Quer durch Südengland – Teil 1

 

Vor­be­rei­tung

2012, wäh­rend einer Sprach­rei­se in Col­ches­ter, ent­stand die Idee, mit einem Auto irgend­wann ein­mal die eng­li­sche Süd­küs­te abzu­fah­ren; selbst die Quar­tie­re aus­su­chen, selbst die Rou­te und die Aus­flugs­zie­le bestim­men, selbst ent­schei­den, was man essen möch­te.

Zwei Jah­re spä­ter wur­de die­se Idee in die Tat umge­setzt. Zunächst such­ten wir, Lot­ti und ich, die Gegen­den aus, wo wir Quar­tier neh­men woll­ten. Ein paar Tipps von eng­li­schen Freun­den kamen sehr gele­gen. Die Buchung erfolg­te über das Inter­net­por­tal booking.com, wobei wir dar­auf ach­te­ten, dass immer eine kos­ten­lo­se Stor­nie­rung ange­bo­ten wur­de. Für die Fahrt vom 9. bis zum 29. August buch­ten über booking.com wir sechs Quar­tie­re und ein klei­nes Miet­au­to. Als Paul, ein pol­ni­schen Freund, den wir auch in der Sprach­schu­le Col­ches­ter ken­nen­ge­lernt hat­ten, von unse­ren Rei­se­plä­nen hör­te, schloss er sich spon­tan an.

8. August 2014

Wir fah­ren ein Tag vor Abflug schon nach Ber­lin-Schö­ne­feld, weil die Start­zeit unse­res Flu­ges nach Lon­don-Gat­wick schon sehr früh ist. Nur kein Stress. Des­halb haben wir nahe dem Flug­ha­fen ein Zim­mer im Alber­go Hotel gebucht. In die­ser Buchung ist ein Park­platz für drei Wochen ent­hal­ten, sodass wir unser Auto sicher abstel­len kön­nen.

 

Alber­go Hotel

Adres­se: Waß­manns­dor­fer Chaus­see 2, 12529 Ber­lin Schö­ne­feld

9. August 2014

Der Flug ver­läuft pro­blem­los. Vor­mit­tags am Flug­ha­fen Lon­don-Gat­wick wol­len wir unser gebuch­tes “klei­nes” Auto in Emp­fang neh­men. Ers­te Über­ra­schung: Upgrade! Wir erhal­ten einen Peu­geot 508 mit allem Pipa­po. Na dann los! Auf in den Links­ver­kehr in Rich­tung Angme­ring, unse­rem ers­ten Quar­tier. Die Son­ne meint es gut mit uns. Kon­zen­tra­ti­on ist gefragt, aber der Navi hilft. Nur bei dem Hin­weis „fork“ hat es eine Wei­le gedau­ert, bis wir die „Gabe­lung“ erkannt haben.

Angme­ring ist eine lang­ge­zo­ge­ne his­to­ri­sche Ortschsüdengland-4aft, sehr über­schau­bar. Das Hotel Angme­ring Manor liegt im Zen­trum. Es ist nicht zu ver­feh­len. Kos­ten­lo­se Park­plät­ze vor dem Hotel sind aus­rei­chend vor­han­den. Wir che­cken ein. Unse­re ers­te Unter­kunft ist ein umge­bau­tes Pfarr­haus aus dem 16. Jahr­hun­dert. Indi­vi­du­el­le Zim­mer, ehr­wür­di­ge Möbel, ver­schlun­ge­ne Trep­pen und dicke Tep­pi­che. Lei­der kein Fahr­stuhl, aber unser Gepäck ist über­schau­bar. Das Hotel hat einen sehr gepfleg­ten Gar­ten mit Gar­ten­mö­beln, die zum Ver­wei­len ein­la­den, und ein moder­nes Schwimm­bad. Herr­lich!

Das Abend­essen in dem Hotel­re­stau­rant a la cart ist sehr emp­feh­lens­wert.

Angme­ring

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Markt­platz von Angme­ring

Klei­ne Gemein­de mit knapp 8000 Ein­woh­nern zwi­schen Litt­le­hamp­ton und Wort­hing in der Graf­schaft West Sus­sex gele­gen.

