Stierkampf in Arles und weiße Pferde der Camargue

 

11.09.2016

Früh­stück auf dem Haus­boot auf der Rho­ne. Die Son­ne scheint. Der Kaf­fee duf­tet. Fri­sche Crois­sants, Bröt­chen, Toast und Waf­feln, dazu acht ver­schie­de­ne Mar­me­la­den – ein Mar­me­la­den­land.

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Eine Stun­de spä­ter star­ten wir in Rich­tung Arles. Für die­se Fahrt brau­chen wir eine gute Stun­de. Die Park­platz­su­che ist (wie­der ein­mal) etwas ner­ven­auf­rei­bend, dafür ist das Par­ken aber nicht so teu­er. Doch war­um ist auf den doch sehr groß­zü­gi­gen Park­plät­zen kaum eine Park­lü­cke zu fin­den? War­um haben sich gera­de heu­te so vie­le Men­schen auf den Weg nach Arles gemacht? Die Ant­wort befin­det sich hin­ter der dicken Stadt­mau­er. Nach dem Pas­sie­ren des Stadt­to­res sehen wir, dass die Stra­ße rechts und links bün­dig mit sehr sta­bi­len Eisen­git­tern abge­sperrt ist. Gera­de begin­nen die Abbau­ar­bei­ten. Jetzt ver­ste­hen wir: heu­te ist hier ein Volks­fest. Dazu gehör­te, dass wil­de Stie­re der Camar­gue durch die Stra­ßen getrie­ben wur­den.


11-arles-14Wir kom­men an eine gro­ße Are­na, deren Ursprung bestimmt in der Römer­zeit liegt. Hier fin­den Stier­kämp­fe statt. So auch heu­te. Irgend­wo hat­ten wir gele­sen, dass dem Stier eine Kokar­de zwi­schen die Hör­ner gebun­den wird, die der Stier­kämp­fer ent­fer­nen muss. Mit ande­ren Wor­ten, der Stier wird nicht getö­tet. Durch die­se ver­meint­li­che Tat­sa­che haben wir kei­ne Scheu, Ein­tritts­kar­ten (15€ ist der güns­tigs­te Preis) zu kau­fen, um uns das Spek­ta­kel anzu­se­hen. Schon drau­ßen hören wir die Musik. Eine Kapel­le legt sich mäch­tig ins Zeug und sorgt für Stim­mung. Es ist eine spe­zi­el­le Stier­kampf­mu­sik: Paso Doble, die in bestimm­ten Pha­sen des Kamp­fes gespielt wird. Die Are­na ist gut besucht. Da sie nicht über­dacht ist, knallt die Son­ne mit­ten ins Sta­di­on. Es ist nicht leicht, wenigs­tens ein biss­chen Schat­ten zu fin­den. Noch wäh­rend wir suchen, bekom­men wir mit, dass es sich um einen tra­di­tio­nel­len Stier­kampf han­delt. In der Are­na sehen wir einen schwar­zen Stier, den Mata­dor, der den Stier letzt­lich töten wird, und sei­ne Hel­fer, die Ban­de­ril­le­ros. Der Kampf befin­det sich offen­sicht­lich schon in der letz­ten Pha­se. Wir bekom­men mit, wir der Mata­dor den Stier mit dem Degen tötet. Die Men­ge klatscht und buht, alles durch­ein­an­der, Die Musik spielt laut auf. Der tote Stier wird aus der Are­na gezo­gen. Schon betritt ein neu­er Stier die Are­na. Außer­dem rei­tet ein Lan­zen­rei­ter, ein Pica­de­ro, ein. Soll jetzt der Stier vom Pferd aus getö­tet wer­den? Wir haben genug gese­hen. Mit einem flau­en Bauch­ge­fühl ver­las­sen wir das Sta­di­on. Das ist nichts für uns.

