Sagrada Familia

 

 2. Mai 2019


Casa Milà („Steinbruch“)

Heute steht die Blaue Route des Sightseeing-Busses auf unserem Plan. Von unserem Hotel ist es bis zum Place Catalunya, dem Ausgangspunkt aller Sightseeing-Busse, nur ein Katzensprung. Wir brauchen nicht lange zu warten, schon sitzen wir auf dem Oberdeck eines Busses und los geht die Fahrt entlang dem Passeig de Gràcia, die wir aber schon bei der nächsten Station unterbrechen. Hier befinden sich zwei von Antoni Gaudi entworfene Gebäude, das Casa Batllo und das Casa Milà, die wir gern besichtigen würden. Doch was für eine Enttäuschung. Vor beiden Gebäuden drängelt sich eine neugierige Menschenmenge, mittendrin auch eine Warteschlange. Ohne Online-Ticket ist man auf verlorenem Posten, es sei denn man nimmt eine auf unbestimmte Zeit ausgedehnte Wartezeit in kauf. So bleibt uns nur das Casa Milà von außen zu bewundern, das im Volksmund den Beinamen „Steinbruch“ trägt. Vielleicht weil es wir aus einem Felsen herausgeschlagen aussieht. Das Casa Batlló ist eingerüstet, sodass hier die Außenschau entfällt. Schade, denn dieses Haus soll zu den Schönsten von Gaudi kreierten Gebäuden gehören. Was nun?

Casa Batlló

Das Gebäude, benannt nach seinem ersten Besitzer, wurde durch Antoni Gaudi von 1904 bis 1906 neu gestaltet. Die wellenförmige und mit unzähligen farbenfrohen Mosaiken versehene Fassade symbolisiert den Kampf des Heiligen Georg (Sant Jordis), katalonischer Schutzpatron, gegen den Drachen. So ist der Dachsims mit Keramikfliesen bedeckt, die an Reptilienschuppen erinnern. Ganz oben ist ein Kreuz zu sehen – die Lanze des Heiligen Georg. Seit 2005 gehört das Gebäude zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Ein Blick auf den Stadtplan verrät: Wir befinden uns im Stadtteil Eixample ganz in der Nähe des Museums der Stiftung Antoni Tàpies. Antoni Tàpies (1923-2012) war ein avantgardistischer katalanische Maler und Bildhauer. Das Museum ist schon von weitem zu erkennen. Auf dem Dach eines ehemaligen Verlagsgebäudes befindet sich ein merkwürdig anmutendes Gebilde: Vielfach verschlungene Drähte. Später erfahren wir, das ist ein von Tàpies selbst entworfenes Kunstwerk: „Die Wolke und der Stuhl“. Dafür wurden 2,7 Kilometer Stahldraht verarbeitet. Gigantisch! Auch hier profitieren wir von dem ermäßigten Eintrittspreis für Senioren ab 65 Jahren.

Museum der Stiftung Antoni Tàpies

Barcelona,
Carrer d’Aragó 255

 Öffnungszeiten
Di, Mi, Do, Sb: 10-19 Uhr
Fr: 10-21 Uhr
So: 10-15 Uhr
Mo: geschlossen

 Eintritt
Erwachsene: 8€
Ermäßigt: 6,40€

In der weiträumig angelegten Ausstellung, die durch die helle Farbe und die Höhe der Räume alles leicht, fast schwebend aussehend lässt, versuchen wir uns der modernen Kunst zu nähern. Tàpies wählte gesellschaftskritische Themen und experimentierte mit unterschiedlichen Materialien und Techniken. Ganz spontan erinnern mich viele Arbeiten an die von Joseph Beuys, will damit sagen, man muss ein Fan für diese Art von Kunst sein – und das ist nicht jeder. Für uns war es eine Erfahrung wert. Wir haben uns auch recht lange in dem Museum aufgehalten.

