Schloss Oranienburg und Schlosspark

Schloss Oranienburg und Schlosspark
 16515 Oranienburg, Schlossplatz 1

Schloss Oranienburg

Was hat die Berliner Umgebung zu bieten? Auf der Suche nach etwas Historischem mit kulturellem Beiwerk stoße ich auf Oranienburg, einer Kreisstadt mit einem Schloss nördlich von Berlin, die noch mit der S-Bahn (S1) erreichbar ist. Oranien – nun der Name deutet schon auf einen geschichtlichen Hintergrund.

Ein kurzer Blick ins Internet: Der große Kurfürst Friedrich Wilhelm heiratete die Holländerin 1646 Louise Henriette von Oranien. Vielleicht waren es die sanften Erhebungen in der Landschaft durchzogen mit vielen Wasserläufen, die in der Kurfürstin ein Heimatgefühl hervorriefen. Jedenfalls bekam sie 1650 von ihrem Ehemann das Amt Bötzow geschenkt. Zwei Jahre darauf erhielt dieser Ort ihr zu Ehren den Namen Oranienburg. Zur gleichen Zeit entstand nach holländischen Vorbild (wonach sonst?) das Schloss Oranienburg. Nach einer wechselvollen Geschichte mit vielen Um- und Erweiterungsbauten, nach etlichen Entfremdungen, ist dieses Gebäude mit seinen es umgebenden Parkanlagen heute im Besitz der Stiftung Preußische Schlösser & Gärten Berlin-Brandenburg und auf das Feinste wiederhergerichtet. Kurz gesagt: Ein Besuch scheint lohnenswert!

 Eintritt

Erwachsene: 6, 00€
Ermäßigt: 5,00€
Familienkarte: 12,00€

Öffnungszeiten

November – März
Montag: geschlossen
Dienstag – Freitag::
10-16 Uhr
Sonnabend, Sonntag: 10-17 Uhr

April – Oktober
Montag: geschlossen
Dienstag – Sonntag:
10-18 Uhr

An einem Wochenende Ende April machen wir uns auf den Weg. Erste positive Erfahrung: Es stehen ausreichend kostenlose Parkplätze zur Verfügung. Nur ein paar Schritte und wir stehen vor dem weißen Schloss und dem angrenzenden Schlosspark. Es ist so ein angenehmes, sonniges Frühlingswetter. Es liegt auf der Hand, zuerst geht es in den Schlosspark. Moderater Eintritt:1€. Ein Wegeplan erleichtert die Orientierung. Wir entscheiden uns zuerst den historischen Park zu erkunden.
Doch zunächst stoßen wir auf das Grüne Klassenzimmer, ein als Garten gestalteter Lernort vor allem für Kinder. Wir denken an Schulklassen und Kindergartengruppen, die hier viel entdecken können: Wie leben Honigbienen? Wie heißen die Blumen? Welche Kräuter werden als Heilpflanzen genutzt? Es gibt hier vieles zu entdecken und auszuprobieren: Ein Bewegungsparcours, ein Barfußpfad, sogar ein lebender Weidezaun.

 

Lernort

 

Der Spaziergang führt uns zur Orangerie. Wir lesen auf der Informationstafel: Die Orangerie ist das einzige erhaltene Bauwerk aus der Zeit, als Prinz August Wilhelm von Preußen (1722-1758), ein Bruder Friedrich der Großen, Schlossherr in Oranienburg war. Allerdings wurde es nie als Gewächshaus genutzt. Seit 2003 wird das restaurierte Gebäude als Kulturzentrum der Stadt Oranienburg für Veranstaltungen genutzt.

 

Blick auf Orangerie

Im Rücken der Orangerie erstreckt sich der denkmalgeschützte historische Schlosspark. Bis auf die Wege scheint alles alt, romantisch, naturbelassen. Jetzt ist schon fast alles grün. Die Ruhe wir nur durch vielfältiges Vogelzwitschern unterbrochen. In der Mitte des Park öffnet eine Sichtachse den Blick zum entfernten Schloss. In regelmäßigen Abständen laden Bänke zum Ausruhen und Entspannen ein. Mittendrin ein größerer Teich mit einem Wasserspiel, das wir allerdings erst erblicken als wir den Park schon verlassen haben. Die Fontäne sprudelt offensichtlich nur in bestimmten Abständen.
  

