Strandspaziergang und Pool-Baden

 

9. Februar 2018
Die Mutter wählt aus, welches Kind „dran“ ist. Sie hat den Überblick. Am Donnerstagsabend kommt Marthe zu mir. Wir wollen gleich am Freitagmorgen starten, um die Zeit richtig auszunutzen. Aber ausschlafen muss natürlich auch sein, denn 13jährige haben gerade morgens ein großes Schlafbedürfnis. Wir finden einen passenden Mittelweg und auf geht es mit dem Auto an die Ostsee. Obwohl ich den Weg kenne, stelle den Navi ein. Ist wohl reine Gewohnheit. Und schon sind wir auf den Autobahn A11, auf einer Route, die ich gar nicht fahren wollte. Ich hatte an die B96 gedacht, aber nun fahren wir Autobahn. Ich denke, es ist ein Umweg. Andererseits ein flottes, kontinuierliches Fahren. An einem Parkplatz auf der A20 machen wir eine kurze Rast: Etwas essen und trinken. Weiter geht’s in Richtung Stralsund. Bei diesem klaren Wetter entdecken wir schon von weitem die markanten Türme der Altstadt. Wir fahren daran vorbei direkt auf die große Rügenbrücke, das jüngste Wahrzeichen Stralsunds. Das ist schon ein Erlebnis: Über zwei Kilometer rechts und links das Wasser des Strelasund.

Die Rügenbrücke, Deutschlands größte Schrägseil­brücke, verbindet die Insel Rügen mit dem Festland bei Stralsund. Sie wurde im Oktober 2007 eingeweiht und für den Verkehr freigegeben. Sie hat eine Gesamtlänge von 4097 Meter und ihr höchster Punkt liegt bei 128 Metern.

Blick auf die Rügenbrücke

 

Marthe schaut begeistert aus dem Fenster und staunt. Auf der rechten Seite entdeckt sie eine weitere Brücke. Es ist der Rügendamm, die Fortsetzung der B96 auf die Insel Rügen. Dieser wird noch für den Eisenbahnverkehr und von Fußgänger und Radfahrer genutzt.

Hotel „Vier Jahreszeiten“

Auf der Insel spinnt das Navi vollkommen. Ich schalte es entnervt aus. Den Weg nach Binz finden wir auch so. Erst in Binz schalte ich es wieder ein, um ohne Umwege das Hotel „Vier Jahreszeiten“ in der Zeppelinstraße zu erreichen. Das klappt auch ganz vorzüglich. Wir checken ein. Das Zimmer ist noch nicht bezugsfertig. Kein Problem. Wir machen uns gleich auf den Weg ans Meer. Fünf Minuten später stehen wir an der großen Seebrücke von Binz. Inzwischen wird unser Auto in der Tiefgarage geparkt. Super Service.

Eine so herrlich frische Luft und Sonnenschein. Der Alltag ist vergessen. Gemütlich spazieren wir am Meer entlang und sind damit bei weitem nicht die einzigen. Marthe ist wie aufgezogen. Handstand, Brücke, Radschlagen – ohne Unterlass turnt sie auf dem feinen Sandstrand. Mein Gott, ist das Mädchen gelenkig. Ich schaue, ob die Brandung etwas Interessantes angespült hat. Einen Hühnergott vielleicht? Leider ist dem nicht so. Aber das macht nichts. Es ist einfach schön, hier zu sein.

Wir verlassen den Strand und spazieren in der Stadt zurück zum Hotel. Ich hatte nicht in Erinnerung, dass Binz so groß ist. Natürlich findet man eine Reihe von Neubauten. Es sind aber gerade die vielen restaurierten Gebäude der historischen Bäderarchitektur, die dem Kurort ein spezielles Flair verleihen.

 

Die Bäderarchitektur entwickelte sich vor allem in der Gründerzeit im 19. Jahrhundert entlang der Ostseeküste. Es handelt sich um einen Stil, der Merkmale des Klassizismus, Historismus und Jugendstil vereint. Die weiß getünchten Gebäude besitzen meist aus Holz gefertigte Balkone und Veranden. Es fallen dem Jugendstil entlehnte filigrane Verzierungen auf sowie dekorative Elemente wie Säulen und Türmchen auf.

Zurück im Hotel beziehen wir unser Zimmer. Alles prima. Ohne uns lange aufzuhalten, ziehen wir unsere Badeanzüge an, werfen den Bademantel über
und schlüpfen in die Badelatschen. Auf geht es zum Schwimmbad in der ersten Etage. Was für eine Überraschung. Das Wasser ist mindestens 30°C warm. Wie angenehm entspannend. Marthe ist in ihrem Element: Tauchen, Handstand, Rolle Vorwärts, Rolle rückwärts, Spagat. Sie kann gar nicht aufhören. Wie ein Delphin bewegt sie sich im Wasser. Kannst du, ohne die Beine zu bewegen, schwimmen? Fragt sie mich. Ich versuche es und es klappt. Die Anstrengung spürt man in den Armen. Aber es funktioniert und so schwimme ich ohne Beinbewegung das Becken rauf und runter (mit Pausen) und fühle mich ziemlich jung und fit. 

Nach dem Badespaß machen wir noch einen Bummel durch das abendliche Binz. Wir sind nicht nur auf der Suche nach einem Restaurant, sondern auch nach einem Buchladen. Marthe sollte über die Ferien den Roman von Wolfgang Herrndorf „Tschick“ lesen und hat das Buch zu Hause vergessen. Am Ende der Hauptpromenade entdecken wir einen Buchladen. Jetzt ist er geschlossen, aber morgen, so meine Hoffnung, wird er Marthe von ihrem Kummer erlösen.

Mit diesem optimistischen Ausblick essen wir in einem italienischen Restaurant zu Abend: Ein Nudelgericht, was sonst?

 

 

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