor­bei an dem Hüt­ten­mu­se­um haben wir die Seil­bahn­sta­ti­on erreicht.

Hüt­ten­mu­se­um

Eine Kabi­nen­bahn beför­dert die Aben­teu­er­lus­ti­gen auf den Hexen­tanz­platz, mit einem Ses­sel­lift gelangt man bequem zur Ross­trap­pe. Die Mäd­chen sind schon ganz auf­ge­regt. Natür­lich wol­len wir mit bei­den Bah­nen fah­ren, so kau­fen wir auch gleich die ent­spre­chen­den Kom­bi­ti­ckets (Kabi­nen­bahn, Ses­sel­lift, Harz­bob: Erwach­se­nen 13€; Kin­der 8€). Nun kann es los­ge­hen. Zuerst star­ten wir auf den Hexen­tanz­platz. Unun­ter­bro­chen, fast laut­los schwe­ben die Kabi­nen her­an. Als ich zum Ein­stei­gen anset­zen, wer­de ich von Mar­t­he und Agi zurück­ge­hal­ten: Nein, nicht die rote, son­dern eine grü­ne mit Glas­fuß­bo­den. Ich habe zwar wahr­ge­nom­men, dass rote und grü­ne Kabi­nen abwech­selnd her­an­schwe­ben, aber der Unter­schied in der Beschaf­fen­heit des Kabi­nen­bo­dens ist mir nicht auf­ge­fal­len. Was haben Kin­der doch für schar­fe Sin­ne, wenn es um Din­ge geht, die sie anspre­chen. Also war­ten wir auf die nächs­te Kabi­ne, eben eine grü­ne mit Glas­fuß­bo­den. Und schon geht los. Mein Gott, was für ein gran­dio­ser Aus­blick! Was für ein sagen­haf­tes Pan­ora­ma! Wir schwe­ben über Baum­wip­fel, vor­bei an gran­tig-schrof­fen Fel­sen, über eine tie­fe Schlucht, dem Bode­tal. Durch den Glas­bo­den sehen wir das Wild­was­ser der Bode durch das Tal rau­schen. Immer höher geht es. Die­se Fahrt über 720 Meter kann man nur genie­ßen. Und wir tun es in vol­len Zügen! 

  
Auf dem Berg­gip­fel, dem Hexen­tanz­platz, gibt es aller­lei Ver­gnü­gun­gen. Doch zunächst stär­ken wir uns mit einem Imbiss. Fri­sche Luft macht hung­rig. Woher kommt der unge­wöhn­li­che Name „Hexen­tanz­platz“?

Mar­t­he und Agi zieht es auf ein Hexen­ge­län­de, wo die Hexe Wate­lin­de ihr Häus­chen hat. Den Hexen­be­reich betritt man durch ein Café. Für 3 Euro bekommt man Zutritt in die Welt der Hexen und Teu­fel. Das wol­len sich die Mäd­chen nicht ent­ge­hen las­sen und zie­hen neu­gie­rig los. Ich mache es mir der­weil im Café bequem. Nach einer guten hal­ben Stun­de kom­men sie ange­stürmt. Auf­ge­regt erzäh­len sie von einem Haus, in dem alles auf dem Kopf steht.
Hier wohnt die Hexe Wate­lin­de mit ihren Hexen­schwes­tern, mit einem Raben und mit Schlan­gen: Wohn­zim­mer, Schlaf­zim­mer, sogar ein stil­les Ört­chen und natür­lich eine Hexen­kü­che. Drau­ßen steht ein Baum, des­sen Wur­zeln in die Luft ragen. Alles steht Kopf. Wate­lin­de hat sich ver­hext. Ver­zwei­felt sucht sie nach einem Spruch oder einem Rezept, um alles zurück zu hexen. Und so sucht sie wohl immer noch.

