Rund um Torgau

 

20.Mai 2017: Rund um Torgau
 Graditz:  Alles Glück dieser Erde … 
Heute haben wir uns etwas Besonderes vorgenommen. Abweichend von städtischen Sightseeing besuchen wir das Hauptgestüt Graditz (Gestütsstraße 54-56, 04860 Torgau), das sich unmittelbar vor den Toren Torgaus befindet und ein Gestüt mit einer wechselvollen Geschichte ist, die bis in das 17. Jahrhundert zurückreicht. Kein Geringerer als August der Starke beauftragte den berühmten Architekten Pöppelmann eine repräsentative Gestütsanlage zur Zucht englischer Vollblüter zu errichten. Heute erstrahlt die gesamte Anlage in neuem Glanz: Schloss, Torhaus, Stutenstall, langer Stall, weitere Stallgebäude, Reithalle, Wirtschaftsgebäude, Wohnhäuser für die Mitarbeiter, zahlreiche Koppeln und eine ausgedehnter, sehr gepflegte Parkanlage. 
  

Bei herrlich sonnigem Wetter spazieren wir durch die Anlage, fast überall können wir einen Blick hineinwerfen. Wir lesen: Das Gestüt hat die Aufgabe, eine Stutenherde zu halten und Junghengste aufzuziehen, um den Hengstbestand zu erhalten. Die Pferdewirte und Pferdepfleger, fast alles junge Leute, sind außerordentlich freundlich und auskunftsfreudig.  

Parkanlage

  

  

Schließlich landen wir in einer Reithalle, in der gerade eine Auktion von ausgewählten Stuten stattfindet. Wir setzen uns auf die Tribüne und verfolgen interessiert das Geschehen. Liegt es an unserem fachkundigen Blick, dass uns die Unterlagen der Stuteneintragung Deutsches Sportpferd gereicht werden? Dazu erhalten wir noch eine ausführliche Erklärung mit einer Ergänzung der Gesamtnote. Das finde ich richtig toll. Die höchste Bewertung von 8,6 Punkten erhält die schwarzbraune Stute Diamant.

Hauptgestüt Graditz
Gestütsstraße 54-56,

04860 Torgau

Wir sind uns einig, Graditz hat unsere Erwartungen übertroffen. Ein Besuch ist besonders für Pferdefreunde empfehlenswert, zumal auch Führungen angeboten werden, welche die Besichtigung ganz sicher noch aufschlussreicher machen.

 Schildau – Stadt der Schildbürger?
Jetzt sind wir auf dem Weg nach Schildau. Warum gerade Schildau? Die Bürger von Schildau nehmen – neben weiteren acht Städten – für sich in Anspruch, dass ihre Vorfahren als Schildbürger in die Geschichte eingingen. Von deren Schelmenstreichen hat bestimmt jeder schon gehört. Auch trägt dieser Ort den Beinamen Gneisenaustadt. Also ein doppelter Grund ihm einen Besuch abzustatten. Übrigens Schildau ist auch ein Ort auf dem Lutherweg.
Von Graditz nach Schildau sind es rund 20 Kilometer, die sich in einer knappen halben Stunde mit einer gemütlichen Autofahrt bewältigen lassen. Wir erreichen Schildau und stellen spontan fest: Alles fein hergerichtet und keine Leute. Das erinnert an Torgau. Wir parken direkt auf dem Marktplatz. Hier steht ein Gneisenau-Denkmal, das an den berühmten Sohn dieser Stadt, August Neidhardt von Gneisenau (1760-1831), erinnert. Generalfeldmarschall Gneisenau war ein fortschrittlicher Geist, der für eine Heeresreform inklusive Wehrpflicht, die Volksbewaffnung und gegen das adlige Offiziersprivileg eintrat. Als Blüchers Stabschef erwarb er sich wesentliche Verdienste an den Siegen über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig und bei Waterloo.
Nach Umrundung des Denkmals und dem Lesen aller Inschriften überqueren wir den Marktplatz in Richtung Gneisenau-Museum, Marktstraße 14. Aber das hat leider geschlossen. Nun, das ist nichts zu machen. Auf dem Weg dorthin fällt uns an einer Hausfassade eine Gedenktafel ins Auge. Ruth Kraft (1920-2015). Die Schriftstellerin u.a. des Romans Insel ohne Leuchtfeuer wurde hier geboren. Neben diesem Roman schrieb sie u.a. auch eine Reihe von Kinder- und Jugendbücher. Und nicht zu vergessen: 1953 veröffentlichte sie mit „Das Schildbürgerbuch von 1598“, eine Neubearbeitung der Schildbürgerstreiche. 

