Rolandstadt Stendal

 

Mai 2018

Hotel „Schwarzer Adler“

Seit zwei Jahren bin ich regelmäßiger Gast in Stendal. Mein Quartier habe ich im Schwarzen Adler, einem Hotel direkt im Stadtzentrum neben der Marienkirche. Empfehlenswert: Sehr freundliches und hilfsbereites Personal; gute Parkmöglichkeiten auf dem Hof.

Stendal ist von der Einwohnerzahl (41.000) zum Beispiel mit Oranienburg (45.000) vergleichbar.

Stendal trägt seit 2010 wieder den Titel Hansestadt. Von 1358 bis 1518 gehörte sie in der Tat dem Hansebund an. Das lässt eine interessante Geschichte vermuten.

Hanse

Kaufmannsverbund norddeutscher Städte zur Vertretung und Durchsetzung von gemeinsamen Handelsinteressen im Ausland und zur Absicherung von Warentransporten vor allem auch über die Seewege. Lübeck fungierte als Hauptstadt der Hanse. Heute kann man im alten Lübecker Rathaus auf den Spuren der Hanse und ihrer Gerichtsbarkeit wandeln.

Auf jeden Fall ist Stendal eine alte Stadt, wovon augenfällig Wallanlagen, ein Pulverturm und zwei  erhaltene Stadttore, das Tangermünder Tor und das Uenglinger Tor, zeugen.

Das Stadtzentrum von Stendal lässt sich sehr gut zu Fuß erkunden. Machen wir einen Spaziergang durch Stendal. Hinter dem Uenglinger Tor erstreckt sich der alte Dorfkern, an dessen Ende sich ein Husaren-Denkmal befindet.

Jacobi-Kirche

Ein paar Schritte weiter treffen wir auf St. Jacobi, eine imposante Pfarrkirche.

Von hier aus führt eine schmale Straße mit dem Namen Breite Straße (Tempozone 20 kmh) direkt in das Zentrum. Wir schlagen aber erst einmal einen kleinen Bogen zum Winckelmann-Museum, das aber zurzeit wegen Umbau geschlossen ist. Schade. Und das im Winckelmannjahr. Gratulation zu dieser Planung!

In unmittelbarer Nachbarschaft des Museums befindet sich die Petri-Kirche. In dieser kleinsten und wohl ältesten Kirche Stendals wurde 1717 Johann Joachim Winckelmann getauft, der sich einen Namen als ein Begründer der wissenschaftlichen Archäologe gemacht hat.

Und in der Petristraße hat im Juni 2017 eine private Brauerei eröffnet, die an die historische Tradition des Bierbrauens  in Stendal anknüpft. Hier wurden Biere mit dem Namen „Taubentanz“ gebraut; heute in drei Versionen: Taubentanz-Craft, Taubentanz-Pilz und Taubentanz-Craft Cool Blond.

 

Husarendenkmal

 

Johann Joachim Winckelmann (1717-1768)

Winckelmann, der Begründer der modernen Archäologie, war ein großer Bewunderer der antiken griechischen Kunst. Sein Credo: „Edle Einfalt und stille Größe“ beschreibt den Geist des deutschen Klassizismus.

Winckelmann-Denkmal

Ein Spaziergang durch die Rohrstraße bringt uns zurück auf die schon erwähnte Breite Straße. Die Verlängerung der Rohrstraße über die Breite Straße hinaus nennt sich Uppstall, was in etwa so viel wie Sommerweide bedeutet. Die Straße ist nicht ganz uninteressant, weil hier ein Kino untergebracht ist, das sogar für seine Besucher eine eigene Tiefgarage hat, die allerdings zurzeit geschlossen ist. Warum und für wie lange? Unbekannt.

Wir gehen die Breite Straße entlang, vorbei an kleinen Geschäften und der Konditorei Müller. An der Ecke Breite Straße/ Winckelmann-Platz stehen wir vor dem im Bauhaus-Stil erbauten Kaufhaus Ramelow; ein erstaunlich großes Gebäude, das man so wohl nicht in Stendal erwartet hätte. Es ist kein allgemeines Kaufhaus, sondern ein Bekleidungskaufhaus. Von dem repräsentativen Gebäude im Bauhaus-Stil werden nur zwei Etagen für den Verkauf genutzt.

