Stockholm

17. bis 19. August 2019        

Hotel „Solna Park Inn“

Gegen 17 Uhr brechen wir in Richtung Stockholm auf. Wie gesagt, das Autofahren in Schweden ist meistens entspannt und man erreicht zügig sein Ziel – auch ohne zu rasen. Lotti sitzt am Steuer und fährt souverän durch Schwedens Hauptstadt bis zum Hotel „Solna Park Inn“, das man durch ein großes Einkaufszentrum erreicht. Wenn man das weiß, ist alles kein Problem mehr. Das Auto findet seinen Platz in Tiefgarage des Hotels und wir suchen eine nahegelegene Gaststätte für das Abendbrot. Nach einigem Hin und Her wird heute asiatisch gegessen.

       

Praktischerweise befindet sich gleich neben unserem Hotel eine Metrostation: Solna-Centrum. Am nächsten Morgen kaufen wir uns dort eine Drei-Tageskarte für Senioren (190 Kronen). Es gibt drei Hauptmetrolinien bzw. drei Hauptlinien der Tunnenbahn, wie die Metro in Stockholm heißt.

Metrostation

Viele der Bahnhöfe liegen sehr tief im felsigen Untergrund, was mich an die Metro in St. Petersburg und Moskau erinnert. Was sofort auffällt: Die unterirdischen Bahnhöfe sind sehr beeindruckend mit Lichtinstallationen und Wandmalereien künstlerisch gestaltet. Wir fahren mit der Blauen Linie (11) bis T-Centralen, der Zentralstation, und sind mitten im quirligen Zentrum. Zunächst halten wir Ausschau nach der Touristeninformation, aber dann steigen wir kurzentschlossen in einen der Sightseeing-Busse (32€/2 Tage). Erst einmal einen Überblick über die Stadt erhalten. Diese Strategie hat sich bewährt.

       

Stockholm hat einen ganz eigenen Charakter, liegt doch die Stadt auf 14 Inseln, die über 50 Brücken miteinander verbinden. Der Bus kommt wegen des dichten Verkehrs nur sehr, sehr langsam voran.

Vasa-Museum

Auf der Insel Djurgärden beim Vasa-Museum verlassen wir den Bus. Dieses Museum ist eines unserer Besichtigungsziele. Und es lohnt sich für alle, die sich für Geschichte interessieren. Das Museum wurde um die Vasa, ein Kriegsschiff, das 1628 bei seiner Jungfernfahrt nach nur 1300 Metern vom Hafen entfernt nach einem Windstoß relativ schnell gesunken war, gebaut. Die Vasa wurde 1961 gehoben und restauriert. Es ist mit fast 70 Meter Länge und seinen drei Masten ein sehr imposantes Schiff vom Typ einer Galeone. Auf fünf Ebenen kann man als Besucher den zu 98% aus Originalteilen wieder hergestellten Segler umrunden und besichtigen. Außerdem wird seine Geschichte – Bau, Untergang, Hebung, Restauration – in einer Ausstellung und in einem empfehlenswerten Film (17 Minuten) gezeigt. Es gibt viel zu sehen. Wir sind ca. zwei Stunden im Museum. Übrigens ist ein Model der Vasa auch im Berliner Technikmuseum ausgestellt. Vor dem Vasa-Museum liegen abgewrackte Schiffe in einem Museumshafen, die auch besichtigt werden können. Wir allerdings fahren mit einem der Sightseeing-Busse zurück zur Zentralstation. Dort erkundigen wir uns in der Touristeninformation nach einer Tour in die Schären, ehe wir ins Hotel zurückkehren, wo wir heute auch das Abendessen einnehmen.

       
       

Gleich nach dem Frühstück fahren wir mit der Metro bis Radhuset auf Kungsholmen in der Annahme, dass sich dort das Rathaus befindet, das wir uns ansehen wollen. Dem ist aber nicht so. Der große Gebäudekomplex ist das Gericht. So machen wir uns zu Fuß auf den Weg zum Stadthaus, dem Rathaus von Stockholm, gelegen in einer Bucht des Mälar-Sees. Das Rathaus ist ein wuchtiger zweiflügeliger Bau aus roten Backsteinen im Stile der schwedischen Nationalromantik, so lese ich in einer der vielen Broschüren. Die beiden winklig zueinander stehenden Flügel sind durch einen 106 Meter hohen dominanten Eckturm verbunden, auf dem das schwedische Nationalwappen, Drei Kronen (Tre Kronor), golden in der Sonne glänzt. Irgendwie erinnert es mich an das Rathaus in Oslo.

