Rennsteigwanderung

 

21. Juli 2017

Kurz nach neun Uhr sit­zen wir in der Gast­stat­te des Hotels beim Früh­stück. Das Buf­fet ist abwechs­lungs­reich und jeder nimmt sich, was ihm am bes­ten mun­det. Guten Appe­tit!

Eine Stun­de spä­ter sind wir für unse­re ers­te Wan­de­rung start­klar: Ruck­sä­cke gepackt, Was­ser­fla­sche nicht ver­ges­sen, etwas Obst als Weg­zeh­rung.

Vom Hotel lau­fen wir zum Andre­as-Brun­nen. Den hat­ten wir bereits ges­tern beim unse­rem ers­ten Erkun­dungs­gang ent­deckt. Hier fin­det die ers­te Foto­ses­si­on statt. Und von hier aus star­ten auch ver­schie­de­ne Wan­der­we­ge. Wir wäh­len spon­tan die T10-Rou­te zum Renn­steig. Ja, der Renn­steig. Ich erzäh­le den Mädels auf welch geschichts­träch­ti­gen Spu­ren wir uns befin­den.

Der Renn­steig ist ein ca. 170 km lan­ger Wan­der­weg über den Kamm des Thü­rin­ger Wal­des und des Thü­rin­ger Schie­fer­ge­bir­ges sowie teil­wei­se durch den nörd­li­chen Fran­ken­wald. Er beginnt am Mit­tel­lauf der Wer­ra in Hör­schel, einem Orts­teil von Eisen­ach, und endet am Ober­lauf der Saa­le bei Blan­ken­stein. Die­ser Kamm­weg wur­de schon vor über 1000 Jah­ren als Boten-, Rei­se-, Han­dels- und Trans­port­weg genutzt. Der Name „Renn­steig“ ver­weist auf einen schma­len, anstei­gen­den Pfad, auf den eine schnel­le Fort­be­we­gung mög­lich war. Heu­te ist die Stre­cke durch ein gro­ßes wei­ßes R auf einer dun­kel­brau­nen Holz­ta­fel mar­kiert.

Nicht nur mir, auch den Mäd­chen, fällt die „ande­re“ Luft auf. Wir atmen tief ein. Ein sehr ange­neh­mes Gefühl. Hin­zu kommt die Ruhe. Nur die Geräu­sche des Wal­des beglei­ten uns: ab und zu ein Knar­ren der Bäu­me, wenn Wind auf­kommt, unter­schied­li­che Gesän­ge bzw. Rufe von Vögeln – und unse­re eige­nen Stim­men natür­lich. Wir sind mit­ten im Natur­park Thü­rin­ger Wald. Sel­ten tref­fen wir auf ande­re Wan­de­rer. Es ist, als ob wir den Wald für uns allei­ne hät­ten. Natür­lich geht es immer berg­auf – meist aber rela­tiv sanft. So kom­me ich gut mit.
Für die Mäd­chen ist das kei­ne Her­aus­for­de­rung. Sie flit­zen hin und her. Über­all gibt es etwas zu ent­de­cken. Vie­les muss auch gleich foto­gra­fiert wer­den, so kom­men wir nur gemäch­lich vor­an. Aber das ist ganz in mei­nem Sin­ne. Wir kön­nen die Schön­heit des Wal­des in vol­len Zügen genie­ßen. Er strahlt Urkraft, Leben und Beharr­lich­keit aus. Inzwi­schen haben sich die Mädels mit mar­tia­li­schen Wan­der­stö­cken bewaff­net. Wenn es hilft, war­um nicht.
 

Strah­lend blau­er Him­mel. Die Son­ne ent­fal­tet ihre Kraft, ohne dass es zu heiß wird. Wir ent­de­cken nahe dem Wan­der­weg einen nagel­neu­en Hoch­stand (spä­ter noch eini­ge mehr). Das muss aus­pro­biert wer­den. 
Wir klet­tern auf den Hoch­stand (was man nicht alles mit­macht) und machen eine Pau­se. Jeder zückt sei­ne Trink­fla­sche.
Ich hole Bana­nen aus mei­nem Ruck­sack. Rast auf einem Hoch­stand – das hat man auch nicht alle Tage.