 

Wir blei­ben noch eine gute Stun­de in Arles, schau­en uns das römi­sche Thea­ter an, ent­de­cken ein van-Gogh-Muse­um. An jeder Ecke spielt eine Kapel­le. Meist sind es zehn Musi­ker. Wir zäh­len drei Trom­pe­ten, zwei Saxo­pho­ne, zwei Tubas, eine Posau­ne, eine Pau­ke, eine Trom­mel. Sie spie­len mit Inbrunst, sehr rhyth­misch und laut.

Wir ver­las­sen Arles und fah­ren wei­ter in Rich­tung Mit­tel­meer nach Sain­tes-Maries-de-la-Mer. Hier ori­en­tie­ren wir uns gleich zum Meer.

11-saintes-maries-de-la-mer-7Ganz schnell in den Bade­an­zug geschlüpft und ab in die küh­len Flu­ten. Mein Gott ist das herr­lich! Aber Mund zu, das Was­ser ist sehr sal­zig. Dafür trägt es einen gut. Ein­fach trei­ben las­sen und gegen die Son­ne blin­zeln.
Ein Streif­zug durch den Ort zeigt unglaub­lich vie­le Gast­stät­ten, Sou­ve­nir­lä­den aller Art, am Place des Gitans eine gro­ße Wehr­kir­che, die L’Église Not­re Dame de la Mer, einen Hafen mit Mari­na, eine Art Rum­mel und Kin­der­spiel­platz, auch vie­le Sport­an­la­gen – und eine Stier­kampf­are­na.

Sain­tes-Maries-de-la-Mer, der Haupt­stadt der Camar­gue und gleich­zei­tig ein gro­ßer, bekann­ter Bade­ortDie Camar­gue ist eine Land­schaft im Rho­ne-Del­ta, die bekannt ist für wei­ße Pfer­de, schwar­ze Stie­re und vie­le Was­ser­vö­gel; dar­un­ter auch die rosa­ro­ten Fla­min­gos.

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Das fran­zö­si­sche Mit­tel­meer ist für sei­nen hohen Salz­ge­halt bekannt: 30 Gramm auf einen Liter Was­ser. Zwei Salz­wer­ke in der Camar­gue gewin­nen Meer­salz durch Ver­duns­tung des Was­sers.

  

Um 16 Uhr fah­ren wir vom Port Gar­di­an mit der “Quat­re Maries” zunächst ein Stück auf das Meer hin­aus, um in die Klei­ne Rho­ne ein­zu­bie­gen. Links und rechts sehen wir den Regio­nal­park der Camar­gue. Ein über­aus ent­spann­tes, freu­di­ges Erleb­nis liegt vor uns: 1,5 Stun­den Natur pur. 😎 

Es dau­ert auch nicht lan­ge bis wir die typi­schen wei­ßen Pfer­de und Her­den schwar­zer Stie­re zu Gesicht bekom­men. Wir ent­de­cken auch vie­le Vogel­ar­ten, aber lei­der kei­ne Fla­min­gos, die hier auch leben. Pfer­de und Stie­re wei­den fried­lich auf den end­los erschei­nen­den Gras­flä­chen. Die meis­ten Tou­ris­ten sind mit der Kame­ra unter­wegs und foto­gra­fie­ren emsig.  

Die Rho­ne eilt sich kurz vor Arles in zwei Arme: die Gro­ße Rho­ne und die Klei­ne Rho­ne.

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Pfer­de und Stie­re gra­sen oft auf einer Wei­de. Laut Erklä­rung sind die Pfer­de die intel­li­gen­te­ren Tie­re und domi­nie­ren die Her­de. Das Camar­gue-Pferd wird mit brau­nem oder schwar­zem Fell gebo­ren. Erst im Alter von drei Jah­ren wird ihr Fell weiß.

  
Zurück in Sain­tes-Maries-de-la-Mer mel­det sich der Magen: Hun­ger. Aber Essen gibt es erst wie­der ab 19 Uhr. Vor­her ist nichts zu machen. Des­halb fah­ren wir ohne Umschwei­fe nach Avi­gnon zurück. Eine gute Ent­schei­dung. Das Abend­essen in Ville­neuve-les-Avi­gnon ist vor­züg­lich.

 

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