       

Im Rathaus nehmen wir um 12 Uhr an einer Führung teil. In der Blauen Halle, die gar nicht blau ist, erfahren wir, dass hier das Festessen nach der jährlichen Verleihung der Nobel-Preise serviert wird. Über eine monumentale Freitreppe geht es in die erste Etage zum Goldenen Saal. Im Byzantinischen Stil gestaltet verdankt er seinen Namen einem überdimensionalen goldenen Wandmosaik. Wie viele Glassteine mögen es sein, die das allegorische Bild Stockholms als Königin des Mälar-Sees entstehen lassen? 18 bis 19 Millionen sollen es sein. Wau! Wir passieren den Beratungssaal, in dem die Stadtregierung tagt, und kommen in die Galerie des Prinzen, benannt nach den Wandfresken des schwedischen Prinzen Eugen (1865-1947).

       
       

Nach der Führung geht es gleich weiter. Wir haben Karten für eine Turmbesteigung um 13:10 Uhr. Hier ist alles getaktet. Natürlich kann man die 365 Stufen, die zur Aussichtsplattform führen, sportlich bewältigen. Wir nehmen aber den Lift, der diesen Weg erheblich abkürzt. Trotzdem legen wir noch einen längeren Weg zu Fuß zurück, ehe wir Stockholm überblicken können. Es lohnt sich. Die Stadt auf einen Blick. Hier ist der Inselcharakter Stockholms sehr anschaulich.

       
           

Es ist fast 14 Uhr. Wir fahren mit einem Bus in die Altstadt (Gamly Stan) und von dort (Slussen) mit einer Fähre zur Insel Djurgärden. Hier befindet sich neben dem Vasa-Museum, das Freilichtmuseum Skansen, ein Wikinger-Museum, ein ABBA-Museum, Junibacken und direkt neben dem Fähranleger ein Vergnügungspark. Man muss sich entscheiden. Wir wählen das Wikinger-Museum. Das eigene Smartphone kann als Audioguide genutzt werden, wobei zwischen neun Sprachen zu wählen ist – darunter auch Deutsch. Ein interessantes Museumskonzept erwartet uns. Zunächst betreten wir einen großen Ausstellungsraum, in dem Situationen aus dem Alltagsleben des fiktiven Wikingerehepaares Leifur und Estrid dargestellt sind. Ein Stockwerk tiefer gehen wir auf eine Abenteuerreise durch das Wikingerzeitalter in Europa. Elf Minuten lang rollen wir im wahrsten Sinne des Wortes durch das fiktive Leben von Harald und Ragnfried. Das ist nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder attraktiv.

       
       

Junibacken

Nach diesem Museumsbesuch trennen sich unsere Wege. Lotti möchte in die Altstadt und zum Schloss. Ich bin neugierig, was sich hinter Junibacken verbirgt. Ein kurzer Spaziergang am Wasser bzw. durch den Park entlang führt direkt zu den Flachbau, der sich als ein Märchenspielhaus für jüngere Kinder entpuppt. Viele Spielecken sind äußerst liebe- und phantasievoll nach Geschichten von Astrid Lindgren gestaltet. Pippi Langstrumpf lässt grüßen!

       

Für die Rückfahrt in die Altstadt nehme ich auch wieder die Fähre. Das Drei-Tagesticket bewährt sich. Auf dem Großen Markt (Stortorget) befindet sich das Nobel-Museum von Stockholm. Das möchte ich mir auch ansehen. Gedacht, getan. Eine Reihe von Nobel-Preisträgern werden vorstellt und ihre besondere Leistungen anhand von Objekten und Filmen gewürdigt. Eine Sonderausstellung ist dem Friedenskämpfer Martin Luther King gewidmet.

Als ich das Museum verlasse, spüre ich einen feinen Sprühregen, der inzwischen eingesetzt hat. Es fängt an dunkel zu werden. Schnell zur Metrostation Gamla Stan. In T-Centralen umsteigen in die inzwischen schon vertrauten Linie 11 und ab nach nach Solna zum Hotel.

       
       

Der gestrige Tag muss so anstrengend gewesen sein, dass wir heute mit Pauken und Trompeten verschlafen haben. Oh je, das Frühstück im Hotel ist passé. Aber den Tag ohne Frühstück zu starten, ist auch keine gute Idee. Jetzt bewährt es sich, dass das Hotel gewissenmaßen im Shopping-Center liegt. Hier finden für ein Plätzchen für ein gemütliches Frühstück; eigentlich ein „Mittagsstück“.

Schiff nach Vaxholm

Unser Hotel ist wirklich verkehrstechnisch gut angebunden. Die Metro Linie 11 bringt uns bis Kungsträdgärden auf die Halbinsel Blasieholmen, wo sich die Anleger der Sightseeing-Schiffe befinden, die in die Schären fahren. Ein Herzenswunsch von Lotti. Das Schiff legt aber erst 15 Uhr ab und so haben wir noch eine Menge Zeit. Jeder hat Zeit, seinem Interesse nachzugehen. Lotti möchte zum Konzerthaus und ich in das Nationalmuseum.

