Sightseeing-Tour durch Moskau

 

04. August 2018

Nach dem Früh­stück wol­len wir mit dem Sight­see­ing-Bus „Hop On – Hop Off“ eine ers­te Erkun­dung der 12 Mil­lio­nen-Stadt unter­neh­men. Zunächst gilt es, einen gro­ben Über­blick über das Stadt­zen­trum zu bekom­men.

Auf der Kar­te sieht es ganz ein­fach aus: Unser Hotel liegt am Wodoot­vod­ny Kanal. Die­sem in Rich­tung der Gro­ßen Ustin­sky Brü­cke fol­gen; die Brü­cke bis über die Mosk­wa über­que­ren und die Ufer­stra­ße ent­lang zum weit­hin sicht­ba­ren Kreml-Kom­plex. Für die­sen „klei­nen“ Spa­zier­gang benö­ti­gen wir über eine Stun­de. Aber die Son­ne scheint, wei­ße Aus­flugs­schif­fe schip­pern den Fluss rauf und run­ter und ver­mit­teln ein unbe­schwer­tes Urlaubs­fee­ling. Die Sight­see­ing-Bus­se haben an der Kremlmau­er eine Hal­te­stel­le. Aber noch liegt ein Stück des Weges vor uns. Wir haben den Zarya­dye Park erreicht.

Zarya­dye Park

wur­de auf dem Gelän­de des abge­ris­se­nen Hotels Ros­si­ja auf 10 Hekt­ar ange­legt. Die gärt­ne­ri­sche Gestal­tung ori­en­tiert sich an unter­schied­li­chen regio­na­len Vege­ta­ti­ons­zo­nen Russ­lands. Auf dem Park­ge­län­de befin­den sich eine Kon­zert­hal­le, zwei Amphi­thea­ter, fünf Pavil­lons und ein unter­ir­di­sches Muse­um. Fast alle Gebäu­de sind in die Erde ein­ge­las­sen. Ihre begrün­ten Dächer sind begeh­bar und laden zum Ver­wei­len ein. Am meis­ten zieht uns aber Aus­sichts­platt­form in ihren Bann. Die „Fly­ing Bridge“ ist etwas ganz Beson­de­res. In Form eines Drei­ecks ragt sie 70 Meter bis über die Mosk­wa.

Natür­lich rei­hen wir uns in den Strom der Tou­ris­ten ein, die neu­gie­rig die spek­ta­ku­lä­re Aus­sichts­brü­cke erkun­den. Von hier aus hat man einen unver­gleich­li­chen Blick auf den Kreml, den Fluss, die Basi­li­us-Kathe­dra­le bis zu den Wol­ken­krat­zern von Mos­kau City. Links und rechts kli­cken die Foto­ap­pa­ra­te, schnur­ren die Video­ka­me­ras. Auf bei­den Sei­ten der brei­ten Brü­cke sind Sitz­bän­ke ange­bracht. Das ist eine echt gute Idee. Es ist sicher kei­ne Über­ra­schung, dass man in die­sem Park viel Zeit ver­brin­gen kann. Trotz­dem für uns geht es jetzt wei­ter in Rich­tung Kremlmau­er. Dort ist laut Stadt­plan die Hal­te­stel­le Nr. 11 der Roten Sight­see­ing-Linie „Mos­kau­er Herz“ (Zen­trums­li­nie mit 16 Stopps) und die Hal­te­stel­le Nr. 26 der Grü­nen Sight­see­ing-Linie „Mos­kau­er See­le“ (neu­städ­ti­sche Linie mit 27 Stopps). Ein Ticket für einen Erwach­se­nen kos­tet 1100 Rubel, für mich als Senio­rin 900 Rubel. 7- bis 13-Jäh­ri­ge wür­den auch 900 Rubel zah­len müs­sen. Das Ticket ist für zwei Tage und für bei­de Lini­en gül­tig

Der Bus der Roten Linie pas­siert die meis­ten zen­tra­len Sehens­wür­dig­kei­ten. Kreml, Roter Platz, Basi­li­us-Kathe­dra­le, His­to­ri­sches Mos­kau­er Muse­um, Kauf­haus GUM, Sta­tue Peter I., Christ-Erlö­ser-Kathe­dra­le, Bol­schoi-Thea­ter, Pusch­kin-Muse­um, Arb­at, ver­schie­de­ne Brü­cken, Plät­ze, wei­te­re Thea­ter, Kir­chen und Muse­en, jede Men­ge Denk­mä­ler. Es gibt so viel zu sehen und zuhö­ren (die Infor­ma­tio­nen wer­den in 8 Spra­chen ange­bo­ten, dar­un­ter auch Deutsch), dass man sich gar nicht alles mer­ken kann.