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Saint Mar­ga­rets Church

 

10. August 2014

Oh je eng­li­sches Wet­ter! Es stürmt und reg­net. Aber erst ein­mal genie­ßen wir ein typi­sches eng­li­sches Früh­stück: Boh­nen, Rühr­ei, gebra­te­ne Speck­schei­ben, Cham­pi­gnons, Würst­chen, gegrill­te Toma­ten, dazu Toast. Kaf­fee, Tee, Milch, Was­ser, Oran­gen­saft, reich­lich Obst und Cerea­li­en. Unser Tagestrip führt uns nach dem ca. 15 km ent­fern­ten Arun­del. Der Wet­ter­gott ist gnä­dig. Die Son­ne scheint. Arun­del ist eine Klein­stadt am Fluss Arun mit einem außer­or­dent­lich gut erhal­te­nen Schloss, das heu­te ein Muse­um beher­bergt. Das rie­si­ge Schloss thront auf einer klei­nen Anhö­he und ist von einem wun­der­schö­nen Gar­ten umge­ben. Ein Besuch ist nicht bil­lig, lohnt sich aber. Die Ein­tritts­prei­se sind gestaf­felt: Bron­ze, Sil­ber, Gold und Gold Plus. Für Senio­ren gibt es eine spür­ba­re Ermä­ßi­gung. Das preis­wer­tes­te Ticket kos­tet 9£. Wenn man Kraft und Zeit hat, kann man einen gan­zen Tag dort ver­brin­gen, ohne dass Lan­ge­wei­le auf­kommt.

Arun­del Cast­le

Schloss aus dem 11. Jahr­hun­dert, Stamm­sitz der Earls of Arun­del

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11. August 2014

Der Mor­gen begrüßt uns wie­der mit eng­li­schem Wet­ter. Gegen Mit­tag hat die Son­ne gewon­nen. Wir fah­ren nach Brigh­ton. Die Stadt erstreckt sich hin­ter der schier end­los erschei­nen­den Pro­me­na­de. Wir suchen einen Park­platz. Son­ne und Wind beglei­ten unse­ren Spa­zier­gang ent­lang der Küs­te.

Der Strand besteht aus Kie­sel­ge­stein, ein Para­dies für Stein­su­cher. In der Stadt ist der Wind kaum zu spü­ren. Wir bewun­dern den gro­ßen Pier, die Bäder­ar­chi­tek­tur und den exo­ti­schen Roy­al Pavil­lon. Die­ser wur­de im Auf­trag des Fürs­ten von Wales Georg IV. anfangs des 19. Jahr­hun­derts nach dem Vor­bild eines indi­schen Mogul­pa­las­tes erbaut. Die Innen­aus­stat­tung ist aller­dings im chi­ne­si­schen Stil gehal­ten.

Brigh­ton

Bekann­tes See­bad an der Küs­te des Ärmel­ka­nals in der Graf­schaft East Sus­sex mit ca. 270.000 Ein­woh­nern südengland-7

Der Brigh­ton Pier ist 524m lang. Dar­auf wur­de der Mari­na Palast erbaut, der  vor­nehm­lich eine Spiel­hal­le ist.

12. August 2014

Heu­te wird gewan­dert. Das Ziel ist Litt­le­hamp­ton. Alles gemüt­lich und mit Pau­sen. Bei einer Rast lässt Lot­ti ihren Foto­ap­pa­rat auf der Bank lie­gen. Nach ca. 1 km bemerkt sie ihr Ver­se­hen. Oh Schreck, schnell zurück. Ein Ver­such ist es wert. Ich set­ze mich wäh­rend­des­sen an den Stra­ßen­rand und beob­ach­te den Ver­kehr im Round­about. Wer fährt wo? Wer blinkt wann? Mir erschließt sich ein Sys­tem, das aber offen­sicht­lich nicht von allen Auto­fah­rern ein­ge­hal­ten wird. Lot­ti kommt zurück. Sie schwenkt glück­lich ihren Foto­ap­pa­rat, alles gut.

Litt­le­hamp­ton liegt  am Meer. Wir pas­sie­ren eine lan­ge Rei­he von “beach huts” (Strand­hüt­ten), eine eng­li­sche Tra­di­ti­on, sich am Strand in einer klei­nen Holz­hüt­te ein­zu­rich­ten. Besit­zer einer “beach hut ” kön­nen sich glück­lich schät­zen, denn ers­tens ist der Markt sehr, sehr eng, es wird kaum eine ver­kauft und wenn, dann haben die­se klei­nen Holz­hüt­ten einen statt­li­chen Preis.

