Rochefort und die „Hermione“

16.09.2016
Der Tag fängt gut an. Um 6 Uhr klingelt der Handywecker. Falsche Programmierung der Weckzeit. Noch einmal umdrehen. Schließlich schlafen wir in hochherrschaftlichen Betten. 8 Uhr: Lautes Glockengeläut. Es soll einfach nicht sein. Also aufstehen. Es gibt aber keinen Grund missmutig zu sein. Ein herrliches Frühstück erwartet uns: Croissants, Applepie, Baguettes, Käse, Kaffee, Marmelade, Früchte, …

Der Blick aus dem Fenster ist weniger ermunternd. Es regnet vor sich hin, nicht sehr stark, aber ohne Unterlass. Zudem kein Internetzugang, obwohl die Internetverbindung besteht. Was ist das denn? Die Gastgeber geben sich große Mühe, das Problem zu beheben, umsonst. Schließlich stellen sie uns ihren PC zur Verfügung. Das funktioniert.
Bis zum Mittag bleiben wir im Haus, machen einige Notizen, schreiben Postkarten und bringen etwas Ordnung in die Reisesachen. Als wir uns auf den Weg machen, Rochefort zu erkunden, lugt gerade die Sonne ein bisschen hervor. Im Laufe des Tages begleitet uns der Wechsel zwischen Sonne und Regen.

Rochefort ist eine alte schachbrettartig angelegte Garnisonsstadt mit ca. 25.000 Einwohnern. Manche Gebäude und Anlagen erscheinen bezogen auf die Gesamtgröße der Stadt überdimensioniert. Das lässt eine interessante Historie vermuten. Und so ist es auch. Die Stadt ist über den Fluss Charente mit dem Atlantik verbunden. In früheren Zeiten ein idealer Ort für einen geschützten Hafen. Rochefort war ein bedeutender Marinestützpunkt. Im 17. Jahrhundert wurde hier auf Anweisung des Sonnenkönigs Ludwig XIV. der größte Kriegshafen Frankreichs errichtet, in dessen Werft viele Schiffe gebaut, überholt und gewartet wurden. Einige Gebäude, darunter die Königliche Seilerei, sind noch erhalten bzw. wurden restauriert. Auch Teile der Festungsmauer, die die Stadt umgeben hat, zeugen von der militärischen Vergangenheit der Stadt. Heute hat Rochefort eine überschaubare Marina, in der Segler aus aller Welt zu finden sind. 
Bei unserem Bummel durch die Innenstadt in Richtung Fluss entdecken mehrere große Plätze, ein imposantes altes Postgebäude (außer Betrieb), eine große Kirche, ein Theater, das Kunsthistorische Museum Hèbre de Saint Clément und eine Reihe von interessanten kleinen Läden. Die Avenue la Fayette ist als Allee gestaltet und führt zum Place de la Galissonnière. Hier befindet sich das Nationalmuseum der Marine. Noch sind wir unschlüssig, ob wir diesem Museum einen Besuch abstatten wollen, als wir ein historisches Schiff sichten. Es ist die Hermione

Wir entscheiden uns für eine Schiffsbesichtigung des originalgetreuen Nachbaus. Eintritt: 9€. Bevor wir das Schiff besteigen, durchlaufen wir Werkstätten mit all den Handwerken, die notwendig sind, um ein Schiff zu bauen: Schmiede, Sailer, Zimmerleute, Holzschnitzer, Segelmacher, … Dann geht es auf die Hermione. Dem Flyer entnehme ich: Wir betreten den größten, originalen Nachbau eines Schiffs in Frankreich. Die Fregatte ist 66 Meter lang, der Hauptmast hat eine Höhe von 45 Meter – vergleichbar mit einem 16stöckigen Gebäude. Wir müssen aufpassen. Durch den Regen ist das Oberdeck glitschig, das heißt, immer gut festhalten, wie bei bewegter See – na ja fast.

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Kanone auf der Museumsfregatte

Insgesamt ist die Fregatte mit 28 Kanonen ausgerüstet. Die Mannschaft lebte auf dem Unterdeck zwischen Kanonen, Munitions- und Vorratskisten – sicher auch zwischen Mäusen und Ratten. Überall, wo ein kleiner freier Platz war, wurde eine Hängematte gespannt. Wie hält man solch ein Leben lange aus? Natürlich die Offiziere hatten es etwas besser, aber beileibe keinen Luxus.

Hermione – eine französische Fregatte, die 1779 in Rochefort vom Stapel lief. Unter Leitung des Marquis de La Fayette segelte sie nach Nordamerika mit dem Ziel, den Unabhängigkeits-kampf der amerikanischen Kolonisten zu unterstützen. Dieses Schiff wurde durch Freiwillige im Laufe von 17 Jahren in einem Trockendock des ehemaligen Marinestützpunktes von Rochefort nachgebaut. 2014 ließ man der Nachbau zu Wasser. Ein Jahr später segelte sie wie ihre Vorgängerin nach Amerika.
  

Nach der Schiffsbesichtigung machen wir einen Spaziergang am Ufer der Charente entlang. Es hat aufgehört zu regnen. Auf diesem Weg kommen zu den Königlichen Seilereien (Corderie Royale), die, wie gesagt, noch aus dem 17. Jahrhundert stammen. Was für lange Gebäude: 400 Meter lang. Heute beherbergen diese Gebäude das Internationale Meereszentrum.
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Vollmond über Rochefort

Jetzt tun unsere Füße weh. Ja, die Entfernungen sind nicht zu unterschätzen. Auch der Magen meldet sich. Im La Nell bestellen wir, auf Anraten, für den Abend einen Tisch. Das erweist sich als eine gute Idee, denn abends merken wir, wie schnell sich das Restaurant bis auf den letzten Platz füllt. Wo kommen nur die Leute her? Egal, wir genießen ein wunderbares Steak mit einem zünftigen Rotwein bei Vollmond. 

 

 

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