Danach geht es zurück zur Haltestelle der Blauen Linie am Passeig de Gracià. Unser nächstes Ziel ist der von Gaudi erschaffene Park Güell. Natürlich sind wir voller Neugier und Vorfreude auf den, wie es heißt, schönsten Park von Barcelona. An der Haltestelle „Park Güell“ steigen wir aus und folgen den Hinweisschildern. Wer gedacht hat (wie wir) der Park befindet sich in der Nähe, hat sich geirrt. Es ist ein ziemlicher Fußmarsch, erst bergab, dann bergauf, bevor man vor den Toren des Parks steht. Und wie nicht anders zu erwarten: Menschen über Menschen vor dem märchenhaft gestalteten Eingangstor. Doch wer bis jetzt kein gültiges Ticket hat, kommt nicht in den Park. Und die Tickets sind einschließlich der nächsten zwei Tages komplett ausverkauft. Eva ist fassungslos. Schon wieder eine Enttäuschung. Nach unserer Erfahrung sollte man sich gut überlegen, welche Sehenswürdigkeiten man in Barcelona sich ansehen möchte und die Tickets per Internet vorab kaufen.

Wieder steht die Frage. Was nun? Lotti hatte in weiser Voraussicht Tickets für die Kathedrale Sagrada Familia über das Internet gebucht. Ein Seniorticket kostet 14€. Die Eintrittszeit ist mit 17:00-17:15 Uhr vorgegeben. Da wir durch den Ausfall des Güell-Parks noch eine Menge Zeit haben, bummeln wir gemütlich durch die Stadt in Richtung Sagrada Familia und halten Ausschau nach einem Café für eine kleine Pause. Das ist in unmittelbarer Nähe der exotisch anmutenden Basilika, dem Wahrzeichen von Barcelona, gefunden. Nach dieser wohlverdienten Pause schlendern wir zum Eingangsbereich der Kirche. Das Bauwerk, das von Gaudi 1882 begonnen wurde, ist noch immer unvollendet. Es ist auch ein gewaltiges und vor allem ungewöhnliches Vorhaben. Über das Kirchenschiff werden sich 18 Türme einmal erheben, in der Mitte über der Vierung der über 170 Meter hohe Jesus-Turm. Damit wird die Sagrada Familie den höchsten Kirchturm besitzen. Derzeit sind acht Aposteltürme fertiggestellt.

Es ist schwer, den Eindruck, den dieses Bauwerk hinterlässt, zu beschreiben. Es ist ein so ungewöhnlicher Stil, eben der Gaudi-Stil, der diese Kirche von allen anderen Kirchen in der Welt unterscheidet. Eine Architektur, mit der Gaudi eine Verbindung von Gott, Mensch und Natur anstrebte. So sind die tragenden Säulen im Kirchenschiff Bäumen nachempfunden. Oben verzweigen sie sich Ästen gleich und deuten ein Blätterdach an.

Löwe (Matthäus)

Die vier Säulen der Vierung sind mit den Symbolen der vier Evangelisten versehen: Mensch (Matthäus), Löwe (Markus), Stier (Lukas) und Adler (Johannes). Große, mit buntem Glas verglaste Fenster erzeugen vielfältige, wechselnde Lichteffekte. Viele Menschen bleiben vor einer Bronzetür stehen. Sie wurde von dem katalanischen Bildhauer Josep Maria Subirachs (1927-2014) gestaltet, der auch die Passionsfassade entworfen hat. Auf der Tür ist das Vater-Unser auf Katalanisch zu lesen und im Hintergrund die Zeile „Gib uns unser täglich Brot“ in 50 Sprachen.

2010 wurde die Basilika von Papst Benedikt XVI. geweiht. 2026 zum 100. Todestag von Gaudi, der in der Krypta seine letzte Ruhestätte gefunden hat, soll der Bau vollendet sein.

2015 stelle die Stadtregierung Barcelonas fest, dass seit Baubeginn im Jahre 1882 die Kirche ohne offizielle Baugenehmigung gebaut wurde. Das hat man im Mai 2019 nachgeholt. Die Baugenehmigung gilt bis 2026. Bis dahin soll der Kirchenbau abgeschlossen sein.

Nach diesem überaus eindrucksvollen Erlebnis brauchen wir etwas Abstand. Zurück im Hotel gönnen wir uns eine Pause ehe wir noch einmal aufbrechen. Unser Plan für das Abendessen steht: Ein Restaurant am Placa Reial. Von unserem Hotel aus ist es nur ein kurzer Spaziergang dorthin. Wir entscheiden uns für das Rossini – es war eine gute Entscheidung!

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