Reisetag über Mornas nach Avignon

10.09.2016

Das heu­ti­ge Rei­se­ziel ist Avi­gnon. Vor uns lie­gen nur 140km. Das ist nicht weit. Des­halb wol­len wir die Auto­bahn mei­den, um so viel wie mög­lich von der Land­schaft zu genie­ßen. Zuerst geht es durch die Ber­ge, Schlän­gel­fahr­ten, nicht all­zu schnell. Das braucht sei­ne Zeit. Dafür ein herr­li­ches Pan­ora­ma: Impo­san­te fel­si­ge Anhö­hen, ab und an ein Schloss, eine Burg hoch oben in der Fer­ne. Irgend­wann wird die Land­schaft fla­cher. Wir fah­ren durch eine Ebe­ne. Kur­ze Pau­se. Oh je, außer­halb des Autos ist es wie in einem Back­ofen. Das sind die Augen­bli­cke, in denen man eine Kli­ma­an­la­ge schät­zen lernt.

10-mornas-2Urplötz­lich sto­ßen wir bei unse­rer Wei­ter­fahrt wie­der auf eine fel­si­ge Erhe­bung, auf der eine gewal­ti­ge Burg­an­la­ge sicht­bar wird. Ein Schild ver­rät: Wir sind in Mor­nas ange­kom­men. Jetzt folgt ein außer­plan­mä­ßi­ger Halt, kei­ne kur­ze Pau­se. Wir neh­men uns die Zeit für eine Burg­be­sich­ti­gung. Nun ganz ehr­lich, zuerst ist der Anstieg, der damit ver­bun­den ist, bei die­ser Hit­ze sehr abschre­ckend. Lot­ti sagt: Auf kei­ne Fall gehe ich da hoch. Ich nicke: Nein, viel zu anstren­gend bei die­sen Tem­pe­ra­tu­ren (34°C). Noch wäh­rend wir das sagen, haben wir uns, wenn auch lang­sam, bereits in Bewe­gung gesetzt. 10-mornas-burg-2Ich weiß nicht, wel­che Steue­rungs­ele­men­te ange­sprun­gen sind. Wir Wahn­sin­ni­ge kra­xeln jeden­falls Schritt für Schritt mit klei­nen Unter­bre­chun­gen den Berg hin­auf. Es gibt kei­nen Schat­ten. Pus­ten, Keu­chen, Schwit­zen, Stöh­nen. Der Weg ist rela­tiv steil. Leu­te kom­men uns ent­ge­gen. Eini­ge von ihnen lau­fen im Zick­zack hin­un­ter. So lässt sich die Steil­heit bes­ser bewäl­ti­gen. Auf hal­ber Stre­cke pas­siert uns ein Klein­trans­por­ter. Die Stadt Mor­nas unter­hält offen­sicht­lich einen Shut­tle­be­trieb zur Burg. Ja, wenn man Fran­zö­sisch könn­te, …

10-mornas-burg-7Am Bur­gein­gang sitzt eine Burg­frau, um den Ein­tritt zu kas­sie­ren: 5€ ermä­ßigt. Jetzt kön­nen wir die Anla­ge „La Fort­er­es­se de Mor­nas“ erkun­den. Erkun­den – das trifft es auch, denn die Fes­tungs­an­la­ge ist weit­läu­fig. Dabei ist noch nicht ein­mal alles zugäng­lich. Vom Bau­zu­stand her han­delt es sich um eine Burg­rui­ne, aber doch mit sehens­wer­ten, inter­es­san­ten Berei­chen. In jedem Fal­le ist auch hier Klet­tern ange­sagt. Wir betre­ten den Ver­tei­di­gungs­hof und gelan­gen durch eine Tür in einen Gang, der zu einem halb­kreis­för­mi­gen Turm und einen gro­ßen Hof führt. Hier sto­ßen wir auf die dicke Fes­tungs­mau­er. Wir klet­tern auf ein Gerüst und haben einen herr­lich wei­ten Blick in das Land. Hin­ter einem Wach­turm wur­de ein Was­ser­re­ser­voir ange­legt, in dem Regen­was­ser auf­ge­fan­gen wur­de. Die Burg hat­te kei­ne eige­ne Was­ser­quel­le (sehr ungüns­tig für eine Fes­tung, die unter Umstän­den einer län­ge­ren Bela­ge­rung stand­hal­ten soll­te). Im Rücken des Was­ser­spei­chers ent­de­cken wir eine Kapel­le, eine unter­ir­di­sche Kapel­le. Als die­se frei­ge­legt wur­de, hat man dar­in mensch­li­che Ske­let­te gefun­den – steht auf dem Infor­ma­ti­ons­blatt. Das klingt schon schau­rig. Im 16. Jahr­hun­dert wäh­rend des Reli­gi­ons­kriegs war die Fes­tung ein Ort der Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Pro­tes­tan­ten und Katho­li­ken. Auf dem Rück­weg über­neh­men wir die Erfah­rung des Zick­zack-Lau­fens, um Knie und Schien­bei­ne zu scho­nen. Echt, das hilft. 
  
