St. Peter Ording – Eidersperrwerk – Husum

 

09. Juli 2018

Nach dem Früh­stück geht es wie­der los. Wir steu­ern Rich­tung Wes­ten zur Halb­in­sel Eider­stedt. Unser Ziel ist St. Peter Ord­ing – eine fei­ne Adres­se, was u.a. Spa, Well­ness und Sur­fen betrifft. Uns inter­es­siert vor allem die beson­de­re Natur, von der die­se Gemein­de umge­ben ist: ein 12 Kilo­me­ter lan­ger und bis zu 2 Kilo­me­ter brei­ter hel­ler Sand­strand sowie die cha­rak­te­ris­ti­schen Pfahl­bau­ten, den Wahr­zei­chen von St. Peter Ord­ing.

Vor Jah­ren haben Gero und Han­na ein paar Tage in St. Peter Ord­ing ver­bracht. An das eine oder ande­re erin­nern sie sich noch. Auch das damals schon die Park­platz­su­che ein Gedulds­spiel war. Die Ort­struk­tur, d.h. die Auf­tei­lung in vier Teil­or­te Böhl, Bad, Dorf und Ord­ing ist ihnen nicht mehr so geläu­fig. So fah­ren wir auch durch Ord­ing durch, weil wir kei­nen Park­platz fin­den, und lan­den in Böhl. Die­ser Teil hat einen gänz­lich ande­ren Cha­rak­ter als das eher mon­dän wir­ken­de Ord­ing. Noch sind wir auf der Suche nach Strand und Pfahl­bau­ten. Ein neu­er Anlauf führt uns nach Dorf. Hier gibt es einen gro­ßen Park­platz und eine Tou­ris­ten­in­for­ma­ti­on. Nach einem kur­zen Halt wird uns klar, auch das ist nicht der Ort, den wir suchen. Also wie­der ins Auto und noch ein Stück zurück. Schließ­lich fin­den wir am Ran­de von Ord­ing einen Park­platz (sogar kos­ten­los). Zu Fuß geht über den Deich zum Haupt­zu­gang des Stran­des, der Strand­brü­cke. Jetzt sind wir rich­tig.

Natio­nal­park Schles­wig-Hol­stei­ni­sches Wat­ten­meer

2009 wur­de das Wat­ten­meer von der UNESCO als Welt­na­tur­er­be aner­kannt. Es umfasst eine Flä­che von ca. 11500 Qua­drat­ki­lo­me­ter mit einer viel­fäl­ti­gen, oft ein­zig­ar­ti­gen Flo­ra und Fau­na.

Beim Betre­ten der Strand­brü­cke wer­den als Kur­ab­ga­be für Tages­gäs­te 3€ fäl­lig. Aha, aber sonst sind der Strand und die Pfahl­bau­ten wohl nicht zu errei­chen.

In der Fer­ne sehen wir das Meer. Vor uns die Dünen, die Salz­wie­sen mit unzäh­li­gen Prie­len (Was­ser­läu­fe im Watt, in der Marsch) , danach Sand und noch­mals Sand. Unglaub­lich. Wer hier baden gehen möch­te, muss gut zu Fuß sein.

 

Auf der end­los lang erschei­nen­den Strand­brü­cke, immer­hin kann sie auf stol­ze 1025 Meter Län­ge ver­wei­sen, sind in Abstän­den links und rechts Tafeln mit Infor­ma­tio­nen über die Land­schaft, die Tie­re und Pflan­zen ange­bracht. Das gilt auch für die Platt­form, auf der Bän­ke zu Aus­ru­hen ein­la­den. Weil wir uns eif­rig die­sen Infor­ma­tio­nen zuwen­den, dau­ert unser Gang bis zu den fünf Pfahl­bau­ten sei­ne Zeit. Die­se Kon­struk­tio­nen wur­den Ende des 19. Jahr­hun­derts am Strand für die zuneh­men­de Zahl von Urlau­bern errich­tet. Um sie bei Hoch­was­ser (der Tiden­hub beträgt hier an die 2 Meter) zu schüt­zen, stell­te man sie auf Stel­zen. Damals hie­ßen die Pfahl­bau­ten noch „Gift­bu­de“. Die Bezeich­nung erscheint ein wenig miss­ver­ständ­lich. Aber der Nord­deut­sche sag­te auf Platt: Dor gift dat wat, was so viel heißt: Dort gibt es etwas zu kau­fen. Und im Eng­li­schen sind Gifts ja auch Geschen­ke.

Der Wind frischt auf. Wir machen uns auf den Rück­weg. Ich habe den Ein­druck, dass es zu reg­nen anfängt. Dem ist aber nicht so. Es sind ganz fei­ne Sand­kör­ner, die der Wind auf der Haut pri­ckeln lässt. Hin­ter den Dünen stär­ken wir uns bei Gosch mit lecke­rem Fisch.

Dann geht es wei­ter zum Eider­sperr­werk. Ich bin schon sehr gespannt. Die­se gewal­ti­ge Stahl­kon­struk­ti­on befin­det sich bei Tön­ning an der Mün­dung der Eider in die Nord­see. Nach 20 Minu­ten haben wir das Ziel erreicht und kön­nen auch pro­blem­los direkt neben dem Sperr­werk par­ken. Ich stau­ne immer wie­der, was Men­schen alles erbau­en. Wie kann man solch eine Kon­struk­ti­on in eine brei­te Fluss­mün­dung set­zen, wo noch Ebbe und Flut den Was­ser­stand per­ma­nent ändern?

