Schleswig – Schloss Gottorf – Haithabu

 

7. Juli 2018

Han­na und Gero sind unschlag­ba­re Früh­auf­ste­her. Wir früh­stü­cken um 8 Uhr, die­sen Kom­pro­miss gehen sie mir zu Lie­be ein. Kaf­fee trin­ken, Essen, Plau­dern. Es ist halb zehn als wir uns nach Schles­wig auf den Weg machen. Nach einer Stun­de Auto­fahrt bei herr­li­chem Son­nen­schein errei­chen wir die Kreis­stadt Schles­wig und fin­den unpro­ble­ma­tisch ein Park­haus mit­ten in der Stadt. Wie bequem und besu­cher­freund­lich. Hier kann man drei Stun­den kos­ten­los par­ken. Nach einem Bum­mel durch die beleb­te Fuß­gän­ger­zo­ne mit viel­fäl­ti­gen Geschäf­ten, eini­gen Cafés und Gast­stät­ten lau­fen wir in Rich­tung Dom, dem Wahr­zei­chen Schles­wigs. Der Dom selbst prä­sen­tiert sich nach etli­chen Umbau­ten in sei­ner über 900 Jah­re alten Geschich­te als neu­go­ti­sches Bau­werk, aus­ge­nom­men das Ein­gangs­por­tal, das Petri­por­tal, das sei­nen roma­ni­schen Cha­rak­ter behal­ten hat. Der Turm ist ein­ge­rüs­tet, Sanie­rungs­ar­bei­ten ste­hen an. Bei uns­rem Besuch fin­det gera­de ein Got­tes­dienst statt. So kön­nen wir weder die Aus­sichts­platt­form bestei­gen (falls wir das gewollt hät­ten) noch einen Blick in das Kir­chen­schiff wer­fen.

 

Fuß­gän­ger­zo­ne

St. Petri-Dom Schles­wig

 

Wir set­zen unse­ren Spa­zier­gang fort bis zum Stadt­ha­fen an der Schlei. Hier ist erst ein­mal Pau­se und Stär­kung mit einem lecke­ren Fisch­bröt­chen ange­sagt. Am Kai ent­de­cke ich ein alter­tüm­lich aus­se­hen­des Boot. Eine Infor­ma­ti­ons­ta­fel erzählt des­sen Geschich­te: 1986 wur­de im See Gene­za­reth ein Fischer­boot aus der Zeit Jesu gefun­den. Das Bibel­zen­trum Schles­wig ließ in der Flens­bur­ger Muse­ums­werft die­ses fast zehn Meter lan­ge Boot nach­bau­en. 2010 lief es unter dem Namen Icht­hys vom Sta­pel (Jetzt heißt es wohl Schles­wig?). Es ist – bis­her zumin­dest – der ein­zi­ge funk­ti­ons­tüch­ti­ge Nach­bau. Inter­es­sier­te kön­nen bei Fahr­ten auf die­sem Boot See­ge­schich­ten aus der Bibel erfah­ren.

 

Icht­hys (griech.) = Fisch

Fisch = Tauf­sym­bol aus früh­christ­li­cher Zeit

 

 

 

Die Ruhe­pau­se ist zu Ende. Wir spa­zie­ren wei­ter zum Holm, einer  ehe­ma­li­gen klei­nen Fischer­sied­lung, heu­te Orts­teil von Schles­wig mit einer wohl ein­ma­li­gen Beson­der­heit. Der Fried­hof bil­det den Orts­kern, die klei­nen, mit Blu­men und Rosen­stö­cken geschmück­ten, lie­be­voll restau­rier­ten Fischer­ka­ten sind rund um die­sen Fried­hof ange­ord­net. Was hat es damit auf sich?

In Holm gibt es eine Toten­gil­de, die 1650 gegrün­de­te Hol­mer Belie­bung. Der Fried­hof – umge­ben von einem 1863 errich­te­ten guss­ei­ser­nen Zaun und einem Ring uralter Bäu­me – ist Pri­vat­ei­gen­tum der Gil­de und wird von deren Mit­glie­dern erhal­ten und gepflegt. Er ist auch nur den Mit­glie­dern zugäng­lich. Wir umrun­den den Fried­hof, in des­sen Mit­te eine im Jah­re 1876 erbau­te wei­ße Kapel­le steht. Belie­bung, heu­te ein eher unge­wöhn­li­cher Begriff.