Bis Avi­gnon sind es noch ca. 40km. Die sind bald geschafft. Jetzt beginnt die Suche nach unse­rer Unter­kunft, dem Haus­boot Le Hasard auf der Rho­ne,  auf das wir sehr gespannt. sind. Natür­lich haben wir die Adres­se in den Navi ein­ge­ge­ben, aber die­ser ist offen­sicht­lich über­for­dert. An einem Gar­ten­zaun hören wir: Sie haben das Ziel erreicht. Na, das kann ja wohl nicht sein. Also gedul­dig durch­fra­gen. So fin­den wir schließ­lich das Haus­boot am Ufer der Rho­ne. Es ist ein umge­bau­ter gro­ßer Last­kahn. Aber der Ver­mie­ter ist noch nicht da. Wir sind zu früh. Macht nichts. Die Zeit wird für einen Ein­kauf in Ville­neuve-lès-Avi­gnon genutzt. Die­se Stadt liegt gegen­über von Avi­gnon am rech­ten Ufer der Rho­ne. Auch das ist wie­der so eine Geschich­te. Weil wir uns nicht aus­ken­nen, irren wir durch enge mit­tel­al­ter­li­che Stra­ßen, ehe wir auf einen Park­platz fin­den. Wie­der sind gute Ner­ven gefragt.

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Bei unse­rer Rück­kehr weist uns die Ver­mie­te­rin, die mit ihrer Fami­lie auf dem Boot lebt, in unse­re Unter­kunft, die Steu­er­manns­ka­jü­te, ein. Auch die Kapi­täns­ka­jü­te ist ver­mie­tet. Das Brü­cken­häus­chen des Steu­er­man­nes – das gro­ße Steu­er­rad ist noch an sei­nem Platz – ist zur Küche umfunk­tio­niert.

11-hausboot-5Zum Schla­fen geht es eine Eta­ge tie­fer in den Bauch des Schif­fes. Es ist emp­feh­lens­wert, die Trep­pe rück­wärts hin­ab­zu­stei­gen. Die Kajü­te ist mit Ein­bau­mö­beln aus­ge­stat­tet. Die schei­nen noch ori­gi­nal zu sein. Auch Toi­let­te und Dusche sind hier unter­ge­bracht. Das Abwas­ser geht direkt in den Fluss, oh je. Auf dem Deck befin­den sich u.a. ein gro­ßer mit einem Segel über­dach­ter Tisch, zwei Lie­gen, zwei Schau­kel­lie­gen und sogar ein Swim­ming­pool. Den nut­zen wir auch gleich am ers­ten Tag. Das Abend­brot neh­men wir rus­ti­kal auf dem Schiff ein: Haupt­säch­lich Käse, Brot, Wein und Obst.  

  

Danach locken wir ein paar klei­ne Fische mit den Brot­res­ten an.

11-welse-16Plötz­lich jedoch tau­chen Rie­sen auf: Fluss­wel­se. Wir zäh­len fünf, sechs, sie­ben. Viel­leicht sind es noch mehr. Wir sind wie elek­tri­siert. Schnell, wo ist der Foto­ap­pa­rat? Die­ses Ereig­nis muss fest­ge­hal­ten wer­den! Das ist eben­so über­ra­schend wie unglaub­lich!

Der Wels ist der größ­te Süß­was­ser­fisch Euro­pas. Als Raub­fisch frisst er Fische, Kreb­se, Frö­sche, klei­ne Was­ser­vö­gel, Rat­ten, … ; die er in der Däm­me­rung bzw. nachts jagt. Als “eng­li­sche Ver­si­on” ist er als Cat­fisch (Kat­zen­fisch) bekannt, wie man oft auf der Spei­se­kar­te lesen kann.

 

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