Den Aus­füh­run­gen des Stadt­füh­rers ent­neh­me ich, dass Mos­kau eine ring­för­mi­ge Stadt­struk­tur mit drei Ring­stra­ßen auf­weist. Der ers­te Ring umschließt den Kreml, den Roten Platz, den Zaryad­ne Park, das His­to­ri­sche Muse­um, das Kauf­haus GUM – also das unmit­tel­ba­re Zen­trum.

Im zwei­ten Ring befin­den sich u.a. die Christ-Erlö­ser-Kathe­dra­le, der Thea­ter­platz mit dem Bol­schoi-Thea­ter, dem Malen­kij-Thea­ter und dem Ope­ret­ten-Thea­ter, das Kauf­haus ZUM.

Im drit­ten Stadt­ring lie­gen u.a. der Alte Arb­at, das schon erwähn­te Außen­mi­nis­te­ri­um, die Tret­ja­kow-Gale­rie. Wie sehr Pres­ti­ge-Bau­ten von den his­to­risch-poli­ti­schen Bedin­gun­gen abhän­gen, zeigt die Geschich­te der Christ-Erlö­ser-Kathe­dra­le.

 

Christ-Erlö­ser-Kathe­dra­le

ist das zen­tra­le Got­tes­haus der Rus­sisch-Ortho­do­xen Kir­che mit einer sehr wech­sel­vol­len Geschich­te. Sie wur­de 1882 geweiht, nach der Okto­ber-Revo­lu­ti­on 1931 gesprengt und abge­tra­gen. Hier soll­te die ach­te Sta­lin-Schwes­ter, das Haus der Sowjets, ent­ste­hen. Mit Beginn des II. Welt­krie­ges wur­den die Bau­ar­bei­ten ein­ge­stellt. Nach Sta­lins Tod ent­stand auf den Fun­da­men­ten ein Frei­bad. 1992 wur­de das Frei­bad abge­ris­sen und die Kathe­dra­le so ori­gi­nal­ge­treu wie mög­lich wie­der auf­ge­baut. Im Jahr 2000 erfolgt die Ein­wei­hung. 

Nach der ers­ten Rund­fahrt wech­seln wir am Bolot­na­ja Platz, dem Start­punkt bei­der Lini­en, in die Grü­ne Linie. Wir müs­sen eine Wei­le auf den nächs­ten Grü­nen war­ten. So ver­tre­ten wir uns die Bei­ne. Ste­fie hat etwas Inter­es­san­tes auf der Brü­cke aus­ge­macht: „Schlös­ser­bäu­me“. Und tat­säch­lich, unglaub­lich vie­le Schlös­ser hän­gen wie Blät­ter an baum­ähn­li­chen Kon­struk­tio­nen, die in Reih und Glied auf der Brü­cke ste­hen. Unten am Ufer ent­de­cken wir eine Hoch­zeits­ge­sell­schaft und es wird klar, das ist ein Platz für die ers­ten Hoch­zeits­fo­tos. Dazu passt der herz­för­mi­ge Bogen, unter dem sich die Paa­re posi­tio­nie­ren.

Die­ser Bus fährt bis in die Sper­lings­ber­ge, einem auf einer Anhö­he gele­ge­nen Nah­erho­lungs­ge­biet am west­li­chen Ufer der Mosk­wa. Hier befin­det sich das Haupt­ge­bäu­de der Lomo­nos­sow-Uni­ver­si­tät, erbaut im Stil des Sozia­lis­ti­schen Klas­si­zis­mus: Ein gewal­ti­ges 235 Meter hohes Hoch­haus erhebt sich aus einem mas­si­ven Gebäu­de­kom­plex. Tors­ten meint, das sei eine der sie­ben Sta­lin-Schwes­tern. Davon haben Ste­fie und ich noch nie etwas gehört, aber wir wer­den sofort von Tors­ten auf­ge­klärt.

