Schiffshebewerk Niederfinow

.

Schiffs­he­be­werk Nie­der­fi­now

Hebe­werk­stra­ße 52, 16248 Nie­der­fi­now

Car­pe diem! Nut­ze den Tag! Genie­ße den Tag! Ein wei­ser Spruch. Das Febru­ar­wet­ter ist nicht kalt, kei­ne Spur von einem rich­ti­gen Win­ter. Es reg­net und reg­net und wenn es nicht reg­net, schaut man durch einen Dunst­vor­hang in einen grau­en Him­mel; meis­tens jeden­falls. Ab und zu ver­ir­ren sich ein paar Son­nen­strah­len, der graue Him­mel reißt auf und gibt es im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes Licht­bli­cke. Und die­se soll­ten genutzt wer­den. Das den­ken wir uns auch – mein Bru­der Luc, sei­ne Frau Mar­gret und ich. Wir ver­ab­re­den uns kurz­ent­schlos­sen für einen Aus­flug nach Nie­der­fi­now. War­um gera­de die­ser Ort? Nie­der­fi­now liegt nörd­lich von Ber­lin im Land­kreis Bar­nim am Havel-Oder-Kanal. Die Stadt Ebers­wal­de ist nicht weit ent­fernt.

Nie­der­fi­now als klei­ne Gemein­de mit kaum mehr als 600 Ein­woh­nern wür­de wohl kaum jemand ken­nen, wenn da nicht eine beson­de­re Attrak­ti­on wäre: Eine schon von wei­tem sicht­ba­re gewal­ti­ge Stahl­kon­struk­ti­on, in der Schif­fe wie in einem Fahr­stuhl nach oben bzw. unten beför­dert wer­den, um den Höhen­un­ter­schied von 36 Meter im Havel-Oder-Kanal zu über­win­den – ein Schiffs­he­be­werk. Es wur­de nach 7jähriger Bau­zeit 1934 in Betrieb genom­men und ist die ältes­te noch arbei­ten­de Hebe­ein­rich­tung für Schif­fe in Deutsch­land mit dem Sta­tus, ein tech­ni­sches Indus­trie­denk­mal zu sein. Noch wur­de es nicht in den Ruhe­stand ver­setzt. Obwohl der stäh­len­de Koloss in die Jah­re gekom­men ist, ist er bis heu­te in Betrieb.

Der Havel-Oder-Kanal ist Teil der Havel-Oder-Was­ser­stra­ße (HOW) hat eine Län­ge von ca. 135 Kilo­me­ter. Deren End­punk­te sind die Spree­mün­dung in die Havel in Ber­lin-Span­dau (Span­dau­er Schleu­se) und die deutsch-pol­ni­sche Gren­ze bei Mesche­rin.

  

Als ein impo­san­tes tech­ni­sches Denk­mal zieht das Schiffs­he­be­werk jähr­lich vie­le Besu­cher an. In unmit­tel­ba­rer Nähe wur­de ein groß­zü­gi­ger Park­platz ein­ge­rich­tet. Ein 2009 ein­ge­weih­tes Infor­ma­ti­ons- und Aus­stel­lungs­zen­trum bie­tet Füh­run­gen an und stellt sehr umfang­rei­che Infor­ma­ti­ons­ma­te­ria­li­en kos­ten­los zur Ver­fü­gung. Wir bedie­nen uns. Auch für Kin­der ist etwas dabei – eine aus­ge­zeich­ne­te Idee! Im Infor­ma­ti­ons­zen­trum erwer­ben wir die Ein­tritts­kar­ten: 2€ und ermä­ßigt 1€.

Durch eine Dreh­tür gelan­gen wir auf einen ser­pen­ti­nen­ar­tig ange­leg­ten Weg zum obe­ren Vor­ha­fen und Schiffs­he­be­werk. Er ist sehr bequem zu erstei­gen. Wenn nötig, gibt ein Gelän­der zusätz­li­chen Halt. Ein ers­tes Erstau­nen, der Ober­ha­fen, also die obe­re Ein­fahrt in das Hebe­werk, ist vol­ler Eis­schol­len. Oho, hier oben pfeift ein ande­rer Wind! Jetzt wäre eine Müt­ze nicht schlecht. Glück­lich, wer eine Kapu­ze an sei­ner Jacke hat. Ein brei­ter Weg führt um das Schiffs­he­be­ge­rüst her­um, sodass man es von allen Sei­ten besich­ti­gen und bestau­nen kann. Der Blick ruft ein zwei­tes Erstau­nen her­vor. Ers­tens die die beein­dru­cken­de Höhe und zwei­tes: kei­ne Eis­schol­len. Als ob ein Schiff vom Win­ter in den Früh­ling fährt.

