Technik, die begeistert. Erlebniswelt Mathematik und Verkehrsmuseum

 

02. Novem­ber 2018

Vol­ler Taten­drang geht es heu­te zuerst zum Haus der Tech­ni­schen Samm­lun­gen, einem Sci­ence Cen­ter ins­be­son­de­re auch für Kin­der. Die­sen Weg bewäl­ti­gen wir zu Fuß. Bis zur Jung­hans­stra­ße 1 ist es vom Hotel aus nicht sehr weit. Ein gro­ßes archi­tek­to­nisch sofort ins Auge fal­len­des Indus­trie­ge­bäu­de beher­bergt die Tech­ni­schen Samm­lun­gen Dres­den. Es stammt aus dem vori­gen Jahr­hun­dert und wur­de als Pro­duk­ti­ons- und Ver­wal­tungs­sitz der Ern­e­mann-Wer­ke erbaut, die opti­sche Gerä­te, ins­be­son­de­re Kame­ras für Fotos und Fil­me, pro­du­zier­ten. Wahr­zei­chen des Gebäu­de­kom­ple­xes und des gesam­ten Dresd­ner Stadt­teils Strie­sen ist ein 48 Meter hoher Turm, der nach dem Fabrik­be­grün­der Hein­rich Ern­e­mann (1850–1928) als Ern­e­mann-Turm bezeich­net wird. Von hier aus hat man einen schö­nen Pan­ora­ma­blick über Dres­den. In dem Turm­ca­fé wer­den Erfri­schun­gen ange­bo­ten.

Wir ste­hen aber noch an der Kas­se und wer­den bera­ten. Eine Mini-Fami­li­en­kar­te für 7€ wäre am güns­tigs­ten. Okay, das machen wir. Taschen, Jacken usw. wer­den in einem Schließ­fach ver­staut. Unbe­schwert star­ten wir unse­re Erkun­dungs­tour. Man muss aus­wäh­len. Für Arvid sind wohl die zwei­te und vier­te Eta­ge am inter­es­san­tes­ten. In der zwei­ten Eta­ge erwar­tet die Kin­der mit dem Wel­len­rei­ter ein opto-akus­ti­sches Expe­ri­men­tier­feld nach dem Mot­to: Alles ist Wel­le. Licht­wel­len las­sen uns Far­ben sehen, durch Schall­wel­len kön­nen wir hören. Vie­le inter­ak­ti­ve Expe­ri­men­te füh­ren die Kin­der an die­se phy­si­ka­li­schen Phä­no­me­ne her­an, las­sen sie aus­pro­bie­ren und stau­nen. Da ist Arvid voll in sei­nem Ele­ment. Und natür­lich möch­te auch er die Geheim­nis­se ent­de­cken, die in einem alten Schiffs­wrack ver­bor­gen sind.

In der vier­ten Eta­ge sind über 100 mathe­ma­tisch inspi­rier­te Spiel- und Expe­ri­ment­sta­tio­nen zu erkun­den und viel­leicht machen sie auch auf Mathe­ma­tik neu­gie­rig. Arvid pro­biert Vie­les aus: Geo­me­tri­sche Puz­zle zusam­men­set­zen, mit Sym­me­tri­en spie­len und Orna­men­te zeich­nen, Kno­be­lauf­ga­ben am Com­pu­ter lösen, durch einen Kno­ten klet­tern. Der Aba­kus nimmt ihn am meis­ten gefan­gen. Er pro­biert solan­ge bis er die Rechen­re­geln ent­deckt hat. Das stimmt ihn ganz offen­sicht­lich sehr zufrie­den.

So ver­rinnt die Zeit wie im Flu­ge. Ja, es stimmt schon, Zwän­ge legt man sich oft selbst auf. Wir haben für heu­te zwei Plät­ze im Ach­ter­bahn­re­stau­rant reser­viert. Vor­her wol­len wir dem Ver­kehrs­mu­se­um noch einen Besuch abstat­ten. Auf die Bestei­gung des Tur­mes und den Besuch des Turm­ca­fés müs­sen wir ver­zich­ten. Lei­der.

Nach zwei Stun­den bre­chen wir in Rich­tung Innen­stadt auf. Die Tram 4 bringt uns direkt in die Alt­stadt zum Ver­kehrs­mu­se­um in der Augus­tus­stra­ße 1. Das Muse­um befin­det sich in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft zur Frau­en­kir­che und dem ehe­ma­li­gen Dres­de­ner Schloss. Mit der klei­nen Fami­li­en­kar­te für 9€ haben wir Zutritt zu den Aus­stel­lungs­räu­men. Neben der Dau­er­aus­stel­lung zur Geschich­te des Stra­ßen­ver­kehrs, der Eisen­bahn, der Luft- und Schiff­fahrt gibt es eine Son­der­aus­stel­lung zum The­ma „Die Deut­schen und ihre Autos: Geliebt, Gebraucht, Gehasst“.

Für Arvid ist die Dau­er­aus­stel­lung inter­es­sant. Ihn drängt es sogleich zu den Fahr­zeu­gen des Stra­ßen­ver­kehrs: vom Lauf- und Hoch­rad bis zu den Auto­mo­bi­len. Ein High­light ist der Nach­bau des Paten­mo­tor­wa­gens von Carl Benz. So fing die Geschich­te unse­rer moto­ri­sier­ten fahr­ba­ren Unter­sät­ze an. Schon bald eta­blier­te sich eine Auto­in­dus­trie.