Grabensystem


Ein Wassergraben trennt den historischen vom neuen Park. Hier stoßen wir auf das Gartenzimmer, ohne Zweifel eine gärtnerisch herausfordernde Idee der Parkgestaltung. Aber gelungen! Die 16 Gartenzimmer symbolisieren mit Blumenbildern, der Anordnung und der Formgestaltung von Gewächsen, der Anlage der Wege und weiterer Gestaltungselemente Fragen nach dem Leben, nach menschlichem Denken, Glauben und Fühlen, die sich Kurfürstin Louise Henriette gestellt haben soll. Im Einzelnen ist das Gartenzimmer durch folgenden Themen strukturiert: Eifer, Tempora, Traum, Einsamkeit, Liebe, Glaube, Luxus, Zuversicht, Freude, Familie, Zukunft, Herkunft, Illusion, Lust, Geschick, Entspannung. 

Gegenüber dem Gartenzimmer getrennt durch eine große, breite Wiese, befindet sich der Platz, den vor allem Familien zielgerichtet ansteuern und das mit gutem Grund. Hier erstreckt sich eine abwechslungsreiche und weitläufige Spiellandschaft. Jede Familie findet ein Plätzchen für sich, seine Decke, den Kinderwagen, die Vorräte an Speisen und Getränke. Picknick ist angesagt. Derweil können die Kinder ihrem Bewegungsdrang ungehindert nachgehen: Schaukeln, Rutschen, Kletterbäume, Wippen, Buddelbereiche. Bei sommerlichen Temperaturen ist ein Wasserspielplatz Anziehungspunkt. Hierzu gehört sicher auch der Matschspielplatz. Schlechtes Wetter? Kein Problem. In der Blumenhalle ist ein Indoor-Spielplatz eingerichtet. Hier gibt es auch ein kleines Café, das Erfrischungen anbietet.

 

Wiesenlandschaft

Spiellandschaft

 

Blick auf das Schloss

Nach diesem ausgiebigen Spaziergang durch den alten und neunen Schlosspark wollen wir uns noch das Schloss von innen ansehen. 6€ kostet der Eintritt, noch einmal 3€ für eine Fotoerlaubnis. Damit haben wir Zugang zum Schlossmuseum und zum Kreismuseum des Landkreises Oberhavel. Durch die wechselvolle Geschichte dieses Gebäudes und sein oft zweckentfremdete Nutzung war es sicher nicht leicht, etwas von der ursprünglichen Bestimmung und Atmosphäre wieder einzufangen.

Alle Räume sind restauriert, oft aber nur spartanisch ausgestattet. Ab und an ein historisches Möbelstück. Viel ist von der einstigen Pracht nicht übriggeblieben. Dazu zählen sicher verschiedene Gemälde, acht Bildteppiche, so genannte Tapisserie, zum Ruhme des Großen Kurfürsten, einige wenige historische Möbelstücke und das königliche Prunksilber aufbewahrt in der Silberkammer.

 

Tapisserie: Heldentaten des Großen Kurfürsten

 

Im einstmals berühmten Porzellankabinett kann man den damaligen Porzellanreichtum als Videoinstallation bestaunen. Die Realität ist nur ein trauriges Abbild. Die meisten Etagèren sind leer, die Wände fast kahl. Von der allegorischen Bemalung des Deckengewölbes ist nichts mehr zu sehen. Nur an einzelnen Fensternischen hat man die Dekoration teilweise wieder freigelegt.

Trotz dieser Einschränkungen bewerten wir unseren Rundgang durch das Schlossmuseum als aufschlussreich und angenehm, zumal wir auf unsere Fragen vom Aufsichtspersonal immer eine freundliche und kompetente Auskunft erhalten haben. Auch den Hinweis, dass viele der Möbel und Bilder heute im Schloss Charlottenburg zu besichtigen wären.

Für einen ausgedehnten Besuch des Kreismuseums reichen unsere Kräfte nicht mehr. Auch ist die Zeit schon fortgeschritten. Nur ein schneller Rundgang, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Es ist eine überschaubare Ausstellung (vergleiche: Technikmuseum).
  

 

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