Einer Sage nach  leb­te auf dem hohen Fel­sen links am Ein­gang zum Bode­tal eine gefürch­te­te Hexe namens Wate­lin­de, die es beson­ders Jung­frau­en abge­se­hen hat­te, um die­se als Hexen in ihr Hexen­reich auf­zu­neh­men. Die Hexen ver­sam­mel­ten sich auf dem Berg und führ­ten mys­ti­sche Tän­ze auf. Daher der Name Hexen­tanz­platz. Als Wate­lin­de eines Tages das Mäd­chen Hil­da zu ver­he­xen such­te, konn­te sich die­se durch Bekreu­zi­gen von dem Hexen­fluch befrei­en. Unter Don­ner­grol­len wur­de Wate­lin­de gegen einen Fel­sen geschleu­dert und selbst zu Stein.
Wir strom­ern ein biss­chen auf dem Hexen­tanz­platz hin und her. Es gibt einen Tier­park und ein Thea­ter, Gast­stät­ten, Sou­ve­nir­lä­den mit aller­lei Hexen­sa­chen.
Uns zieht es zur Som­mer­ro­del­bahn, dem Harz­bob. Ich glau­be, den Mäd­chen ist schon ein wenig mul­mig. Aber sie wol­len es unbe­dingt aus­pro­bie­ren. Ich muss mit­ma­chen, was bleibt mir ande­res übrig. Und etwas neu­gie­rig bin ich auch. Da auf jedem Bob nur Platz für zwei Per­so­nen ist, fah­re ich den Mäd­chen hin­ter­her. Mit einem Brems­he­bel kann man die Geschwin­dig­keit steu­ern. Mar­t­he ist eine vor­sich­ti­ge Fah­re­rin. Als ich mit mei­nem Bob den Mäd­chen näher kom­me, legen die bei­den wie­der los und schnell ver­grö­ßert sich der Abstand. Es kann eine Geschwin­dig­keit bis zu 40 Stun­den­ki­lo­me­ter erreicht wer­den. Ein tol­les Erleb­nis. Mein Gott, füh­le ich mich jung und fit!

Nach einer rasan­ten, kur­ven­rei­chen Abfahrt über 1000 Meter am tiefs­ten Punkt ange­kom­men, wird der Bob samt Fah­rer nach oben gezo­gen. Das ist natür­lich prak­tisch. Mein Tipp: Ein­fach aus­pro­bie­ren.

Nach die­sem Erleb­nis keh­ren wir mit der Kabi­nen­bahn zurück ins Tal und star­ten von dort aus mit dem Dop­pel­ses­sel­lift zur Ross­trap­pe, den Berg rechts am Ein­gang zum Bode­tal. Auch ein ganz wun­der­vol­les Erleb­nis. Die Mäd­chen sit­zen in der Gon­del vor mir. Wir win­ken uns zu. Sanft schwebt der Lift über den Berg­hang bis zur Berg­kup­pe. Dabei legt er ca. 670 Meter zurück. Ich sage nur: Abschal­ten, ent­span­nen und genie­ßen.

Auf dem Berg­pla­teau emp­fängt den Besu­cher ein Sagen­pa­vil­lon, der (heu­te) lei­der geschlos­sen ist. Ein
paar Schrit­te wei­ter erwar­tet das Berg­ho­tel Ross­trap­pe sei­ne Gäs­te. Auf der Ter­ras­se essen wir ein Eis, bevor wir zu dem legen­dä­ren Huf­ab­druck, der Ross­trap­pe, wan­dern. 
Der Weg ist oft stei­nig und fel­sig. Fes­tes Schuh­werk zahlt sich hier auf jeden Fall aus. Nach einer guten Vier­tel­stun­de errei­chen wir die sagen­um­wo­be­ne Stel­le.

Der Sage zufol­ge ver­folg­te der Rie­se Bodo die Königs­toch­ter Brun­hild, um sie zu hei­ra­ten. Das woll­te aber Brun­hild nicht und floh auf ihrem wei­ßen Ross. Plötz­lich kam sie an einen tie­fen Abgrund. Doch weil Bodo ihr schon nahe war, wag­te sie mit ihrem Pferd den Sprung zum gegen­über­lie­gen­den Fel­sen. Durch den kräf­ti­gen Absprung drück­te sich der Pfer­de­huf in den Fel­sen. Brun­hild gelang der Sprung, aber Bodo stürz­te ab in den Fluss, der nach ihm benannt wur­de: Bode. 
  
Der Rück­weg zur Seil­bahn erscheint uns kur­zer. Aber so es, unbe­kann­te Wege kom­men einem fast immer län­ger vor. Nun gilt, sich wie­der in den Ses­sel­lift zu schwin­gen. Hopp und schon geht es abwärts.

Gegen 18 Uhr sind wir wie­der bei unse­rem Auto. Jetzt heißt es, erst ein­mal lüf­ten. Alle Türen auf. Mei­ne Güte, die­se Hit­ze. Wir nut­zen die Zeit, um zu trin­ken. Ja, heu­te müs­sen wir unbe­dingt noch Was­ser kau­fen. Das soll­te in Tha­le auch kein Pro­blem sein.  

 

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