Die Wan­de­rer-Wer­ke gehör­ten zur Auto-Uni­on (AUDI). In ihnen wur­den Mit­tel­klas­se­wa­gen pro­du­ziert, so z.B. die Wan­de­rer-Limou­si­ne  W10/IV von 1932.

Carl Benz (1844–1929)

Ein süd­deut­scher Maschine­bau­in­ge­nieur, Kon­struk­teur, Unter­neh­mer. Er mel­de­te 1986 den von ihm kon­stru­ier­ten drei­räd­ri­gen Patent­mo­tor­wa­gen Nr. 1 beim Reichs­pa­tent­amt zum Patent an. Die­ses Fahr­zeug gilt als das ers­te pra­xis­taug­li­che Auto­mo­bil. Sein Ben­zin­mo­tor hat­te eine Leis­tung von 0,67 PS. Damit erreich­te der Wagen eine Höchst­ge­schwin­dig­keit von 16 kmh.

In der Eisen­bahn­aus­stel­lung war­ten impo­san­te Kolos­se aus Stahl und Eisen auf die Besu­cher. Sie ste­hen stell­ver­tre­tend für die Geschich­te des Schie­nen­ver­kehrs. 1837 wur­de die ers­te deut­sche Eisen­bahn­stre­cke zwi­schen Leip­zig und Dres­den eröff­net. Dort war die „Saxo­nia“ als ers­te funk­ti­ons­fä­hi­ge deut­sche Loko­mo­ti­ve unter­wegs. Die 1867 erbau­te „Mul­den­tal“ gilt als ältes­te kom­plett erhal­ten­de Loko­mo­ti­ve. Die „Saxo­nia“ ist ein Nach­bau. Wäh­rend ich noch lese, klet­tert Arvid in einen Füh­rer­stand der alten Schmal­spur­lo­ko­mo­ti­ve 99535 der Gat­tung IV K und spielt den Lok­füh­rer.

Von der Schie­ne aufs Was­ser. Von der Eisen­bahn geht es zu den Schif­fen.
Was schwimmt? War­um schwimmt es?

Die Geschich­te der Schiff­fahrt vom Ein­baum bis zum Con­tai­ner­rie­sen und Kreuz­fahrt­schiff wird anhand von Model­len, Fil­men, Schau­ta­feln und Zeit­zeu­gen­be­rich­ten ins Bild gesetzt.

In der nächs­ten Aus­stel­lungs­hal­le hän­gen vie­le Expo­na­te an der Decke. Hier wird die Geschich­te der Luft­fahrt – der Traum vom Flie­gen – prä­sen­tiert. Der von Otto Lili­en­thal (1840–1896) ent­wi­ckel­te Gleit­flug­ap­pa­rat stammt aus dem Jah­re 1894. Der Bal­lon­korb „Plau­en“ star­te­te 1908 zu sei­nem ers­ten Auf­stieg. Im glei­chen Jahr brann­te das Luft­schiff ZL4 infol­ge eines miss­glück­ten Lan­de­ma­nö­vers völ­lig aus. 1909 bau­te Hans Gra­de (1879–1946) die „Libel­le“, einen flug­tüch­ti­gen Ein­de­cker. Model­le von Pro­pel­ler- und Düsen­flug­zeu­ge sind aus­ge­stellt und ihr Flug­prin­zip erklärt. Arvid zieht es an einen Com­pu­ter, an dem man sich als Pilot erpro­ben kann. Er lässt sei­ne Maschi­ne star­ten und lan­den. Hier brau­che ich Geduld. Letzt­lich ist es wie­der unse­re Buchung im Ach­ter­bahn­re­stau­rant, die uns zum Auf­bruch zwingt.

Wir brau­chen zu Fuß eine gute Vier­tel­stun­de vom Ver­kehrs­mu­se­um zum Haupt­bahn­hof. Dort befin­det sich im Kugel­haus das Ach­ter­bahn­re­stau­rant „Schwe­re­los“.

Ein Fahr­stuhl bringt uns direkt ins Restau­rant mit einem futu­ris­ti­schen Welt­rau­mam­bi­en­te. Dort wer­den wir an einen der run­den Tische geführt, in deren Mit­te sich eine Art zylin­der­för­mi­ges Regal befin­det, in dem alles depo­niert ist, was man zum Essen benö­tigt: Besteck, Ser­vi­et­ten, Gewür­ze, Glä­ser usw. Die bestell­ten Spei­sen (in klei­nen Töp­fen) und Geträn­ke (in Fla­schen) wer­den spek­ta­ku­lär auf einer Ach­ter­bahn-Kon­struk­ti­on inklu­si­ve Loo­pings an den Tisch beför­dert. Man glaubt es kaum, aber es funk­tio­niert. Wir las­sen es uns schme­cken und haben noch viel Spaß dabei.

Ach­ter­bahn­re­stau­rant „Schwe­re­los“

01069 Dres­den,
Wie­ner Platz 10

Kugel­haus direkt am Haupt­bahn­hof

Tel.: 0351–82127900

onfo@rollercoaster-dresden.de

www.rollercoaster-dresden.de

Erleb­nis­zei­ten:
Mo-So 11–23 Uhr

Nach die­sem kuli­na­ri­schen Erleb­nis bum­meln wir mit einem lecke­ren Eis auf der Hand noch ganz ent­spannt durch die Innen­stadt des abend­li­chen Dres­dens. In einem Sport­ge­schäft erfüllt sich Arvids Traum von „rich­ti­gen“ Fuß­ball­schu­hen. Was für eine Freu­de! Es ist schon lan­ge dun­kel, als wir mit der Tram 10 zurück ins Hotel fah­ren.

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