Zurück geht es mit dem Bus. Beim Abend­essen pro­bie­ren wir in einem Pub fish and chips, dazu ein Lager­bier – alles ok.

Litt­le­hamp­ton

Klei­ne­re Stadt mit ca. 28.000 Ein­woh­nern an der Mün­dung des Flus­ses Arun in den Ärmel­ka­nal. Ein lang­ge­zo­ge­ner Strand und ein Boots­ha­fen laden zum Ver­wei­len ein.

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Hafen von Litt­le­hamp­ton

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In Eng­land sehr geschätz­te “huts”, die über­all an den Küs­ten zu fin­den sind

13. August 2014

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The Old Rec­to­ry B&B in Wey­mouth

Heu­te ist Rei­se­tag. Wir fah­ren von Angme­ring nach Wey­mouth. Unter­wegs pau­sie­ren wir in Ring­wood, ein Städt­chen am Rand des New For­rest und unweit von Bour­ne­mouth. Hier pas­sen wir Paul ab, der mit dem Natio­nal Express Coach von Lon­don kommt. Ein freu­di­ges Wie­der­se­hen!

In Wey­mouth suchen wir die Mel­comb Ave. Dort befin­det sich das gebuch­te The Old Rec­to­ry B&B. Eine Stadt­vil­la mit einer Auf­fahrt, sehr vor­nehm und her­aus­for­dernd beim Par­ken. Super­net­te Leu­te, ein tol­les Zim­mer mit sepa­ra­tem Bad, wau.

Das schö­ne Wet­ter ver­lockt uns zu einem Abend­spa­zier­gang auf der Pro­me­na­de bis ins Zen­trum der Stadt. Im Gegen­satz zu Brigh­ton hat Wey­mouth einen herr­lich brei­ten Sand­strand. Der ist zu die­ser Zeit noch sehr belebt. Vie­le Bade­gäs­te tum­meln sich noch im Was­ser.

Wey­mouth

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Strand­stra­ße und Pro­me­na­de

Bekann­te Küs­ten­stadt mit gut 50.000 Ein­woh­nern in der Graf­schaft Dor­set.

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Vik­to­ria­ni­sche Uhr mit­ten auf der Pro­me­na­de – ein Wahr­zei­chen von Wey­mouth

14. August 2014

Wir unter­neh­men einen Aus­flug nach Wim­bor­ne. In der Kunst-Müh­le tref­fen wir unse­re eng­li­schen Freun­de. Es reg­net in Strö­men, aber das tut der Wie­der­se­hens­freu­de kei­nen Abbruch. In der Aus­stel­lung ist Paul von einem Bild so fas­zi­niert, dass er es schließ­lich kauft.

Wir besich­ti­gen das Müns­ter mit Quar­ter­jack und Chai­ned Libra­ry. Die­se hat zu unse­rem Leid­we­sen schon geschlos­sen, aber eine freund­li­che Biblio­the­ka­rin öff­net sie für uns – exklu­siv bekom­men wir eine Füh­rung.

Die Bücher wur­den, um Dieb­stäh­len vor­zu­beu­gen, ange­ket­tet. Die­se Biblio­thek öff­ne­te 1686 als eine der ers­ten öffent­li­chen Biblio­the­ken Eng­lands sei­ne Pfor­ten. Die Frau macht uns auf eine klei­ne astro­no­mi­sche Uhr auf­merk­sam, auf der noch das geo­zen­tri­sche Welt­bild ver­an­schau­licht ist. Aus einem der obe­ren Fens­ter schaut ein Gre­na­dier als Quar­ter­jack auf die Stadt. In jeder Hand einen Ham­mer hal­tend läu­tet er jede Vier­tel­stun­de die Glo­cken.

Wim­bor­ne

Beschau­li­che Klein­stadt mit nur 6500 Ein­woh­nern am Zusam­men­fluss von Stour und Allen. Ein Müns­ter, das eini­ge Beson­der­hei­ten auf­wei­sen kann, über­ragt die Stadt.

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Quar­ter­jack

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Chai­ned Libra­ry

 

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