Ein paar Schritte weiter stehen wir vor einem Brunnen, der die Taten der Schildbürger symbolisiert: Es ist u.a. die Geschichte über einen gefangenen Fisch, der wieder in den See gesetzt wird. Um ihn später erneut fangen zu können, kerben die Schuldbürger den Kahnrand ein, wo sie den Fisch haben ins Wasser gleiten lassen. Darauf muss man erst einmal kommen! Das Schildbürgermuseum ist leider auch geschlossen. Wir hätten uns vorher informieren sollen.

So, was nun? Sonnabendnachmittag und wir allein in Schildau. Eine Pause, ein Imbiss wären nicht schlecht. Wir halten Ausschau nach einem Restaurant. Wir wählen das einzige, was wir ausgemacht haben: direkt am Mark. Zwei Gäste sind Gastraum. Wir nehmen draußen Platz und trinken Kaffee. Eine Ruhe, unglaublich.

Kennen Sie die Geschichte vom Rathausbau der Schildbürger? Es soll schöner und eindrucksvoller als alle anderen Rathäuser werden. Aber als das Gebäude fertiggestellt ist, wundern sich die Schuldbürger über die Dunkelheit, die innen herrscht. Der Architekt hatte den Einbau der Fenster vergessen. Kein Problem für die Schuldbürger. Beherzt greifen sie zu Eimern, um darin das Sonnenlicht aufzufangen und in das Rathaus zu tragen.

Wurzen – Ringelnatzstadt
Danach machen wir noch einen Abstecher nach Wurzen, der Ringelnatz-Stadt. Auch das ist nicht weit, wieder nur knapp 20 Kilometer Landstraße und schon erreichen wir Wurzen, eine Domstadt mit gut 16.000 Einwohnern. Wir finden schnell einen Parkplatz. Zuerst führt uns ein Spaziergang zur der auf einer kleinen Anhöhe, dem Sperlingsberg, gelegenen Stadtkirche St. Wenceslai.

Von hier aus bummeln wir die Fußgängerzone entlang bis zum Marktplatz. Seine Größe lässt auf eine historisch bedeutungsvolle Geschichte der Stadt Wurzen schließen. Um tatsächlich wird unsere Vermutung im Kulturhistorischen Museum bestätigt. Wurzen war vor allem durch die Teppichproduktion eine wohlhabende Stadt gewesen. Aber auch jetzt scheint es um Wurzen nicht schlecht bestellt zu sein, so hören wir. Zwar ist deren Einwohnerzahl stark gesunken, aber die Arbeitslosenzahlen sei relativ niedrig.

Im Stadtmuseum werden wir auch mit der Lebensgeschichte von Joachim Ringelnatz (= Hand Gustav Bötticher 1883.1934) vertraut. Ringelnatz ist der Vater der Seemannsfigur Kuttel Daddeldu 😉 . Eines wird deutlich: Ein humorvoller Charakter ist keine Garantie für eine amüsante Lebensgeschichte.

 

Stadtmuseum

Im Museum

Ringelnatz‘ Aphorismen: 😛 

Ein jeder spinnt auf seine Weise, der eine laut, der and’re leise.

Humor ist der Knopf, der verhindert, daß uns der Kragen platzt.

Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht.

Nach dem Museum schauen wir uns das Schloss an – von außen. Jetzt beherbergt es ein pikfeines Hotel. Eine Hochzeitsgesellschaft nähert sich. Ein paar Schaulustige haben sich eingefunden. Noch schnell ein Foto vom Schloss, ehe es von den Feiernden zugestellt ist. Gleich neben dem Schloss befindet sich der Dom St. Marien. Aus ihm erklingt Musik, d.h. zurzeit kein Einlass. Aber was ist das? Ein Stein mit einer Gravur: Wurzen ist über 1000 Jahre alt. Und unweit davon entfernt steht der Lutherbrunnen mit einer Erinnerungstafel – obwohl Luther wohl nie in Wurzen gewesen ist, führt der Lutherweg auch durch diese Stadt geradewegs zum Dom.

 

Wir schlendern zurück zum Marktplatz und kommen an Ringelnatz-Stelen vorbei, die über das Wirken des Schriftstellers informieren. Eine interessante Idee!

Die Stadt glänzt in der Sonne und die Cafés am Markt sind gut besucht. Wurzen hat eine schöne Altstadt. Dort hatten wir schon vorhin ein Auge auf das Dom-Café geworfen. Und wir werden nicht enttäuscht. Alles sehr lecker in gemütlicher Atmosphäre. Doch jetzt heißt es Good Bye Wurzen. Es geht zurück nach Torgau und morgen fahren wir nach Hause.

 

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