Ein­zig­ar­tig ist auch, dass durch das Sperr­werk ein Stra­ßen­tun­nel von 236 Meter Län­ge führt. Infor­ma­ti­ons­ta­feln geben Aus­kunft über tech­ni­sche Details. Das Kern­stück der von 1967 bis 1973 errich­te­ten Eider­däm­mung ist das Siel mit fünf 40 Meter brei­ten Öff­nun­gen, die durch Stahl­to­re über eine Ölhy­drau­lik ver­schlos­sen wer­den kön­nen. Mit dem Bau des Sperr­wer­kes gehö­ren Über­schwem­mun­gen des Eides­hin­ter­lan­des der Ver­gan­gen­heit an. Gera­de auch vor Sturm­flu­ten ist das Land geschützt.

Eine Schleu­se in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft gewähr­leis­tet Durch­fahr­ten von Schif­fen und Boo­ten zur Nord­see bzw. zurück in die Eider. Beim Schleu­sen wird eine Zug­brü­cke hoch­ge­fah­ren und der Stra­ßen­ver­kehr ist unter­bro­chen. Für Auto­fah­rer heißt das: War­ten! Fuß­gän­ger kön­nen über dem Tun­nel das Sperr­werk über­que­ren und haben dabei einen wun­der­bar wei­ten Blick in die Land­schaft. Scha­de, dass es heu­te ein biss­chen die­sig ist. Trotz­dem, unglaub­lich beein­dru­ckend!

 

Unser Tages­plan führt uns abschlie­ßend nach Husum. Die Fahrt dau­ert eine gute hal­be Stun­de. So schließt sich der Kreis. Husum hat mich wie­der. Aller­dings auch nur für eine sehr begrenz­te Zeit. Dafür ken­ne ich aber die Park­mög­lich­kei­ten schon, das ent­las­tet.

Zunächst suchen wir uns am Hafen eines der fei­nen klei­nen Cafés, um bei Kaf­fee, Kuchen und Eis zu ent­span­nen. Husum ist eine geschichts­be­wuss­te Stadt. Davon zeugt ein Kul­tur­pfad bzw. Lern­pfad, der quer durch die Stadt führt. Das sind klei­ne num­me­rier­te Tafeln, die auf his­to­ri­sche Bau­wer­ke, his­to­ri­sche Ereig­nis­se oder his­to­ri­sche Per­sön­lich­kei­ten hin­wei­sen: zum Bei­spiel Nr. 15 – Schiff­brü­cke (Bin­nen­ha­fen mit alter Schleu­se und Lade­platz); Nr. 25 – Kava­liers­haus (Hier wohn­te Fer­di­nand Tön­nies, Begrün­der der deut­schen Sozio­lo­gie; Nr. 26 – Theo­dor Strom-Denk­mal (Autor der Novel­le „Der Schim­mel­rei­ter“). Supe­ridee!

Nach einem Spa­zier­gang durch klei­ne Gas­sen ste­hen wir in der Was­serei­he 31 vor dem Storm-Haus, heu­te ein Muse­um und Storm-Archiv. Eine Tafel erin­nert: In die­sem Hau­se wohn­te Theo­dor Storm von 1866 bis 1880. Wir betre­ten das Muse­um.

Fami­lie Storm hat gut bür­ger­lich gewohnt – wür­de man heu­te viel­leicht sagen. Ein geräu­mi­ges typisch Husu­mer Kauf­manns­haus aus dem Jah­re 1730 mit 14 Zim­mern und einer gedie­ge­nen Ein­rich­tung. Trep­pen­haus, Decken, Flu­re, Türen und eini­ge Möbel­stü­cke sind ori­gi­nal bzw. aus der Storm-Zeit.

Auf Wand­ta­feln kann man Epi­so­den aus dem Leben des Dich­ters und Schrift­stel­lers, der von 1817 bis 1888 leb­te, nach­le­sen. Im Schim­mel­rei­ter-Zim­mer mit Hör­sta­ti­on wird die Geschich­te vom Schim­mel­rei­ter wie­der leben­dig; die Geschich­te vom Deich­gra­fen Hau­ke Hai­en.

Im angren­zen­den Zim­mer ist ein beson­de­rer Schreib­tisch zu bewun­dern. Storm bekam ihn zu sei­nem 70. Geburts­tag geschenkt. An ihm hat er den „Schim­mel­rei­ter“ voll­endet. Doch der Schreib­tisch ist noch aus einer ande­ren Per­spek­ti­ve inter­es­sant. Ange­fer­tigt in einer Werk­statt­schu­le für Kunst­tisch­ler hat ein spä­te­rer berühm­ter expres­sio­nis­ti­scher Maler an ihm gear­bei­tet. Emil Nol­de, der damals noch Hans Emil Han­sen hieß, schnitz­te die vier Eulen.

  

Nach dem Muse­ums­be­such strei­fen wir noch ein wenig durch Husum und wer­fen einen Blick auf das Schloss, den Schloss­park mit einem Denk­mal von Theo­dor Storm, das beleb­te Zen­trum mit dem reprä­sen­ta­ti­ven Storm-Hotel und der im klas­si­zis­ti­schen Stil erbau­ten Mari­en­kir­che. Dann geht es zurück in unser Quar­tier nach Kol­k­er­hei­de. Ein gutes Abend­brot und ein span­nen­des Rom­mé war­ten auf uns. Und mor­gen geht es mit vie­le neu­en Ein­drü­cken nach Hau­se.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Blogverzeichnis - Bloggerei.de