       

Nationalmuseum

Das schwedische  Nationalmuseum ist von seinem Charakter her vor allem ein Kunstmuseum mit einer Gemälde-und Skulpturensammlung von Weltrang. Es wurde nach fünfjähriger Modernisierung erst im vergangenen Jahr wieder eröffnet. Mich lockt natürlich die Ausstellung, aber auch das Gebäude selbst, das schon von außen Highlights in Architektur und Design verspricht. Doch was für eine Enttäuschung! Das Museum ist heute geschlossen. Das hätte ich wissen können. Heute ist Montag, Schließtag vieler Museen – auch offensichtlich international.

       

Wachablösung vor dem Schloss

Da ist nichts zu machen. Ich mache mich bei schönstem und mich ein wenig tröstendem Sonnenschein auf den Weg in die Altstadt, die auf der kleinen Insel Gamla Stan liegt. Rechtsseitig kommt das gewaltige neobarocke Parlamentsgebäude (Riksadhuset) in den Blick. Südlich davon liegt das Königliche Schloss (Kungliga Slottet), groß, gewaltet, klobig – schön sieht anders aus. Ob das die Königsfamilie auch so gesehen hat? Jedenfalls hat diese ihren Wohnsitz auf Schloss Drottingholm verlegt. Auf der kleinen Insel ist alles eng beieinander. Gleich neben dem Schloss befindet sich die Dom- und Schlosskirche. Als ich vorkomme, läuft gerade die tägliche Wachablösung. Soldaten in mittelalterlichen Uniformen paradieren über den Platz. Ein Touristenspektakel.

       
       
Ein Spaziergang durch die engen, sehr belebten Straßen und Gassen mit unglaublich vielen kleinen Geschäften, Galerien, Boutiquen, Restaurants, Cafés. Hier bummelt man gern. Mittendrin die Deutsche Kirche (Tyska Kyrka) der deutschen Gemeinde. In der Hansezeit haben sich deutsche Kaufleute, Handwerker und auch Künstler hier niedergelassen.          
       

Es wird Zeit, den Rückweg um Schiffsanleger auf Blasieholmen anzutreten. Hier liegen die Schiffe der Reederei Vaxholmsbolaget, die Touren in die Schären unternehmen. Es sind auch in Stockholm keine kleinen Strecken, die zu Fuß zu bewältigen sind. Ich schaffe es pünktlich zu sein. Lotti ist schon da. Unserer Fahrt in die Schären steht nichts mehr im Wege.

Wie gesagt, es ist ein sonniger Tag. Auf dem Oberdeck genießen wir die Fahrt. Links und rechts die Schären, die meisten bebaut, manchmal auch nur mit einer Hütte – so scheint es. Es sind aber nicht die naturbelassenen, urigen Felsformationen, die Lotti erwartet bzw. gewünscht hat zu sehen. Trotzdem viel Natur, viel Wasser.

       
       
Nach über einer Stunde legt das Schiff in Vaxholm, dem Hauptort des

Vaxholm


Schärengartens. an. Hier leben knapp 5000 Einwohner. Es ist ein sehr beschaulicher Ort, der Mitte August offensichtlich nur noch von wenigen Touristen besucht wird. Wir spazieren die Hauptstraße entlang, schauen uns das Rathaus an und kehren zum Hafen zurück.

Was nun? Gegenüber liegt die Festung Vaxholm. Das wäre doch eine kleine Entdeckungstour wert. Mit einer Fähre setzen wir über. Ich habe den Eindruck, wir sind allein auf der Festungsinsel. Egal, jetzt wird alles abgelaufen und erkundet. In der Festung scheint es eine Herberge zu geben, auf jeden Fall ist hier ein militärhistorisches Museum untergebracht.

       
 
       

Gegen 18 Uhr kehren wir nach Vaxholm zurück. Im Hotel Vaxholm direkt am Hafen essen wir zu Abend. Um 20 Uhr fährt unser Schiff nach Stockholm. Das wollen wir nicht verpassen, also schlendern wir am Hafen auf und ab und warten bis wir auf das Schiff können, das schon vor Anker liegt. Plötzlich kommt Lotti wie ein Wirbelwind angefegt: Sie hat einen Linienbus entdeckt, der in zwei Minuten nach Stockholm fährt. Wir müssten uns beeilen, wenn wir mit dem Bus wollten. Wäre doch auch interessant! Keine Zeit zum Überlegen. Einfach loslaufen, in den Bus steigen, das Dreitages-Ticket ist gültig. Der Bus fährt ab. Nach 40 Minuten verlassen wir in Danderyds sjukhus den Bus, fahren mit der Metrolinie 14 bis T-Centralen und steigen dort in die Linie 11 um, die uns nach Solna zu unserem Hotel bringt. Was sind wir doch clever!

       

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.