Der Platz vor dem Kaufhaus ist nach Winckelmann benannt.  Jetzt stehen wir vor dem Winckelmann-Denkmal. Mit dieser lebensgroßen Skulptur aus dem Jahr 1859 würdigt die Stadt ihren berühmten Sohn. Dieser blickt direkt auf die Kirche St. Marien. Die Größe dieser ehemaligen Kaufmannskirche lässt erahnen, dass die Stendaler Kaufleute in der Hansezeit sehr gute Geschäfte gemacht haben müssen. Hinter der Kirche befinden sich das Rathaus und der neugestaltete Marktplatz. Hier treffen wir auf eine bereits 1525 aufgestellte 7,80 Meter hohe Rolandfigur aus Sandstein. Wieder ein historischer Hinweis auf ein freies stolzes Bürgertum.

 

Uppstall Kino

Marienkirche

Rolandfigur

Im Mittelalter errichtete meist steinerne Skulptur eines Ritters mit erhobenen Schwert, die darauf verweist, dass es sich um eine freie Stadt mit Marktrecht und eigener Gerichtsbarkeit handelt.

Wir überqueren den Winckelmann-Platz. Die Breite Straße setzt sich hier als Fußgängerzone mit vielen Geschäften, Restaurants und Cafés fort. Interessante Baustile sind zu entdecken: Fachwerkbauten, Gebäude im Jugendstil, neoklassische Häuser. Ein angenehmes Flanieren bis zum Sperlingsberg. Hier sprudelt ein 1902 eingeweihter Brunnen über den sich eine Frauenfigur erhebt: die Vögel fütternde Sperlings-Ida.

Nach der Brunnenbetrachtung folgt ein Abstecher in die Karlstraße, um das Theater der Altmark in Augenschein zu nehmen. Ein moderner Zweckbau.

Wir setzen wir unseren Erkundungsgang in der Straße Schadewachten bis zum Altmärkischen Museum im ehemaligen Katharinenkloster fort. Eine Dauerausstellung und wechselnde Ausstellungen geben Auskunft über die Stadtgeschichte und die der Altmark.

Jetzt sind wir am Tangermünder Tor angelangt. Was entdecken wir im Torbogen? Eine Kutsche, nein einen Wagen – einen Wagen der ehemaligen Pferdebahn, die von 1892 bis 1926 als öffentliches Verkehrsmittel Stendal durchquerte.

 

Haacke-Brunnen

Theater der Altmark

Altmärkisches Museum

Bevor wir uns dem Dom St. Nikolaus zuwenden, machen wir einen Schwenk durch die Bahnhofstraße zum Hauptbahnhof,  der 1871 nach zweijähriger Bauzeit fertiggestellt worden war. Das Bahnhofsgebäude erstaunt durch Größe und architektonischer Gestaltung. Wieder kommt mir in den Sinn, dass Stendal einmal eine wohlhabende Stadt gewesen sein muss und – nicht zu vergessen – sie ist immer noch ein Eisenbahnknotenpunkt. Hier halten sogar IC- und ICE-Züge, wovon manche größere Stadt nur träumt. Und noch etwas fällt mir auf: Die Sauberkeit des Bahnhof einschließlich des Außenbereichs. Nichts ist unmöglich!

 

Dom St. Nikolaus

Durch die Frommhagen- und die Nicolaistraße geht es zurück in das Stadtinnere zum Dom, einem spätgotischen Backsteinbau, der auf den Resten einer Burg errichtet wurde. Auf dem Weg dorthin passieren wir einen Wehrturm der einstmaligen Stadtbefestigung, der später auch als Pulvermagazin genutzt wurde.

Unseren Rundgang schließen wir an der kleineren Kirche St. Anna ab, die Kirche der katholischen Gemeinde Stendals.

 

Pulverturm“

 

Stendal hat aber noch mehr zu bieten. Doch dafür braucht man gewiss mindestens einen zweiten Tag. So bietet sich ein Besuch des Tierparks an, idyllisch gelegen am Ufer des Stadtsees. Bei entsprechend warmen Temperaturen tummeln sich viele Stendaler und Gäste im Erlebnisbad AltOa mit Badeland und Saunawelt. Stendal, auch eine Stadt der Bildung, kann stolz sein auf den neuen Campus der Hochschule Magdeburg-Stendal in der Osterburger Straße.

 

 

Hochschulcampus

 

 

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