Schiff. Das ist das Stich­wort. Was haben wir doch für ein Glück. Die Schei­tel­hal­tung des Havel-Oder-Kanals mün­det in eine stäh­ler­ne Kanal­brü­cke. Hier im so genann­ten obe­ren Vor­ha­fen erbli­cken wir ein Schiff, das sich dem Schiffs­he­be­werk lang­sam nähert.

Es ist weit und breit das ein­zi­ge Schiff, das das Hebe­werk ansteu­ert. Also Kapu­ze auf und Stel­lung bezo­gen. Das wol­len wir sehen! Und nicht nur wir. Schnell ver­sam­meln sich immer mehr Schau­lus­ti­ge. Das Schiff – ein Güter­mo­tor­schiff – muss abge­senkt wer­den. Die Pro­ze­dur dau­ert etwa eine hal­be Stun­de. Das Tor geht auf, das Schiff fährt ein und wird ver­täut. Das Tor geschlos­sen. Ein biss­chen Aus­dau­er ist schon gefragt, bis ein Signal­ton ertönt und der Trog mit­samt Schiff sich abwärts in die unte­re Hal­tung (Was­ser­spie­gel) bewegt. Nach fünf Minu­ten sind die 36 Meter Höhen­dif­fe­renz über­wun­den. Das Tor öff­net sich, die Fest­mach­lei­ne wird gelöst und das Schiff fährt her­aus. Ganz so ein­sam wie heu­te ist es sonst wohl nicht, denn jähr­lich pas­sie­ren ca. 20.000 Was­ser­fahr­zeu­ge das Schiffs­he­be­werk.

Das Schiffs­he­be­werk Nie­der­fi­now ist ein Senk­recht­he­be­werk. Es funk­tio­niert über das Prin­zip aus­glei­chen­der Gegen­ge­wich­te. Hebe­ge­rüst ist 60 Meter hoch, 27 Meter breit und 94 Meter lang. Der Schiffs­trog, also die Wan­ne, in die ein Schiff ein­fährt, ist 85 Meter lang und 12 Meter breit und 2,50 Meter tief. Der Trog kann 1000-Ton­nen-Schif­fe mit einer max. Län­ge von 80 Meter und einer max. Brei­te von 9,50 Meter auf­neh­men. 
  

Für die heu­ti­gen Anfor­de­run­gen der Bin­nen­schiff­fahrt reicht die Kapa­zi­tät des Hebe­werks nicht mehr aus. Die Schif­fe wer­den grö­ßer und grö­ßer.

Des­halb ist seit 2008 ein neu­es, höhe­res Schiffs­he­be­werk im Bau – die gewal­ti­ge Bau­stel­le kann man gleich mit besich­ti­gen – vor­erst aber nur aus eini­ger Ent­fer­nung. Die­ser Bau ist ganz sicher kein ein­fa­ches Unter­fan­gen, so ver­wun­dert es nicht, dass sich die Fer­tig­stel­lung um vier Jah­re bis 2018 ver­zö­gert. Aber wenn das neue Schiffs­he­be­werk sei­ne Arbeit auf­nimmt, kön­nen sogar Con­tai­ner-Schub­ver­bän­de die Havel-Oder-Was­ser­stra­ße pas­sie­ren und bis nach Polen fah­ren.

Das neue Schiff­he­be­werk Nie­der­fi­now, das in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft der alten Anla­ge errich­tet wird, ist 130 Meter lang und 60 Meter breit. Der Trog wird 115 Meter lang und 12,50 Meter breit und 4 Meter tief sein. Er ist für max.110 Meter lan­ge und max. 11,40 Meter brei­te Schif­fe aus­ge­legt.

All die­se inter­es­san­ten Infor­ma­tio­nen habe ich den Bro­schü­ren des Infor­ma­ti­ons­zen­trums ent­nom­men. Zum Abschluss unse­rer Besich­ti­gung haben wir in der gleich an Ein­gang des Park­plat­zes gele­ge­nen Gast­stät­te „Zum Bar­ni­mer Holz­michl Platz genom­men: klein, gemüt­lich und warm. Wir sto­ßen nach­träg­lich auf Mar­grets Geburts­tag an und sind mit dem Tag sehr zufrie­den. Na dann Prost. So kann es wei­ter­ge­hen!

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Blogverzeichnis - Bloggerei.de