 

Schlös­ser­bäu­me”

 

 

Die 7 Sta­lin-Schwes­tern

Das sind sie­ben Hoch­häu­ser, die auf Befehl Sta­lins in der Stadt ver­teilt im sozia­lis­ti­schen klas­si­zis­ti­schen Stil in den Jah­ren 1947 bis 1957 errich­tet wur­den. Dazu gehö­ren das Haupt­ge­bäu­de der Lomo­nos­sow-Uni­ver­si­tät, das Gebäu­de des Außen­mi­nis­te­ri­ums, die Hotels Ukrai­ne und Lenin­gradska­ja, zwei Wohn­häu­ser sowie das Haus am Roten Tor.

Der Bus hält an einem weit­läu­fi­gen Aus­sichts­platz, von dem man einen ein­zig­ar­ti­gen Pan­ora­ma­blick über Mos­kau hat. Natür­lich fällt der Blick auch wie­der auf die Wol­ken­krat­zer von Mos­kau City. Sie sind ein­fach nicht zu über­se­hen. Vie­le Leu­te haben sich ein­ge­fun­den, um die­se Aus­sicht zu genie­ßen und – wie nicht zu über­se­hen ist – Spaß zu haben.
 

Wir been­den unse­re Bus­rund­fahrt am Arb­ats­ka­ja Platz. Der Alte Arb­at ist eine his­to­ri­sche Stra­ße, die seit den 80er Jah­ren als Fuß­gän­ger­zo­ne zum Bum­meln ein­lädt. Der Alte Arb­at hat sich zum Sze­ne­vier­tel ent­wi­ckelt: His­to­ri­sche Gebäu­de, das Wachtan­gow-Thea­ter, das Pusch­kin-Muse­um, vie­le Sou­ve­nir­lä­den, Kunst­an­ge­bo­te, Stra­ßen­künst­ler aller Art, Musik unter­schied­lichs­ter Klän­ge, Restau­rants, Cafés, Bars.

Bei uns mel­det sich der Magen. Wir betre­ten die Selbst­be­die­nungs­gast­stät­te “Grab­liund sind von der Aus­wahl der Spei­sen und dem Ambi­en­te sehr ange­tan. Und wir wer­den nicht ent­täuscht. Es schmeckt vor­züg­lich. Kos­ten für alles: 757 Rubel.

Anschlie­ßend spa­zie­ren wir ganz gemüt­lich durch den Alten Arb­at. Natür­lich wer­den auch ein paar Sou­ve­nirs gekauft. Nach gut einem Kilo­me­ter errei­chen wir das Ende der Fuß­gän­ger­mei­le, den Smo­len­s­ka­ja Platz. Hier sto­ßen wir wie­der auf eine der Sta­lin-Schwes­tern. Es ist das impo­san­te Gebäu­de des Außen­mi­nis­te­ri­ums. Sein Turm ist 172 Meter hoch. Wir müs­sen „weit zurück­ge­hen“, um den gesam­ten Kom­plex „ins Bild“ zu bekom­men.

Ein paar Schrit­te wei­ter befin­det sich die Smo­len­s­ka­ja Metro-Sta­ti­on. Was bin ich froh. Die Bei­ne sind schon schwer. Aber was für eine beein­dru­cken­de Metro­sta­ti­on. Palast­gleich, so mein Emp­fin­den. Ein Palast, der täg­lich von Tau­sen­den Men­schen betre­ten und genutzt wird. Übri­gens Inter­net­zu­gang ist in allen Metro­sta­tio­nen selbst­ver­ständ­lich. Ein ein­fa­ches Ticket kos­tet 55 Rubel.

Wir fah­ren mit der Linie 3 bis zur Kurska­ja Sta­ti­on, stei­gen dort um in die Linie 5. Die bringt uns zu „unse­rer“ Sta­ti­on Pavels­ka­ja. Noch 20 Minu­ten zu Fuß bis zum Hotel – eine kur­ze Stre­cke für hie­si­ge Ver­hält­nis­se. Jetzt bin ich aber froh, die Bei­ne hoch­le­gen zu kön­nen. Tors­ten und Ste­fie suchen die Erho­lung in der Hotel-Sau­na.

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