Der wei­te­re Weg schlän­gelt sich um die Ber­ge. Immer wenn man denkt, man kommt an ein Ende, erscheint eine neue Kur­ve. Gefäll­te Baum­stäm­me, in trans­por­ta­ble Stü­cke geschnit­ten und auf­ge­sta­pelt, ver­strö­men einen betö­ren­den har­zi­gen Wald­duft.

Zur spä­ten Mit­tags­zeit errei­chen wir die Mari­en­glas­höh­le bei Fried­rich­ro­da. Eine ereig­nis­rei­che Rund­wan­de­rung liegt hin­ter uns. Natür­lich möch­ten wir die Höh­le sehen.
Doch bevor wir uns einer Füh­rung anschlie­ßen, stär­ken wir uns in der Berg­manns­stu­be – bei die­sem Kai­ser­wet­ter natür­lich drau­ßen im Gar­ten­lo­kal. Hier haben sich bereits eini­ge Wan­de­rer ein­ge­fun­den. Bestimmt wol­len die­se auch in die Höh­le oder sie haben die unter­ir­di­sche Füh­rung bereits hin­ter sich. Ich schaue mir die Ein­tritts­prei­se und Füh­rungs­zei­ten an. Die Kar­ten kos­ten für uns als Inha­ber einer Kur­kar­te 10€ (5€ für mich; 2x2,50€ für die Kin­der). Wir haben noch Zeit und kön­nen erst ein­mal in aller Ruhe essen. Der Höh­len­füh­rer ist ein ehe­ma­li­ger Berg­mann und trägt die tra­di­tio­nel­le Berg­manns­tracht. Eine grö­ße­re Grup­pe von Höh­len­en­thu­si­as­ten ver­sam­melt sich vor dem Höh­len­ein­gang (der sonst ver­schlos­sen ist). Es geht los. Zunächst durch einen über 100 Meter lan­gen Stol­len, in dem rechts und links in den Wän­den geo­lo­gi­sche Fens­ter die ein­zel­nen Gesteins­schich­ten sicht­bar machen. Der Gang mün­det in einem gro­ßen gewöl­be­ar­ti­gen Raum. Hier erfolgt die ers­te Erklä­rung, was es mit der Höh­le auf sich hat.

Seit über 100 Jah­ren ist die Mari­en­glas­höh­le eine Schau­höh­le, ein Schau­berg­werk. Es han­delt sich nicht um eine Natur­höh­le, son­dern um ein ehe­ma­li­ges Berg­werk, in dem Gips abge­baut wur­de. Durch den Gips­ab­bau sind die Hohl­räu­me ent­stan­den. Das Mine­ral Gips, che­misch  Kal­zi­um­sul­fat, kann in ganz unter­schied­li­chen Zustands­for­men auf­tre­ten. Das sehen wir in der Kris­tall­grot­te. Hier hat das Mine­ral wun­der­schö­ne durch­sich­ti­ge Kris­tal­le gebil­det. Die Gips­kris­tal­le wur­den abge­baut und u.a. zum Schmuck von Mari­en­bil­dern ver­wen­det – daher auch der Name Mari­en­glas.

Nach einer knap­pen Stun­de ver­las­sen wir das alte Berg­werk durch den Aus­gang oben am Berg. In der Höh­le waren es höchs­tens 10 Grad, jetzt genie­ßen wir die war­me Nach­mit­tags­son­ne, die mit über 20 Grad woh­li­ge Wär­me ver­brei­tet.

Ein gemüt­li­cher Spa­zier­gang führt uns zurück nach Fried­rich­ro­da. Aller­dings liegt unser Hotel genau am ande­ren Ende der Stadt. So haben wir noch gut drei Kilo­me­ter Fuß­marsch vor uns. Das kann einen Renn­steig­wan­de­rer nicht schre­cken. Auf geht’s!

 

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