 

Fried­hof der Hol­mer Belie­bung

 

Belie­bung – frei­wil­li­ge Ver­ei­ni­gung zu einem sozia­len Sys­tem auf der Grund­la­ge von selbst geschaf­fe­nen Rechts­nor­men

 

 

 

Zurück zum Park­haus geht es mit dem Auto wei­ter zum Schloss Got­torf. Die­se rie­si­ge Anla­ge mit einem impo­san­ten, aus­la­den­den Schloss­ge­bäu­de liegt auf einer Insel, die über Brü­cken erreich­bar ist. So eine gewal­ti­ge Anla­ge haben wir nicht erwar­tet und sind mehr als beein­druckt. Jetzt brauch­te man Zeit und noch­mals Zeit. Wir belas­sen es bei einem Rund­gang durch das Außen­ge­län­de. Im ehe­ma­li­gen Schloss ist die Kunst- und Kul­tur­ge­schich­te Schles­wig-Hol­steins prä­sen­tiert. Viel­fäl­ti­ge tem­po­rä­re Aus­stel­lun­gen fin­den sich in den Neben­ge­bäu­den; moder­ne Plas­ti­ken sind auch im Frei­ge­län­de zu bewun­dern. Gar­ten­lieb­ha­ber wer­den vom Barock­gar­ten ange­lockt. Natur­wis­sen­schaft­lich inter­es­sier­te Besu­cher zieht es in das Glo­bus­haus zum Got­tor­fer Glo­bus, ein Wun­der­werk zeit­ge­nös­si­scher Hand­werks­kunst.

 Öff­nungs­zei­ten

März-Okto­ber
Di-Fr 10–17 Uhr
Sb-So 10–18 Uhr

Novem­ber –März
Di-Fr 10–16 Uhr
Sb-So 10–17 Uhr

Ein­tritt
Erwach­se­ne: 9€

Ermä­ßigt: 6€
Fami­li­en­kar­te: 19€

  
Wir möch­ten uns aber noch unbe­dingt das Wikin­ger-Muse­um Haitha­bu (Haitha­bu = Hei­de­hof) anse­hen. Also machen wir uns mit dem Auto auf den Weg. Nach­dem wir ein paar Umwe­ge (mit und ohne Navi) gefah­ren sind, fin­den wir end­lich das Muse­um. Natür­lich besich­ti­gen wir das Muse­um, in dem die his­to­ri­sche Besied­lung durch die Wikin­ger anschau­lich mit Text und Arte­fak­ten dar­ge­stellt ist. Haitha­bu war eine bedeu­ten­de früh­mit­tel­al­ter­li­che Han­dels­stadt am Ende des Ost­see­fjor­des Schlei. Als Han­dels­stadt besaß sie einen Hafen. Im See sind Pali­sa­den gefun­den wor­den, die zur Hafen­be­fes­ti­gung gehör­ten. Im Jah­re 1066 wur­de Haitha­bu in krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen zer­stört. Im Muse­um ist zieht ein lan­ges Wikin­ger­boot (Lang­schiff) die Auf­merk­sam­keit von Groß und Klein auf sich. Es wur­de bei archäo­lo­gi­schen Tauch­gän­gen ent­deckt, geho­ben, kon­ser­viert und restau­riert.
In ihrer Blü­te­zeit hat­te die Stadt um die 2000 Ein­woh­ner. Die nach­ge­bau­ten Wikin­ger­häu­ser lie­gen ca. 1,3 Kilo­me­ter vom Muse­um­strakt ent­fernt am Had­de­by­er Noor. Die Sied­lung, eine Art Muse­ums­hof, ist über einen Rund­weg zu errei­chen. Also los geht’s. Irgend­wie sind es gefühlt sehr lan­ge 1,3 Kilo­me­ter. Sicher liegt das auch an der Hit­ze. Die Son­ne scheint. Der Him­mel wol­ken­los. Der Weg führt zum Teil über eine Wall­an­la­ge, die die Sied­lung schüt­zen soll­te. Vor­bei auch an Tie­ren, die die Wikin­ger gehal­ten haben: Rin­der, Scha­fe, Hüh­ner usw. 

Die Wikin­ger­sied­lung Haitha­bu ist ein Boden­denk­mal und gehört zum UNESCO-Welt­kul­tur­er­be.

Sie­ben Holz­häu­ser erzäh­len vom Leben der Wikin­ger­ge­mein­schaft: Haus des Kamm­ma­chers, Haus des Tuch­händ­lers, Haus der Händ­ler, Haus des Holz­hand­wer­kers, Ver­samm­lungs­haus, Haus des Fischers, Her­bergs­haus,  inklu­si­ve von Stäl­len,  Gemü­se- und Kräu­ter­gär­ten, Brun­nen und Lan­de­brü­cke in das Had­de­by­er Noor. Wie gesagt, Haitha­bu war eine Hafen­stadt und hat­te meh­re­re Lan­de­brü­cken.

 Adres­se
Am Had­de­by­er Noor 5
24866 Bus­dorf

 Öff­nungs­zei­ten
Täg­lich

9–17 Uhr

Ein­tritt
Erwach­se­ne: 7€

Ermä­ßigt: 5€
Fami­li­en­kar­te: 15€

  
Zurück in Kol­k­er­hei­de genie­ßen wir ein üppi­ges Abend­brot. Danach ist wie­der Fuß­ball ange­sagt. Russ­land gegen Kroa­ti­en. Was für ein Fuß­ball-Kri­mi. Nach Ver­län­ge­rung und Elf­me­ter­schie­ßen 5:6. Glück­li­ches Kroa­ti­en. Trau­ri­ges, aber stol­zes Russ­land.

 

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